@Friedarrr das ist korrekt. Die primäre Platzverteidigung wurde innerhalb der Platzgrenzen durchgeführt, da dort die Masse des Personals diente und den Auftrag ausführte.
Innerhalb der Liegenschaft - und das war ja in der Regel bei allen Liegenschaften so - waren zusätzlich die sogenannten "empfindlichen Punkte" definiert. Sei es das Geschwader WOC, Staffelgefechtstände, Fernmelde- oder andere Versorgungseinrichtungen usw. Diese wurden innerhalb der Liegenschaft nochmals mittels Sperren und S-Draht geschützt und durch Posten gesichert.
An der Platzgrenze entlang lagen die ausgebauten Stellungen. Diese dort befindlichen Kampfstände und im Fliegerhorst verteilten ZwiSoLa-Stellungen wurden durch Teile der Sicherungsstaffeln, sowie durch Kategoriepersonal besetzt. In der Regel ist das Vorfeld der Zaungrenze auch die sogenannte Sicherungslinie, bei der der Gegner auf alle Fälle gestoppt werden muss.
Für Fürsty sah die Verteidigung des Platzes bis 1990 folgendes vor - der Plan wurde bereits 1993 ad acta gelegt, heruntergestuft und ist nicht mal mehr VS, sondern war Papiermüll - Schutzfrist längst abgelaufen.
Im V-Fall für den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck mit dem JaboG 49 zusätzlich zur Verfügung stehende Kräfte zur Platzverteidigung:
- FlakBttr 249 mit 12x Flak 20mm verteilt auf 4 Flak-Einsatzstellungen außerhalb des Platzes, innerhalb der Sicherungslinie.
- SBInstStff 49 mit Mob-Verstärkung
- LwSichStff JaboG 49
- LwSichStff 5149
- LwFersStff 5149 (Feldersatz)
- LwSichStff FlgHGrp FFB
- 6./LwAusbRgt 2 (sollte Budel, NL sein)
- LAZ 200/JaboG 49 (Feldlazarett 200)
- LwSanStff JaboG 49 mit Mob-Verstärkung
Infanteristischer Objektschutz mittels:
- Sicherung des Fliegerhorsts aus vorbereiteten Feldbefestigungen innerhalb des Fliegerhorsts (Stellungen auf dem Overlay sind noch zu bauen):
- Überwachung des Einsatzraums, sowie der Nachschubwege zwischen Fliegerhorst, TACAN Mammendorf und Munitionslager mittels "Mobiler Einsatzkommandos" (MEK) in Stärke 0/1/5, sowie Streifen im Einsatzraum.
- Schutz "empfindlicher Punkte" innerhalb des Fliegerhorsts mittels Sperren und Posten
- Zugang in den Einsatzraum und Fliegerhorst über Kontrollpunkte
- Verteilung ZwiSoLa MG 3 (20 Stück) innerhalb des Fliegerhorsts
- lageangepasst Shelterposten
Größe des Einsatzraumes mit Raumverantwortung. Die dicke schwarze Linie um den Fliegerhorst ist die "Sicherungslinie", der Bereich darin ist unter allen Umständen zu verteidigen.
Die "Sicherungslinie" wurde durch die Sicherungskräfte zusätzlich mittels Sperren (auch Panzerabwehrminen) und anderer Mittel verstärkt und Lücken geschlossen. Hier mal Teile des Sperrenplans. Erkennbar auch die Raumverantwortung der 4 Verteidigungssektoren außerhalb der SL.
Zusätzlich gab es noch Pläne zum Schutz des Platzes gegen Luftlandungen durch Versperren der Taxiways und der Landebahn usw. und natürlich wurden andere Eventualitäten eingeplant. Die Sicherungskräfte waren beispielsweise nicht im Fliegerhorst, sondern in Kriegsstationierungsobjekten im Einsatzraum untergebracht. Sei es Gaststätten, Turnhallen, Gemeindesäle usw. Da der Einsatzraum auch die Stadt Fürstenfeldbruck beinhaltete wären bestimmte Bereiche zusätzlich verkehrsberuhigt, oder mittels Parkverbot usw. durch die Polizei beruhigt worden.
Zum Schutz vor Tieffliegern war vorgesehen:
- Tiefflugwarnung per GCA und SHORDIS
- Luftraumbeobachter-Trupps eingesetzt bei Olching (Bahnbrücke), sowie auf dem Fernmeldeturm Schöngeising
- 12x 20mm Flak Zwilling in 4 Stellungen + Scheinstellungen innerhalb der Sicherungslinie bei Tag. (Rückverlegung innerhalb des Platzes in der Bodenverteidigung)
- 20x MG 3 Zwillingssockellafette (ZwiSoLa) innerhalb des Platzes Tag/Nacht
- 8x MG 3 auf Drehringlafette auf Kfz
- 48x MG 3 im Objektschutz
+ STAN-Waffen wie G3, MPi usw.
Je nach Luftbedrohung und Auftrag des Geschwaders war eine BASE CAP als Möglichkeit eingeplant worden.
Insgesamt standen an Kräften für den infanteristischen Objektschutz zur Verfügung:
- Erst- und Zweitverwender Objektschutz: 450 Mann
- Kategoriepersonal 1: 117 Mann
- Zugeführte Kräfte: 852 Mann
- Feldersatz + 1. und 2. Auffüllung: 323 Mann
@Buettner ich denke die Pläne waren für die einzelnen Objekte auf beiden Seiten der Grenze ziemlich ähnlich. Imposant sind dennoch die blanken Zahlen, wenn man bedenkt wie viel Stacheldraht und Verbrauchsmaterial benötigt wurde. Der Kräfteansatz für so einen großen Bereich ist auch sportlich, aber alter Grundsatz - wer alles sichert, sichert nichts. Also müssen Schwerpunkte gebildet werden.
Das war´s als kleine Exkursion weg vom taktischen Zeichen, hin zun zur "praktischen" Umsetzung des Aufgabenbereichs der Luftwaffensicherungstruppe bis 1990.