Energija und Buran

Diskutiere Energija und Buran im Raumfahrt Forum im Bereich Luftfahrzeuge; Ich habe mal ein wenig über beides gelesen. Und da hat sich mir folgende frage gestellt. Würde es heute nicht vielleicht einen Markt zumindest...
flieger28

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Ich habe mal ein wenig über beides gelesen. Und da hat sich mir folgende frage gestellt.
Würde es heute nicht vielleicht einen Markt zumindest für die Rakete geben?
Zumindest was die Nutzlast und die Flexibilität angeht, scheint sie ja nicht schlecht gewesen zu sein.
Oder übersehe ich da gravierende Mängel.
Das der Buran keine Chance hätte heutzutage ist mir klar. Aber das liegt ja weniger an der Konstruktion sondern an dem Typ selbst. Das kann man ja auch am Shuttle sehen. Das mit den geringeren Kosten scheint sich ja so nicht bewahrheitet zu haben.
Aber zumindest die Energija scheint ja so schlecht nicht gewesen zu sein. Vielleicht der damaligen Zeit zu weit voraus, was die Nutzlasten angeht.
Oder würde ein Betrieb dieser Rakete wirtschaftlich nicht möglich sein?
Würde mich mal interessieren.
 
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Andi Wuestner

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Ich hole das Thema mal wegen eines Modellbauprojektes aus der Versenkung. Einige Stellen der Außenhaut der Energija lassen sich farblich nicht so recht fassen. Bereiche wie z.B: die Anbauten an den Boostern erscheinen zwar grau, sehen aber irgendwie fleckig aus. Wie kommt dieses Aussehen zustande? Handelt es sich bei dem Material evtl. um unlackierte Faserverbund-Bauteile? Wie ist die Außenhaut des zentralen Blocks beschaffen? Hat man dort zur Isolierung ein ähnliches Material verwendet wie beim Shuttle-ET?

Andi
 

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Buran als Atomwaffenträger...?

New Scientist: After the cold war, why didn't Russia maintain its shuttle programme?

Oleg Kotov: We had no civilian tasks for Buran and the military ones were no longer needed. It was originally designed as a military system for weapon delivery, maybe even nuclear weapons. The American shuttle also has military uses.

The idea was to drop weapons from orbit?

Yes, absolutely. A shuttle is particularly useful for this because it can change its orbit and trajectory – so an attack from it is almost impossible to protect against. But the need for such military applications ended.
http://www.newscientist.com/article/dn20664-cosmonaut-soviet-space-shuttle-was-safer-than-nasas.html
 
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Man kann, glaube ich, davon ausgehen, dass alle Weltraumprojekte in der SU und in den USA eine militärische Komponente beinhalteten. Ob das in jedem Fall "Atombomben" waren, die da aus dem Weltraum purzel sollten lasse ich mal dahin gestellt. Insofern ist das oben gesagte wohl auch etwas Wichtigtuerei.
 
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Tatsächlich war der ursprüngliche Hauptzweck von Buran militärischer Natur, u.a. als Orbitalbomber oder auch für den Aufbau des russischen Gegenstücks zum amerikanischen SDI-Programm (im Volksmund als "Star Wars" Programm bekannt geworden). Zivile Aufgaben waren ursprünglich nur nebenbei geplant, z.B. für "Spacelab"-ähnliche Missionen, oder zur Versorgung der Mir Raumstation, oder auch als Unterstützung beim Aufbau von Mir-2. Im Gegensatz zum amerik. Space Shuttle war Buran aber z.B. nie dafür vorgesehen, Satelliten auszusetzen.
Die Prioritäten verschoben sich aber mit der Zeit, bis zu dem Punkt, wo man entweder Buran für die vorgesehenen militärischen Missionen nicht mehr brauchte, weil man sie anderweitig abdecken konnte, oder auch weil man merkte, dass die meisten Projekte undurchführbar, weil zu aufwendig und nicht finanzierbar, waren.
Als abzusehen war, dass es immer weniger militärische Aufgaben für Buran gab, konnte man auch auf die zivilen Aufgaben verzichten. Mit Sojus und Progress hatte man ja eine bewährte Architektur für die Versorgung der Mir und die russischen Module für den Auf- bzw. Ausbau einer Raumstation beruhen, wie ja auch Oleg Kotov im Interview sagt, auf einem Konzept, das ohne eine Raumfähre auskommt. Auch "Spacelab"-ähnliche Missionen brauchte man nicht, da man die entsprechenden Experimente z.B. entweder an Bord der Mir oder auch an Bord von unbemannten, aber rückführbaren Biosatelliten durchführen konnte.

