Erstellt von Wiesenser  |  Antworten: 1382  |  Aufrufe: 479501
Seite 1 von 139 123451151101 ... LetzteLetzte
  1. #1
    Wiesenser

    Avatar von Wiesenser
    Diese fast unglaubliche Geschichte erschien Anfang der 90er Jahre in der Flugsicherheitszeitschrift der Luftwaffe und wurde damals aus dem englischen Originaltext ins Deutsche übersetzt.
    Die McDonnell Douglas F-4 Phantom II gilt als ein weltweit eingesetztes, robustes Waffensystem. Wobei Luftfahrzeuge von heute im allgemeinen als hoch empfindliche Geräte betrachtet werden. Eine Phantom der US - Marine startete eines Abends, um mit einer sog. Spiegellandeübung auf einem örtlichen Flugplatz die Zahl der Nachtflugstunden und der simulierten Instrumentenflüge zu erhöhen. Es erfolgte ein TACAN - Durchstoßverfahren mit Übergang in einen GCA - Anflug. Der Endanflugkontrolleiter übernahm in einer Entfernung von 9 Meilen die Kontrolle. Bei 3 Meilen war die Phantom auf dem Gleitpfad und setzte den Endanflug bis 1/2 Meile vor dem Aufsetzpunkt fort. Der Kontrolleiter wies den LFF nun an, auf Sichtanflug zu gehen. Der GCA - Lotse übermittelte jedoch weiterhin die Information "Auf Gleitpfad und Anflugkurs" Diese Information war jedoch falsch. Der LFF überprüfte den Spiegel und erkannte, das er trotz der GCA Informationen zu kurz kam und gab Vollgas. Das Luftfahrzeug berührte etwa 50 Ft vor Beginn der Piste den Boden, wobei es einen 45 cm hohen Erdhügel berührte und dann in einen 60 cm tiefen Graben geriet, der sich etwa 1,5 Meter vor der Schwelle befand. Beim letzten Aufprall wurde das linke Hauptfahrwerk an den Lagerzapfen abgerissen, das Rad des rechten Hauptfahrwerkes scherte am Achsschenkel ab und rollte vor dem Lfz die Landebahn entlang. Außerdem wurden beide Flügelspitzen abgerissen. Der Pilot sah im Rückspiegel Funken und meldete einen Schaden, während er wieder abhob. Der LSO (Landing Safety Officer) wurde gebeten, bei einem Vorbeiflug den Zustand des Flugzeuges zu kontrollieren. Trotz der Dunkelheit verwendete er keine starke Handlampe und meldete als Schaden: "Rechter Hauptfahrwerkreifen geplatzt". Es wurde ein Hakenfang am Beginn der Piste angeordnet. Weil man noch auf einen Wagen mit Handfunkgerät wartete, kreiste die Phantom über dem Platz. Die Hydraulikwarnlampen gingen an, doch die Systeme zeigten normalen Druck. Der LFF fuhr dann vorsichtshalber Landeklappen und Fahrwerk mit dem Notsystem aus. Kurz darauf fiel die Hydraulikanlage aus und er fuhr die Stauluftturbine (Ram Air Turbine) aus. Mittlerweile war das Handfunkgerät da und der LSO ordnete einen Anflug in niedriger Höhe an, um einen Anflug auf die Nebenpiste zu erreichen. Während des Anfluges mit fehlendem linken Hauptfahrwerk, abgerissenem rechten Hauptrad und ohne die fehlenden Flügelspitzen meldete sich der LSO beim LFF, um ihm mitzuteilen, dass er den Fanghaken nicht sehen kann. Der LFF überprüfte die Fahrwerk- und Fanghaken anzeige und meldete: Alles ausgefahren und verriegelt". Darauf hin befahl der LSO den Anflug auf die normale Mittellinie der Bahn. Der Anflug und die Hakenlandung verliefen normal, doch beim Aufsetzen kam es zu einem Flammabriss im linken Triebwerk. Die Maschine federte ein, durchtrennte beide Fangseile und unter Funkensprühen begann der linke Flügel über den Beton zu schleifen.Der LSO riet dem LFF, den Leistungs- hebel zurück zu nehmen und am Boden zu bleiben. Doch die Maschine verlor zunehmend die Richtungskontrolle und drohte, von der Piste ab zu kommen. Der LFF wählte den rechten Nachbrenner an und brachte die Phantom wieder in die Luft. Dabei wurden Teile der Höhenflosse abgerissen, der fanghaken schlug oben an, beide Schubdüsen wurden verbogen und brachen teilweise heraus. Die Beplankung des linken Flügels wurde ebenfalls eingerissen. Danach bat der LFF, mittlerweile leicht erregt, den LSO um eine nochmalige Überprüfung des Fahrwerkes. Nach einer weiteren Überprüfung, dieses Mal mit Lampe, meldete er: "Fahrwerk teilweise beschädigt". Dieses wurde augenblicklich bestätigt, als ein Wagen mit dem abgerissenen Rad und Fahrwerk ankam. Hiervon wurde die Crew jedoch nicht unterrichtet. Es wurde eine weitere Hakenlandung, jetzt mit eingeschäumter Bahn, vorbereitet. Dem Piloten gelang es, das linke Triebwerk wieder zu zünden. Mittlerweile hatte der Tower einen Rettungshubschrauber angefordert. Der zweite Hakenfangversuch (Das dritte Aufsetzten) wurde bei einer verbliebenen Kraftstoffmenge von 1000 Lbs eingeleitet. Das Lfz setzte 3000 Ft vor vor der Fanganlage auf und durchtrennte wiederum beide Seile. Die Maschine schlidderte die Bahn entlang, wobei große Beplankungsfelder von der Rumpfunterseite abgerissen wurden. Mit voller Nachbrennerleistung gelang es dem Piloten erneut, die Phantom in die Luft zu bekommen. Nach nochmaligem Einschäumen der Piste wurde jetzt eine Kettenfanganlage benutzt. Mit 800 Lbs Restkraftstoff führte der Pilot einen guten Anflug durch, setzte aber zu früh auf berührte die Fangseile mit hoher Geschwindigkeit und durchtrennte beide. Dabei rissen das Bugfahrwerk und die Bugfahrwerkklappen ab. Mit voller Nachbrennerleistung bekam der Pilot die Maschine nochmals in die Luft, allerdings mit einer mittlerweile gefährlich geringen Kraftstoffrestmenge. Er plante einen "Martin Baker Let Down" und steuerte die Küste an. Währen die Phantom mühsam an Höhe gewann, rollte sie in 1500 Ft heftig nach rechts. dabei fielen von beiden Tragflächen Teile ab. Als der LFF das Flugzeug über der Küste in eine horizontale Lage brachte, schoss sich die Crew heraus, bevor die Phantom im Sturzflug ins Meer stürzte. Die Besatzung wurde vom Rettungs-hubschrauber unverletzt geborgen. Über den Zustand des LSO ist nichts bekannt.
    (aus: Zeitschrift "Flugsicherheit" 03 / 1991)

