9. August 1955 - Absturz Vampire

Diskutiere 9. August 1955 - Absturz Vampire im Schweizer Luftwaffe Forum im Bereich Einsatz bei; Am 9. August 1955 stürzte im Oberdorf in Tafers ein Militärflugzeug ab. Der 25-jährige Pilot verlor beim Unfall sein Leben. Die Bewohner des...
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Am 9. August 1955 stürzte im Oberdorf in Tafers ein Militärflugzeug ab. Der 25-jährige Pilot verlor beim Unfall sein Leben. Die Bewohner des Oberdorfes kamen mit dem Schrecken davon.
Der damals 10-jährige Albin Waeber - er war wie durch ein Wunder dem Tod entkommen - erinnert sich noch gut an die dramatischen Momente am 9. August 1955. Dem Staunen über die Kampfübungen der Dreierstaffel am Himmel über dem Dorf Tafers folgte bald der Schreck. Albin Waeber sieht noch heute, wie sich der Vampire aus der Dreierformation löste, knapp über das Maggenbergholz flog und sich dem Oberdorf näherte. Das Flugzeug brannte auf einer Seite und verlor auf seinem Weg Material.
Im Oberdorf streifte die Maschine die Stromleitung, riss vom Haus des Alfons Cattilaz den First weg und prallte dann mit lautem Knall in den Abhang vor dem Haus der Familie Peter Waeber. Das ganze Flugzeug stand in Feuer und auch der Abhang brannte lichterloh. Albin Waeber schätzt, dass beim Aufprall rund zehn Kubikmeter Erdreich ausgehoben wurden. Sein Vater habe das Terrain später wieder aufgefüllt.
Beim Herannahen des Flugzeuges eilte die Mutter ins Haus und wollte das zehn Monate alte Kleinkind, einen jüngeren Bruder von Albin Waeber, retten. Sie hatte befürchtet, dass das Flugzeug ins Haus stürze. Als sie wieder aus dem Haus kam, war die Maschine schon abgestürzt. Therese Cattilaz, die Frau aus dem Nachbarhaus, wurde durch den Rückstoss des Aufpralls gegen die Hauswand geschleudert und musste sich in der Folge während längerer Zeit pflegen lassen. Albin Waeber erinnerte sich auch, wie ihr Hund in der Hundehütte verschwand und sich drei Tage lang nicht mehr zeigte. Es grenzt an ein kleines Wunder, dass beim Flugzeugabsturz - ausser jenem des Piloten - keine Menschenleben zu beklagen waren. Schon bald nach dem Absturz eilten Schaulustige ins Oberdorf. Noch bis Mitternacht und in den nächsten Tagen kamen immer wieder Leute und wollten die Unglückstelle sehen. Auch die Eltern und die Freundin des verunglückten Piloten Gerhard Bünter kamen nach Tafers. Sie wiederholten ihren Besuch in den folgenden Jahren jeweils am Jahrestag des Unglücks. Der Vater des getöteten Piloten bat Peter Waeber um die Erlaubnis, an der Absturzstelle ein Gedenkkreuz errichten zu dürfen. Albin Waeber weiss noch, dass er seinem Vater zwei Goldvreneli für die Zusage überreichte, dass das Kreuz während zwanzig Jahren erhalten bleibe.
Als später Moritz Waeber, der Bruder von Albin, in der Nähe der Absturzstelle ein Haus baute, wurde das Kreuz versetzt. Zur Erinnerung an die dramatischen Momente steht es noch heute gut sichtbar im Garten von Albin Waeber.
Das im Oberdorf bei Tafers abgestürzte Militärflugzeug gehörte einer Dreierstaffel an. Die Staffel war kurz vor 11 Uhr auf dem Militärflugplatz Payerne zu einem Übungsflug gestartet. Gesteuert wurde das Düsenflugzeug vom Typ Vampire vom 25-jährigen Feldweibel Gerhard Bünter aus dem nidwaldnerischen Dallenwil. Er gehörte zur Fliegerstaffel 14 und war am Tag zuvor für einen Wiederholungskurs in die Kaserne Payerne eingerückt. Im Zivilleben war er Linienpilot bei der Swissair.
Es wird angenommen, dass Feldweibel Bünter über Tafers in den Düsenstrahl seines Partouillenführers geraten war und sich dann im Stechflug von der Formation trennte. Beim Tiefflug über den Maggenbergwald streifte er eine Buche, die die andern Bäume weit überragte. Der Vampire wurde dabei so stark beschädigt, dass er beim Weiterflug Teile der Maschine und Treibstoff verstreute.
Entgegen verschiedenen Augenzeugenberichten war die Maschine nicht in der Luft explodiert. Sie zerschellte bei ihrem Absturz im Oberdorf, nordwestlich von Tafers. Der Pilot wurde rund 30 Meter weggeschleudert und erlag kurz nach seinem Absturz den schweren Verletzungen.
Gemäss Bericht in den FN vom 10. August 1955 hatte der Pilot offensichtlich im letzten Augenblick noch versucht, den Schleudersitz zu betätigen. Vielleicht versuchte er auch eine Notlandung auf dem nahegelegenen Lamprat, was ihm aber wegen der geringen Höhe nicht mehr gelang.
Neben den zahlreichen Schaulustigen waren gemäss FN kurz nach dem Absturz auch der Arzt Anton Merkle aus Düdingen und Fliegerfeldprediger Joseph Grossrieder auf der Unglücksstelle. Das Oberamt forderte bei der Polizei Verstärkung für den Ordnungsdienst an. Die Feuerwehr Tafers unter dem Kommando von J. Blanchard nahm mit Schaumlöschern die ersten Löscharbeiten vor. Gegen Mittag trafen die Hilfs- und Pikettmannschaften des Waffenplatzes Payerne in Tafers ein.
Offensichtlich waren auch Souvenierjäger unterwegs, die FN jedenfalls schreiben zwei Tage nach dem Unglück: «Anlässlich des Fugzeugabsturzes konnte ein für die Untersuchung wichtiges Messinstrument nicht mehr aufgefunden werden. Die Bevölkerung wird gebeten, sämtliche aufgefundenen Gegenstände auf dem Polizeiposten Tafers abzugeben.»