Informationen zu geplanten militärischen Anwendungen von Buran gibt es z.B. hier: http://www.buran.ru/htm/spirit.htm Dies ist zwar eine russische Seite, kann aber mit gängigen Online-Uebersetzungsprogrammen übersetzt werden (z.B. mit Google Uebersetzer).
Mir ist bewusst, dass diese Entwürfe teilweise sehr fantastisch und futuristisch wirken, fast als ob sie einem Sci-Fi Roman entsprungen wären. Sie scheinen aber authentisch zu sein. Z.B. sind die Kampfsatelliten "Skif" und "Kaskad", wie auch die Mir-ähnliche Kampfstation mit den angedockten Buran-Rümpfen, genau so im Buch "Ракетно-космическая корпорация ЭНЕРГИЯ имени С.П.Королева", der offiziellen Chronik der Firma RKK Energia, auf den Seiten 419 und 420 abgebildet und beschrieben. Auch die an BOR-4 erinnernden, kleinen Raumgleiter, die mit Gefechtsköpfen hätten ausgerüstet werden sollen und zwecks Angriffen auf Bodenziele von Buran ausgesetzt werden sollten, werden in der "seriösen" Literatur so erwähnt.
 
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Wobei das Abwerfen von Kernwaffen aus dem Orbit eine schon sehr phantastische Idee ist, und angesichts der 10000 Alternativen (im wörtlichen Sinne, man war ja seinerzeit nicht knapp an Waffe und Träger) war dies eine sehr unökonomische Option. Kann natürlich sein, dass die Russen dem Reagan das mit dem SDI tatsächlich abgekauft haben. Dann wäre Ronald R. in der Tat in seiner Mission 100%ig erfolgreich gewesen (was jedenfalls seinen Teil angeht, das eigene Land vor die Wand zu fahren haben die Sowjets ganz allein bewerkstelligt).
 
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Naja, ein Abwurf aus dem Orbit hat gegenüber einem Anflug auf einer ballistischen Bahn doch auch einige Vorteile aus Sicht eines Angreifers:
- erheblich geringere Vorwarnzeit für den Verteidiger und somit grössere Chancen für den Gefechtskopf, die Verteidigung zu überwinden und bis zum Ziel durchzudringen.
- theoretisch unlimitierte Reichweite (wie schnell ich einen bestimmten Punkt erreichen könnte, hängt in der Praxis natürlich von den aktuellen Bahnparametern ab).
- ein bestimmtes Ziel kann auf unterschiedlichen Flugbahnen erreicht werden und kann somit aus verschiedenen Richtungen bedroht werden. Konkret bedeutete dies, dass die USA auch von Süden her bedroht werden konnten, statt nur über den Nordpol, was ein Verteidigungssystem für die USA erheblich aufwändiger, komplexer und teurer gemacht hätte.

Mit der R-36orb hatten die Sowjets übrigens von 1969 bis 1983 tatsächlich eine Orbitalwaffe in ihrem Arsenal. Es war eine Version der R-36 Interkontinentalrakete mit einem orbitalen Gefechtskopf.
 

