Erstellt von Yossarian  |  Antworten: 20  |  Aufrufe: 6442
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  1. #1
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Hi,
    ich hatte im Juni das Vergnügen, in Seattle, USA, für €75(!) 30 min Robinson R-22 zu fliegen - und zwar auch selbst. Natürlich mit Fluglehrer, aber trotzdem. Als PPL-A-Anwärter kannte ich mit wenigstens ein bißchen mit der dritten Dimension aus. Und die Grundzüge der Steuerung waren mir auch bekannt.
    Demnächst kommt hier ein Bericht von mir rein. Leider mit wenig Fotos, aber man braucht eben beide Hände und beide Füsse im Heli
    Schon mal zum Warmwerden:
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  2. Schau dir mal die beiden Links an:
    diesen Bestseller und die Flugzeug-Kategorie

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  3. #2
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Hi again, hier endlich mein Bericht.
    Ich hatte schon vor meiner (Dienst-)Reise geplant, in den Staaten diesmal Heli zu fliegen. Im privaten Teil meiner Reise, leider nur 4 Tage, hatte ich schon ein volles Programm: ein bißchen die Gegend anschauen, Wasserflugzeug fliegen (http://www.flugzeugforum.de/forum/sh...referrerid=654), Museum of Flight, usw. Nun hiess es, den Heliflug zu buchen. Die Firma hatte ich mir schon von Deutschland aus ausgesucht, weil nur sie eine Lizenz hatten, Ausländer auf einem Schnupperflug an die Controls zu lassen und so etwas überhaupt anboten. Sie sitzen auf dem Boeing Field südlich von Seattle. Und natürlich waren alle Maschinen an dem einzigen Tag, an dem ich dahin fahren konnte, ausgebucht. Damn! Aber nach einigen Telefonaten und vorgetäuschten Tränen klappte es doch. :HOT Den Preis habe ich schon oben geschrieben, da erübrigt sich jeder Kommentar :D . Gegen 13:30 war es dann soweit. Es war etwas warm und so war die Tür auf der Copilotenseite ausgehängt. Leider nicht auch auf meiner Seite!

  4. #3
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Rangiert werden Robinsons so: Räder anstecken, Hebel umlegen, los geht's
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  5. #4
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Nur mal vorab: Die Heli-Experten mögen mir etwaige Ungenauigkeiten verzeihen, ich bin Flächenflieger!

    Dann stiegen wir ein und der Fluglehrer briefte mich ca 25 Minuten. Es ging halt um die Controls und die wichtigsten Knöpfe. Den Cyclic (Stick) hält man am besten, in dem man das innere Bein nahe am Panel hält und dann die Hand darauf abstützt. So ist eher gewährleistet, dass man (gerade als Anfänger) keine abrupten, sonder sehr geringe und weiche Ausschläge durchführt. Alles andere ist besonders im Heli absolut tabu.
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  6. #5
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Wie man erahnen kann (die Pros wissen es) hat der R-22 einen "Y-Stick", d.h. es gibt nur einen Stick für beide Piloten, der in der Mitte befestigt ist. Eine Wippe erlaubt es, die Höhe des Stick-Endes pro Sitz zu variieren. Links hoch heißt natürlich, rechts runter. Eine andere Funktion ist mit der Wippe selbst nicht verbunden.

  7. #6
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Der Cyclic ermöglicht Bewegungen des Helis nach vorn, hinten und seitwärts.
    Auf dem Fotos habe ich mit links den Collective in der Hand. Man sieht den zweiten vorn waagerecht neben dem Copilotensitz (gelbe Aufschrift). AFAIK sitzt bei Helis der Pilot rechts, damit der den Stick nicht loslassen muß, wenn er Controls am Panel bedient. Den Cyclic läßt man nie los, solange sich der Rotor dreht.
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  8. #7
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Der Collective dient zur Höhen- und Powerkontrolle. Er läßt sich ähnlich einer Handbremse auf und ab bewegen. Am Ende sitzt der drehbare Throttle, der u.U. über einen Govenor automatisch mit dem Collective abgestimmt wird. Zieht man den Collective hoch, vergrößert sich der Winkel aller Rotorblätter und der Auftrieb erhöht sich. Senken des Collectives ergibt den umgekehrten Effekt.
    Die Pedals dienen zum Aufheben des Hauptrotor-Torques und zum Drehen der Maschine um die Hochachse.
    So, ich will ja nicht die Grundlagen bis ins Detail erläutern, das findet man besser im Internet. Kommen wir mal zum Fliegen!
    Den Takeoff hat selbstverständlich der Pilot erledigt, ich hatte meine Gliedmaßen aber auch an den Controls, um zu sehen, wie es sich so anfühlt.
    Nach dem Erreichen der erforderlichen Temperaturen und Drücke ging es los. Der Pilot zog ganz sachte (sehr sachte!) den Collective hoch. Es war an dem Tag ein bißchen böig, da ist es besonders wichtig, erst einmal zu sehen, wie die Maschine so reagiert.

