10.10.2020 Boeing 777F nach Start in Frankfurt ohne Fahrtmesser

Diskutiere 10.10.2020 Boeing 777F nach Start in Frankfurt ohne Fahrtmesser im Flugunfälle und Flugunfallforschung Forum im Bereich Luftfahrzeuge allgemein; Dann wäre die Chance groß, dass wir doch noch mal von dem Ereignis lesen.
Intrepid

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Es sind durchaus Szenarien vorstellbar, wie so etwas aus Versehen entstehen könnte.
Dann wäre die Chance groß, dass wir doch noch mal von dem Ereignis lesen.
 
Bremspropeller

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Bevor aber noch andere mittelalterliche Bestrafungsrituale wiederbelebt werden: es steht doch gar nicht mal fest, dass da jemand überhaupt irgendwas vorsätzlich gemacht hat. Es sind durchaus Szenarien vorstellbar, wie so etwas aus Versehen entstehen könnte. Eine Erkenntnis aus andere (Un-)Fällen ist ja, dass so etwas häufig durch eine Kette von kleineren Fehlern und Kombination von extremen Zufällen passiert. Denkbar wäre hier z.B., dass irgendjemand irrtümlich den falschen Arbeitsschritt abgezeichnet hat (und der andere Arbeitsschritt später nachgetragen wurde, da dieser ja tatsächlich erfolgt war). Oder dass der finale Test des Statiksystems durchaus korrekt durchgeführt wurde, aber jemand anderes danach die Statikleitungen erneut gelöst hat, z.B. weil er einen eigentlich schon erledigten Arbeitsschritt versehentlich wiederholt hat (die Statikleitungen wiederholt ausgeblasen hat) - obwohl alle Arbeitsschritte inkl. Abnahme schon abgeschlossen waren. Oder man hat den finalen Test gemacht, wurde bei der Durchführung aber irgendwie unterbrochen, so dass man den speziellen Test, der das Problem gezeigt hätte, irgendwie übersprungen hat.
Alles richtige Anmerkungen, aber dennoch wäre das alles höchst unprofessionell und vor allem gegen den Industriestandard.
Eine ordentliche Ausbildung im 147er und ein ordentliches Selbstverständnis + Sicherheitskultur + Prozesse im 145er sollten sowas problemlos einfangen.
Hier hat jemand (oder mehrere Jemande) richtig gepennt und garantiert nicht nach MOE gearbeitet.

Als freigabeberechtigtes Personal führt man nicht einfach Arbeiten "mal eben so" durch oder zeichnet irgendwas ab.
Es sei denn, man hat den Rollstempel aus dem goldenen Etui gerade in der Hosentasche. Aber solche Zeiten sollten eigentlich vorbei sein.

Der QM wird sich freuen.
 
Buccaneer

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Womöglich wissen die Piloten mehr als öffentlich bekannt ist.
Aber bei klaren Violations, d.h. bewussten, absichtlichen und womöglich auch wiederholten Verstößen gegen Regeln müssen Sanktionen möglich sein, auch Entlassungen. Einen "Bud Holland" muss man konsequent ausbremsen. Wenn sowas der Fall war/ist, dann ist das im Sinne einer ordentlichen Fehlerkultur auch notwendig.

mfg
 

jackrabbit

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Hallo,

in wirtschaftlich schweren Zeiten werden Verstöße von “oben“ oft hart/ härter geahndet, da man ja die Mitarbeiterzahl reduzieren will. Wo man vorher Mitarbeiter einfach gerügt oder den Tag nach Hause geschickt hat, kommt es dann zu Abmahnungen oder Kündigungen.

Grüsse
 
macfly

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Dass das auf die LHT zutrifft, ist aber ein haltloser Vorwurf/reine Spekulation. Nicht jede Kündigung ist unbegründet und allein Folge von böswilligen Personalverantwortlichen.

Was ganz genau da abgelaufen ist, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Ich interpretiere die Reaktion der LHT, die beiden Kontrolleure schon kurz nach dem Vorfall zu feuern, aber so, dass es eben kein menschliches Versagen war, das durch Kombination irgendwelcher außergewöhnlichen äußeren Umständen ausgelöst wurde, sondern tatsächlich: die beiden Kontrolleure haben die Sichtprüfung und den Test ganz bewusst abgestempelt, ohne die Arbeitsschritte jeweils vorgenommen zu haben. Und wie oben schon geschrieben wurde: bei Vorsatz schützt auch "Just Culture" nicht vor Strafe.

In gewisser Weise ist auch der BFU Bericht dafür ein Indiz: wäre hier irgendein Versehen passiert, hätte jemand die Reihenfolge irgendwelcher Arbeitsschritte vertauscht, hätte die BFU da durchaus weiter nachbohren und beschreiben sollen, wie so etwas überhaupt passieren kann - damit man daraus lernen und solche Fehler auch anderswo zukünftig vermeiden kann. Aber dort wo man auf Vorsatz stößt, endet eine Unfalluntersuchung. Flugunfalluntersuchungen sehen aber keine Schuldzuweisungen vor. In so einem Fall kann dann ein BFU Bericht also auch nicht mehr schreiben als das eine Sichtprüfung und Test vorgesehen und korrekt abgestempelt waren - Ende.

