Ausstieg aus Harrier

Diskutiere Ausstieg aus Harrier im Royal Air Force Forum im Bereich Einsatz bei; Ich habe wie immer rein zufällig einen recht kuriosen und auch interessanten Text gefunden.Es geht um einen Ausstieg aus einem Harrier des...

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  1. #1 Wolfman_1832000, 06.06.2007
    Wolfman_1832000

    Wolfman_1832000 Space Cadet

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    Ich habe wie immer rein zufällig einen recht kuriosen und auch interessanten
    Text gefunden.Es geht um einen Ausstieg aus einem Harrier des Wildenrath-
    Geschwaders.Originaltext stammt von Air Commodore Peter Taylor ,
    frei übersetzt von mir:TD:

    Teil 1

    Am 4.Mai 1972 stieg ich über Nord-Deutschland mittels Schleudersitz aus
    Harrier GR.1 XV794 aus.Da ich mich dabei nicht verletzte,könnte dies schon
    das Ende meines Berichtes sein.Aber um zu verstehen wie es dazu kam,
    werde ich die ganze Geschichte erzählen.

    Die Harrier waren erst seit Anfang 1970 bei der RAF im Einsatz.Ab 1971
    wurde in Wildenrath die Harrier-Wing mit den Staffeln 3,4 und 20 aufgebaut..Ich selber wurde der 4 Sqn als ein Flight Commander zugeteilt.
    Der frühe Harrier war ein schier unglaubliches Flugzeug und ich
    glaube das die meisten von uns gewaltigen Respekt davor hatten,aber
    dennoch keine Mühen scheuten so oft wie möglich damit fliegen zu können.

    Die Kombination aus neuem Flugzeug,anspruchsvollem operationellem
    Flugbetrieb sowie wenig Erfahrung in all dem bescherte uns des öfteren Unfälle und kleinere Missgeschicke.Unser Station Commander,Group
    Captain George Black,ermahnte uns bei jeder Gelegenheit ja vorsichtig
    zu sein.

    Dänemark,während eines 10-Tage-Staffelaustauschs.Am Morgen
    des 4.Mai wurde ich dazu bestimmt eine Vierer-Formation anzuführen,die Angriffe auf verschiedene Ziele in der Gegend um Flensburg durchführen sollte.Unsere Formation sollte auch von zwei Harriern unserer Staffel
    “ angegriffen “ werden.Diese fungierten als “ Feinde “ und waren
    mit simulierten Luft-Luft Raketen und Kanonen ausgerüstet.Das Briefing
    für diesen Einsatz war sehr gründlich und dauerte über eine Stunde.
    Im Laufe dieses Briefings bekamen wir die Mitteilung das ein
    Harrier nicht einsatzbereit war,dann noch einer und noch einer, bis
    am Ende nur eine Maschine übrig blieb,und zwar meine !

    Nun war also die komplette Planung des Einsatzes für die Katz und daher
    sollte ich alleine einen Aufklärungs/Angriffs-Einsatz fliegen.Gegen
    Mittag startete ich also mit XV794,drehte bei einer Geschwindigkeit
    von 420 Knoten bei 250 Fuss Höhe Richtung Süden um mein erstes
    Ziel anzugreifen.Der Flug verlief normal,bis ich mich auf mein nächstes
    Ziel vorbereitete.Als ich von meinem Kartenmaterial aufsah,bemerkte ich
    das eine Formation von drei grossen Vögeln ( im Laufe der Jahre wurden
    sie immer größer...) auf mich zuflog.Ich versuchte auszuweichen aber einer der drei Riesenvögel geriet in den Lufteinlass meiner Maschine,

