Erstellt von L1049G  |  Antworten: 37  |  Aufrufe: 5317
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  1. #1
    L1049G


    Mit ausdrücklicher Genehmigung von Herrn Martin Handig, Mitherausgeber des „ÖfH Sonderband 31 - Die Deutsche Luftwaffe in Österreich“, zeige ich hier ein Photo aus diesem Buch:

    #1.JPG

    Auch den Buch-Autor würde interessieren, ob jemand ergänzende Informationen dazu hat oder wenigstens bestätigen kann, daß diese Aufnahme tatsächlich (laut Bildtext bei Kriegsende) in Salzburg entstand. Natürlich wäre interessant, ob jemand die komplette Kennung (unter der linken Tragfläche ist nur an der letzten Stelle ein ‚F’ klar zu erkennen) nennen kann.

    Auffällig ist, daß an allen Motoren große Spinner angebracht sind, die auf eine Nicht-Standard-Motorisierung (weiteres dazu später) hindeuten. Auch sind noch große Radverkleidungen angebracht, die zu diesem Zeitpunkt bei „normalen“ Ju 52 längst entfernt worden waren.

    Die Angabe „persönliche Maschine des RM Göring“ erscheint damit nicht völlig unplausibel zu sein (weiteres dazu später). Allerdings handelt es sich dabei sicher nicht um eine der bekannten, rot bemalten „Göring“-Vorkriegs-Ju 52.


    Die Story geht aber weiter:
    [Angaben in eckigen Klammern sind meine eigenen Ergänzungen]


    Die französische Site ANTAM (Association Nationale du Transport Aérien Militaire) gibt an [per Google Translator etwas holprig ins Englische übersetzt]:
    June 14, 1945, arrival of Junker 1001 [prob. at Le Bourget], ex-personal Marshal Goering aircraft, engines equipped with side engines PRATT WHITNEY! and a central BMW engine, defrosters wings, streamlined wheels, ... 220 in playful and huge wicker seat adapted to the morphology of the user. It will be presented in the presence of the Colonel ALLIAS commander of GMMTA, the Minister of Air Charles TILLON July 6, 1945 in favour of Health Services to climb in altitude children with pertussis [=Keuchhusten].

    Außerdem von der selben Site:
    GT 2/61 "Maine" [GT = Groupe de Transport, eine Transporteinheit der Armée de l’Air] had inherited even at a time of Ju 52 No. 1001, personal aircraft Goering.


    Dazu paßt ein Ausschnitt aus der (nicht mehr existierenden) französischen Zeitung L’Aviation Francaise:
    #2.JPG


    Das Bild zeigt dieselben großen Spinner und die Radverkleidungen wie auf dem Salzburg-Bild. Allerdings ist wohl die Datumsangabe „11 juillet 1947“ falsch; es sollte wohl „11 juillet 1945“ heißen.


    Weiterhin zeigt die französische Site http://frenchhistory.tumblr.com ein Bild einer Ju 52, auf dem man die Spinner nicht erkennen kann und bei dem die Radverkleidungen nicht (mehr) vorhanden sind; dazu steht als Text: Août 1945 (First flight of Parisian children with pertussis with Goëring’s plane)
    Link zum Bild: http://31.media.tumblr.com/tumblr_m1...iw2yo1_500.jpg


    Es gibt weitere Informationen aus französischen Quellen, die aber alle ähnliche Angaben machen.


    Auch im Ausland wurde diese Aktion dokumentiert: Die spanische Tageszeitung LA VANGUARDIA ESPAÑOLA vom 12 Juli 1945 berichtet [per Google Translator etwas holprig ins Englische übersetzt]:

    París, 11 [July 1945]. —
    The personal plane of Marshal Goering has been delivered to the French Minister of Air Charles Tillon, by the head of a group of air transport, whose crews took this aircraft in Salzburg and flew it to the airfield Le Bourget, near Paris [date not specified].
    This is a gorgeous "Junker 52" similar to the ones built today in several French factories, but with a Cockpit sumptuously decorated inside. The French minister has decided to this aircraft services available to the Healthcare Department of the Seine. It will be used to treat certain patients giving cures at high altitude.


    Als Ergänzung:
    Die Franzosen gaben Beute-Ju 52 vierstellige Werknummern, beginnend mit 1001, im Gegensatz zu dreistelligen Werknummern für diejenigen Flugzeuge, die nach Kriegsende in Frankreich als AAC.1 produziert wurden. Allerdings gibt es bis heute keine Informationen darüber, wie die vierstelligen französischen Werknummern der Beute-Ju 52 mit den Original-Werknummern korrelieren.

