Flüssigsauerstoffeinspeisung bei Deutschen u. Alliierten Kampfflugzeugen?

Diskutiere Flüssigsauerstoffeinspeisung bei Deutschen u. Alliierten Kampfflugzeugen? im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Hallo, liebe Gemeinde, ich hätte da mal eine Frage, deren Beantwortung auch viele von euch interessieren könnte: Wurde der Sauerstoff bei...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 MikeBravo, 18.05.2015
    MikeBravo

    MikeBravo Testpilot

    Dabei seit:
    08.04.2010
    Beiträge:
    604
    Zustimmungen:
    117
    Ort:
    Langenzenn
    Hallo, liebe Gemeinde,

    ich hätte da mal eine Frage, deren Beantwortung auch viele von euch interessieren könnte: Wurde der Sauerstoff bei Jägern und Bombern flüssig oder Gasförmig evtl. mit welcher Temperatur,(aus Mutterflaschen) eingespeist?

    Viele Grüße

    Michael
     
  2. Anzeige

    Schau dir mal die beiden Links an:
    diesen Ratgeber und die Flugzeug-Kategorie

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  3. #2 Michael aus G., 18.05.2015
    Michael aus G.

    Michael aus G. Testpilot

    Dabei seit:
    15.02.2010
    Beiträge:
    981
    Zustimmungen:
    619
    Ort:
    leider zu weit wech von einem richtigen Flugplatz
    Na heutzutage doch Liquid Oxygen. (LOX). Bei der Transall gabs übrigens nur Pressluft... :TD:
     
  4. Charly

    Charly Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.12.2009
    Beiträge:
    368
    Zustimmungen:
    731
    Ort:
    Lkr. PAF
    Zz der damaligen Zeit dürfte primär die gasförmige Lagerung in Druckgasbehältern verbreitet gewesen sein.
    Befüllung bei Umgebungstemperatur über Druckdifferenz.

    @ Atemsauerstoff in flüssiger Form hat spezielle Anforderung hinsichtlich Taupunkt. Sehr niedrig, damit es in
    großen Höhen nicht zum ausgefrieren von Restfeuchte kommt.

    Inzwischen glaube ich gibt es sogar O2-Generatoren an Bord (EF ?).

    Gruß

    KH
     
  5. #4 Jubernd, 26.05.2015
    Jubernd

    Jubernd Fluglehrer

    Dabei seit:
    23.02.2009
    Beiträge:
    238
    Zustimmungen:
    80
    Ort:
    Dessau
    Die Sauerstoffversorgung erfolgte bei deutschen Flugzeugen über die berühmten 3 Sauerstoffkugeln unter hohem Druck, Volumen ungefähr 3x 1 Liter, aber unverflüssigt. Aus einem Ami-Bomber ist mir ein Druckbehälter in die Hände gefallen, der aus rostfreiem Stahl mit aufgeschweissten Rippen bestand und etwa 20 Liter Volumen hatte. Nenndruck um die 220 Bar. Ebenfalls unverflüssigt.
    Die genauen Werte habe ich leider nicht mehr griffbereit.
     
  6. #5 Jubernd, 06.06.2015
    Jubernd

    Jubernd Fluglehrer

    Dabei seit:
    23.02.2009
    Beiträge:
    238
    Zustimmungen:
    80
    Ort:
    Dessau
    Habe noch etwas über die Sauerstoffkugeln gefunden: Volumen 2 Liter, Füllmenge 0,44 Kg Sauerstoff. Hier liegt offenbar tatsächlich Verflüssigung vor.
     
  7. Charly

    Charly Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.12.2009
    Beiträge:
    368
    Zustimmungen:
    731
    Ort:
    Lkr. PAF
    Bei den dickwandigen Stahlbehältern wie den "Kugeln" der damaligen Zeit kommt nur gasförmige Lagerung verdichtet (ca. 200 bar) in Frage.
    Ansonsten hat man bei ca. -183°C für LOX bald ein Problem. Lagerung üblicherweise nur in doppelwandigen isolierten Behältern.

    Gruß

    KH
     
  8. 78587?

    78587? Space Cadet

    Dabei seit:
    02.08.2005
    Beiträge:
    1.493
    Zustimmungen:
    506
    Ort:
    BRDeutschland

    Das sind Niederdruckbehälter, und gefüllt mit max 450psi (31bar)

    Dann gab es noch kleine tragbare Behälter für den Notausstieg, die sollten so um die 1800psi gefüllt sein.