Für mich ist der Fall nach BFU Bericht + LHT Kündigung nun ziemlich eindeutig. Leider.
 
Intrepid

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Ich fände noch interessant, ob das betroffene Unternehmen den Vorfall zum Anlass nimmt, zu untersuchen, ob es sich um einen Einzelfall handelte oder generell der Schlendrian Einzug erhalten hat.
 
Alpha

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Manchmal ist es gut, wenn man einfach nur feststellt, dass man nicht genügend Informationen zu einem Fall hat, um darüber zu urteilen. So, wie hier. Aus den Informationen des BFU-Berichtest und des Presseartikels kann man nicht schlüssig entnehmen, ob die Entlassung gerechtfertig ist oder nicht. Alles andere, "Schlendrian", "bei Vorsatz" aber auch "ungerechtfertigt" usw sind nur Spekulationen. Die LHT wird über deutlich umfassendere Informationen verfügen und die LHC-Piloten auch. Wir aber nicht. Und wenn man diese Informationen nicht hat, dann sollte man sich auch mit Urteilen zurückhalten und kann nicht einer Seite beipflichten.

Dazu möchte ich nur anmerken, dass die Lufthansa Technik allgemein nicht gerade als unzuverlässig bekannt ist und dass ich persönlich dem Berichten auch keinen Hinweis entnehmen kann, dass dies sich geändert habe.
 
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Alles andere, "Schlendrian", "bei Vorsatz" aber auch "ungerechtfertigt" usw sind nur Spekulationen [...] dann sollte man sich auch mit Urteilen zurückhalten und kann nicht einer Seite beipflichten.
Eine Spekulation ist genau das: kein Urteil.

In wie weit ist es denn gerechtfertigt, sich mit dem Ereignis zu beschäftigen? Es sich nur merken, falls es wieder Mal an gleicher Stelle publik wird?
 
Alpha

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Es ist gut und richtig, dass das Event publik wurde - der BFU-Bericht hat seinen Sinn voll erfüllt.
Intern gibt es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen, ob die Kündigungen gerechtfertigt sind oder nicht.

Reicht es nicht, dass einfach zur Kenntnis zu nehmen? Die Antwort auf jegliche Ratespiele "... aber wenn das vorsätzlich", "...mehrfach...", "...vielleicht waren es ja linkshänder...", "...LHT schmeißt derzeit gern raus..." (Teile zur plakativen Verdeutlichung frei erfunden) ist in jedem Fall: unbekannt.
Daher ergibt sich daraus stets ein Mehrwert von genau "Null".

Nicht falsch verstehen: ich möchte niemandem den Mund verbieten! Aber das ist dann wieder ein Thread, der nach ein wenig seriösem Inhalt (denn es gibt nunmal nur wenig bekannte, belegte Fakten) in den Bereich "Stammtisch" abgleitet. Das ist doch eher die Domäne von Facebook und der Kommentarspalte von avherald... ;-)
 
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Whisky Foxtrott

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... Aber das ist dann wieder ein Thread, der nach ein wenig seriösem Inhalt (denn es gibt nunmal nur wenig bekannte, belegte Fakten) in den Bereich "Stammtisch" abgleitet.
Ist denn die Tatsache, dass zwei Verantwortliche fristlos entlassen wurden, nicht eindeutig?

Ich glaube zudem kaum, dass VC Mitleid mit solchen Prüfern hat. Oder hättest Du dieses, als Insasse des Fliegers?
 

jackrabbit

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Hallo,

Was ganz genau da abgelaufen ist, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Ich interpretiere die Reaktion der LHT, die beiden Kontrolleure schon kurz nach dem Vorfall zu feuern, aber so, dass es eben kein menschliches Versagen war, das durch Kombination irgendwelcher außergewöhnlichen äußeren Umständen ausgelöst wurde, sondern tatsächlich: die beiden Kontrolleure haben die Sichtprüfung und den Test ganz bewusst abgestempelt, ohne die Arbeitsschritte jeweils vorgenommen zu haben. Und wie oben schon geschrieben wurde: bei Vorsatz schützt auch "Just Culture" nicht vor Strafe.
Vorsatz wäre wohl bei so einem Fall etwas für die Staatsanwaltschaft, also fast gleichzusetzen mit einer „Sabotage“.


Ist denn die Tatsache, dass zwei Verantwortliche fristlos entlassen wurden, nicht eindeutig?
Die offene Frage ist dann, warum die Piloten gegen die Entlassung “rebellieren“?

