Focke-Wulf Fw 190 als Langstreckenbegleitjäger?

Diskutiere Focke-Wulf Fw 190 als Langstreckenbegleitjäger? im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Hallo zusammen! Momentan diskutiere ich mit einem Freund, inwieweit die Fw 187 als Langstreckenbegleitjäger sinnvoll gewesen wäre. Er sagt...

HolgerXX

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Hallo zusammen!

Momentan diskutiere ich mit einem Freund, inwieweit die Fw 187 als Langstreckenbegleitjäger sinnvoll gewesen wäre. Er sagt: nicht. Stattdessen stellt er eine Fw 190 vor, die mindestens 2.600 km Reichweite schafft. Normalerweise muss man davon ausgehen, dass keine deutsche Jagdmaschine an das Potenzial der P-51 herankommt. Die Mustang machte mit 1.020 l interner und 830 l externer Tankkapazität 3.300 km. Die Leistung "seiner" Fw 190 beruht auf 640 l interner und 600 l externer Tankkapazität. Nun werden aber, z.B. laut Wikipedia, für die A-8 eine Reichweite von 985 km, für die D-9 von 810 km angegeben, sicher ohne Berücksichtigung externer Zusatztanks. Ich denke, mit diesen Zusatztanks hätte sich die Reichweite vielleicht knapp verdoppelt.

Von meinem Freund habe ich einen Text vorliegen, in dem er von einer besondern "A-8" mit "BMW 801 E" schreibt. Ich denke, als "A-9" mit "BMW 801 S" kommt man in Anlehnung an die Realität besser zu Rande. Ich ändere seinen Text entsprechend ab. Eine weitere Schwierigkeit sind die Verbrauchswerte, die er einem Schaubild zum Jumo 213 (wird auf Anfrage vorgelegt) entnommen hat, wobei, wie er sagt, "... der BMW 801 laut [dem Werk von] Gersdorff/Grasmann etwas günstiger abschneidet. Hierfür liegen aber nicht so genaue Zahlen vor." So gesehen hätte man auch gleich eine D-Version der Fw 190 heranziehen können. Ich stelle hier schon mal die Frage, ob Ihr auch einen besseren Verbrauchswert des BMW gegenüber dem Jumo annehmt.

Mein Freund legt also folgenden Rechenweg vor:

Ausgangslage:
Tankinhalt Fw190: 525 Liter, plus 115 Liter (war für MW50 vorgesehen, wird jetzt
auch verwendet). 2 X 300 Liter Zusatztanks unter den Tragflächen.
Macht 480 Kg intern plus 450 Kg extern.
Unsere Fw 190 "A-8[-9]" genannte mit BMW 801 E
macht in 6500m Höhe bei 1400 PS
Notleistung genau 700 Km/Std.
Zum Vergleich die reale A-3 mit 801 D macht in 6500m Höhe bei 1200 PS
Notleistung 665 Km/Std.

Startprozedur:
6 Minuten warmlaufen lassen bei 300 PS und 0,2 Kg/PS/Std. = 6Kg
6 Minuten Taxiing bei Durchschnitt 600 PS und 0,21 Kg/PS/Std. = 13Kg
6 Minuten Start bei 2000 PS und 0,27 Kg/PS/Std. = 54Kg
6 Minuten Steigen bei 1800 PS und 0,27 Kg/PS/Std. = 49Kg Die Zeit für Starten
und Steigen ist bereits stark übertrieben! Hinzu kommt dass das Flugzeug dabei
schon Strecke zurücklegt die NICHT mitberechnet wird!
Summe Startvorgang: _120 Kg

_Hinmarsch:
60 Minuten bei 600 PS in 6500m Höhe und 0,22 Kg/PS/Std. = 130Kg. Geschwindigkeit
dabei ca. 500 Km/Std. (ungenau da schwer zu berechnen welcher
Geschwindigkeitsverlust mit den Außentanks zu erwarten ist)
450 Kg extern minus 120Kg für Start = 330 Kg. 330 durch 130 ergibt 2,54 Stunden
Flugzeit bei 500 Km/Std. = 1270 Km

Kampf(reserve):
60 Minuten bei 1300 PS Kampfleistung in 6500m Höhe und 0,28 Kg/PS/Std. = 364Kg
30 Minuten bei wechselnder Drehzahl (es wird ja im Kampf nicht permanent Vollgas
gehalten) = ca. 150 Kg Kampfreserve.