Rhönlerche

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Außerdem kann man einen aus dem All anfliegenden Gefechtskopf viel schwerer orten, als einen Raketenangriff vom Boden mit verräterischem Start, heißem Anflug und eindeutiger Flugbahn.

Keine Ahnung, wie militärisch Buran wirklich war aber die gesamte Raumfahrt in Ost und West ist viel stärker von militärischen Projekten geprägt worden, als es noch heute öffentlich dargestellt wird.
 
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Ein Raumfahrzeug hat doch mehr oder weniger eine festgelegte Bahn, die zwar in der Höhe verändert werden kann, aber zur Seite nur in einem eng begrenzten Winkel. D.h. man ist selber für den Abwehrenden wie auf einem Tablett präsent, kann aber selbst zu einem benötigtem Abwurf in der Regel gar nicht über dem feindlichen Gebiet sein. Das ist nur dann, wenn zufällig die Bahn darüber laufen sollte. Also ein Abwurf aus einem Orbiter ist faktisch stark eingeschränkt.

Oder sehe ich da was falsch ?
 

Rhönlerche

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Wer sagt, dass der Kopf nicht noch Triebwerke dran hätte, um aktiv zu steuern?
 

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Das ist nur dann, wenn zufällig die Bahn darüber laufen sollte. Also ein Abwurf aus einem Orbiter ist faktisch stark eingeschränkt.

Oder sehe ich da was falsch ?
+1
Sehe ich genauso. Der Aufwand den Orbiter auf eine neue Umlaufbahn zu bringen ist groß, die Dauer lang und die Vorhersagbarkeit ziemlich gut.
Zumal, wenn gleichzeitig nur 2 oder 3 von denen rumkreuzen.
Die Dinger abzufangen dürfte im Vergleich zu dem Alternativprogramm Kindergeburtstag sein
Dagegen ist eine Interkontinentalrakete (womöglich noch von einem Uboot aus abgefuert) mit 10 MIRV ziemlich unabfangbar, zumal das Ganze recht fix geht und ggf. Hunderte von ihnen gleichzeitig anfliegen.

Zum Thema unauffälliger Start: Wenn >>1 Buran/Spaceshuttle gleichzeitig in den Orbit geschossen werden (geben dass die Startrampen für den Buran/Energija eigentlich her?, für Spaceshuttle jedenfalls max 2), dürfte bei einigen die Klingel angehen...

In dieser Verwendung halte ich das eher für Unfug oder zumindest Phantasterei.
Aufbau irgendwelcher Verteidigungseinrichtungen im Weltraum erscheint mir da erheblich schlüssiger.

Edit: MIRV = Multiple Independently targetable Reentry Vehilce
 
Schorsch

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Außerdem kann man einen aus dem All anfliegenden Gefechtskopf viel schwerer orten, als einen Raketenangriff vom Boden mit verräterischem Start, heißem Anflug und eindeutiger Flugbahn.

Keine Ahnung, wie militärisch Buran wirklich war aber die gesamte Raumfahrt in Ost und West ist viel stärker von militärischen Projekten geprägt worden, als es noch heute öffentlich dargestellt wird.
Wieso?
Der "Träger" ist permanent in 200km Höhe, und damit von wenigen Stationen direkt mit einfachen Radar zu orten. Satellitenabwehrwaffen sind seit den frühen 80ern vorhanden, und eigentlich kann man so einen Orbiter auch ganz einfach mit einer im Nahbereich gezündeten Kernwaffe wegpusten. Technologie dafür gibt es spätestens seit den späten 60ern.

Eine ICBM fliegt 30 Minuten, und ihr Start lässt sich nur indirekt beobachten (per Satellit). Ein Radarsignal bekommt man wenn sie schon knapp 1/4 der Bahn hinter sich hat. Dann ist sie bereits so schnell, dass ein Abfangen extrem schwierig ist (selbst mit 2011 Technologie).

