Konflikt in Libyen wird weiter internationalisiert

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D-HUBI

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Das sehen die Italiener und Deutschen schon ganz anders. Damit gibt es kein ur-europäisches Interesse in Libyen, was immer das sein soll? Alle Seiten haben inzwischen die Erfahrung gemacht, dass militärische Gewinne ohne eine politische Absicherung wertlos sind. Da hilft es auch nicht den militärischen Einsatz=Kosten im Poker um Einfluss zu erhöhen.
Die ur-europäische Interessen in Libyen sind, wie schon mal ausgeführt, keine Schleuser-, Radikalislamisten- und Terrorbanden an der Macht in einem Land an unserer südlichen Seegrenze und eben auch keine "Neuordnung der Machtverhältnisse im Mittelmeerraum" in Form eine neo-osmanischen Protektorats in Libyen. Das ist aber mit der GNA nicht zu haben, insbesondere mit einer GNA in abhängiger Vasallentreue zu Erdogan.

Zum Glück hat Präsident Macron das erkannt und steuert dagegen, auch wenn er sich damit neben der Türkei auch mit US-Interessen in Konfrontation begibt. Italien hat ganz klar rein wirtschaftliche Interessen in einem GNA-Libyen (Frankreich natürlich auch, aber wohl nur zweitrangige) und Deutschland ist nur zu feige, wirklich gegen die Türkei Position zu beziehen, z.B. wegen des Flüchtlingsdeals mit Erdogan.
Erschreckend auch die Positionen, die in weiten Teilen unserer Mainstreampresse vertreten werden, da wird Libyen zu einer Konfrontation Türkei vs. Russland aufgebauscht, in der wir natürlich auf Seiten unseres NATO-Partners Türkei stehen ... die unbewiesene Behauptung über russische Kampfflugzeuge in Libyen und die unreflektierte Einordnung der "Wagner-Gruppe" als Arm Putins in Libyen tauchen mantramäßig leider immer wieder in den Berichten auf. Kaum einer schreibt die offensichtliche Wahrheit, dass Libyen in erster Linie ein Konflikt zwischen der Türkei und der arabischen Liga, vertreten durch Ägypten und die VAE, ist. Alle anderen sind allenfalls Nebenakteure, incl. Russland.

Besonders schlimm ist m.M.n. zu sehen, dass es für die USA scheinbar ausreicht, Russland in Verbindung mit Libyen zu bringen, um Teile der EU dazu zu bringen, in Libyen amerikanische Interessen in Libyen über elementare europäische Interessen zu bringen. Die USA können mit einem Schleuserhotspot, Radikal-Islamisten und Terroristen in Libyen sicher gut leben, solange das Chaos in Libyen groß genug bleibt, um keine US-Interessen zu gefährden ... Europa kann das nicht! Auch eine neo-osmanische "Kolonie" in Libyen scheint nicht US-Interessen zuwiderzulaufen, solange diese sicherstellt, das Russland keine eigenen Interessen in Libyen anmelden kann ... ein Schwächung Europas in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht scheint dagegen eher nicht US-Interessen zuwiderzulaufen. Europa kann aber eigentlich keine Neuordnung der Machtverhältnisse im Mittelmeer zu Lasten von EU-Mitgliedstaaten erlauben, wie es die Türkei offensichtlich vorhat. Von der Herrschaft der Türkei über eine weiteres Flüchtlingsroute als Druckmittel ganz zu schweigen.
 
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Im Kern ist das schon so. (Syrien lasse ich mal beiseite). Aktuell sind mehrere muslimische Staaten von den Armeen des Westens besetzt bzw. strukturell zerstört worden.
Alles ohne jede Legitimation (Afghanistan, Irak) bzw. Missbrauch von UN-Beschlüssen (Libyen).
Stellen wir uns das mal umgedreht vor: muslismische Armeen besetzen die Länder Europas oder Amerika.
Was noch dazu kommt ist die Rolle der Medien. Einmarsch in andere Länder - das ist eben so, weil es eben so ist.
 

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Die ur-europäische Interessen in Libyen sind, wie schon mal ausgeführt, keine Schleuser-, Radikalislamisten- und Terrorbanden an der Macht in einem Land an unserer südlichen Seegrenze und eben auch keine "Neuordnung der Machtverhältnisse im Mittelmeerraum" in Form eine neo-osmanischen Protektorats in Libyen. Das ist aber mit der GNA nicht zu haben, insbesondere mit einer GNA in abhängiger Vasallentreue zu Erdogan.

Zum Glück hat Präsident Macron das erkannt und steuert dagegen, auch wenn er sich damit neben der Türkei auch mit US-Interessen in Konfrontation begibt. Italien hat ganz klar rein wirtschaftliche Interessen in einem GNA-Libyen (Frankreich natürlich auch, aber wohl nur zweitrangige) und Deutschland ist nur zu feige, wirklich gegen die Türkei Position zu beziehen, z.B. wegen des Flüchtlingsdeals mit Erdogan.
Erschreckend auch die Positionen, die in weiten Teilen unserer Mainstreampresse vertreten werden, da wird Libyen zu einer Konfrontation Türkei vs. Russland aufgebauscht, in der wir natürlich auf Seiten unseres NATO-Partners Türkei stehen ... die unbewiesene Behauptung über russische Kampfflugzeuge in Libyen und die unreflektierte Einordnung der "Wagner-Gruppe" als Arm Putins in Libyen tauchen mantramäßig leider immer wieder in den Berichten auf. Kaum einer schreibt die offensichtliche Wahrheit, dass Libyen in erster Linie ein Konflikt zwischen der Türkei und der arabischen Liga, vertreten durch Ägypten und die VAE, ist. Alle anderen sind allenfalls Nebenakteure, incl. Russland.