    Es gab einen mächtigen Knall der von furchtbaren Geräuschen des
    ansonsten robusten Pegasus 100 Triebwerks begleitet wurde,welches
    sofort ausfiel.
    Ich befand mich über nahezu unbewohntem flachen Land.Versuche
    das Triebwerk neu zu starten schlugen fehl.Ich setzte schnell einen
    “ MAYDAY “ Notruf ab,den warscheinlich doch niemand hören würde.Mir
    war bewusst das mein Triebwerk ausgefallen war und ich überlegte was
    ich tun konnte.( In Wahrheit sagte ich zu mir selber : “Ich steige am
    besten sofort aus,bevor ich noch mit der Maschine abstürze”).Und dann,
    genau so wie man es in Büchern oder Zeitungen liest,sah ich das es doch einige Häuser gab und steurte das Flugzeug davon weg damit niemandem etwas passiert.Die Zeit wurde knapp und als ich offenes Geländer erreichte
    sah ich einen Hügel und steuerte das Flugzeug darauf zu,registrierte
    ein letztes Mal Höhe und Geschwindigkeit ( 100 Fuss bei 200 Knoten )
    und zog den Griff des Schleudersitzes.

    Mein Martin-Baker Mk.9 Schleudersitz arbeitete einwandfrei.Der
    Fallschirm öffnete sich rechtzeitig und ich steuerte auf eine Kuhwiese
    zu.Auf der Wiese befanden sich aber nicht nur Kühe,sondern auch
    einige Betonblöcke.Ich erinnerte mich an eine Fallschirmtechnik die
    ich 17 Jahre zuvor gelernt hatte und konnte den Blocks geschickt aus-
    weichen.Es gab eine zwar harte aber ansonsten perfekte Landung.

    Die ganze Aktion hatte höchstens 60 Sekunden gedauert !

    Teil 2

    Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen das die Maschine statt abzu-
    stürzen wunderbar weiterflog ,in leichtem Steigflug auf ca 7000 Fuss Höhe
    ging und in den Wolken verschwand.Es ist kaum zu beschreiben was man
    fühlt wenn man gerade auf unsanfte Art aus einem Flugzeug ausgestiegen
    ist und mit ansehen muss wie dieses munter weiter fliegt als sei weiter
    nichts geschehen....

    Von den Kühen einmal abgesehen,sasß ich also nun mutterseelenalleine
    ohne die Möglichkeit der Kommunikation auf einer Wiese in Nord-Deutschland.
    Ich hatte einen gebrauchten Fallschirm,die Überreste eines Martin-Baker
    Schleudersitzes,aber war ohne jegliches Transportmittel.
    Ich rappelte mich auf und wanderte über die Wiese bis ich zu einer kleinen
    Strasse kam und erreichte nach 20 Minuten ein Bauernhaus.Dort versuchte
    ich der Bauersfrau in meinem nicht gerade sehr guten Deutsch zu erklären
    was geschehen war.Aber mit Händen und Füssen konnte ich ihr meine Situation verständlich machen und ich konnte die Staffel in Skrydstrup
    anrufen.anrufen.Die Konversation mit 4 Sqn Ops knapp eine Stunde nach
    meinem Ausstieg war eher unwirklich .

    “ 4 Sqn Ops,Fg.Off.Bloxham am Apparat “.”Hallo Andy,hier ist Peter Taylor"
    ” Oh,ähh ....hast du nicht gerade einen Einsatz ? Na ja,egal.Ich geb dir
    Roger Austin ".Das wars auch schon.Keine Fragen,kein “ wie gehts dir “
    oder “ Was ist mit dem Flugzeug passiert “ und auch kein “ Wo bist du eigentlich ?”Andy legte den Hörer hin und brauchte über fünf Minuten
    Roger zu finden.Ab dem Zeitpunkt ging es wesentlich schneller.Roger
    erfasste was passiert war und liess die Rettungsmaschinerie anlaufen.

