- 14.06.09 10:49 #11
Advanced Black Box Konzepte
Eine Übertragung der aufgezeichneten Daten per SATCOM halte ich für äusserst sinnvoll. Allerdings müsste dennoch ein FDR als gewisse Backup verfügbar sein, den im Falles eines Ausfalls der SATCOM Anlage oder eines Verbindunsproblemes (z.B. in Regionen in denen SATCOM nur sporadisch verfügbar ist) muss ein Flugunfall nachvollziehbar sein.
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14.06.09 10:49Flugzeugforum.de
Advanced Black Box Konzepte
- 17.06.09 15:38 #12Array
Advanced Black Box Konzepte
Auf Behördenseite der EASA wie auch der FAA wird gerade der Einbau eines zweiten DFDR, räumlich unabhängig von dem, in den meisten Fällen im Heck eingebauten schon vorgeschriebenen DFDR diskutiert. Die NPA's sind aber noch in der draft Version, also kann es noch dauern, bis es da zu einer neuen Regelung kommt. Es sollen dann auch wesentlich mehr Daten aufgezeichnet werden, soweit ich informiert bin, wird nicht diskutiert, diese Daten, wie auch immer zum Boden zu senden. Die Daten, die ein DFDR aufzeichnet unterliegen nach ICAO dem persönlichen Datenschutz einer jeden Crew und dürfen nur bei Unfällen oder zu Testzwecken ausgewertet werden. Dafür muß es entweder in einem Maintenance Betrieb eine spezielle Abteilung geben oder die Behörde macht die Auslesung. Wenn wir an dem DFDR System Entwicklungen betreiben, müssen wir die Crew vor dem Verification Flight darüber informieren, das hinterher die Daten ausgewertet werden. Auf keinen Fall darf eine Airline die Daten zu Auswertungen benutzen (wollen doch mal sehen wie die geflogen sind etc.). Ist also nicht so einfach mit der Übermittlung zum Boden, aber Unfälle haben ja schon zu so macher Änderung der Ansichten und vor allem der Vorschriften geführt.
Gruß aus EDDH
- 22.06.09 17:27 #13
Advanced Black Box Konzepte
Auch so eine überholte Vorschrift zur Huldigung der tollen Kerle auf dem Führersitz. Da werden teilweise dreistellige Millionenbeträge in die Hände der Piloten gelegt, und die Airline darf nicht mal wissen wie er geflogen ist? Wieso eigentlich nicht? Wie könnte sie ihnen damit schaden?
Wenn strukturelles Gesundheitsfürsorge (Englisch: Structural Health Monitoring) sich durchsetzt ist da eh vorbei, dann wird sich die Crew "entblößen" müssen.
Des Weiteren wäre es wünschenswert eventuelle Geräuschsensoren in der Kabine anzubringen, und Filmaufzeichnungen extern wie intern zu machen, speziell im Cockpit. Aber auch hier tun ja die Herren Piloten so, als wäre das Cockpit ihr Schlafzimmer und das Flugzeug gehöre eigentlich ihnen.
Derartige Aufzeichnungen könnte man einem strengeren Schutz unterlegen.
Darf die ICAO eigentlich solche Regeln aufstellen? Die machen doch keine Gesetze, oder?
- 22.06.09 19:40 #14Array
Advanced Black Box Konzepte
Deine Meinung in allen Ehren, bei etablierten Airlines mag sie stimmen, aber leider sind nicht alle dieser strengen Auffassung gewogen.
Die ICAO macht nur Empfehlungen, die dann über Gesetze in den verschiedenen Ländern legalisiert werden. Viele ICAO Empfehlungen schlagen sich in der EU OPS1 nieder. Diese wiederrum werden in Deutschland von der LuftBO bzw. deren Verordnungen legalisiert. Andere europäische Länder haben eigene Gesetze mit denen diese Empfehlungen umgesetzt werden z.B. die JAR 26. Ist also noch ein weiter Weg bis zur vereinten europäischen Luffahrtbehörde (sie ist ja auch 'nur' eine Agency und keine Authority wie die FAA;))
- 25.06.09 13:00 #15Array
Advanced Black Box Konzepte
Um welche Datenraten geht es eigentlich?
Wieviele kByte/s zeichnet ein FDR denn auf?
- 25.06.09 18:44 #16
Advanced Black Box Konzepte
Die Schreibgeschwindigkeit moderner DFDR (Digital Flight Data Recorder) liegt in der Größenordnung von 90 MByte/s um eine Hausnummer zu nennen. Dieser Werte variert aber je nach Hersteller.
Ebenso variabel ist die Anzahl der aufgezeichneten Parameter. Beim Airbus A380 werden laut Präsentation von Airbus 1024 Parameter aufgezeichnet.
- 26.06.09 09:41 #17Array
Advanced Black Box Konzepte
Soviel zu Präsentationen für Kaufleute, ich habe mich schon in einem anderen Beitrag dazu geäußert und lasse es hier.
