Fragen zu FW-190-Sturmstaffeln Herbst 44

Diskutiere Fragen zu FW-190-Sturmstaffeln Herbst 44 im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Hallo Leute! Ich schreibe an einer Geschichte, die im Herbst 1944 in einer Sturmstaffel (FW-190 A8) spielt. Vielleicht ist jemand unter Euch,...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Luftfeder, 10.05.2008
    Luftfeder

    Luftfeder Flugschüler

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    Hallo Leute!
    Ich schreibe an einer Geschichte, die im Herbst 1944 in einer Sturmstaffel (FW-190 A8) spielt. Vielleicht ist jemand unter Euch, der mir Antworten zu folgenden Fragen oder Recherchentipps geben kann.
    1. Was für eine Farbe hat der Fallschirmstoff der Luftwaffe? Braun oder weiss? Wie wird er gezogen?
    2. Aus was bestand die persönliche Bewaffnung eines Jägerpiloten? Gab es spezielle Pistolenfabrikate? Schulter- oder Koppelholster? Gab es Vorlieben?
    3. Wer weiss etwas über den deutschsprachigen Verwirrfunk der USAAF aus amerikanischen Bombern, um die Luftwaffe-Jagdpiloten zu desorientieren?
    4. Wie wird ein Geschwader an den Bomberstrom geführt? Wurden verschiedene Geschwader in der Luft zusammengeführt, um in Masse angreifen zu können? Wenn ja, gab es so etwas wie die Fliegerzirkusse in WWI?
    5. Da im Herbst 44 Von-Vorne-Angriffe der B-17G-Kinnkanzeln wegen nicht mehr geflogen wurden, was war die neue Angriffstaktik der Sturmstaffeln?
    6. Wie wurden schwere Verbrennungen bei Luftwaffenpiloten behandelt? Gab es ein ähnliches System der spezialisierten Wundversorgung und Rehabilitation wie bei den "Guinea Pigs" der RAF?

    Ich bin für jeden Hinweis dankbar.
    Luftfeder
     
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  3. Hotte

    Hotte Alien

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    Also zu der Angriffstaktik kann ich dies sagen.
    Die Srurmgruppen bzw. -staffeln flogen die vier.mots von hinten an.
    So nah wie möglich um die optimale Waffenwirkung zu erzielen.
    Durch ihre extra Panzerung (Vorne und Seitlich) waren sie einigermaßen vor den 12,7 mm Abwehrbewaffnung geschützt. Um Gewicht zu sparen, wurde aber oftmals auf die panzerplatte hinter dem Piloten weg gelassen.

    meißt versuchte die Luftwaffe mehrer gruppen oder gar geschwader an den Feind zubringen. Diese wurden dann Gefechtsverbände genannt.

    An den Feind wurden die Jäger von den Jäger-Leitständen über Funk gebracht.

    Hotte
     
  4. thud68

    thud68 Space Cadet

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    Ich hatte mal vor etwa 10 Jahren ein "Gespräch unter 4 Augen" mit einem Jagdflieger, der 45 Gruppenkommandeur war und auch in der Reichsverteidigung geflogen ist. Bemerkenswert fand ich folgende Aussagen des älteren, aber geistig sehr fitten Mannes:
    Er ist immer ziemlich zugetankt geflogen, um seine Angst zu unterdrücken.
    Bomberpulks wurden nach Möglichkeit umgangen und man sagte dann später, man habe sie nicht gefunden. Einzeln fliegende, von der Flak angeschossene Bomber hat man angegriffen. Dies hatte nichts mit Feigheit zu tun, sondern mit einem entwickelten Selbsterhaltungtrieb. Viele junge Piloten versuchten ihren irrsinnigen Befehlen nachzukommen und ließen der Reihe nach ihr Leben. Die wenigen die zufällig durchkamen, wurden als Vorbilder hingestellt, um mehr Kanonenfutter zu bekommen.
    Sicherlich nur eine Ansicht des Geschehens.
     