Rückmarsch:
480 Kg intern minus 150Kg Kampfreserve = 330 Kg.
60 Minuten bei 600 PS in 6500m Höhe und 0,22 Kg/PS/Std. = 130Kg. Geschwindigkeit
dabei ca. 530 Km/Std. (erhöhte Geschwindigkeit wegen Wegfall Außentanks)
330 durch 130 ergibt 2,54 Stunden Flugzeit bei 530 Km/Std. = 1345 Km
Marschreichweite Gesamt = 2615 Km
Ergibt eine Eindringtiefe von 1300 Km, inklusive 30 Min. Kampfreserve.

Reserven für den Landevorgang und Warteschleifen ergeben sich aus den
übertriebenen Start/Steigdaten und einer verminderten Kampfdauer über dem
Kampfgebiet.

Das ist alles also ziemlich pessimistisch und übertrieben gerechnet. In der
Praxis dürften die 1300 Km dann aber wiederum hinkommen, weil man immer
gewisse Reserven einrechnen muß falls ein entfernterer Flugplatz angeflogen
werden muß, Warteschleifen geflogen werden müssen, oder es Spritverlust
durch Beschuß gibt.

Zitat Ende.

Für Begleitjägereinsätze über der britischen Insel müsste eine Reichweite von 2.600 km mit Kamfreserve mehr als nur ausreichen. Ich persönlich kann da nicht gegenhalten.

Deshalb die Fragen an Euch:

1. Seht ihr irgendeinen Fehler im Rechenweg meines Freundes?

2. Hat jemand (andere) Werte für die Reichweite einer Fw 190 mit insgesamt 600 l Zusatztanks?

Danke für alle Antworten, und Grüße,
Holger
 
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Junkers-Peter

Junkers-Peter

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Hier mal ein wenig Futter für dich, Holger. Das sind viele Daten. Problem ist nur, dass es die Forderung "Langstreckenbegleitjäger" nicht gab, weil es nichts auf Langstrecke zu eskortieren gab. Bei Focke-Wulf habe ich in der Richtung nichts finden können.

Wenn, dann wäre die Ta 152 infrage gekommen, die ja Tanks in den Tragflächen besaß. Bei Optimierung und wenn man auch abwerfbare Behälter bei den 152-Jägern vorgesehen hätte, wäre noch mehr Reichweite drin gewesen. In der Tabelle hat nur die 152 E (Aufklärer) die abwerfbaren Behälter. Eine weitere Variante wäre noch der Verzicht auf MW 50, was wiederum den Kraftstoffvorrat erhöht hätte. Man plante auch den Anbau von sg. Doppelreiter-Behältern auf der Tragfläche.

Das untenstehende Dokument ist von Oktober 1944. In der Baubeschreibung der Ta 152 C vom Januar 1945 ist bereits ein abwerfbarer Behälter vorgesehen, was den Gesamtkraftstoffvorrat auf rund 1400 l erhöht hätte.

 
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CreatorClarus

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Interessante Tabelle!

Sind die Werte in der Spalte "Gesamt-Kraftstoff-Vorrat" das interne Tankvolumen, bei denen in der Folgespalte ein Strich steht?
Dann hat die Dora einen 525er Tank hinzubekommen, während die Ta 152 weniger Kraftstoff als die 190A hatte? Aber ungefähr gleich lange fliegen konnte.