Eine ICBM kostet etwa 10% eines Orbitalfahrzeugs, tendenziell eher weniger. Typhoon Klasse konnte unter der Polkappe auf 4000-5000km Großkreis an wichtige Ziele heran, das verkürzte Vorwarnzeiten auf 10 bis 15 Minuten.
Das einzig sinnvolle Ziel waren eigentlich die ICBM Silos, und selbst ohne die wäre die Zweitschlagsfähigkeit der USA gigantisch gewesen (andersrum genauso).

Also, an Overkill mangelte es weder den Sowjets noch den USA. Ich glaub man wusste am Ende selbst nicht so recht warum man Buran eigentlich gebaut hat (das ging den Sowjets ja irgendwie öfters so), und jeder hat sich ne Flotte Idee ausgedacht.
 

701

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Und deshalb betreibt die US Air Force auch einen neuen kleinen Gleiter weil es ja so nutzlos und unangebracht teuer ist, oder was?
Wenn so ein Gleiter keinen Nutzen hat werden ganz sicher, zu Zeiten eines teuren Krieges an der unteren Grenze, wertvolle Gelder und Kapazitaeten verschleudert.

Der Buran konnte und ist voellig fern und funkgesteuert worden.
Auch das hatte und hat seine Gruende.
Wir stellen uns jetzt mal 66 solcher X Gleiter vor wovon mind einer immer innerhalb von ca. 3min guenstig Einsatzbereit waere ueber das moegliche Ziel.
Ein klick und das Zielland hat keinen Strom mehr.
Vorwarnzeit gleich null. Du bestimmst Zeitpunkt und Beginn und es ist vorbei bevor der Feind ueberhaupt weis was passiert.
Das muss nicht mal eine Supermacht sein.
Eine Stromausfall im ganzen Iran und alles ist in paar Stunden vorbei.
Reicht das nicht...noch eine und so weiter.
Keine Verseuchung aber der Iran kann praktisch nichts mehr machen.

Eine Rakete welche in der Hoehe einfliegt sieht auch der Iran und kann drauf reagieren.
Zur Not kurz Stecker ziehen und nach 5 min wieder on gegen.
Alle Systeme waeren noch intakt.

Da gibt es noch viele andere schoene Dinge welche moeglich waeren.
 
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Und deshalb betreibt die US Air Force auch einen neuen kleinen Gleiter weil es ja so nutzlos und unangebracht teuer ist, oder was?
Wenn so ein Gleiter keinen Nutzen hat werden ganz sicher, zu Zeiten eines teuren Krieges an der unteren Grenze, wertvolle Gelder und Kapazitaeten verschleudert.
Was genau? Oder mal wieder Absichtserklärung, Prototyp, Forschungsprogramm und einsatzbereites System verwechselt?

701 schrieb:
Der Buran konnte und ist voellig fern und funkgesteuert worden. Auch das hatte und hat seine Gruende.
So kann man einen Notbehelf auch als Tugend darstellen. Die technische Herausforderung etwas ferngesteuert auszulegen ist niedrig, ein System hinreichend sicher für den Transport von Menschen zu gestalten viel höher. Herausforderung 1 wurde demonstriert, Nummer 2 dann nicht. Sagt uns was?

701 schrieb:
Wir stellen uns jetzt mal 66 solcher X Gleiter vor wovon mind einer immer innerhalb von ca. 3min guenstig Einsatzbereit waere ueber das moegliche Ziel.
Ein klick und das Zielland hat keinen Strom mehr. Vorwarnzeit gleich null.
66 Burans hätten etwa das BIP eines Jahres der Sowjetunion ausgefressen, speziell mit der ganzen Infrastruktur. Aber dafür hätte der Sowjetbürger sicherlich gern ein Jahr aufs Essen verzichtet.
Dazu ist die gute Energija ja eine Flüssigkraftstoffrakete. Die muss man aufstellen, betanken, und dann geht es vielleicht los. Vielleicht aber auch nicht, unzuverlässige Subsysteme sind kein amerikanisches Monopol. Der "Gegner" fliegt alle 90 Minuten mit seinem Satelliten vorbei und wundert sich, warum denn gerade heute alle 66 Raketen betankt werden.
Ach ja: das Zielland ohne Strom? Oh mein Gott, dann werden die kritischen Einrichtungen halt mit Generatoren befeuert. Der Gegenschlag startet binnen 30 Minuten und spätestens nach eine Stunde fallen 6000 Sprengköpfe auf Mütterchen Russland. Aber gut, dass wir die Gleiter hatten.