Bereits 1920 ein Unfall
In unmittelbarer Nähe des Unglücksortes war am 21. November 1920, im Rahmen eines Flugtages, der 34-jährige Militärpilot und Akrobatikflieger Leon Progin aus dem Greyerzerland abgestürzt und tödlich verletzt worden. ja
Dienstag 9. August 2005

http://www.freiburger-nachrichten.ch/smifrontend/artikel.cfm?id=45791&vFront=1
 
Grimmi

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@Bleiente
Hmm, ok - der Nordschwarzwald ist nicht so weit entfernt ... trotzdem - mich erstaunt es schon sehr dass Du diesen Artikel meiner Hauszeitung gefunden hast ... :TOP:

Wie dem auch sei - viel zu schreiben gibts dazu ja nicht mehr. Aber da ich bis heute Morgen auch noch nix von diesem Absturz mitgekriegt habe (immerhin ist es nur 2 Dörfer weiter) bin ich heute Nami mal auf die Suche gegangen.

Hier mal das Gedenkkreuz von nahe:
 
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Falls übrigens Interesse besteht könnte ich auch mal nen Thread über alle Gedenksteine betr. Luftwaffe in der Schweiz eröffnen. Teilweise gibt es wunderschöne Gedenksteine und so - trotz dem entstandenen Verlust an Menschenleben. Insbesondere Vampire/Venoms und Hunter kamen ja zeitweise leider recht in Scharen runter - ok, damals hatten wir ja auch noch ne Luftwaffe mit mehreren Hundert Kampfjets ..... :rolleyes: :(

Hier mal das Kreuz im Ganzen:
 
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Am rechten Bildrand sieht man den Wald von Obermaggenberg (...-Holz), über den die Vampire in Richtung des heutigen Quartiers Oberdorf im linken Bildbereich abstürzte.
 
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Hier ein bisschen besser sichtbar. Die Vampire kam über den Wald im Hintergrund und das Gedenkkreuz steht in der Bildmitte hinter dem Haus mit der Schweizerflagge (weisses etwas in rot :FFTeufel: )
 
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Und mit dem letzten Bild versuchte ich in etwa die Flugroute aus Sicht des Piloten zu rekonstruieren - was aber natürlich nicht zufriedenstellend gelang .... trotzdem ganz interessant. Das 'Notlandefeld' Lamprat, das im Text erwähnt wurde, befindet sich hinter dem Landi-Silo.

Bei der Maschine handelte es sich übrigens um die Vampire J-1148, eine FB.6 mit der Serial 657. Sie wurde erst 3 Jahre vorher der Schweizer Luftwaffe übergeben (31. Mrz 1952).
 
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Mirage6

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Erst mal Hallo an alle.

Ich habe das "Glück" dass ich aus Tafers stamme, und mein Vater damals als Junge den Vampire übers Maggenbergholz fliegen und abstürzen sah. Er war übrigens als erster beim toten Piloten. Aber nach seinen Erzählungen trug der Pilot damals keinen Helm sondern nur eine Haube. Die Vampires hatten damals ja noch keine Schleudersitze. Mein Grossvater arbeitete damals als Oberamtschreiber, daher weiss ich auch wer das wichtige Messinstrument mitgehen hat lassen. Es war der Cousin von meinem Vater. Aber sie brachten es bald zurück. Es war übrigens der Flugschreiber.
 