Die Flugzeiten waren ja auch viel kürzer, als ich mir naiv-spontan vorgestellt hätte. Nur ca. eine Stunde!

Warum hatte die P-51 eigentlich so viel mehr Reichweite als die 190? Einfach weil sie ca. einen Meter größer war und damit mehr Platz für Treibstoff bot?
Ich las auch mal, daß der Merlin-Motor der P-51D ziemlich sparsam (im Reiseflug) gewesen sein soll. Waren die dt. Motoren so viel durstiger?
 
Junkers-Peter

Junkers-Peter

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Oben steht der Basis-Kraftstoffvorrat und darunter der Betrag zuzüglich der Menge in der Spalte rechts davon.

Die alliierten Motoren lagen ca. 20% höher im Verbrauch gegenüber den deutschen Motoren.* Unsere Motoren hatten Kraftstoffeinspritzung, die natürlich eine viel genauere Dosierung ermöglichte. Die alliierten Motoren besaßen noch Vergaser. Bei den großen US-amerikanischen Doppelsternmotoren war die Diskrepanz im spezifischen (also nicht nur absoluten) Verbrauch noch größer.

Ja, der Verbrauch der Motoren war schon ordentlich. 600-800 l/h unter Volllast, je nach Motor.

Zur P-51 kann ich nichts sagen. Nicht mein Thema.

*(Gersdorff/Grasmann: Flugmotoren und Strahltriebwerke Bd. 2, 1. Auflage S. 143)
 
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HolgerXX

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Hallo,

erst einmal danke für die Antworten, besonders an Junkers-Peter. Mit der Tabelle werde ich meinen Freund konfrontieren. Ich mache es mir mal einfach und nehme die A-9 her. Ein 300 l Zusatztank erhöht die Reichweite von 965 auf 1.400 km, also um 435 km. Ich behaupte mal, ein weiterer 300 l Zusatztank bringt nochmal 435 km, also insgesamt 1.835 km. Den Wert finde ich realistisch. Von 2.600 km noch eine ziemliche Strecke weg. Mal schauen, was mein Freund dazu sagt.

Grüße, Holger
 
Junkers-Peter

Junkers-Peter

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....schaut euch doch mal die FW-190 G an
Hab ich gemacht. Ist ein Jagdbomber/Schlachtflugzeug zur Bekämpfung von Bodenzielen. Einen Zusammenhang mit Langstreckenbegleitjägern sehe ich jetzt auf den ersten Blick nicht. 🤔
 

78587?

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Von mir gemeint war die "Jaborei", also 2x300 Liter + die 500kg Abwurfwaffe. Was bedeuten würde, dieses Gewicht wäre theoretisch auch als Kraftstoff zu betrachten, was etwa 600 Litern entspricht. Selbst wenn man "nur" 300l unterhängen würde, wäre das noch ein Sprung für die Flugdauer.
Allerdings, eine nochmals höhere Reichweite, bedingt dann auch wieder die Mitführung von einem grösseren Schmierstoffvorrat.

.
 

Ta152

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< snip >

Warum hatte die P-51 eigentlich so viel mehr Reichweite als die 190? Einfach weil sie ca. einen Meter größer war und damit mehr Platz für Treibstoff bot?
Ich las auch mal, daß der Merlin-Motor der P-51D ziemlich sparsam (im Reiseflug) gewesen sein soll. Waren die dt. Motoren so viel durstiger?
Die P-51 hatte Intern schon knapp über 1000 Liter Krafstoffvorrat. Die abwurftanks waren mit je 415 Liter auch überdurchschnittlich groß. Dazu eine saubere Aerodynamische Auslegung. Fertig ist die hohe Reichweite.

Unter ein Jäger niedriger Reichweite Abwurftanks zu hängen macht daraus keinen guten Begleitjäger. Wenn man wegen eines Luftkampfes die Tanks abwirft möchte man im Minimalfall wieder nach hause kommen, im besserern Fall aber den Einsatz weiter fortsetzen können.
 