  2. #2
    NavyCIS Fan

    Avatar von NavyCIS Fan
    Beeindruckend was die gute alte F-4 so alles einstecken kann! Auch ist es eine beachtliche Leistung des Piloten die Phantom jedes Mal wieder in die Luft zu bekommen!
    Wurde die Maschine geborgen?

  3. #3
    Deichwart

    Avatar von Deichwart
    Vielen Dank für die Story! Hatte mal davon gehört, schön, das ich den Text nun komplett habe. Liest sich spannend wie ein Krimi

    Danach bat der LFF, mittlerweile leicht erregt, den LSO um eine nochmalige Überprüfung des Fahrwerkes.
    Würde gerne mal die Tonbandaufzeichnungen davon hören :D

  4. #4
    bjs

    Avatar von bjs
    Wieviel Prozent eines Flugzeugs muss eigentlich auf der Landebahn bleiben, damit ein Touch-Down als Landung gezählt wird?

    Mich wundert, dass vor dem zweiten Landeversuch nicht schon der Treibstoff weitgehend abgelassen wurde...

  5. #5
    phantomas2f4


    Zitat Zitat von bjs Beitrag anzeigen

    Mich wundert, dass vor dem zweiten Landeversuch nicht schon der Treibstoff weitgehend abgelassen wurde...
    ...die hatten "von Haus aus" schon zu wenig.
    Bei der F 4 kommt das "Fuel Low Level" light bei 1600 lbs remaining fuel

    Klaus

  6. #6
    phantomas2f4


    Hallo !