    Flüssigsauerstoff, so was führte damals keiner in einem Flugzeug mit. Das System (Kryogen-Behälter, Verdampfer, Regler etc.) ist viel zu aufwendig und vor allem Gefährlich. ! Es gab aber Versuche, flüssigen Sauerstoff zur Leistungssteigerung zu verwenden. Aber das hat man nicht eingeführt, da die Handhabung mit dem System, und bei der Truppe im Fronteinsatz viel zu gefährlich war.
    Was aber verflüssigt bei etwa -90° in deutschen Jagdflugzeugen (Bf 109) mitgeführt wurde war, Distickstoffmonoxid (Stickoxydul). In der Ta152 hingegen, wurde das nur Gasförmig in Druckbehältern im Flügel mitgeführt.


    .
     
  9. #8 Junkers-Peter, 08.06.2015
    Junkers-Peter

    Junkers-Peter Space Cadet

    Dabei seit:
    23.06.2006
    Beiträge:
    1.394
    Zustimmungen:
    1.490
    Ich habe jetzt nur in den Handbüchern der Bf 109, Ju 86 P/R und Ju 88 nachgesehen: Demnach lag der normale Fülldruck der Sauerstoffflaschen (2 l) bei 150 bis 170 bar.

    Lachgas (GM 1) zur Leistungssteigerung gab es in druck- und kälteverflüssigter Form, wobei dann hauptsächlich das zweite Verfahren angewendet wurde. Stickoxydul musste "nur" auf rund -100 °C abgekühlt werden.

    Viele Grüße
    Peter
     
  10. #9 Jubernd, 08.06.2015
    Jubernd

    Jubernd Fluglehrer

    Dabei seit:
    23.02.2009
    Beiträge:
    238
    Zustimmungen:
    80
    Ort:
    Dessau
    Ich hatte mich über die relativ hohe Füllmasse gewundert, aber ein Rechenbeispiel kommt bei einer 50 Liter-Flasche und 150 bar auf runde 10 Kg Füllmasse. 0,44 kg bei 2 Litern sind also tatsächlich unverflüssigt erreichbar.
    Gruß
     
  11. #10 Jubernd, 08.06.2015
    Jubernd

    Jubernd Fluglehrer

    Dabei seit:
    23.02.2009
    Beiträge:
    238
    Zustimmungen:
    80
    Ort:
    Dessau
    Den Ami-Behälter hatte ich schon vor Jahren in den Schrott gegeben. Daraus wurden nach dem Krieg gern rostfreie Wassereimer hergestellt. Quer durchgeschnitten, Fuß und Henkel dran, Fertig. Dabei konnte man auch die recht geringe Wanddicke von unter zwei Millimetern, aber auch die hohe Zähigkeit des Materials erkennen. 31 bar erklären das.
    Gruß
     
  12. Charly

    Charly Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.12.2009
    Beiträge:
    368
    Zustimmungen:
    731
    Ort:
    Lkr. PAF
    N2O ist physikalisch dem CO2 sehr ähnlich, d.h. bei Umgebungstemperatur von 20°C liegt N2O in flüssiger Form mit einem Dampfdruck von ca. 50 bar in den Druckgasbehältern vor. Abgefüllt wird in flüssiger Form, die Füllmenge über das Gewicht erfasst.
    Eine Abfüllung wie bei den Luftgasen über Druck klappt hier so nicht. Entnommen wir dann normalerweise über die Gasphase die sich über der Flüssigphase bildet. Wenn man nur etwas Gasphase über Druckdifferenz umfüllt, kriegt man nicht viel Menge rein.


    Gruß
    KH
     
  13. 78587?

    78587? Space Cadet

    Dabei seit:
    02.08.2005
    Beiträge:
    1.493
    Zustimmungen:
    506
    Ort:
    BRDeutschland
    Ja, hätte ich etwas präziser Ausdrücken sollen.:wink:

    Gemeint war das sog. "Nasse"-System mittels Kryogen-Behälter, und das "Trockene"-System mittels Druckbehältern. Ersteres sollte unmittelbar vor dem Einsatz befüllt werden, da der Verlust bei hohen Aussentemperaturen doch beträchtlich war.
    war.


    .
     
  14. Charly

    Charly Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.12.2009
    Beiträge:
    368
    Zustimmungen:
    731
    Ort:
    Lkr. PAF
    Aber nicht bei CO2 und N2O. Wird flüssig in die "normalen" unisolierten Stahlflaschen abgefüllt.
    Bei 20°C hat der Behälter dann einen Druck von ca. 50 bar. Mit steigenden Temperaturen z. B. 40°C steigt Druck auf ca.70-80 bar (meine Schätzung jetzt aus dem Bauch). Um dann genügend Raum für die Ausdehnung zu haben wir die Flasche nur zu ca. 75% nutzbares Volumen gefüllt. In heißen Länder wird der Füllgrad deswegen weiter reduziert. Den Druckanstieg halten die Flaschen locker aus, waren wahrscheinlich auf min 250 bar geprüft.