701 schrieb:
Du bestimmst Zeitpunkt und Beginn und es ist vorbei bevor der Feind ueberhaupt weis was passiert.
Wer als erster schießt, stirbt als zweiter. Wer sich vorher noch die Waffen vom Mund abgespart hat, kann zurecht als überaus dämlich bezeichnet werden.

701 schrieb:
Das muss nicht mal eine Supermacht sein.
Eine Stromausfall im ganzen Iran und alles ist in paar Stunden vorbei.
Reicht das nicht...noch eine und so weiter.
Keine Verseuchung aber der Iran kann praktisch nichts mehr machen.
Den Strom im Iran ausfallen zu lassen geht auch ohne Weltraumwaffen. Und auch hier gilt: dann wird zwar das Leben der Menschen beschwerlich, aber die militärischen Fähigkeiten erst mal kaum beeinflusst. Gut, die sind im Iran eh nicht üppig.


701 schrieb:
Eine Rakete welche in der Hoehe einfliegt sieht auch der Iran und kann drauf reagieren.Zur Not kurz Stecker ziehen und nach 5 min wieder on gegen.
Alle Systeme waeren noch intakt.
Deine Vorstellungen vom vernetzten Schlachtfeld sind schon romantisch - oder böse gesagt naiv.
 
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@701
Jezt bin ich etwas verwirrt. Was machen die X-Gleiter , damit irgendwo mal eben "das Licht aus und wieder an geht"?
Gerade im bezug auf solche Länder wie Iran habe ich da so meine Probleme. Wenn dort mal für 'ne Weile "das Licht aus geht" bringt die das nicht in arge Bedrängnis - das sind die gewohnt.
 
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Die Argumente, die Ihr hier für oder gegen eine Verwendung von Buran als Orbitalbomber vorbringt, mögen ja alle mal mehr, mal weniger richtig sein, aber Tatsche ist, dass Buran primär für militärische Aufgaben gebaut wurde, obwohl man die selbst noch nicht alle so genau kannte:

Wie Ihr vielleicht wisst, war Paranoia zu Zeiten des Kalten Krieges bei den beiden Supermächten eine weit verbreitete Geisteshaltung. Die Sowjets trauten den Amis ebensowenig über den Weg, wie umgekehrt.

Als das Space Shuttle der USA angekündigt wurde, haben sowjetische Wissenschaftler das ganze Konzept untersucht. Bei der Kalkulation der Kosten haben sie ziemlich bald gemerkt, dass die von der NASA verwendeten Zahlen unrealistisch waren. Die Verwendung von Wegwerfraketen wäre für die meisten vorgesehenen Missionen wie z.B. Satellitenstarts erheblich kostengünstiger gewesen. Als dann bekannt wurde, dass Starts für militärische Zwecke auf der Vandenberg AFB in Kalifornien geplant waren, schrillten bei den Sowjets die Alarmglocken. Sie haben nämlich bemerkt, dass bei einem Start in eine polare Umlaufbahn, die UdSSR bereits auf dem ersten Orbit nach dem Start überflogen werden konnte und haben ausgerechnet, dass ein aus diesem Orbit abgeworfenes militärisches Objekt gerade mal dreieinhalb Minuten bis auf sowjetischen Boden brauchte. Dies, zusammen mit der Tatsache, dass die Kostenangaben unglaubwürdig waren, war für die sowjetische Führung Grund genug, allen schönen Ankündigungen der NASA gründlich zu misstrauen. Man hatte einfach den Verdacht, dass das Shuttle noch mehr kann und eigentlich einen anderen Zweck hat, als die NASA zugibt.