Wer genau nachlesen will wie ein DFDR funktioniert, dem sei das Advisory Circular 20-140 der FAA empfohlen. Da alle DFDR's für große Passagierflugzeuge nach TSO C124b (Standart Technical Order) gebaut werden, gibt es natürlich auch kaum Unterschiede zwischen den Herstellern. Die Daten werden über einen ARINC 573 oder 717 Datenbus geschickt. Hier können bis zu 64 12-bit-words mit einer Rate von 768 bits/s übertragen werden. Die Aufzeichnungsmenge hängt nun im Wesentlichen davon ab, wieviele dieser Datenbusse an den DFDR bzw. an die DFDAMU angeschlossen sind. Da die Behörden immer mehr Daten aufgezeichnet haben wollen, müssen die Speichermedien eben auch immer größer werden. In allgemeinen kann man sagen, je neuer ein Flugzeug, umso mehr muß aufgezeichnet werden. Auf keinen Fall aber sind es 1024 Parameter! Von der EU-OPS sind zur Zeit 32 Parameter gesetzlich vorgeschrieben, selbst wenn es von jedem Parameter 3 unabhängige Werte geben sollte, wären es mal gerade 96 Parameter die aufgezeichnet werden. Diese werden in 1024 Frames geschrieben, vielleicht daher die Zahl 1024. Und um diese Pareamter handelt es sich:
1 TIME OR RELATIVE TIME COUNT
2 PRESSURE ALTITUDE
3 INDICATED AIRSPEED
4 HEADING
5 NORMAL ACCELERATION
6 PITCH ATTITUDE
7 ROLL ATTITUDE
8 MANUAL RADIO TRANSMISSION KEYING UNLESS AN ALTERNATE MEANS TO SYNCHRONISE FDR AND CVR RECORDINGS IS PROVIDED
9 POWER ON EACH ENGINE
10 TRAILING EDGE FLAP OR COCKPIT CONTROL SELECTION
11 LEADING EDGE FLAP OR COCKPIT CONTROL SELECTION
12 THRUST REVERSE POSITION (FOR TURBOJET AEROPLANES ONLY)
13 GROUND SPOILER POSITION AND/OR SPEED BRAKE SELECTION
14 OUTSIDE AIR TEMPERATURE OR TOTAL AIR TEMPERATURE
15a AUTOPILOT ENGAGEMENT STATUS
15b AUTOPILOT OPERATING MODES, AUTOTHROTTLE AND AFCS SYSTEMS ENGAGEMENT STATUS AND OPERATING MODES.
16 LONGITUDINAL ACCELERATION
17 LATERAL ACCELERATION
18 PRIMARY FLIGHT CONTROLS — CONTROL SURFACE POSITION AND/OR PILOT INPUT (PITCH, ROLL AND YAW)
19 PITCH TRIM POSITION
20 RADIO ALTITUDE
21 GLIDE PATH DEVIATION
22 LOCALISER DEVIATION
23 MARKER BEACON PASSAGE
24 MASTER WARNING
25 NAV 1 AND NAV 2 FREQUENCY SELECTION
26 DME 1 AND DME 2 DISTANCE
27 LANDING GEAR SQUAT SWITCH STATUS
28 GROUND PROXIMITY WARNING SYSTEM
29 ANGLE OF ATTACK
30 HYDRAULICS, EACH SYSTEM (LOW PRESSURE)
31 NAVIGATION DATA
32 LANDING GEAR OR GEAR SELECTOR POSITION
Übrigens kann jedes europäische Land über nationale Gesetzgebung weitere Parameter fordern, auch wenn es EU-OPS heißt, ist es noch lange nicht gewähleistet, das dies in den Mitgliedstaaten auch so umgesetzt wird.
Gruß aus EDDH
- 26.06.09 10:54 #18
Advanced Black Box Konzepte
Also mir ist neulich bei einer Informationsveranstaltung mit Vertretern einer Flugunfalluntersuchungsstelle mitgeteilt worden, dass die Parameterdatenbank der A380 für den DFDR ca. 2500 Parameter umfasse, unter anderem z.B. die Position jeder Steuerfläche...?
- 26.06.09 12:57 #19Array
Advanced Black Box Konzepte
Scheint sich dann wohl um eine Definitionsfrage des Wortes Parameter zu handeln. Die Behörde fordert die obigen 32 Parameter, Airbus spricht von 1024, ich denke mal es sind dann Einzelwerte.
Wenn Du Parameter 18 anschaust, findest Du die prim Flt Ctl Pos. Das dort nicht nur jede einzelne Flächenposition, sondern auch die Actuator Position und der Steuerbefehl, der zu dieser Position führte aufgezeichnet wird, fällt alles unter einen behördlich geforderten Parameter.
Genauso verhält es sich bei Parameter 13, Spoiler Pos.
Auf jeden Fall sind es hölleviele Einzeldaten, die dort aufgezeichnet sind, die Auswertung einer A300-600 umfaßt ca 500 Einzelwerte, die dann zusammen den behördlich geforderten 32 Parametern entsprechen.
Gerade beim Umgang mit Behörden, muß man auf die richtige Definition achten, auch wenn es nach Haarspalterei aussieht (mußte ich auch erst lernen). Wenn dann noch die englische Sprache ins Spiel kommt wird es noch komplezierter.
Vielleicht als kleines WE Rätsel: Wo liegt denn der Unterschied zwischen replace und change?
The DFDR is replaced by a new one.
The DFDR is changed by a new one.
Gruß aus EDDH
- 26.06.09 13:33 #20
Advanced Black Box Konzepte
Satz 1: Der DFDR wird durch einen neuen ersetzt (es wird ein neuer DFDR an Stelle des alten eingebaut).
Satz 2: Macht von der Grammatik her aus meiner Sicht keinen Sinn
Wenn ich nicht ganz falsch liege würde die vorgeschlagene Formulierung bedeuten, dass der DFDR durch Tätigkeit eines neuen DFDR verändert würde (Sprich: ein neuer DFDR kommt persönlich herangelaufen, nimmt den alten und verändert irgendetwas daran)
Oder sehe ich da etwas falsch bei "changed by"? :?!
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