Kleine Frage zu HARM

Diskutiere Kleine Frage zu HARM im Bordwaffen Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Eine HARM (High Speed Anti-Radiation Missile) ist ja eine Waffe, welche auf eine Strahlungsquelle aufschaltet und diese dann zerstört (im Prinzip...

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  1. #1 Schorsch, 17.03.2008
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    Eine HARM (High Speed Anti-Radiation Missile) ist ja eine Waffe, welche auf eine Strahlungsquelle aufschaltet und diese dann zerstört (im Prinzip gar nicht so viel anders wie eine Sparrow). Jedenfalls, frühe SAM-Systeme nutzten ja eine Reihe von Radars, meist große langwellige zur Zielfindung, dann manchmal kurzwelligere für die Erfassung und genaue Entfernungsmessung und schließlich den Beleuchter selbst.

    Welche Quelle erfasst die HARM (und vergleichbare Raketen) jetzt genau?
    Neuere Systeme kommen ja ohne einen Beleuchter aus, was macht die HARM dann?
     
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  3. #2 backberti79, 17.03.2008
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    Wie und auf welche Strahlenquelle die Rakete aufgeschaltet wird, hängt stark davon ab von wlechem Flugzeug sie abgeschossen wird und wie in diesem HARM die integriert wird.

    An die HARM werden grundsätzlich nur Richtung und Strahleninformation übertragen. Bei neueren Modellen ("HARM PNU", d.h. AGM-88D/Block V sowie geupdatete -C/Block IV und -B (Block III, heißen beide bei der LW Block IIIB) Modelle) werden zusätzlich die ermittelten GPS-Koordinaten des Zieles übermittelt soweit der Träger diese liefern kann (bei der LW erst mit Einführung des ASSTA 2/3 Upgrades).

    Ist sie nur rudimentär integriert (wie beim IDS Tornado) werden nur Richtung und Frequenz der Radarstrahlung (vom Radarwarnempfänger des Trägers) übertragen. Der WSO/Pilot nutzt hierbei die Möglichkeiten seines Radarwarnempfänger und sein Wissen über Feindtaktiken bei der Wahl des Zieles, aber er wird hierbei nicht weiter unterstützt.

    Bei komplexeren Integrationen wie der EA-6B oder dem ECR Tornado beurteilt und klassifiert ein Computer an Bord des Trägers zunächst die empfangen Signale, ordnet sie ggf. in das Gesamtlagebild ein (auch ggf. mit Hilfe externer Link-Daten, allerdings nicht bei der LW) und entscheidet dann auch auf Basis von technischem und taktischen Detailwissen über die entsprecheneden Feindradare und Operateure (das z.B. in einer Datenbank abgelegt ist) auf welche Strahlenquellen und in welcher Reihenfolge geschossen werden soll. Je nach Plattform und läuft das mehr oder weniger automatisiert und der WSO/Pilot gibt nur noch den finalen Feuer-Befehl oder ändert die Reihenfolge manuell.

    Ist die Ungebung "ziel-arm" und können die Ziele zusätzlich auch noch über das eigene Radar erfasst werden (z.B. in maritimen Szenarien), kann eine einfache Integration wie oben beschrieben völlig ausreichend sein. Über Land und bei einer großen Fülle an Zielen/Bedrohungen (wie z.b. im Jugoslawien Krieg 1999) können komplexere Systeme ihre Vorteile natürlich besser einsetzen, weil sie zu jedem gegebenen Zeitpunkt und auf Basis der zur Verfügung stehenden Daten computer-optimierte Entscheidungen treffen.
     
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  4. #3 Schorsch, 17.03.2008
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    Danke für die ausführliche Antwort.
    Rückfragen dazu.

    Ein Zielbeleuchter und ein Suchradar unterscheiden sich ja erheblich in punkto Frequenz, Puls und Energie. Ein Zielbeleuchter sollte um einiges einfacher durch den Suchkopf der HARM zu finden sein, des Weiteren sollte er auch vom RWR deutlich einfacher zu diskriminieren sein. Kann eine HARM beide gleich effektiv bekämpfen oder gibt es technische Einschränkungen in punkto Frequenz oder ausgesandter Energie des Zielsenders?

    Sollte der Suchkopf der HARM sehr flexibel sein, könnte ich ihm ja theoretisch auch gegen ein gegnerischen Jäger schicken, der mich mit seinem Radar beleuchtet, oder?

    Und noch eine taktische Frage:
    Würde man im Feld eher auf den Beleuchter oder eher den Sucher schießen? Die Jugoslawen haben doch seinerzeit ne Menge Raketen "blind", also ohne Beleuchter in den Himmel geschossen.