HoHun

HoHun

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Unter ein Jäger niedriger Reichweite Abwurftanks zu hängen macht daraus keinen guten Begleitjäger. Wenn man wegen eines Luftkampfes die Tanks abwirft möchte man im Minimalfall wieder nach hause kommen, im besserern Fall aber den Einsatz weiter fortsetzen können.
Wenn ich mich recht erinnere, war das für den Eindringtiefe der Grumman F8F Bearcat ein begrenzender Faktor: Anders als die F6F Hellcat oder die Vought F4U Corsair hätte die F8F für die größte Eindringtiefe ihre noch nicht ganz leeren Abwurftanks für das erste Stück des Rückfluges verwenden müssen. Da die US Navy dieses Vorgehen aber nicht für einsatztauglich hielt, hat sie die Eindringtiefe der F8F niedriger angesetzt, und die F8F hätte dann im Zweifel ihre noch nicht völlig entleerten Abwurftanks abgeworfen, um nur mit dem internen Treibstoff zum Flugzeugträger zurückzukehren.

Das müßte in den Standard Aircraft Characteristics nachzulesen sein, siehe: Standard Aircraft Characteristics Arcive

Tschüs!

Henning (HoHun)
 

78587?

Space Cadet
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Wenn man wegen eines Luftkampfes die Tanks abwirft möchte man im Minimalfall wieder nach hause kommen, im besserern Fall aber den Einsatz weiter fortsetzen können.
Das war genau die Taktik, welche den deutschen Jagdverbänden in Holland/Belgien zugewiesen wurde. Primär galt es, den feindlichen Jagdschutz der Bomberflotten in Luftkämpfe zu verwickeln, um sie damit zu zwingen frühzeitig ihre Tanks abzuwerfen.
 
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HoHun

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Startprozedur:
6 Minuten warmlaufen lassen bei 300 PS und 0,2 Kg/PS/Std. = 6Kg
6 Minuten Taxiing bei Durchschnitt 600 PS und 0,21 Kg/PS/Std. = 13Kg
6 Minuten Start bei 2000 PS und 0,27 Kg/PS/Std. = 54Kg
6 Minuten Steigen bei 1800 PS und 0,27 Kg/PS/Std. = 49Kg Die Zeit für Starten
und Steigen ist bereits stark übertrieben! Hinzu kommt dass das Flugzeug dabei
schon Strecke zurücklegt die NICHT mitberechnet wird!
Summe Startvorgang: _120 Kg

_Hinmarsch:
60 Minuten bei 600 PS in 6500m Höhe und 0,22 Kg/PS/Std. = 130Kg. Geschwindigkeit
dabei ca. 500 Km/Std. (ungenau da schwer zu berechnen welcher
Geschwindigkeitsverlust mit den Außentanks zu erwarten ist)
450 Kg extern minus 120Kg für Start = 330 Kg. 330 durch 130 ergibt 2,54 Stunden
Flugzeit bei 500 Km/Std. = 1270 Km

Kampf(reserve):
60 Minuten bei 1300 PS Kampfleistung in 6500m Höhe und 0,28 Kg/PS/Std. = 364Kg
30 Minuten bei wechselnder Drehzahl (es wird ja im Kampf nicht permanent Vollgas
gehalten) = ca. 150 Kg Kampfreserve.

Rückmarsch:
480 Kg intern minus 150Kg Kampfreserve = 330 Kg.
60 Minuten bei 600 PS in 6500m Höhe und 0,22 Kg/PS/Std. = 130Kg. Geschwindigkeit
dabei ca. 530 Km/Std. (erhöhte Geschwindigkeit wegen Wegfall Außentanks)
330 durch 130 ergibt 2,54 Stunden Flugzeit bei 530 Km/Std. = 1345 Km
Marschreichweite Gesamt = 2615 Km
Ergibt eine Eindringtiefe von 1300 Km, inklusive 30 Min. Kampfreserve.
Es könnte interessant sein, zwecks besserer Vergleichbarkeit das hier für die F-51H dargelegte Einsatzprofil als Rechengrundlage zu verwenden:


Die Eckdaten:

  • 10 min normale Leistung (Anlassen, Aufwärmen, Start in Meereshöhe)
  • Steigflug auf 7620 m Höhe mit normaler Leistung
  • Marschflug in 7620 m Höhe mit Leistung für beste Reichweite (Tanks werden abgeworfen, sobald sie leer sind)
  • Meine Anmerkung: Bei Beginn des eigentlichen Kampfes sollten die Tanks normalerweise abgeworfen werden, auch wenn sie noch eine Restmenge enhalten.
  • 5 min Kampf in 7620 m Höhe mit Sondernotleistung (MW50-Einspritzung)
  • 15 min Kampf in 7620 m Höhe mit Notleistung ohne Zusatzeinspritzung (oder Kampfleistung, je nach Motor)
  • Marschflug in 7620 m Höhe mit Leistung für beste Reichweite
  • Reserve: 5 % des beim Start verfügbaren Treibstoffs
  • Alle Verbrauchsdaten sind gegenüber den Nennwerten um 5 % erhöht (als zusätzliche Reserve)

Üblicherweise wird die Gleitflugstrecke am Ende des Fluges ebenfalls zur Reserve zugeschlagen, aber das ist im Fall des verlinkten Datenblattes leider nicht eindeutig so angegeben.

Da Du bei der Fw 190A mit MW50 nur 525 L Kraftstoff intern hast, von denen Du in 7,62 km bei 2700 U/min etwa 660 kg/h verbrauchst ... siehe:


... sind also 220 kg oder 282 L (bei rho = 0,78 kg/cm^3) schon weg, bevor Du den Rückflug antrittst. Mit 5 % Aufschlag auf alle Verbräuche mußt Du also 296 L abrechnen. Das heißt, Du hast noch 229 L brutto, von denen Du aber bei Start mit 525 L + 2 * 300 L = 1125 L immerhin 56 L als Reserve einteilen mußt. Bleiben also 240 L für den Rückflug ... jetzt wird's ein bißchen ungenau, weil die von Peter beigesteuerte Tabelle den Marschflug nicht gesondert ausweist, aber wenn wir mit 940 L bei Marschflug in 7 km Höhe eine Gesamtreichweite von 1480 km haben, dann können wir grob rechnen, daß wir mit unseren 240 L schaffen: 1480 km/940 L * 240 L = ca. 380 km.

Diese 380 km wären dann die Eindringtiefe der Fw 190A mit BMW 801 D und MW-50-Zusatzeinspritzung (die sich bei Kampf in 7,62 km Höhe nicht wirklich lohnt und die Reichweite insgesamt herabsetzt).

Für die F-51D wären es laut dem oben verlinkten Datenblatt unter den gleichen Bedingungen 1422 km. Das ist offensichtlich schon eine ganz andere Hausnummer ... :-)

Wie viele Abwurfbehälter Du unter die Fw 190 hängst, ist in diesem Modell beinahe egal, weil die eben vor Beginn des scharfen Kampfes abgeworfen werden. Nur mit einem Behälter zu fliegen wäre sogar günstiger, weil der eben 300 L enthält, während für den Rückflug nur 240 L zur Verfügung stehen ... der Abwurftank muß zwar den langsamen Steigflug mit hoher Leistung bedienen, aber ich würde vermuten, er reicht trotzdem bis zu dem Punkt, wo Du mit 240 L den Rückflug antrittst. Der zweite Abwurftank wäre dann überflüssig und würde nach unseren Regeln nur die Größe der erforderlichen Reserve erhöhen, so daß wir eine geringere Eindringtiefe errechnen würden. Das wäre natürlich ein bißchen praxisfern, aber manchmal macht man sich ja dumme Regeln und merkt das erst hinterher ;-)

Tschüs!