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Grimmi schrieb:
Falls übrigens Interesse besteht könnte ich auch mal nen Thread über alle Gedenksteine betr. Luftwaffe in der Schweiz eröffnen. Teilweise gibt es wunderschöne Gedenksteine und so - trotz dem entstandenen Verlust an Menschenleben. Insbesondere Vampire/Venoms und Hunter kamen ja zeitweise leider recht in Scharen runter - ok, damals hatten wir ja auch noch ne Luftwaffe mit mehreren Hundert Kampfjets ..... :rolleyes: :(

Hier mal das Kreuz im Ganzen:
@Grimmi
schön zu sehen das sich in der Schweiz jemand um das Kreuz kümmert ! Bemerkenswert das Du gleich mal hingefahren bist und solch ein tolle Vor-Ort-Reportage vollbracht hast. Und den Typ und die kennzeichen haben wir jetzt auch.

Und wir kennen jetzt dank Mirage6 (Willkommen im FF) auch wieder eine Geschichte hinter der Geschichte.

PS.: Deine Idee ist vielleicht nicht schlecht, das hier immer wieder solche Bilder gibt. Und würde es gut finden :TOP: auch zur Erinnung.
 
Bleiente

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Bleiente schrieb:
.....
In unmittelbarer Nähe des Unglücksortes war am 21. November 1920, im Rahmen eines Flugtages, der 34-jährige Militärpilot und Akrobatikflieger Leon Progin aus dem Greyerzerland abgestürzt und tödlich verletzt worden.
....
Weiss jemand um welch einen Flugzeugtyp es sich bei diesem Absturz gehandelt haben kann ? Ich verstehe das so, das es sich zumindest um ein Militärflugzeug gehandelt haben sollte das an diesem Flugtag teilgenommen hat.
 

Dogana

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Absturz 21.11.1920

@Bleiente

Es muss sich nicht unbedingt um ein Militärflugzeug gehandelt haben.
Zu dieser Zeit flogen die Militärpiloten auch manchmal ihre privaten
Maschinen, die sie in den Militärdienst mitgenommen haben.

Es handelte sich um den Piloten Léon Progin, der mit einem Morane-Saulnier
an diesem Tag abstürzte. Der Absturzort ist Freiburg.

Quelle:
Bordbuch der Schweizer Luftfahrt 1783 - 2000
 
Bleiente

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Dogana schrieb:
Es muss sich nicht unbedingt um ein Militärflugzeug gehandelt haben.
Zu dieser Zeit flogen die Militärpiloten auch manchmal ihre privaten
Maschinen, die sie in den Militärdienst mitgenommen haben.
Okay, klingt zwar zuerst etwas seltsam aber ist angesichts der schweizer Militärtradition nachvollziehbar.

Aber wurden dann die "Privatflugzeuge" in den Bestand, zumindest zeitweise für die Dienstzeit des Piloten, aufgenommen ? Erhielten Sie militärische Kennzeichen und wurden Sie operativ eingesetzt ?

Oder andersherum gefragt war es zu dieser Zeit üblich und möglich das ein Schweizer Bürger sein Privateigentum der Armee zur Nutzung überlassen hat ?

Immer diese Detailfragen :red: :FFTeufel:
 

Dogana

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@ Bleiente

Das sind wirklich Detailfragen, die lange Nachforschungen verlangen.

Den ersten Anhaltspunkt liefert die Zeitschrift der Flugplatzbrigade 32
"PA CAPONA" aus dem Jahre 1979. Dort heisst es:
"Im Dezember 1911 nimmt Armand Dufaux mit seinem privaten Flugzeug an den Manövern der 2.Division teil..."

Oskar Bider, der Cheffluglehrer, rückte bei der Mobilmachung am 1.August 1914 gleich mit seinem privaten Reservemotor ein. Die Flugzeuge wurden bei der damaligen Landesausstellung requiriert. Nachzulesen im Buch "50 Jahre Schweizer Flugwaffe" aus dem Jahre 1964.

Ich hoffe das hilft dir ein Stück weiter. Gruss
 
pok

pok

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Flugschreiber Vampire ?

...... Es war übrigens der Flugschreiber.....

Ich bezweifel das die Vampire einen Flugschreiber hatte.
Hat uebrigens die Phantom auch nicht. Mein Dad war in den 80er und 90er Jahren als Flugunfalluntersucher beim General Flugsicherheit. Besonders aufdringlichen Jornalisten, die sich auch um Absperrungen nicht kuemmerten pflegte er auf die Frage ob der Flugschreiber denn schon gefunden wurde zu antworten :" Nein noch nicht" da er nicht danach gefragt wurde erzahlte er den Freunden von der schreibenden Zunft auch nicht das noch nie ein Flugschreiber einer Phantom gefunden wurde :-).
 
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