Ein Flug mit der Ente...!

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Kenneth

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In Verbindung mit dem jährlichen Oldtimer- und Experimentalflugzeugtreffen in Stauning an den dänischen Westküste fand früher ein Luftrennen mit Experimentalflugzeugen statt. Dabei gewann nicht unbedingt derjenige, der als erster ins Ziel kam, sondern es wurde die Effizienz des Flugzeuges nach einem komplizierten Formel berechnet. Faktoren waren u.a. Gewicht, Treibstoffverbrauch, Leistung des Triebwerks und Geschwindigkeit. Ein schnelles, schweres Flugzeug mit einem kleinem Motor und geringem Verbrauch hätte demnach gute Chancen zu Gewinnen.

Ich bin Mitglied des veranstaltenden Vereins und beim Treffen in Juni 1993 durfte ich als "Ballast" in einer Long-Ez mitfliegen. Der Pilot und Erbauer hatte sich mit etwa 70 kg mehr Gewicht große Chancen ausgerechnet...! Nach eine Bedenkpause von etwa einer Nanosekunde sagte ich ja :D

Das Flugzeug wurde von Burt Rutan in USA Anfang der 80er Jahren entworfen. Es gab kein Bausatz, nur ein Zeichnungssatz und somit ist der Arbeitsaufwand enorm. Die Struktur besteht grob gesagt im wesentlichen aus Polyurethanschaum, der mit einem heissen Draht und Schabelonen zurecht geschnitten, dann mit GfK-Gewebe und Harz verkleidet und anschliessend verspachtelt und lackiert wird. Dieses Verfahren ermöglicht dem Amateur das Bauen von relativ komplexen Formen, ist aber extrem arbeitsaufwändig und wegen den Materialien nicht jeder Manns Sache.

Unten ein Bild vom Flugzeug mit der Zulassung OY-BSM. Das Bugrad wird beim Parken (und im Fluge) in der Regel eingezogen. Mit einem 115 PS Lycoming O-235 Triebwerk erreicht es eine Reisegeschwindigkeit von etwa 250 km/h und hat ein Flugdauer von 7 Stunden. Zum Vergleich hat eine Cessna 152 das gleiche Triebwerk, eine Reisegeschwindigkeit von etwa 170 km/h und ein Flugdauer von etwa 4 Stunden.
 
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Kenneth

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Blick nach vorne im Fluge. Als einziges Instrument befand sich hinten ein Kompass, aber Steuerknüppel (Sidestick!) und Ruderpedale waren vorhanden.
 
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Hier sind wir über ein Wendepunkt entlang der vorgeschriebenen Route. In Dänemark gibt es ein Art Freizeitarmée, wobei die Luftwaffensparte Luftraumbeobachtung machen. Beim jedem Wendepunkt waren sie in Position um zu verhindern, daß jemand ungesehen eine Abkürzung nahm.
 
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Vor und nach dem Flug wurde das Flugzeug gewogen, um den Treibstoffverbrauch exakt zu ermitteln. Unter jedem Rad befindet sich eine Waage.

Ich erinnere mich nicht mehr wie wir das Rennen schafften, ich weiss nur, daß wir nicht gewannen. Dies mag damit zusammenhängen, daß ich kurzzeitig "Pilot-in-Command" war und vor lauter Begeisterung nicht zu sehr auf der Steuerkurs achtete... :red:
 
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Am gleichen Tag durfte ich noch mal in einem Entenflügler mitfliegen, diesmal in einem Unikat, die "Opus-3" OY-CYZ. Der Erbauer von dieser Maschine hatte bereits (!) eine Jodel D.112 und eine Long-Ez gebaut, wollte aber seine eigene Verbesserungen in das Long-Ez Konzept einfließen lassen. Angelehnt an einer Long-Ez Abwandlung, die Cozy, baute er das Flugzeug in einem dreisitzer um, wobei man vorne nebeneinander sitzt. Antrieb ist ein 130PS Rolls-Royce/Continental IO-240. Die Verabeitungsqualität war absolut atemberaubend.
 
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Kenneth

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Hier ein Blick über meinen rechten Schulter auf ein Hauptflügel und ein Winglet. Jeder Winglet hat ein Seitenruder, das aber nur nach außen gelenkt werden kann. Tritt man auf beiden Pedalen gleichzeitig wirken sie somit als Luftbremse.
 
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Kurz vor dem Aufsetzen auf RWY 09 in Stauning (EKVJ). Das nach oben stehende Teil ist eine GPS-Antenne.

Das war's, hoffe es hat euch interessiert/gefallen...:D
 
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JohnSilver

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Im Lotter Kreuz links oben
:TOP: Ich würd auch gern mal als Ballast mitfliegen, am liebsten bei den Warbirds in Reno........... :D
 
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Yossarian

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Hi Kenneth, ich gehe mal davon aus, dass das kein echter Nurflügler ist und die Seitenruder "normal" wirken. Da würde mich mal interessieren, wie man beide Pedals gleichzeitig tritt. Sind die Pedals nicht kombiniert wie üblich oder werden die Ruder als Luftbremsen über die Pedal-Spitzen (wie Radbremsen) betätigt?
 
Kenneth

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Die Flugzeuge sind keine Nurflügler sondern Entenflügler ("Canards"; Hauptflügel hinten und ein Vorflügel vorne). Jeder Winglet hat ein Seitenruder - d.h. es gibt insgesamt zwei Seitenruder - wobei das rechte bzw. linke Ruders über Seile und Umlenkhebel mit dem rechten bzw. linken Pedal verbunden sind. Sofern ich weiss gibt es keine Verbindung zwischen den zwei Rudern und beide Pedale können somit ohne weiteres gleichzeitig getreten werden (und wirken dann als Bremsen). Angesichts des großen Momentarms (Abstand vom Winglet zur Längsachse durch den Massenschwerpunkt) dürfte der Ausschlag eines einzelnen Seitenruders wohl auch ausreichen, um eine Gierbewegung zu bewirken. In einem "normalen" (Klein-)Flugzeug ist der rechte bzw. linke Pedal mit der rechten bzw. linken Seite eines einzelnen Seitenruders verbunden, daher bewegt sich der eine Pedal zwangsläufig entgegengesetzt zum Pedal in dem getreten wird.
 
Yossarian

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Ja, hatte ich mir schon gedacht. Ist am Anfang bestimmt ziemlich ungewohnt mit den Pedals... Auf jeden Fall ein sehr interessantes Flugzeug!
Thanks and bye!
 
Flugi

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Das sich hier zwei Leute so anstrengen müssen, liegt wohl eher an den kleinen Rädern und dem hohen Gras.
Interessant an dieser Maschine, sind die Flügelbehälter zur Reichweitenverlängerung. Für USA- Verhältnisse sicher angeraten.Auch bei der Formgebung hat man sich Gedanken gemacht, sieht wie ein Hai oder Delphin aus.
 
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Kenneth

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Freut mich, daß der Bericht Euch gefallen hat. Wann warst Du in Oshkosh, Flugschreiber (ich war in 1993 dort)?
 
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