Erstellt von jpunkts  |  Antworten: 3  |  Aufrufe: 5148
  1. #1
    jpunkts


    Hallo zusammen,
    kann mir irgendjemand erklären wie das mit der zulassung eines Verkehrsflugzeuges wie B737 oder so von Anfang der Planung bis zur Verkehrszulassung funktioniert? Ich weiß nicht ob ich hier richtig bin, aber ich hoffe mir kann hier geholfen werden.

    Das ist wie ich mir das im Moment vorstelle::?!
    Ist das so, das erst eine Musterprüfung (einmalig) vorgenommen wird anhand der Baupläne, des Gerätekennblattes und des Lärmschutzzeugnisses? dann Ausstellung eines Musterzeugnisses. Anschließend erfolgt die Herstellung mit anschließender Stückprüfung (bei jedem neu gebauten Flugzeug). Nach Abschluss aller Tests bekommt der Flieger ein Lufttüchtigkeitszeugnis und wird in die Flugzeugrolle eingetragen. Verkehrszulassung erfolgt wenn der Operator nach OPS1 zugelassen ist.

    Ist das so richtig??
    Wäre für eine genauere Aufklärung dankbar.

  2. #2
    MPL


    Zitat Zitat von jpunkts Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen,
    kann mir irgendjemand erklären wie das mit der zulassung eines Verkehrsflugzeuges wie B737 oder so von Anfang der Planung bis zur Verkehrszulassung funktioniert? Ich weiß nicht ob ich hier richtig bin, aber ich hoffe mir kann hier geholfen werden.

    Das ist wie ich mir das im Moment vorstelle::?!
    Ist das so, das erst eine Musterprüfung (einmalig) vorgenommen wird anhand der Baupläne, des Gerätekennblattes und des Lärmschutzzeugnisses? dann Ausstellung eines Musterzeugnisses. Anschließend erfolgt die Herstellung mit anschließender Stückprüfung (bei jedem neu gebauten Flugzeug). Nach Abschluss aller Tests bekommt der Flieger ein Lufttüchtigkeitszeugnis und wird in die Flugzeugrolle eingetragen. Verkehrszulassung erfolgt wenn der Operator nach OPS1 zugelassen ist.

    Ist das so richtig??
    Wäre für eine genauere Aufklärung dankbar.
    Moin jpunkts,

    die Begrifflichkeiten sind schonmal richtig, die Abfolge nicht ganz. Das ihr auch immer gleich die schwierigsten Abläufe wissen wollt...:engel:

    Also, Boeing als OEM möchte eine 737 zulassen. Dann wird erstmal das Design erstellt, also die Unterlagen wonach das Flugzeug gebaut werden soll. Mit einer groben Zusammenfassung dieser Unterlagen wird der Antrah auf TC (Type Certificate) bei der FAA gestellt. Die FAA legt dann die Zulassungsbasis fest, bei einem neuen Muster ist dies meistens die neuste Fassung der Bauvorschriften, hier wäre es glaube ich im Moment die FAR 26 AMDt 112 (Federal Aviation Regulation). Nach Systemen sortiert werden dann von Boeing die anzuwendenden Bauvorschriften vorgeschlagen. Es kommen für ein System nicht immer alle Bauvorschriften zur Anwendung, da es wenig Sinn macht z.B. die Anordnung der Triebwerksinstrumente für ein Cabinensystem nachzuweisen. Boeing schlägt dann auch vor, wie die Vorschriften nachgewiesen werden sollen, dort gibt es 10 verschieden Kriterien. Wenn die FAA dies alles akzeptiert hat, wird das Flugzeug zusammengebaut, dabei sind vertreter von der Behörde vor Ort und machen schon einmal Zwischenkontrollen. Auch werden bestimmte Tests von der Behörde begutachtet. Am Ende liegen dann die Flight Tests. Wenn alles zur Zufriedenheit der Behörde abgearbeitet ist, wird das TC (Type Certificate) ausgestellt. In diesem Moment wird auch das Lärmschutzzeugnisses ausgestellt, weiß aber nicht genau ob dies in USA unbedingt erforderkich ist, in Europa ist es erforderlich. Damit ist das Flugzeug technisch zugelassen und kann in Serie gehen. Dabei wird bei jedem Flugzeug immer wieder von der Behörde hingeschaut (Stückgutprüfung).

    Nun kommt ein amerikanischer Operator und kauft dieses Flugzeug. Dazu muß er noch nachweisen, das das Flugzeug nach amerikanischen Vorschriften Lufttüchtig ist, dies wird nach FAR 121 bei großen Flugzeugen geregelt. Dazu gehören z.B. Notausrüstung, Sauerstoff etc. Wenn dies alles vorliegt wird das Flugzeug auf die amerikanische Luftfahrzeugrolle (oder wie immer sie dort drüben heißt) eingetragen und bekommt eine N-Registrierung. Zur Verkehrszulassung muß der Operator noch nachweisen das geschulte Maintenance und Piloten vorhanden sind und los gehts.

    Da Boeing sein Flugzeug ja auch z.B. in Europa verkaufen will, wird ein Antrag auf Import TC bei der EASA gestellt. Größtenteils akzeptiert die EASA die von der FAA geprüften Nachweise, kann aber zusätzliche Forderungen haben, die dann von Boeing geliefert werden müssen. Gibt es dann ein europäisches TC wird in gleicher Weise in USA verfahren. Der Operator zeigt seine nach zur Zeit noch JAR OPS (bald nach EASA OPS) geregelten Zulassung auf. Dann beantragt der Operator bei seiner zuständigen Behörde (z.B. Lufthansa beim LBA, Air France bei der DGAC...) die Eintragung in die Luftfahrzeugrolle und bekommt das Kennzeichen. Verkehrszulassung wie bei USA.

    Hoffe Du konntest folgen

  3. #3
    radist

    Avatar von radist
    @ MPL - jetzt kann ich auch Deinen Nick deuten ;)

  4. #4
    MPL


    Zitat Zitat von radist Beitrag anzeigen
    @ MPL - jetzt kann ich auch Deinen Nick deuten ;)
    Ist halt mein Job, ich werd mein Bestes geben um die Luftfahrt ein wenig sicherer zu machen, aber wir sind alle nur Menschen und die machen leider Fehler, ob im Design, bei der Zulassung oder beim Fliegen. Niemand ist unfehlbar. Danke für die Berwertung.

Flugzeugzulassung

Sie betrachten gerade Flugzeugzulassung