Henning (HoHun)
 

Sens

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Da hatte man auch die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die jeweiligen Jägergruppen der Alliierten kamen ja nur Phasenweise zum Einsatz und hatten nicht die Aufgabe die Bomberverbände zu jeder Zeit bis in den Zielraum zu begleiten. Sie hatten zudem die Aufgabe, die deutschen Jägerverbände ab zu nutzen. Die An- und Abflugrouten gingen ja fast immer über die Benelux-Staaten und dort gab es auch die meisten Jägergruppen der Alliierten, die darauf hofften, auf deutsche Jäger zu treffen.
 
Gandalf

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Es könnte interessant sein, zwecks besserer Vergleichbarkeit das hier für die F-51H dargelegte Einsatzprofil als Rechengrundlage zu verwenden:

....
Für die F-51D wären es laut dem oben verlinkten Datenblatt unter den gleichen Bedingungen 1422 km. Das ist offensichtlich schon eine ganz andere Hausnummer ... :-)
.....
Das oben verlinkte Datenblatt betrifft ja die F-51 H (nicht mehr im WKII eingesetzt). Die hat einen kleineren Rumpftank wie die P-51 D, für selbige müsste die Bilanz also nochmals besser ausfallen - richtig?

liegrü
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Junkers-Peter

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Na ja, die englische Wikipedia gibt eine Reichweite von 2660 km für die P-51 D mit Zusatzbehältern an. Keine Ahnung, wie daraus 1400 km Eindringtiefe werden sollen. Wurmloch?
 
HoHun

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Das oben verlinkte Datenblatt betrifft ja die F-51 H (nicht mehr im WKII eingesetzt). Die hat einen kleineren Rumpftank wie die P-51 D, für selbige müsste die Bilanz also nochmals besser ausfallen - richtig?
Du könntest Recht haben. Es gibt da aber noch mehr subtile Faktoren, wie eine evtl. etwas bessere Aerodynamik bei der F-51H.

Andererseits habe ich gerade gesehen, daß ich mich bei der Fw 190 auch beim Ablesen der Verbrauchskurve grandios vertan habe :-(

Der Verbrauch bei 2700 U/min in 7,62 km Höhe (ohne Staudruck, aber die Fw 190A hat den sowieso eher schlecht ausgenutzt) ist eher bei 340 kg/h, nicht bei 660 kg/h. Auf dieser Höhe gibt der BMW 801D schon nicht mehr so viel Leistung her, aber das hat natürlich den Vorteil, daß er auch nicht so säuft.

Von den anfänglich 525 L sind dann nach 20 min = 1/3 h also 145 L verbraucht, +5 % Sicherheitsmarge dann also 153 L. Es sind 372 L nach, von denen 56 L als Reserve abgehen ... bleiben 316 L. 1480 km/940 L * 316 L = ca. 500 km.

Verzichtet man auf MW50, hätte man 640 L statt 525 L internen Treibstoff, damit wäre die Rückkehr-Reichweite nach 20 min Kampf dann 1480 km/940 L * (316 + 115) L = ca. 680 km.

Tschüs!

Henning (HoHun)
 
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Na ja, die englische Wikipedia gibt eine Reichweite von 2660 km für die P-51 D mit Zusatzbehältern an. Keine Ahnung, wie daraus 1400 km Eindringtiefe werden sollen. Wurmloch?
Wir arbeiten ja mit Daten der F-51H, die sich in mehr als einer Hinsicht von der P-51D unterscheidet. Das Hauptproblem einer Reichweitenangabe ohne genaue Definition des Missionsprofils ist aber eben, daß man nicht weiß, welche Aufschläge und Reserven in der Zahl verwurstet sind.

Ich habe irgendwo ein Handbuch für die P-51D stehen, aber da muß man sich ziemlich durch die Tabellen hangeln, um am Ende eine Zahl rauszukriegen, von der man weiß, wo sie herkommt. So motiviert bin ich in einem Focke-Wulf-Thema gerade nicht :)

Tschüs!

