Erstellt von borsto  |  Antworten: 6  |  Aufrufe: 1308
  1. #1
    borsto


    Guten Abend

    In den einschlägigen Schilderungen der Einsätze von Jägern und Bombern im 2. Weltkrieg geschah die Verständigung mit der Führung und untereinander mit Hilfe des Bordfunks. In den Berichten sowohl auf alliierter und auf Seiten der Achsenmächte scheint das durchweg gut funktioniert zu haben.

    Während meiner Zeit bei der Bundeswehr (Panzertruppe, 1976-1986) ist mir aufgefallen, dass auf mitteldeutschen Übungsplätzen und der Panzertruppenschule Munster nahe der damaligen Grenze zum damaligen ostwärtigen Machtbereich die Funkverbindungen nach etwa 15 Minuten von der ersten Kontaktaufnahme gestört wurden. Diese Störungen (ein lautes Knarzen von unterschiedlicher Intensität) hielt dann fortan im Funkverkehr an.

    Da ich in solchen Dingen technisch keine Kenntnisse habe bitte ich um folgende Antworten:

    - Konnte damals (1940 - 45) der Funksprechverkehr militärischer Luftfahrzeuge wirksam vom jeweiligen Feind gestört werden ?
    - Wenn ja, wurde es, weil damals ein richtig heißer Krieg in der Ausführung war, auch durchgeführt ?
    - War in der Phase des "heißen Krieges" den kriegsführenden Mächten alles egal, somit auch die massive Störung des jeweiligen Funksprechverkehrs ?
    - Gab es Beschränkungen zum Stören des Funksprechverkehrs, denen internationale Verpflichtungen zugrunde lagen ?

    Vielen Dank für Antworten !

    Horst Weber

  2. AdMan
    Schau dir mal die beiden Links an:
    diesen Ratgeber und die Flugzeug-Kategorie

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  3. #2
    Sens


    Die Störung des Funkverkehrs ist an Frequenzen gebunden. Wenn beide Seiten diese fast gleichzeitig nutzen wollen, dann macht das wenig Sinn. Im kalten Krieg war das kein Problem, weil man wusste, das es in den kommenden Stunden nicht zu ernsten Kampfhandlungen kommen würde. Störungen des Funksprechverkehrs sind immer zeitlich und örtlich begrenzt.

  4. #3
    kalkleiste


    Hi, zusammen,
    hallo, Horst,

    ja, die Briten störten während ihrer Nachtbomberoffensive den deutschen Nachtjägerfunkverkehr massiv und sehr wirkungsvoll.
    Die Deutschen mußten sich dann jeweils wieder Gegenmaßnahmen ausdenken. Wie erfolgreich die Störungen waren, zeigt der Umstand, daß die Deutschen zeitweise von Sprechfunk auf das Morsen ausweichen mußten.

    Zur Technik:
    Im Bomberstrom flogen speziell ausgerüstete Lancaster mit. Diese wurden seinerzeit als ABC-Lancaster bezeichnet (ein echtes Pendant zu den heutigen Eloka-Flugzeugen). Die Maschinen waren mit Funkempfängern ausgestattet, um die von der deutschen Luftverteidigung genutzten Funkfrequenzen der jeweiligen Einsatznacht zu ermitteln und sie waren mit starken Störsendern ausgerüstet, um die ermittelten Funkfrequenzen zu stören.
    Dies geschah mit allen möglichen Störgeräuschen (teilweise waren in den Motorhauben der Lancaster Mikrofone eingebaut, um das Motorengeräusch als Störgeräusch zu verwenden) und sogar deutsch sprechenden Briten, die diverse deutsche Dialekte beherrschten, um als deutsche Jägerleitoffiziere zu fungieren. Die haben dann versucht, die Nachtjäger zu Einsatzzielen zu schicken, die möglichst weit weg vom eigenen Bomberstrom waren. Dieses Verfahren kam allerdings erst zur Anwendung, nachdem die Nachtjagd von der gebundenen zur Verfolgungsnachtjagd (Zahme Sau) übergegangen war.

    Die deutschen Gegenmaßnahmen reichten von Verstärken der Sendeleistung, häufigen Frequenzwechseln und so skurrilen Maßnahmen wie Spielen von bestimmten Melodietypen im Deutschen Rundfunk (z.B. stand Tanzmusik für Berlin als mutmaßliches Angriffsziel).

    Quellen: Peter Hinchliffe: Luftkrieg bei Nacht
    Martin Middlebrook: Die Nacht, in der die Bomber starben

    Einen störungsfreien Sonntag wünscht
    Jürgen

  5. #4
    modelldoc

    Avatar von modelldoc
    Die 100. Group der RAF war die Spezialeinheit dafür. Sie übernham neben der Störung des Funksprechverkehrs auch alle Maßnahmen zur Radarstörung.