    Was ist sonst über dieses Flugzeug bekannt???

    Vielen Dank für jedes zusätzliche Detail
    L1049G

  2. #2
    ChrisMAg2


    Hallo.

    Ich meine an deinem ersten Bild, daß die zwei letzten Buchstaben des Stammkennzeichens xx+AE noch erkennbar sind. Ich kann mich aber hier täuschen. Aber AE würde zur letzten bekannten, Göring zugeschriebenen Reise Ju52 passen. Auch die Innenansicht mit der VIP Austatztung stimmt grob überein (der Sitz am Eingang aber wäre für Göring aber zu klein/eng und er ist falsch positioniert!). Damit könnte es sich bei dieser Maschine um Ju52/3m/ge - WNr. 4066 - DLH D-ABAQ "Manfred von Richthofen II" (April 1935) - GC+AE RLM-Flugbereitschaft (ab Sept. 1939) handeln.

    Zusätzliches:

    Als DLH D-ABAQ "Manfred von Richthofen II" war diese Ju52 bis 1939 rot lackiert. Als RLM Flugbereitschaftsmaschine erhielt sie zunächst LH-Standard Silber/Schwarz, später könnte sie wohl eine militärische Tarnbemalung bekommen haben.

    Es gibt photos von "Manfred von Richthofen II" (als GC+AE?) ohne Spinner und einem Rest der vormaligen roten Lackierung vorne auf der Radverkleidung.

    Es gab auch Ausführungen von BMW 132 Motoren mit Spinner. Ob es sich bei den Bildern der Außenmotoren dieser Maschinen tatsachlich um P&W Motoren (Hornert oder Wasp?) handelt, ist von außen nicht erkennbar. Dazu müßte man den Motor/ die Motoren von vorne sehen.

    Es gibt den Hinweis, nach dem GC+AE bei Transportaufgaben in Stalingrad 1943 verlorengegangen sein soll.

    Es gibt den Hinweis, daß Ju52/3m te, WNr.7184 als RLM-FB GC+AF von Göring benutzt worden sein soll. Diese Auführung (Ju52/3m te) wird als schnellste, zivile Reisemaschine (3x BMW 132G/L) beschrieben.

    Wie gesagt, deine Innenansicht zeigt wohl eine (RLM-) VIP Ausstattung, aber das ist kein Alleinstellungsmerkmal für Görings Reisemaschine. Andere Würdenträger des 3. Reichs hatten auch Ju52 mit VIP Ausstattung zur Verfügung. Aber bei diesem Bild der Innenaustattung, wundere ich mich uber die Position und Größe/ Kompakte Ausführung des letzten Sitzes am Eingang. Bei GC+AE, war der Sitz wesentlich wuchtiger (Göring passte nicht in die Standardsitze) und direkt neben der Tür positioniert.

    Die franz. Werknummer 1001 könnte man als Adaption der damals nicht bekannten originalen WNr. bezeichnen.

  3. #3
    ChrisMAg2


    Sorry, doppelt gepostet.

  4. #4
    L1049G


    Christian,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort.

    Da ja die GC+AE verlorengegangen sein soll UND die Sitzanordnung für die GC+AE nicht zu passen scheint UND für mich die Buchstaben unter der Tragfläche der Salzburg-Maschine xx+xF oder auch xx+AF lauten, tendiere ich zum zweiten Vorschlag: WNr.7184/GC+AF.

    Außerdem würden die Spinner auch ganz gut zu einer Ju52/3m te bzw. zu den stärkeren Motoren passen.

    Aus den französischen Quellen wird übrigens nicht klar, ob die P&W Seiten-Motoren schon in Salzburg am Flugzeug waren oder ob sie erst in Frankreich montiert wurden (vielleicht weil die Original-Motoren schon ziemlich lädiert waren). Fest scheint nur zu stehen, daß die P&W Seiten-Motoren montiert waren, als die Maschine zur Einsatzeinheit (GT 2/61 "Maine") kam - im Juli, also zwei Monate nach Kriegsende bzw. nach der Beschlagnahme in Salzburg.

    L1049G

  5. #5
    ChrisMAg2


    Also,
    Ich würde die Behauptung (es ist ja nicht erwiesen), daß es sich bei den Seitenmotoren um P&Ws handelt nicht so sehr auf die Goldwaage legen. Denn, wie gesagt, um welche Mptoren es sich handelt kann man von Außen oder der Seite nicht ersehen. Und wer weiß schon, ob der französ. Autor die verschiedenen Motoren unterscheiden kann.
    Desweiteren könnte es sich bei deinem Link von August 1945 (Ju52 mit Kindern) auch um eine andere Maschine handeln. Nichts beleg, daß es sich bei den genannten/ gezeigten Maschinen tatsächlich um ein und diesselbe Maschine handelt.

