Europäischer Satellit "Envisat" meldet sich nicht

Diskutiere Europäischer Satellit "Envisat" meldet sich nicht im Raumfahrt Forum im Bereich Luftfahrzeuge; Mehr als 50.000 Erdumrundungen im Dienste der Wissenschaft hat er hinter sich - doch nun ist der Esa-Satellit "Envisat" vorläufig ausgefallen....

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 langnase73, 12.04.2012
    langnase73

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    Mehr als 50.000 Erdumrundungen im Dienste der Wissenschaft hat er hinter sich - doch nun ist der Esa-Satellit "Envisat" vorläufig ausgefallen. Sollte die Mission tatsächlich nicht mehr zu retten sein, wäre das ein schwerer Schlag für die Forschung.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,827236,00.html
     
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  3. mcnoch

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    Envisat ausgefallen

    Der 2002 gestartete Forschungssatellit "Envisat" hat vergangenen Sonntag eine ernstliche Fehlfunktion erlitten. Seitdem ist der Kontakt abgebrochen, so dass die aktuellen Beobachtungsdaten nicht mehr heruntergeladen werden konnten. Envisat ist schon in der Verlängerungsphase seiner Mission und konnte nicht mehr dauerhaft auf seiner Zielhöhe gehalten werden, da der Treibstoffvorrat zu Neige geht, aber trotzdem wäre ein dauerhafter Ausfall ein echter Verlust. Durch seine ungewöhnliche Vielzahl von Mess- und Beobachtungsinstrumente erlaubte er die zeitgleiche Beobachtungen durch eine Vielzahl von Instrumenten, was bestimmte Zusammenhänge aufdeckte, die bei Beobachtungen durch einzelne Instrumente nicht möglich gewesen wären. Nach ESA Angaben wurden Envisat Daten schon in über 4000 Forschungsprojekten in 70 Ländern genutzt.

    http://www.esa.int/esaCP/SEMQ2EHWP0H_index_0.html
     
  4. mcnoch

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    Die Vorbereitungen zur Rettung von Envisat laufen mittlerweile.
    Auswertungen der besonders hochauflösenden Radarmessungen des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in Wachtberg haben keine Hinweise auf eine äußere Beschädigung, z.B. durch einen Einschlag eines größeren Weltraumschrott-Teils ergeben. Lediglich Einschläge durch Mikrometeoriten könnten bei dieser Aufnahmen nicht gesehen werden. Kurs und Lageausrichtung von Envisat stimmen ebenfalls.

    Nun soll ein französischer Satellit aus dem Pleiades-Verband aus 120 km Entfernung Fotos von dem Satelliten schießen. Da auch Schäden durch Weltraumwetter als unwahrscheinlich eingestuft werden, dienen diese Fotos wahrscheinlich nur dem Ausschlussverfahren, so dass ein Versagen der Funk- oder Strom-Systeme derzeit im Vordergrund der Spekulationen steht. Dass es ein Schaden ohne Vorwarnung gewesen sein muss, der über Envisat hereingebrochen ist, ist mittlerweile auch klar, denn die zuletzt übertragenen Daten zeigen keine Fehler oder Warnmeldungen. Auch die letzten wissenschaftlichen Daten (Bilder con den Kanaren) sind ganz normal übertragen worden.

    Sollte es nicht gelingen die Kommunikation wieder herzustellen wird es für die Spezialisten am Boden schwierig herauzubekommen, was mit dem Satelliten los ist und ohne Ursache kann man keine Gegenmaßnahmen einleiten. Im schlimmsten Falle ist der Satellit verloren und wird in ca. 100 Jahren aus seiner derzeit 790 km hohen Umlaufbahn soweit abgesunken sein, dass er auf die Erde abstürzt. Bis dahin würde der Satellit aber voraussichtlich einige Dutzend Kollisionen mit anderen Weltraumschrott-Teilen erleiden und bei den Zusammenstößen vermutlich weiteren Weltraumschrott erzeugen, der das Problem weiter vergrößert und eine akute Gefahr für andere Forschungssatelliten in dieser und niedrigeren Höhen darstellen wird.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,827408,00.html
     