    Es gibt da eine Story aus dem Vietnam-Krieg:

    Eine F4 befand sich antriebslos ( beide TW ausgefallen, kein Kraftstoff ? ) noch über feindlichem Gebiet. Eine 2. F4 forderte den "Havaristen" auf, den Fanghaken auszufahren. Als das geschehen war, positionierte sich diese 2. Maschine von hinten kommend unter die antriebslose F4, sodaß deren Fanghaken mit der Panzerglasscheibe des vorderen Canopies "Kontakt" bekam.

    So wurde die "segelnde F4" noch aus dem Feindgebiet "herausgeschoben" und die Besatzung konnte über internationalem Gewässer einen erfolgreichen Rettungsversuch unternehmen.

    Klaus

  7. #7
    RetiredF4

    Avatar von RetiredF4
    Und auch heute noch ......


    ........... it takes four Raptors to kill an F4!..http://www.airspacemag.com/military-...tml?c=y&page=1

    Ein Bericht in Englisch über die QF-4

    franzl

  8. #8
    Kehlschinzki

    Avatar von Kehlschinzki
    Zitat Zitat von phantomas2f4 Beitrag anzeigen
    Hallo !

    Es gibt da eine Story aus dem Vietnam-Krieg:

    Eine F4 befand sich antriebslos ( beide TW ausgefallen, kein Kraftstoff ? ) noch über feindlichem Gebiet. Eine 2. F4 forderte den "Havaristen" auf, den Fanghaken auszufahren. Als das geschehen war, positionierte sich diese 2. Maschine von hinten kommend unter die antriebslose F4, sodaß deren Fanghaken mit der Panzerglasscheibe des vorderen Canopies "Kontakt" bekam.

    So wurde die "segelnde F4" noch aus dem Feindgebiet "herausgeschoben" und die Besatzung konnte über internationalem Gewässer einen erfolgreichen Rettungsversuch unternehmen.

    Klaus
    So war das.. hier oder auch hier nachzulesen! ACHTUNG: Englisch!

    Und ein Gemälde davon gibt es auch: KLICK

    Grüße
    Kehlschinzki

  9. #9
    bullseye

    Avatar von bullseye
    Irgendwie unglaublich! Super Story a hero never dies......

  10. #10
    n/a

    Zitat Zitat von phantomas2f4 Beitrag anzeigen
    Es gibt da eine Story aus dem Vietnam-Krieg
    Die US-Militärserie "J.A.G. — Im Auftrag der Ehre" hat in einer Folge diesen Vorfall augegriffen und ihren Serienhelden Lieutenant Commander Rabb in das Cockpit gesetzt. Anstatt mit der F-4 wurde allerdings mit der F-14 Tomcat geflogen. Da sieht man mal, wie populär die Vietnamkriegs-Episode in den USA ist.

    Man beachte im übrigen einen der Links auf der wiki-Seite, die Kehlschinski verlinkt hat, da kann man Teile des Buchs USAF F-4 Phantom II MiG Killers 1965-1968 von Osprey lesen, in dem die Story auch erwähnt wird.

Seite 1 von 139 123451151101 ... LetzteLetzte

F-4 Phantom II Storys

Ähnliche Themen

  1. The Last Phantom - Phantom Pharewell
    Von vmmd im Forum Foto und Film
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 13.05.14, 08:43
  2. F-4F Phantom II "50 Jahre Phantom/35 Jahre F- 4F 1/32
    Von colonel o´neill im Forum Jets ab 1/32
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 27.04.11, 22:05
  3. Alphasim F-4 Phantom Pack II vs. Cloud9 F-4F Phantom
    Von Terminal im Forum Flugsimulationen am PC
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 19.03.07, 12:00
  4. Erlebnisse & Storys bei den LSK/LV
    Von Flugi im Forum NVA-LSK
    Antworten: 34
    Letzter Beitrag: 04.06.06, 18:11
  5. Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 20.05.03, 20:06

Besucher kamen mit folgenden Begriffen auf die Seite

Phantom stories

f4 phantom bundeswehr

38 48

F 4f Bundeswehr

Zehdenick

rhonetal

F4 phantom patch

luftwaffenwerft 62

klaus mufti eggert

Phantom Verluste

spooky f4

phantom storys

Eggert Klaus WITTMUND

spooky f4 phantom

phantom

buch „Die F-4F Phantom II beim JG 71 „R“ (2007) buchf4 spookthore wrobbelkurbelei mit f4 phantomflugzeugabsturz 1979 lage lippef4 phantom tankmufti eggert18.06.1979 lage Flugzeugabsturz oberst klaus eggertphantom-absturz in lage-hagen
Sie betrachten gerade F-4 Phantom II Storys