  5. #4 Hotte, 11.05.2008
    Zuletzt bearbeitet: 11.05.2008
    Hotte

    Hotte Alien

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    Dies kam sicherlich auch vor!
    Nur wenn eine Staffel oder Gruppe zusammen startet, dann wird man sich vorher wohl absprechen müssen ob man was "finden" will oder net.
    Der einzelne fällt da recht schnell auf.
    Alkohol Probleme in den Jagdgruppen, davon hört und liest man oft!

    Die Bomberpulks anzugreifen, galt aber trote einer gewissen Kriegsmüdigkeit aber allgemein als "Wichtig" unter den Jägern, weil man hiermit immerhin die eigenen Städte abschirmen könnte. Das galt zumindest bis ca. Herbst 44.
    Danach sank der "Kampfesmut"! Bis auf die Jungen, der Nachwuchs, direkt aus der HJ meist, stieg immer noch voller Zuversicht in die Maschinen.
    Geblendet und voller Tatendrang!

    Vergleichbar beim Heer.
    Wurde an der Ostfront eigentlich bis zum Schluß um jedes kleinen Dorf gekämpft, wurden im Westen Großstädte oft kampflos übergeben!

    Hotte
     
  6. motion

    motion Sportflieger

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    Das Thema Alkohol und sonste Aspekte sind nur ein winziger Teil einer wie ich finde äußerst lesenswerten Dissertation:
    Ernst Stilla, "Die Luftwaffe im Kampf um die Luftherrschaft"
    http://hss.ulb.uni-bonn.de/diss_online/phil_fak/2005/stilla_ernst/0581.pdf
    An den 315 Seiten habt ihr einiges zu lesen.
    z.b. folgende Kapitel:
    Die abnehmende Kampfmoral
    Alkoholmissbrauch in den Verbänden auf Seite 236
    darauf folgend "Flugdiszipling und Teamgeist"
     
  7. borsto

    borsto Flieger-Ass

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    Guten Morgen Luftfeder !

    Die persönliche Bewaffnung eines Jägerpiloten der Luftwaffe 1944 im Westen bestand aus einer Pistole. Aus zwei verschieden Bergungen von LW-Jägerpiloten aus der Zeit Dezember 1944 weiß ich, dass einer eine Pistole 08 und der andere eine Pistole FN, cal. 9 mm bei sich führte. Ob diese Waffen nun in einem Schulterhalfter oder sonstwo getragen wurden, wissen nur diejenigen, die damals geflogen sind.

    Meiner Auffassung kann es bei der persönlichen Bewaffnung eines Jägerpiloten keine grosse Einheitlichkeit gegeben haben. Je nach Luftflotte und Ausrüstungs-Arsenal war mal eine deutsche, belgische, französische oder tschechische Pistole parat. Dazu kommt, dass man unter Umständen auch gerne die eigene oder Papi's Pistole mitführte. So kommen dann auch leicht Kaliber 6,35, 7,65 usw. ins Spiel.

    Gute Frage, aber pauschal nicht zu beantworten.

    Alles Gute !

    borsto
     
  8. Husar

    Husar Flieger-Ass

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    Deutschsprachiger "Verwirrfunk" wurde nur bei Nacht durch die RAF angewandt, am Tag macht das keinen Sinn, da die deutschen Flugmeldeeinrichtungen bis fast gegen Kriegsende intakt waren. Schwierigkeiten hatte die deutsche Nachtjagd nach Verlust der Westgebiete, da die Vorlaufzeit für Gegenmaßnahmen jetzt wesentlich kürzer wurden. Bei Einflügen am Tag war es eh schon für Jägerleitstellen schwierig genung zu erkennen, wo der allierte Bomberverand übrhaupt hin wollte. Es wird nämlich nicht auf direktem Weg zum Ziel geflogen.
    Der allierte Funkabhördienst (Ultra) war erstaunlich gut über Bewegungen der deutschen Jagdwaffe informiert. Die Jungs hörten den deutschen Funkverkehr mit.

    Ich persönlich kenne nur weise deutsche Fallschirme, das von den gelben Dingern habe ich zwar schon oft gelesen, aber noch nie einen gesehen bzw bei Ausgrabungen gefunden.