  5. #4 Lebensgreif, 16.04.2012
    Lebensgreif

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    Envisat - ohne Rückmeldung

    Als ich die Nachricht las, wonach der europäische Forschungssatellit Envisat sich "nicht mehr meldet" bzw. kaum noch steuerbar ist, hat es mich insofern umgehauen als ich genau dies neulich in einem Roman gelesen habe (Armin Weber: Der Zehnte Planet). Mitunter ist es ja so, dass die Wirklichkeit der Fiktion vorausgeht, hier ist es aber eindeutig umgekehrt: Da geht doch glatt die Fiktion der Wirklichkeit voraus. Denn das Muster, wie der Satellit sich allmählich verabschiedet und schließlich verschwindet, ist dort auf beklemmende Weise "vorhergesagt". Und was dann folgt, ist noch gruseliger. Hoffen wir, dass im Blick darauf die Fiktion auch Fiktion bleibt!
     
  6. mcnoch

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    Weitere Untersuchungen haben zwar ein paar neue Erkenntnisse ergeben, nämlich dass etwas die Lage des Satelliten verändert haben muss, ob ein externer Einfluss oder eine Fehlsteuerung ist noch nicht klar. Es besteht weiterhin absolute Funkstille, was es unmöglich macht, Daten herunterzuladen und eine Fehlfunktion aus den Logs zu analysieren. Dies hätte selbst dann möglich sein sollen, wenn der Satellit sich in den Safe-Mode versetzt hätte.
     
  7. #6 fire.air, 25.04.2012
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    Wer Wikipedia als Quelle vertrauen möchte, kann hier zumindest nachlesen das Envisat sowieso schon zu lange arbeitet. (jetzt mal ganz platt ausgedrückt)
    -------------------------------------------------
    Wiki-Envisat
    Envisat sollte ursprünglich bis 2007 seinen Dienst verrichten. Auf Grund der zuverlässigen Arbeit und der erkenntnisreichen Daten von etwa 280 Gigabyte pro Tag wurde die Mission zunächst bis 2010 weitergeführt.[5] Eine Verlängerung der Mission über 2010 hinaus war technisch möglich und wurde von den Mitgliedsstaaten zeitgerecht bis 2013 beschlossen. Da der Manövertreibstoff zur Neige geht, wurde die Orbithöhe des Satelliten verringert.
    -------------------------------------------------
    Wenn eine Lebensdauer bis 2007 angegeben wird und sich diese "rechnerisch" bis 2013 verlängert werden kann, sehe ich es nicht tragisch wenn dat Dingens dann 2012 aufgibt.
     
  8. #7 odlanair, 25.04.2012
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    Ich gehe davon aus, daß das geplante Lebensende mit dem gezielten Wiedereintritt und Verglühen zur "rückstandslosen" Entsorgung geplant war.
    Das sollte sicher auch nach Verlängerung noch so sein.

    Das unvermittelte Aussetzen aller Möglichkeiten, einen Wiedereintritt gezielt zu veranlassen, ist ein Problem, d.h. es wird zum Problem werden.
     