Obwohl man also noch kein umfassendes Verständnis für die angenommenen militärischen Aufgaben und Fähigkeiten des US-Shuttles hatte, bestand deshalb die politische und wissenschaftliche Führungselite um Breschnew und Keldisch darauf, eine Kopie des Shuttle zu bauen, um sicherheitshalber mal gleichziehen zu können. Dies übrigens trotz starker Opposition aus den Reihen der Chefkonstrukteure der Raumfahrtindustrie, wie Gluschko, Tschelomey, u.a.
Gerade Keldisch war es, der den Bau von Buran bei Partei und Regierung durchdrückte, obwohl auch das Verteidigungsministerium nur schwach daran interessiert war.

Die Konstrukteure hatten genügend andere gute, vielleicht sogar bessere, Konzepte für einen Raumgleiter (z.B. Spiral), aber man wusste nicht, ob man damit die genau gleichen Fähigkeiten erlangen konnte, welche das auch immer sein mochten.
So unglaublich das also klingen mag, aber Buran wurde so als Kopie des Shuttle gebaut, weil die Führung unbedingt die selben (militärischen) Fähigkeiten erlangen wollte, obwohl oder vielmehr weil man dachte, dass man noch nicht wirklich alle Fähigkeiten des Shuttle kannte und verstanden hatte, aber auf jeden Fall sicher sein wollte, sie erlangen zu können. Ueberspitzt gesagt: Ein Nachbau auf Verdacht hin, so nach dem Motto: Wir wissen zwar noch nicht, was denen ihr Ding alles kann, aber wir bauen es jetzt mal genau so nach, um sicherzugehen, dass unser Ding dann das alles auch kann.

Das alles und noch mehr dazu, wieso Buran überhaupt gebaut wurde, kann man unter anderem im Buch "Challenge to Apollo" von Asif A. Siddiqi auf den Seiten 835 und 836 nachlesen. Das Buch kann auf der Website des NASA History Program Office als zweiteiliges PDF gratis runtergeladen werden: Teil 1, Teil 2. Die von mir erwähnten Seiten finden sich im zweiten Teil auf den PDF-Seiten 336 und 337.

Da die sowjetische Führung also glaubte, noch nicht alle wirklichen Fähigkeiten des Shuttle zu kennen, ist es doch nachvollziehbar, dass man sich alle möglichen, teilweise sehr fantasievollen Szenarien auch für die eigene Kopie namens Buran ausdachte. Daher ist es vor dem Hintergrund der Paranoia jener Zeit auch teilweise verständlich, dass den Sowjets dabei die "Pferde durchgingen".
Irgendwann wurde man von der Realität eingeholt und hat gemerkt, dass viele der vorgesehenen militärischen Aufgaben entweder technisch undurchführbar, oder zu aufwändig und zu teuer, oder militärisch überholt, bzw. verwundbar, bzw. wenig sinnvoll waren. Schade nur, dass dieser Realitätssinn bei der obersten Fürhung erst einsetzte, als schon Milliarden von Rubel ausgegeben worden waren...
 
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Danke, sehr informativer Beitrag!

Ist doch sehr erstaunlich, dass das Shuttle Programm ohne es zu beabsichtigen die Sowjets zu so einem kostspieligen Gegenprogramm veranlasst hat.
 
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Wobei auf jeden Fall der konzeptionelle Unterschied beider Systeme interessant ist.

Der Buran ist an die Energija angehangen, d.h. sie ist das Hauptantriebssytem und es können auch andere Lasten seitlich angehangen werden (war ja auch beim Erststart so). Der Buran ist also nur einer der möglichen Nutzlasten.