Grüsse
 
macfly

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Vorsatz wäre wohl bei so einem Fall etwas für die Staatsanwaltschaft, also fast gleichzusetzen mit einer „Sabotage“.
Rechtlich gibt es schon noch einen deutlichen Unterschied zwischen einer vorsätzlichen "Sabotage" (jemand zieht die absichtlich die Schläuche ab, um andere Menschen gezielt in Gefahr zu bringen) und einer bewusst ausgelassenen Sichtprüfung (in der Annahme, dass schon alles ok ist, z.B. weil der Techniker den Prüfen sagte, dass er alles ordentlich gemacht hat). Ich gebe dir aber Recht, dass, wenn hier jemand zu Schaden gekommen wäre, die Staatsanwaltschaft vermutlich auch gegen die Prüfer ermittelt hätte.
 

jackrabbit

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Hallo,

ich habe etwas Schwierigkeiten mit der Spekulation auf „Vorsatz“.
Z.B. der Prüfer stempelt alle Leistungen vorab (oder hinterher) gemeinsam in einem Rutsch als geprüft ab, ist ein klarer Verstoß gegen interne Vorschriften, da bei einer Unterbrechung der Prüfung dann Fehler geschehen können.
Ein Vorsatz ist dies aber nicht (denn er hatte ja vor zu prüfen).

Grüsse
 
Alpha

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Ist denn die Tatsache, dass zwei Verantwortliche fristlos entlassen wurden, nicht eindeutig?
Anscheinend nicht, sonst hätten die LHC-Piloten sich nicht dagegen ausgesprochen.

Ich glaube zudem kaum, dass VC Mitleid mit solchen Prüfern hat. Oder hättest Du dieses, als Insasse des Fliegers?
Wie gesagt: Wenn man sein Urteil nicht nur würfeln will, dann braucht man Fakten. Fakt ist, dass Fehler gemacht wurden. Fakt ist, dass nicht-vorsätzliche Fehler nach Just Culture nicht zu Kündigungen führen sollten. Fakt ist, dass man den LHC-Piloten wohl kein Interesse an der Weiterbeschäftigung von vorsätzlich fehlerhaft arbeitenden Technikern unterstellen kann. Fakt ist, dass wir hier nicht wissen, ob es sich um vorsätzliche Fehler handelt oder nicht. Fakt ist, dass die LH-Technik-Führung und die LHC-Piloten den Fall unterschiedlich einstufen.

Also ist die Geschichte nicht so einfach und die wesentlichen Informationen über das Zustandekommen des Fehlers liegen hier nicht vor. Damit kann man hier auch nicht über die Rechtmäßigkeit oder Angemessenheit der Kündigung aussagen. Sondern nur munter weiter würfeln... ;-)
 
Whisky Foxtrott

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@Meister Alpha, da fehlt wieder die Hand auf dem Herzen:
Ich glaube zudem kaum, dass VC Mitleid mit solchen Prüfern hat. Oder hättest Du dieses, als Insasse des Fliegers?

 
Alpha

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Mitleid ist die falsche Kategorie. Auch als Insasse ist mir klar, dass Menschen Fehler machen. Und solange diese nicht bewusst herbei geführt wurden wäre es nicht in meinem Sinne, dass der betreffende Techniker dafür entlassen wird.
 
Poze

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LHT unterliegt gerade einem grossen Umbruch und wird wohl auf den Gang zur Börse vorbereitet. Der Wartungsbetrieb in FRA ist erst vor einem Jahr aufgeteilt worden und führt z. B. seit dem nicht mehr die Line Maintenance für die LH Passage durch. Dann kam Corona und damit nochmal ein weiterer extremer Sparzwang. All das führt zu einem deutlichen Personalabbau, von dem ja bekanntlich auch viel in der Presse zu lesen ist. Und in diesem Umfeld, mit ständiger Sorge den Job zu verlieren, muss das Personal arbeiten. Da kann es schon mal schwer fallen ständig hochkonzentriert bei der Sache zu sein.

Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass gleich zwei Personen, welche bereits langjährig zuverlässig ihren Job durchführen, plötzlich vorsätzlich handeln sollten. Hier wurden eindeutig folgenschwere Arbeitsfehler Fehler gemacht, welche man sich so bisher eigentlich in dieser Form nicht vorstellen konnte. Haben sich da etwa Lücken im System geöffnet, welche solche gravierenden Fehler durch gleich zwei Personen überhaupt erst ermöglicht haben?

Mir liegt das im Link von Post# 23 erwähnte Schriftstück der Piloten vor. Dieses wurde von mehr als 220 Besatzungsmitgliedern unterzeichnet. Zudem wurde unter den Besatzungen und Technikkollegen gesammelt, damit sich die entlassenen Techniker einen gescheiten Anwald leisten können. Ich denke, das sind alles Aktionen, welche man sicherlich nicht ohne hinreichende Begründung tut.

 
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