    Er erzählte mir auch was mit meinem Flugzeug geschehen war..XV794
    kletterte auf über 20000 Fuss und funkte munter weiter auf der Notfall-Frequenz.Da sich das Flugzeug einer Grenze des warschauer
    Paktes näherte,wurde eine deuetsche F-104 losgeschickt um es
    abzufangen.Der Pilot der F-104 war wohl höchst erstaunt eine perfekt
    fliegende XV794 ohne dazugehörigen Piloten zu sehen ! Kurz danach
    ging der Treibstoff zu Ende und das Flugzeug segelte in Süd-Dänemark
    hinein .Dort stürzte es dann auf offenes Gelände,verfehlte aber nur
    knapp ein Bauernhaus.Der Harrier flog nach meinem Ausstieg immerhin
    noch 38 Minuten !

    Der Grund für den 38-minütigen Solo-Trip war das sich der Vogel der in
    meine Maschine geflogen war durch die Flammen und Gase des Martin-Baker
    Schleudersitzes losgeschüttelt wurde als ich das Flugzeug verließ.
    Das Triebwerk tat darauf hin einen tiefen Atemzug und begann wieder
    ganz normal zu arbeiten.Da ich das Flugzeug vorher gut getrimmt hatte
    konnte XV794 so lange fliegen bis ihr der Treibstoff ausging.

    Ich erklärte Roger wo ich mich befand und er ließ einen Deutschen
    Rettungshelikopter nach mir suchen.Da ich allerdings nicht so leicht
    zu finden war, musste ich meinen SABRE Leitstrahlsender und auch die
    Leuchtsignale benutzen.So weit ich weiss war ich bis dahin der einzige
    Mensch der einen SABRE Sender an Land benutzt hatte.Das bescherte mir
    einen silbernen Becher der Firma.

    In Skrydstrup stiess ich wieder zum Rest meiner Staffel,wurde kurz aber
    gründlich von einer Frau Doktor untersucht und ging danach zur Ofiiziers-
    Messe.In diesen Zeiten war das Leben in Wildenrath niemals langweilig.
    Ich hab jetzt einen silbernen SABRE Becher,bin Mitglied im Martin-Baker
    Club,besitze den Griff eines Schleudersitzes und mein Logbuch um das alles
    beweisen zu können.:TD:
     
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  3. #2 Rock River, 06.06.2007
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    Schöne Geschichte!:TOP:
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  4. #3 Wolfman_1832000, 06.06.2007
    Wolfman_1832000

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    Es gibt auch noch die wahre Story von einer Wildenrather Phantom die
    " versehentlich " eine Brüggener Jaguar per Sidewinder abgeschossen hat:TD:
     
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    Hallo Wolfmann ,

    diese Geschichte habe ich damals auch im "Blättchen" gelesen .

    Wäre schön , wenn Du sie hier mal schreibst . War ja schließlich ein Abschuß im Kalten Krieg .


    Gruß logo
     
  6. #5 Wolfman_1832000, 07.06.2007
    Wolfman_1832000

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    Werde ich in den nächsten Tagen zum " Besten " geben:TD:
     
  7. PeWa

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    Du schreibst das so, als ob dies keine wahre Geschichte sei. Ist sie es denn?
    Naja sowas ähnliches ist einem Polen ja auch mal passiert, der hatte kurz nach dem Start Triebwerksprobleme und hat noch vom Tower gesagt bekommen, er solle aussteigen, doch danach flog, ich glaube es war eine Mig-23, munter weiter bis sie in Holland in ein Wohnhaus fiel und einen jungen Mann tötete...
     
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  10. vogel1

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    Huppala...falsch zitiert..mein Fehler wollte eigentlich das Thema generell zitieren, nämlich dass nach einem Ausstieg das Flugzeug stabilisiert wurde und weiter flog.
    Also praktisch so:
     
  11. #9 Wolfman_1832000, 25.06.2007
    Wolfman_1832000

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    Beide Storys sind tatsächlich wahr.Den Zeitungsbericht zum Abschuss habe ich allerdings nachgestellt....:TD:
     
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