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Space Cadet
Bei zivilen Betreibern ist die Ersatzteilversorgung über Pooling-Programme für Umlaufteile (Rotables) absoluter Standard. Praktisch jede Airline nimmt an Modellen wie Spare-Part-Pooling oder Power-by-the-Hour teil – aus gutem Grund: Kostenoptimierung, hohe Verfügbarkeit und klar definierte Verantwortlichkeiten.Aus einem Schreiben des dänischen Verteidigungsministers an das dänische Parlament als Antwort auf einer Frage bezüglich Lieferung von F-35 Ersatzteile aus Dänemark an Israel während des Hama-Konfliktes (Hervorhebungen durch mich; Übersetzung mit DeepL)
"In Dänemark gibt es – wie in allen anderen Ländern, die die F-35 einsetzen – ein lokales Lager mit Ersatzteilen für die F-35-Flugzeuge. Alle Ersatzteile im Ersatzteilpool des F-35-Programms sind Eigentum der US-Regierung. Die Ersatzteile wechseln erst dann den Eigentümer, wenn sie in ein Flugzeug eingebaut werden. Dann gehen sie in das Eigentum des jeweiligen Landes über. Wird ein Ersatzteil aus einem Flugzeug ausgebaut, geht das Eigentum an diesem Ersatzteil zurück an die US-Regierung über.
Um die Verteilung der Ersatzteile zwischen den F-35-Ländern zu steuern, wurde eine Betriebsorganisation namens Lightning Sustainment Center eingerichtet. Dieses Zentrum wird von der US-Regierung geleitet und kontrolliert. Das Zentrum ist dafür verantwortlich, die Ersatzteile aus dem gemeinsamen Ersatzteilpool an die F-35-Länder mit dem höchsten Bedarf zu verteilen und sicherzustellen, dass die Ersatzteile zu den F35-Lagern in den einzelnen F-35-Ländern transportiert und dort optimal verteilt werden."
Hier das Originaldokument: https://www.ft.dk/samling/20231/almdel/fou/bilag/190/2882824.pdf
Zum Vergleich kurz, wie Pooling-Programme im zivilen Bereich normalerweise aufgebaut sind:
Hochwertige Umlaufteile mit hohem Bedarf werden gepoolt
→ Austauschlogistik über Zentrallager des Poolproviders
Operationell kritische Teile
→ liegen beim Betreiber in Konsignationslagern vor Ort und werden bei Nutzung automatisch nachgeschoben
Warranty- oder Eigentumsteile
→ Verbleiben im Eigentum des Betreibers, der Poolprovider übernimmt lediglich Repair & Overhaul
→ volle Handlungshoheit bleibt beim Kunden
Dieses Modell stellt sicher, dass ein Betreiber nicht vollständig von externen Entscheidungen abhängig ist.
Meine Persönliche Einordnung
Bei militärischen Betreibern sehe ich dieses Modell jedoch deutlich kritischer. Eine Ersatzteilversorgung, die strukturell an eine externe, internationale Steuerung gebunden ist, kann im Krisen- oder Spannungsfall sehr schnell zu einem Flottengrounding führen.
Ganz offen gesagt: Ich kann nur den Kopf schütteln, wie naiv man sich hier potenziell abhängig machen kann.
Das ist kein klassisches Pooling, sondern ein zentral gesteuertes und vollständig fremdkontrolliertes System.
Im zivilen Umfeld wäre ein solches Modell für einen Operator inakzeptabel – im militärischen Kontext ist es aus meiner Sicht strategisch hochriskant.
Meine Frage ist daher:
Gibt es bei den jeweiligen Nationen tatsächlich noch einen unabhängigen, nationalen On-Site-Bestand, der im Eigentum des Landes steht und losgelöst vom internationalen Pool gemanagt werden kann?
Mich würde daher interessieren:
Gibt es zusätzliche nationale Bestände, die im Krisenfall nicht diesem System unterliegen?
Oder akzeptieren die Betreiber tatsächlich, dass die Einsatzfähigkeit letztlich von einer externen Priorisierung abhängt?
Vielleicht kann jemand mit tieferem Einblick in das F-35-Sustainment hier noch Licht ins Dunkel bringen.