Henning (HoHun)
 
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So motiviert bin ich in einem Focke-Wulf-Thema gerade nicht :-)
Ich eigentlich auch nicht. Aber trotzdem Danke für die Rechnung. Macht sich auch nicht in 5 Minuten.

Ich bin aber der Meinung, dass die Fw 190 mit BMW 801 nicht mit MW 50 geflogen sind (jedenfalls nicht im Einsatz) und es auch keine entsprechende Serienanlage gab. GM 1 ja, aber MW 50? In der Tabelle in Beitrag #3 sind auch keine Tanks für MW 50 angegeben bei den 190 A-8 und A-9.

Focke-Wulf hat übrigens für die Ta 152 an dichtgenieteten Flächen gearbeitet, um die 6 einzelnen Sacktanks zu vermeiden. Leider habe ich das bisher nur in einem Dokument vom Oktober 1944 gefunden. Es sollten 3 Musterflügel zur Erprobung gebaut werden. Wäre natürlich interessant zu wissen, was man dann dort an Kraftstoff hätte unterbringen können.

Aber wie Hilmar schon erwähnt hat, braucht man dann Schmierstoff-Zusatzbehälter, die man ebenfalls irgendwo unterbringen muss und die auch Gewicht kosten.
 
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Na ja, die englische Wikipedia gibt eine Reichweite von 2660 km für die P-51 D mit Zusatzbehältern an. Keine Ahnung, wie daraus 1400 km Eindringtiefe werden sollen. Wurmloch?
Die gewählte "Drehzahl und Flughöhe" der P-51D genieren den Bereich einer mögliche Eindringtiefe und das sollte Dir bekannt sein. Es lohnt sich immer auf die Details zu schauen.
2600 km bei 570 km/h in 7600 m (mit Abwurftanks)
3300 km bei 390 km/h in 3000 m (mit Abwurftanks)
Da gibt es die originalen Angaben.
 
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Ich bin aber der Meinung, dass die Fw 190 mit BMW 801 nicht mit MW 50 geflogen sind und es auch keine entsprechende Serienanlage gab. GM 1 ja, aber MW 50? In der Tabelle in Beitrag #3 sind auch keine Tanks für MW 50 angegeben bei den 190 A-8 und A-9.
Das war eine Voraussetzung aus Holgers Eingangsbeitrag, die ich einfach übernommen habe. Ich bin ziemlich sicher, daß es keine Serienanlage gab, und die Sache mit den Versuchsanlagen war eher verworren. Da die C3-Einspritzung gut funktioniert hat, war MW50 wohl nicht so das Thema.

Focke-Wulf hat übrigens für die Ta 152 an dichtgenieteten Flächen gearbeitet, um die 6 einzelnen Sacktanks zu vermeiden. Leider habe ich das bisher nur in einem Dokument vom Oktober 1944 gefunden. Es sollten 3 Musterflügel zur Erprobung gebaut werden. Wäre natürlich interessant zu wissen, was man dann dort an Kraftstoff hätte unterbringen können.
Interessant! Technisch nicht ganz ohne, Republic hat das ja beim P-47-Vorgänger P-43 versucht, und die Tanks waren wohl nie zuverlässig dicht.

Aber wie Hilmar schon erwähnt hat, braucht man dann auch Schmierstoff-Zusatzbehälter, die man auch irgendwo unterbringen muss und die auch Gewicht kosten.
Beim Flug über 5 km Höhe braucht man auch noch Extra-Sauerstoffbehälter ... ein weiterer Gewichtsfaktor.

Gewicht ist ja nicht ganz unwichtig ... vielleicht mal Zeit, die Breguet'sche Reichweitenformel zu verlinken:


Tschüs!

Henning (HoHun)
 
Thema:

Focke-Wulf Fw 190 als Langstreckenbegleitjäger?

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