    Das mit den kryogenen Behälter betrifft im wesentlichen die Luftgase Stickstoff, Sauerstoff und Argon

    Gruß
    KH
     
  15. 78587?

    78587? Space Cadet

    Dabei seit:
    02.08.2005
    Beiträge:
    1.493
    Zustimmungen:
    506
    Ort:
    BRDeutschland
    ahhh ja....., hier mal ein paar Auszüge aus dem Handbuch der GM-1 Anlage:
     

    Anhänge:

    Del Sönkos, EDCG und Junkers-Peter gefällt das.
  16. Anzeige

    Hallo

    Schau dir doch mal die Luftfahrt-Kategorie an

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  17. #15 Junkers-Peter, 22.06.2015
    Junkers-Peter

    Junkers-Peter Space Cadet

    Dabei seit:
    23.06.2006
    Beiträge:
    1.394
    Zustimmungen:
    1.490
    Die Versuche mit kälterverflüssigtem GM 1 begannen im Frühjahr 1942 mit der Ju 86 R, zuerst in Rechlin, später bei der VfH (Rowehl) in Oranienburg. Viele der Ju 86 R erhielten dann auch eine GM 1-Anlage.

    Die Ju 88 S-1/T-1 wurde serienmäßig mit einem GM 1-Rüstsatz ausgerüstet. Anbei der Einbau der Anlage in der Ju 88. Die drei großen Behälter sind die isolierten Gefäße für das auf rund -90°C abgekühlte GM 1. Durchmesser je Behälter 0,5 m, Länge 1 m, Inhalt 115 l. 1 l kälteverflüssigtes GM 1 ergibt rund 600-650 l Gas. Links und rechts befinden sich die beiden Pressluftbehälter zur Förderung des GM 1, Füllmenge 6000 l. Um ein Vereisen zu verhindern, mussten auch die Zuleitungen zu den Motoren wärmeisoliert werden.

    Bei einem Durchsatz von 60 g/s reichte das GM 1 für 50 min, bei 100 g/s rund 30 min.

    Das GM 1 war ein äußerst interessantes technisches Verfahren zur Leistungssteigerung, zu dem sich noch viel mehr schreiben ließe.

    Viele Grüße
    Peter
     

    Anhänge:

    • 88GM1.jpg
      Dateigröße:
      538,8 KB
      Aufrufe:
      10
    martin388, EDCG und 78587? gefällt das.
  18. Charly

    Charly Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.12.2009
    Beiträge:
    368
    Zustimmungen:
    731
    Ort:
    Lkr. PAF
    Aaah ok. Danke für die Info. Hab das zu sehr aus der Perspektive heutige Methodik/Handling betrachtet. :headscratch:
     
Moderatoren: mcnoch
Thema:

Flüssigsauerstoffeinspeisung bei Deutschen u. Alliierten Kampfflugzeugen?

Die Seite wird geladen...

Flüssigsauerstoffeinspeisung bei Deutschen u. Alliierten Kampfflugzeugen? - Ähnliche Themen

  1. A300/310 von deutschen Flughäfen aus

    A300/310 von deutschen Flughäfen aus: Hallo und schönen Sonntag, ich wollte mal fragen ob ihr wisst ob es noch von deutschen Flughäfen im Linienflugbetrieb aus operierende A300 oder...
  2. Mal'ne Frage zur AN-2 der "Deutschen Lufthansa" (DDR)

    Mal'ne Frage zur AN-2 der "Deutschen Lufthansa" (DDR): Hallo zusammen Ich hätte mal 'ne Frage zur AN-2 der "Deutschen Lufthansa der DDR" ...genauer gesagt, geht es um die Pilotensitze: Hatten die,...
  3. AAC.1 Werksnummer im Deutschen Museum

    AAC.1 Werksnummer im Deutschen Museum: Was mir beim Durchschauen des Pressematerials des Deutschen Museums auffiel: Das unten ist das Ankunftsphoto der AAC.1 / Ju52 von der...
  4. Flugzeuge und Flugbetrieb der Deutschen Reichsbahn

    Flugzeuge und Flugbetrieb der Deutschen Reichsbahn: Hallo Peter, als Ausgründung des Themas "Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen": Es sind bekanntlich ein paar Fotos im Umlauf, die Do 11 und Ju 52...
  5. Lizenzen für Flugzeugmuster deutschen Ursprungs in Frankreich?

    Lizenzen für Flugzeugmuster deutschen Ursprungs in Frankreich?: Ein guter Bekannter in Frankreich würde gerne wissen, ob für Flugzeugmuster deutschen Ursprungs, die während der Besetzung Frankreichs dort "im...