  9. #8 flyer0852, 25.04.2012
    Zuletzt bearbeitet: 25.04.2012
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    Es ist schon tragisch, dass "dat Dingens" aufgibt, es gibt eine Lücke in den Daten die gestopft werden muss, da die Nachfolgemissionen, die sogenannten Sentinels noch nicht, bzw. der erst frühestens 2013 an den Start geht. Normalerweise geht man davon zwingend davon aus, dass das "designlife" bei weitem überschritten wird. Das ist so etwas wie das Mindesthalbarkeitsdatum für Satelliten. Das Problem das aus dem Ausfall erwächst ist kein technisches, sondern ein Problem der Anwendungen, manche sensoren können nicht durch andere substituiert werden und damit ist erstmals Schluss mit der jeweiligen Anwendung.
    Dass Satelliten durchaus länger Leben können hat Landsat-5 bewiesen der ebenfalls 5 Jahre "designlife" hatte und mit verschiedenen Kunstgriffen 27 Jahre in Betrieb war und nun seit November 2011 leider keine Bilder mehr lieferte und nun doch wiederbelebt werden konnte im 28 Jahr seines Daseins. Auch da mangelt es momentan noch an einem Nachfolger da der Launch der LDCM erst für Januar 2013 geplant ist.
    D.h. die Erdbeobachtung mit mittelauflösenden Daten hat momentan ein echtes Problem. Noch deutlicher wird das bei Athmosphärendaten für die ENVISAT eineige sehr spezielle Instrumente an Bord hatte.
     
  10. mcnoch

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    Ein Verlust würde die Wissenschaftler aber trotzdem hart treffen, denn mit Blick auf die Verlängerung hat man sich mit der Nachfolge-Mission halt mehr Zeit gelassen, die man jetzt nicht mal eben einholen kann. Also würde die Wissenschaft für einige Jahre mit einer Lücke in ihren Datensammlungen leben müssen.
     
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    Die Wahrscheinlichkeit Envisat noch retten zu können, wird mittlerweile nur noch mit sehr gering angegeben.
    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die neuste Folge (RZ036) des ESA-Podcasts Raumzeit (http://raumzeit-podcast.de/2012/04/27/rz036-deutsches-raumfahrt-kontrollzentrum/), der am Beispiel von Envisat recht ausführlich die Problematik erörtert, solch einen Satelliten mittels eines anderen Satellite aus seiner Umlaufbahn in einen Absturzorbit zu bringen. Envisat hätte noch genug Treibstoff, um bis zum Ende des Jahrzehnts zu arbeiten, aber nicht genug, um sich selber in einen Absturzorbit zu manövrieren. Ohne fremde Hilfe würde der Satellit hunderte von Jahren im Orbit bleiben, ehe er verglüht. Dabei wäre es sehr wahrscheinlich, dass er mit anderen Satelliten oder Trümmerteilen kollidiert und eine immer größere Anzahl von Trümmerteilen produziert, die dann weitere Satelliten bedrohen. Darum will man bei der ESA einen Satelliten entwickeln, der solche Alt-Satellite, die nicht (mehr) aus eigener Kraft in einen sichere Absturzorbit gelangen können, sicher und ohne Trümmerentstehung in einen solchen Orbit befördern, damit die für die Erdbeobachtung wichtigen Orbits bis 800 km Höhe nicht in 50-100 Jahren so von Trümmerteilen verseucht sind, dass sie unbrauchbar geworden sind. Man hat zwar für dieses Vorhaben schon allerlei - auch in Deutschland - entwickelt, hat aber geglaubt mehr Zeit zu haben und ist daher noch in der Projektphase. Möglicherweise kommt jetzt mehr Druck und damit ein größeres Budget zustande, um nicht nur die wissenschaftliche Nachfolge-Mission zu beschleunigen, sondern auch die Abschleppmission.
     
  13. mcnoch

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    Die ESA hat die Envisat-Mission beendet. Es gibt keie Möglichkeiten mehr den havarierten Satelliten noch zu erreichen. Alle Rettungsversuche sind damit gescheitert und beendet. Die weiteren Versuche der Kontaktaufnahme in den nächsten zwei Monaten sind mehr formale Tätigkeiten. Die Ursache ist weiterhin unklar, vermutlich ein interer Fehler in der Steuerung der Stromzuführung oder im Bordcomputer.

    http://www.esa.int/esaCP/SEM1SXSWT1H_index_0.html
     
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