gibt's denn unseren guten
@RetiredF4 hier noch ?
Gruss Uwe
Ha ... gerade gesehen ... heute um 12.44Uhr hier gewesen ...
Hallo alle,
Zunächst mein Beileid an die betroffenen Familien und die Kameraden der beiden verunfallten Piloten.
Ich hab mir bisher verkniffen mich zu dem Unfall zu äußern, belastbare Informationen dazu sind einfach noch sehr rar. In die Videoaufnahmen kann man viel hinein interpretieren, sehen kann ich ein Flugzeug in niedriger Höhe in einer Rechtskurve mit zunehmender Schräglage und einer Geschwindigkeit von geschätzt 420-450 KIAS. Die Schräglage war über 60°, bei Bei Beibehaltung der Fluglage und Geschwindigkeit hätte das zu einem Low Pass entlang der Startbahn geführt. Die Höhe vor dem Einleiten dieser Kurve schätze ich auf 300-500 Meter, die initiale leichte Sinkrate in der Kurve wäre erklärbar wenn man am Beginn der Startbahn auf einer Höhe von 30-50 Metern sein will. Hier würde helfen wenn man ein Vergleichsvideo des Piloten aus einer früheren Demo zur Verfügung hätte. Ich sehe dann wie sich die Sinkrate und die Schräglage erhöht und dabei die Nase etwas fällt, die Sinkrate hat sich an der Stelle nach meiner Einschätzung verdoppelt.
Wenn ich bis dahin richtig liege dann sind zwei Fragen zu klären, was hat zur Verschlechterung der Fluglage geführt und warum hat der Pilot den Absturz nicht verhindern können?
Aus einer Schräglage von fast 90° auszurollen und und den Knüppel an den Bauch zu ziehen um die Sinkrate zu brechen ist naheliegend, das Problem dabei ist, das Wort ist schon gefallen die Gefahr des "Adverse Yaw". Es wäre besser in das Top Ruder zu treten und damit die Schräglage und die Sinkrate
gleichzeitig zu reduzieren, den Einsatz des Querruders kann man sich dann fast schenken.
Betrachten wir die F4 Fläche und deren Steuerungselenente. Wir haben eine nach hinten gepfeilte Flügelvorderkante mit Vorflügelklappen (Slats, sie fahren bei einem Anstellwinkel von 11.5 units AOA aus) Querruder die an der Rückseite des Flügels nach unten ausschlagen ( Kurve nach rechts, linkes Querruder nach unten) und Spoiler die vor und über dem Querruder nach oben ausfahren ( Kurve nach rechts Spoiler rechts nach oben). Also immer dann wenn ein Querruder nach unten geht, schlägt der gegenüberliegende Spoiler nach oben aus. Das funktioniert im Flug mit geringem Lastfaktor (g) gut und verhindert dass das Ausschlagen des Querruders ein Schieben des Flugzeugs verursacht. Mit zunehmendem g wird die Flügelunterseite und damit das Querruder mehr angeströmt, der Bereich über der Fläche weniger, dadurch wird die Nase oder vielmehr die Längsachse des Flugzeuges entgegen Kurvenrichtung gedrückt, was in der Konsequenz dazu führt dass (aufgrund der Pfeilung der Flügel) der Kurveninnere Flügel Auftrieb verliert und der Kurvenäußere Flügel an Auftrieb gewinnt. Der Effekt nennt sich "Adverse Yaw". Teilweise wurde das Gieren durch das gleichzeitige Ansteuern des Ruders ausgeglichen (ARI= aileron - rudder interconnect), jedoch nur bei niedrigem Lastvielfachen. Das ist beim Einlenken der Kurve aus der Normallage nicht weiters schlimm, man nimmt das Querruder auf Neutral, wenn die gewünschte Schräglage erreicht ist. Problematisch wird es, wenn man mit dem Querruder unter g's wieder aus der Kurve raus will, das Querruder erzeugt viel Widerstand, was einerseits den Flügel aus der Kurve heben soll der Spoiler auf der anderen Seite ist nahezu wirkungslos und kann das Gieren der Nase verursacht durch das Querruder nicht verhindern, was auf dem Flügel mit dem Spoiler den Auftrieb erhöht und die Änderung der Querlage bestenfalls nur verhindert, schlimmstenfalls diese sogar erhöht.
Vereinfacht gesagt, das Flugzeug befindet sich in einer Rechtskurve mit viel g's und starker Querlage, der Pilot nimmt den Knüppel links um auszurollen und in Folge des Adverse Yaw fällt die Nase weiter in die Kurve und die Querlage nimmt entgegen der gewünschten Richtung zu.
Die Lösung ist, unter g Belastung muss man selbst das Ruder mitbenutzen, um das Gieren zu verhindern und wenn man sich bereits in die obere Falle manöveriert hat, dann muss man das Ruder massiv benutzen, einfach zu merken es ist immer das Top Ruder das man braucht.
Jetzt kommen die Slats noch ins Spiel, die fahren nach AOA aus und bei Verringerung derselben wieder ein. Passiert dies unter hohen Kräften hat man beim Ausfahren bis zu 2 g mehr, und es würde einen Adverse Yaw Moment deutlich verschlimmern.
Hört sich alles kompliziert an und das ist es auch, erschwerend kommt für mich bei dem Versuch das zu erklären, dass ich das in englisch dutzende male geschult habe, aber mir für die Erklärung in Deutsch die Begriffe fehlen.
Damit will ich nicht spekulieren was da in Tanagra tatsächlich passiert ist. Warten wir die nächsten Tage ab, bis mehr Informationen vorliegen.