  9. #8
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Wenn der Heli kurz vor dem Abheben ist, merkt man schon, was er will. Nun ist es Zeit für ein wenig linkes Pedal zum Torque-Ausgleich. Wird der Winkel der Blätter des Hauptrotors vergößert, steigt auch ihr Luftwiderstand und man muß mehr Throttle geben. Das gilt immer. Zum Glück für den Anfänger kann das der Govenor erledigen.
    Wenn der Heli dann fliegt, gleicht man die Bewegungen im Bodeneffekt mit allen Controls aus. Dazu mehr beim Abschnitt über das Hovern.
    Als wir vom Platz weg waren, hiess es "You have the controls". Nach "I have controls" übernahm ich. Und stürzte nicht ab. Es fühlte sich ganz gut an. Wir stiegen erst einmal ein bißchen und flogen in Richtung einer practice area, wo wir dann hovern wollten. Beim Fahrtaufnehmen geht die Nase nach unten und der Heli will sinken, da ein Teil des Auftriebes durch die Vorwärtsbewegung gefressen wird (denke ich mal). Also zieht man den Collective hoch, um mehr Auftrieb zu erzeugen. Beim Verringern der Airspeed kommt die Nase wieder etwas hoch und die Maschine will steigen -> Collective runter. Den Einsatz der Pedals habe ich an Hand von Wollfäden auf der Scheibe vor mir kontrolliert.
    Also man hat schon mehr Koordinationsaufwände, wenn man Airspeed, Heading und Höhe halten will. Jetzt noch den Throttle von Hand mit dem Collective koordinieren, wäre ganz schön fett. Es ging die ganze Zeit so: "Kurs xy, etwas mehr Airspeed, steig mal ein bißchen, so ist o.k.", "Flieg mal die Autobahn entlang und werde etwas langsamer, aber Höhe halten", " Laß mal die Maschine vor uns durch, aber bleib auf dieser Höhe", usw usw. Ist schon etwas anderes als Fläche! Aber eigentlich ging es erstaunlich gut, muß ich sagen. Und hat megamäßig Spaß gemacht. :HOT

  10. Hallo

    Schau dir doch mal die Luftfahrt-Kategorie an

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  11. #9
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Nun kamen wir an dem Platz an, wo der Pilot mir zeigen wollte, wie man schwebt. Es war eine kleine Lichtung, die mir viel zu klein vorkam!
    Er übernahm die Maschine wieder und ging auf ca. ein bis zwei Meter runter. Die Bäume sahen irgendwie ganz schön groß aus und waren verdammt nahe! Er schwebte eine Weile ganz cool und erklärte mir die Technik des Hoverns in Bodennähe. War eigentlich alles ganz logisch. Nun übergab er mir nacheinander mal jeweils den Cyclic, den Collective und die Pedals, um mir ein Gefühl für die Steuerung zu geben. Nach einigen weichen Eingaben (vor und zurück, rechts und links, hoch und runter, drehen und abbremsen) brachte er den Heli aus dem Gleichgewicht und ließ mich ihn wieder stabilisieren. Das ging noch relativ einfach.
    Er war ganz zufrieden und sagte, jetzt sei ich allein dran. O.k., dazu war ich ja hier. "You have controls" und go!
    Wie erwartet ging es erst einmal lustig hin und her! Die Anforderungen an Koordinationsfähigkeit sind hier extrem hoch. Man bewegt sich ja in allen erdenklichen Richtungen und fängt noch an, sich zu drehen. Und das noch in dieser geringen Höhe, die erlebt man in einem Flächenflugzeug ja nur immer sehr kurz.
    Stellt Euch mal wirklich das Gefühl vor, Ihr seht zwei Meter unter Euch den Boden, vor Euch Bäume (o.k., so nahe waren sie auch wieder nicht), die Nase senkt sich, die Maschine fliegt vorwärts, Ihr verliert dabei Höhe und fangt an, Euch zu drehen. Collective etwas ziehen, Stick zurück, natürlich zu stark, wieder nach vorn, etwas weniger stark, Maschine steigt, Collective runter, Stick wieder zurück, noch weniger, Höhe stimmt, aber die Kiste dreht sich immer noch ein wenig, jetzt das richtige Pedal finden, o.k., verdammt, Stick bewegt, fliege seitwärts, Pedal - Mist, falsch! Gegenpedal, paßt, Stick in die Mitte, ein bißchen mehr Höhe, jetzt 'ne Böe, na toll - und all das gleichzeitig!
    Und plötzlich steht die Kiste und bewegt sich kaum! Hammer! Der Pilot sagt: "Du bist schon Heli geflogen! Ich: "Nein". Er guckt aus dem Fenster und murmelt "This guy is amazing..." Unglaublich, aber wahr, ich schwebte! *protz*

  12. #10
    Yossarian

    Avatar von Yossarian
    Jetzt brachte ich die Maschine noch ein paar mal in Bewegung und fing sie wieder ein. Am Rand der Hoverfläche war das Gras viel höher. Das merkt man ein bißchen (bilde ich mir jedenfalls ein), weil der Downwash des Hauptrotors dann etwas "verwaschen wird" und die Höhe und Stabilität beinflußt.

    Ich habe hier so geschrieben, als hätte ich dabei bewußt gedacht. Habe ich aber nicht, das ging gar nicht. Der Trick an der Sache ist, die Eingaben absolut weich und kontrolliert vorzunehmen. Dabei muß man die "Pendelbewegungen" der Maschine schon für die nächste und übernächste Eingabe im Voraus ahnen und langsam ausgleichen. Dabei aber die "gerade nicht benötigten" Controls nicht vernachlässigen oder fälschlicherweise mitbewegen. Und vor allem: nicht Verkrampfen, wie immer beim Fliegen. Weiße Knöchel sind out, man macht alles mit "zwei Fingern". Sonst wird es nichts.

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Wie schwer ist Helicopterfliegen?

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