    Leider nur noch antiquarisch erhältlich, aber komplett als Buch für Modellbauer:

    Martin Streetly

    The Aircraft of 100 Group

    pubvlished by Robert Hale ; London 1984

    modelldoc

  6. #5
    gardener


    Hallo Borsto,
    bei den Fürstenfelder Modellbautagen hab`ich deine Modelle ausgiebig bewundert und du gabst bereitwilligst Auskunft über deine
    Lackierungsmethoden - nochmals Dank dafür! Nu`bin ich am Zug. Der Funkverkehr der deutschen Nachtjäger wurde massiv gestört! In "Aviatik - Deutsche Fluggeschichte" Heft 5/1991 befindet sich der Erlebnisbericht eines He-219 Nachtjägers über
    einen Einsatz am 16.01.1945 im deutschen Luftraum, der wahrlich erschütternd ist. Im wesentlichen ging`s anscheinend nur
    noch darum, britischen "Mosquito"-Nachtjägern, die mit dem "Fishpont"-Suchgerät ausgerüstet waren, zu entkommen. Zusätzlich
    wurde der deutsche Funksprechverkehr pausenlos gestört. Zitat: "Kaum hatte der Funker oder die Bodenstelle zehn Worte ge-sprochen, da setzte schon der "Seelenbohrer" ein und störte die Frequenz". So war es den Nachtjägern schon schwer genug,
    überhaupt die eigene Position bzw. die des Landefeldes einzupeilen. Der Bordfunker berichtet, daß zudem sein Pilot nie länger
    als 3 Minuten vorgegebenen Kurs ("nach Stoppuhr") geflogen sei, was eine Kurspeilung ebenfalls nicht einfacher machte.
    Nur nebenbei: der Autor berichtet auch von haarsträubenden Ereignissen, die, bedingt durch das Herumstehen der Maschinen im
    Freien sowie wohl Verwendung minderwertigen Materials auch für die Elektrik vorkamen. Zitat:"Es war vorgekommen, daß beim
    Einfahren des Fahrwerkes nach dem Start plötzlich alle Bordwaffen losdonnerten und auch durch Ausschalten der entsprechenden
    Sicherungen nicht zu stoppen waren. Oder es geschah beim Angriff auf einen feindlichen Bomber, daß bei der Betätigung des
    Abzuges am Steuerknüppel kein Schuß aus den Bordwaffen kam, dafür aber der Landescheinwerfer aufleuchtete". Kondenswasser!
    Falls Interesse am gesamten Artikel - den kann ich dir gerne kopieren und schicken. Einscannen und mailen- i`m not a digital
    native !! Also bitte Adresse mailen!
    Beste Grüße
    gardener

  7. Hallo

    Schau dir doch mal die Luftfahrt-Kategorie an

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  8. #6
    WaS

    Avatar von WaS
    Zitat Zitat von modelldoc Beitrag anzeigen
    Die 100. Group der RAF war die Spezialeinheit dafür. Sie übernham neben der Störung des Funksprechverkehrs auch alle Maßnahmen zur Radarstörung.

    Leider nur noch antiquarisch erhältlich, aber komplett als Buch für Modellbauer:

    Martin Streetly
    The Aircraft of 100 Group
    Offenbar vom selben Autor, aber eher technisch und taktisch orientiert:

    Martin Streetly: Confound & Destroy - 100 Group and the Bomber Support Campaign
    Verlag: Jane's Information Group
    ISBN 0-7106-0356-8

  9. #7
    MikeBravo


    Ich muß euch berichtigen: Die ABC (Anti -Broad -Casting and Comunnication) Lancasters gehörten nicht der 100. sondern der 101. Sqn RAF an! Eine Maschine diesen Typs, B-Mk lll stürzte in der Nacht vom 30./31.03.1944 in den Haimendorfer Forst, Nähe Schwaig bei Nürnberg.
    Die Maschine hatte die Kennung DV 276.

    Die Frequenzen Deutscher Nachtjäger wurden im UHF und VHF Bereich auch mit Dudelsack überlagert bzw. aktiv gestört.
    Übrigens wurden die ABC-Lancaster an ihren Heimatstandorten außerhalb ihrer Einsätze rund um die Uhr von bewaffneten Posten bewacht!

    Die oben beschriebene Maschine startete übrigens in Ludford Magna um 22.05 und wurde über Heroldsberg von einem Nachtjäger( Bf 110) abgeschossen. Dabei kam die gesamte Besatzung vom Pilot Batten - Smith ums Leben. Der Flugzeugführer war Olt. Helmuth Schulte von der 2./NJG 5.

    Ansonsten stimmen eure Beiträge in allen Einzelheiten.

    Viele Grüße

    Michael

Störung des Funksprechverkehrs

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