    Von Aussagen meines Vaters (Schlachtflieger an der Westfront) weis ich, das er übrhaupt keine Pistole mitführte um im Falle einer Gefangennahme nicht versehentlich vom Gegner erschossen zu werden. Auch mußten vom fliegenen Personal Faustfeuerwaffen an das Heer abgegeben werden.
     
  9. hoover

    hoover Fluglehrer

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    Ultra war die Bezeichnung für die aus verschlüsselten Funksprüchen gewonnenen Informationen (Bletchley Park usw.).
    Die Kommunikation zwischen Leitstelle und Jägern bzw. zwischen den Jägern war bestenfalls codiert, aber nicht verschlüsselt und wurde natürlich auch mitgehört.
    Ich bezweifle aber, daß sich daraus ein großer taktischer Vorteil ergab, weil die Halbwertszeit der Informationen gering war.
    Die taktische Lage verändert sich in einer Luftoperation nun mal von Minute zu Minute. Bis der feindliche Funkspruch übersetzt, richtig einsortiert und als wichtige Information oder Warnung an die eigenen Staffeln zurückgegeben werden kann, vergeht zu viel Zeit.

    Grüße

    hoover
     
  10. #9 Luftfeder, 11.05.2008
    Luftfeder

    Luftfeder Flugschüler

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    Danke!

    Hallo!
    Danke für eure prompten und interessanten Antworten und den Dissertations-Tipp.
    Zum Thema Alkohol habe ich recherchiert, dass deutsche Jägerpiloten eine Flasche Kognak/Schnaps im Spind aufbewahrt haben, die im Todesfall den Kameraden als Abschiedstrank zur Verfügung stand.
    Wie weit das Amphetamin "Pervitin" (Temmler Werke; ab Mitte 41 nur noch auf Rezept erhältlich) 1944 noch eine Rolle spielte, kann ich nicht abschätzen, gehe aber davon aus, dass ein Geschwaderarzt das Aufputschmittel den Piloten zur Verfügung stellen konnte.
    Ich werde die Quelle zum deutschsprachigen Verwirrfunk der USAAF nochmals überprüfen; es scheint - gemäss amerikanischer Literatur - so gewesen zu sein, dass es einige wenige spezialisierte Funker in den B-17s gab, die die Aufgabe hatten, Funksprüche der deutschen Leitstelle zu imitieren, um die deutschen Jägergeschwader in die Irre zu führen.
    Ich wünsche euch geruhsame Pfingsten und nochmals danke für eure Hilfe.
    Luftfeder
     
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    Hallo

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  12. borsto

    borsto Flieger-Ass

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    Hans !

    Du weißt sehr wohl, dass Flugzeugführer im Dezember 1944 eine persönliche Handwaffe mitführen durften und dieses auch taten. Dein Vater hat dieses aus persönlichen Gründen nicht getan. So sei es.

    Es gibt für mich keinen Grund jemandem, der bei der Luftwaffe zu diesem Zeitpunkt geflogen ist, eine Handwaffe zu verweigern. Dein Vater mag Gründe haben, aber wenn ich im Kriegseinsatz über möglicherweise feindlichem Territorium niedergehe, steht mir eine persönliche Handwaffe zu. Diese ist den Fliegern auch sicher nicht verwehrt worden. Was sie mit dieser Waffe später angestellt haben (oder auch nicht), ist eine andere Sache.

    Horst Weber
     
  13. #11 ...starfire, 11.05.2008
    ...starfire

    ...starfire Space Cadet

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    Meines Wissens waren das britische B-17-Nachtbomber der 214 Squadron, RAF, die deutschsprachiges Funkpersonal mit an Bord hatten. Von Gegenstücken in USAAF-Tagbombern ist mir allerdings (noch) nichts bekannt...

    (Die Funker hörten bestimmte Frequenzbänder ab und falls sie auf deutschsprachige Kommunikation stießen, die sich auf den gerade ablaufenden Nachtbomberangriff bezog, wurde ein Störsignal, welches meist das Motorgeräusch des Flugzeuges übertrug, auf der Frequenz gesendet.)
     
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