Der Space Shuttle dagegen ist das eigentliche Hauptantriebssystem und ist somit vollkommen anders konzipiert.
 
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Wobei auf jeden Fall der konzeptionelle Unterschied beider Systeme interessant ist.

Der Buran ist an die Energija angehangen, d.h. sie ist das Hauptantriebssytem und es können auch andere Lasten seitlich angehangen werden (war ja auch beim Erststart so). Der Buran ist also nur einer der möglichen Nutzlasten.

Der Space Shuttle dagegen ist das eigentliche Hauptantriebssystem und ist somit vollkommen anders konzipiert.
Naja, eigentlich wurde der Hauptanteil (83%) des Schubs beim Start eines Shuttle durch die beiden SRBs (Feststoffbooster) erzeugt.

Die Konzepte sind übrigens gar nicht so vollkommen anders. Das Shuttle besteht aus vier Komponenten - SRB, ET (Aussentank), SSMEs (Haupttriebwerke) und Orbiter - von denen die drei ausser dem ET wiederverwendbar sind . Die SSMEs werden in der Shuttle-Architektur als separates Element betrachtet. Sie sind ja beliebig austauschbar und wurden nach jeder Mission ausgebaut, überholt und wieder in einem beliebigen Orbiter eingebaut. Einige SSMEs sind so auch mit verschiedenen Orbitern und an verschiedenen Positionen ins All geflogen.

Die Buran-Architektur besteht grundsätzlich auch aus diesen vier Elementen, wobei die beiden SRBs durch vier "Blok A" genannte Booster mit Flüssigkeitstriebwerken ersetzt wurden.

Die Zusammensetzung dieser vier Grundelemente ist dann natürlich schon unterschiedlich. Beim Space Shuttle entschied man sich, die SSME am Orbiter anzubauen, weil so die Rückholung der SSME für die Wiederverwendung am einfachsten zu bewerkstelligen war. Sie konnten so zusammen mit dem Orbiter zurückgeholt und gelandet werden, ohne zusätzliche Systeme wie z.B. Fallschirme.

Bei Energija/Buran entschied man sich, die RD-0120 Haupttriebwerke am Zentraltank statt am Orbiter anzubringen, womit man eine autonome Schwerlastrakete mit Zentralstufe (Blok Z) erhielt, die nicht vom Orbiter abhängig war. Dafür opferte man die Wiederverwendbarkeit der RD-0120 Triebwerke.
Ja, ich weiss auch, dass immer mal wieder behauptet wird, dass Energija komplett wiederverwendbar war. Allerdings gibt es in der einschlägigen seriösen Literatur nirgendwo Hinweise darauf, dass eine Rückholung und Wiederverwendung des Blok Z, oder auch nur der daran angebrachten Triebwerke, vorgesehen war. Auch auf den bekannten Zeichnungen ist keine Spur von einem Bergungssystem zu sehen, das benötigt würde, um Blok Z und/oder Triebwerke von Fast-Orbitalgeschwindigkeit abzubremsen und so heil landen zu lassen, dass sie für eine Wiederverwendung tauglich waren.
Die Wiederverwendung war nur für die jeweils vier Blok A vorgesehen, wobei bei den beiden ersten und einzigen Starts einer Energija die entsprechenden Bergungsysteme noch nicht eingebaut waren und somit die insgesamt acht Blok A alle abgeschrieben wurden.
 
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Vielleicht noch mal zu Frage der Bahnänderung zurück.

Nach meiner Meinung kann man die Bahnneigung eines Satelliten so gut wie nicht ändern, d.h. man kann ihn nicht gezielt zu einem beliebigen Ort lenken.
(irgendwo hatte ich mal gelesen, dazu ist der Energieaufwand sehr groß und soviel Treibstoff ist nicht an Bord)
 
Thema:

Energija und Buran

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