    Die Ausrüstung der jugoslawischen Armee war damals nicht gerade zeitgemäß (Masse glaub ich SA-6, SA-4 und SA-2), heute stehen mit Datenlink zur Rakete andere Möglichkeiten zur Zielbekämpfung zur Verfügung, auch ohne das ein Radar die ganze Zeit "draufhalten" muss.
     
  5. #4 backberti79, 19.03.2008
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    Grundsätzlich gilt umso stärker die Energie, desto besser läßt sich darauf zielen.

    Auf welche Frequenz genau die HARM aufgeschaltet wird liegt ausschließlich an der Art der Integration, d.h. Güte des RWR und der Fähigkeit des WSO (in der einfachen Variante) bzw. Güte des RWR und des "entscheidenden" Computers (in der komplexeren Integration). Da sitzt eine Menge taktisches Wissen hinter.

    Im Golfkrieg 1991 hat eine F-4G mal versehentlich eine HARM in das Radar des Heckgeschützes eines B-52 Bombers geschossen. Der Bomber hat es zwar überlebt, war aber hinten ziemlich gelöchert.

    Auf das Suchradars eines Jägers zu schießen wird theoretisch nur bei älteren Radaren überhaupt möglich sein und selbst diese verwenden unterschiedliche Frequenzen und Modulationen in verschiedenen Modi. Und dann dürfte das Ziel während des Fluges der HARM die Frequenz und Modulation nicht ändern.

    Moderne Radare allgemein und AESA/PESA Radare im besonderen nutzen sogenatte LPI-Strategien (Low Probability of Interception) um ihre Aufassung von vorne herein zu unterbinden. D.h. ändern Frequenz, Modulation, Phase und andere Parameter bis zu einigen hunderttausend Mal pro Sekunde (Moderne Nicht-ESA-Radare sind in ihren LPI-Möglichkeiten zwar eingeschränkt, trotzdem dürfte es unmöglich sein sie mit einer HARM zu bekämpfen).

    Praktisch dürfte der Einsatz gegen schnelle, fliegende und manövrieren Ziele total sinnlos sein, da die HARM mit Mach 2 recht langsam ist, nicht für extreme Manöver ausgelegt ist und darüber hinaus mit einem Annäherungs-Splitter-Sprengkopf ausgerüst ist, der vor allem auf fixe oder langsam fahrende Ziele parametrisiert ist. Das wird auch der der Grund sein, warum die B-52 relativ glimpflich davon gekommen ist, da sie sich mit 950kmh vom Splitterkegel wegbewegt hat und nach hinten auch nur eine geringe Zielfläche bietet)

    Ich tippe auf den Sucher, weil es dasjenige Radar ist was der Operator zuletzt ausschalten wird und i.d.R. einen Sektor von 360° abdeckt. Wenn mein eigener Jammr gut funktioniert, wird der Beleuchter mich gar nicht erfassen und evtl. auf ein anderen Ziel aufschalten (d.h. mich und den Suchkopf der HARM gar nicht mehr beleuchten) womit es für die HARM nicht mehr als "Wegweiser" dienen kann.

    Gerade für die SA-2, die im übrigen immer schon per Datenlink (ordinärer Funk) gelenkt wurde, gibt es extrem neue Updates von den Chinesen, die den Datenlink so Jam-resistant machen, dass man schon absolut moderne Jammer braucht um ihn stören. Für die SA-6 bieten die Russen eine Vernetzunglösung, die ebenfalls auf dem neuen Stand ist und darüber hinaus gibt es auch eine schier unüberblickbare Menge von Upgrades für alle übrigen Systeme.

    Dass der Jugoslawien Krieg in Sachen Luftabwehr so ausging wie er ausging, lag meinem Verständnis nach an der technlogischen, massen-mässigen und taktisches Überlegenheit der Allierten (vor allem an den Abstandsjammern, E-Aufklärern RC-135 und EA-6Bs und im geringeren Maße ECR-Tornados) und an der weitesgehend "defensiven" Taktik der serbischen Operateure und nicht so sehr an dem Alter der serbischen Systeme. Dass man mit alten Sa-6 und Sa-3 bei sachgemäßem Umgang und guten Geheimdienstinformationen durchaus F-16s und F-117s abschießen kann, hat man ja gezeigt. Dabei ist es unerheblich ob in den Situationen Russen (wie oft kolportiert) oder Serben die Systeme bedient haben.
     
  6. #5 phantomas2f4, 19.03.2008
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