    Aber es gibt durchaus einige denkbare Möglichkeiten...

  6. #6
    L1049G


    Hm, eine Suche bei stammkennzeichen.de bringt Überraschendes zutage:

    KC+RH Ju 52 7184 FFS C 12 Mai 1941/September 1941, LVGr Juli 1942
    und
    DN+OL Ju 52 7184 LVGr Juli 1942/November 1942 plus Bemerkung: Maschine war für H.Göring bestimmt.

    Abgesehen davon, daß es unwahrscheinlich ist, daß eine "normale" Ju 52 (7184) zwei unterschiedliche Stkz hatte - könnte es sein, Herr G. seine 'neue' Spezial-Ju 52 unbedingt als GC+AF haben wollte, sozusagen als Nachfolger seiner früheren GC+AE? Und daß tatsächlich ausnahmsweise die 7184 von DN+OL auf GC+AF umregistriert wurde? Der Big Boß konnte ja wohl alles befehlen ...

    Schon wieder eine Vermutung.

    Kann jemand eine der Vermutungen oder Möglichkeiten beweisen oder entkräften?

    Viele Grüße
    L1049G

  7. #7
    L1049G


    Noch ein Kandidat?

    Bei stammkennzeichen.de findet man noch einen möglichen Kandidaten; dort ist angegeben:
    SF+IF mit Wnr 6600, im Einsatz bei FdF zumindest im Zeitraum Januar 1944 bis März 1944
    Das dazu gezeigte Foto zeigt einige Parallelen zur Salzburg-Maschine: ebenfalls große Spinner und große Radverkleidungen, wobei letztere allerdings schwarz mit weißen Zierstreifen sind, während sie bei der Salzburg-Maschine ganz in weiß lackiert sind. Ein solches Umlackieren wäre wohl eine Sache von zwei Tagen. (Herr G. liebte ja weiße Kleidung.)
    Außerdem ist unter der linken Tragfläche der Salzburg-Maschine ‚AF’ oder ‚IF’ zu ahnen, was damit sowohl zu einer ‚GC+AF’ als auch zu einer ‚SF+IF’ passen könnte.

    Hat dazu jemand weitere Erkenntnisse?

    L1049G

  8. #8
    Michael aus G.


    Zitat Zitat von ChrisMAg2 Beitrag anzeigen
    Es gibt photos von "Manfred von Richthofen II" (als GC+AE?) ohne Spinner und einem Rest der vormaligen roten Lackierung vorne auf der Radverkleidung. Es gibt den Hinweis, nach dem GC+AE bei Transportaufgaben in Stalingrad 1943 verlorengegangen sein soll.
    Ju52/3m ge, WNr. 4066: D-ABAQ. Service start was 22.02.1935. from 1937 it was named "Manfred v. Richthofen II". In 1939 it received StKz GC+AE of RLM-Flugbereitschaft. Plane crashed 09.01.1943 at Pitomnik AF near Stalingrad assigned to K.Gr.z.b.V. 50.

  9. #9
    L1049G


    Danke für die Details!

    L1049G

  10. #10
    ChrisMAg2


    Zitat Zitat von L1049G Beitrag anzeigen
    ...
    Bei stammkennzeichen.de findet man noch einen möglichen Kandidaten; dort ist angegeben:
    SF+IF mit Wnr 6600, im Einsatz bei FdF zumindest im Zeitraum Januar 1944 bis März 1944
    Das dazu gezeigte Foto zeigt einige Parallelen zur Salzburg-Maschine: ebenfalls große Spinner und große Radverkleidungen, wobei letztere allerdings schwarz mit weißen Zierstreifen sind, während sie bei der Salzburg-Maschine ganz in weiß lackiert sind. Ein solches Umlackieren wäre wohl eine Sache von zwei Tagen. (Herr G. liebte ja weiße Kleidung.)
    ...
    L1049G,

    eine Klarstellung dazu: der Unterbau/ die Untersicht der Salzburg Maschine ist nicht (kann nicht) weiss (gewesen sein), sondern hell, himmelblau oder hell, graublau (RLM 65 oder wahscheinlicher RLM76).

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Ju 52 + Salzburg + Armée de l’Air + eine Prise Göring

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