Besonders schlimm ist m.M.n. zu sehen, dass es für die USA scheinbar ausreicht, Russland in Verbindung mit Libyen zu bringen, um Teile der EU dazu zu bringen, in Libyen amerikanische Interessen in Libyen über elementare europäische Interessen zu bringen. Die USA können mit einem Schleuserhotspot, Radikal-Islamisten und Terroristen in Libyen sicher gut leben, solange das Chaos in Libyen groß genug bleibt, um keine US-Interessen zu gefährden ... Europa kann das nicht! Auch eine neo-osmanische "Kolonie" in Libyen scheint nicht US-Interessen zuwiderzulaufen, solange diese sicherstellt, das Russland keine eigenen Interessen in Libyen anmelden kann ... ein Schwächung Europas in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht scheint dagegen eher nicht US-Interessen zuwiderzulaufen. Europa kann aber eigentlich keine Neuordnung der Machtverhältnisse im Mittelmeer zu Lasten von EU-Mitgliedstaaten erlauben, wie es die Türkei offensichtlich vorhat. Von der Herrschaft der Türkei über eine weiteres Flüchtlingsroute als Druckmittel ganz zu schweigen.
Ein reines Wünsch Dir was. In den Jahrzehnten der Gaddafi-Diktatur konnten sich keinerlei Parteistrukturen entwickeln, die eine Voraussetzung für so etwas wie eine Demokratie sind. Da sind uns Diktaturen scheinbar lieber, solange sie nur unseren Interessen bedienen. Mit den Schleusern arbeiten wir ja zusammen, indem wir über die Hilfsdienste einen Weg nach Europa eröffnen. So das es deutlich mehr Personen in die EU schaffen, als auf den Weg dahin verunglücken. Die USA haben ja ein ähnliches Problem der Zuwanderung im Süden und die Größenordnung übertrifft die der EU bei weitem. Dazu gibt es nur viel Kritik aus Europa und dann darf es nicht verwundern, dass man das Jammern der EU wegen ihrer weit kleineren Zahl an Flüchtlingen nicht ganz ernst nimmt.
Deutschland ist ja gerade im Sicherheitsrat der UN und könnte darauf hin arbeiten, dass die Regierung in Tripolis nicht länger der einzig anerkannte Repräsentant Libyens ist. Überprüfbare Forderungen vermeiden wir ja wie der Teufel das Weihwasser.

Das Erdogan die Uneinigkeit und formale Selbstfesselung der EU für seine Ziele ausnutzt, dass kann ihm niemand vorwerfen. Es ist ja gar nicht solange her, da galten er und seine Partei als Hoffnungsträger der EU und als ein Vorbild in den Zeiten des arabischen Frühlings.
 

D-HUBI

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Deutschland ist ja gerade im Sicherheitsrat der UN und könnte darauf hin arbeiten, dass die Regierung in Tripolis nicht länger der einzig anerkannte Repräsentant Libyens ist. Überprüfbare Forderungen vermeiden wir ja wie der Teufel das Weihwasser.
DAS wäre sicher ein guter Ansatz und ein Hoch auf die Demokratie in Libyen dazu.
 

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Damit überhaupt so etwas wie Demokratie in Libyen wachsen kann, da brauchte man Unterstützung vor Ort und Schutz vor äußeren Einflüssen. Darauf will niemand warten und die damit verbundenen Risiken für ein Mandat tragen. Der kleinste gemeinsame Nenner bleibt da, die schon bestehende Regierung in Tripolis, wenn es keinen internen Umsturz gibt. Bei uns ein Tabu, doch über 90 % der Mitglieder in der UN führen nur den Namen Demokratie, ohne es zu sein. "Zettelfalten" macht noch keine Demokratie.
 

gringo

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Leider muss man hier ebenfalls alles Sinnieren über Demokratie beseite legen. Statt dessen springt einem wieder Öl - hier konkret Oil-Cresent (Ölhalbmond) - ins Gesicht.
Die Ölfrage ist hat hier in Libyen allerdings viele Facetten, die hier nicht breitgewalzt werden können und sollten.
Nur auf den "innerlibysche" Ölstreit sei kurz verwiesen:
Ölfelder und Exportanlagen befinden sich größtenteils auf dem Gebiet der LNA des Ostkommandanten Khalifa Haftar. Ein internationales Abkommen besagt jedoch, dass Öl nur von der in Tripolis ansässigen NOC exportiert werden kann, wobei die Zahlungen an die dortige Zentralbank gehen.
.... die LNA sagte, sie würde die Blockade beibehalten, bis die Öleinnahmen auf ein neues Bankkonto außerhalb des Landes überwiesen werden, um dann regional verteilt zu werden.
Die LNA fügte weitere Bedingungen hinzu, darunter die Einrichtung eines "transparenten Mechanismus" zur Überwachung der öffentlichen Ausgaben und eine Prüfung der in Tripolis ansässigen Zentralbank.
UAE Wants to See a Return of Libya's Oil Production With Safeguards: Minister

Fazit: Mit der "Beseitigung" von al-Gaddafi ist in Libyen ein failed State entstanden, wo auch die (ÖL-) Ressourcen nahezu herrenlos als Beute winken. Und nun ist die Liste der offen sichtbaren sowie der verdeckt handelnden "Jäger" lang ....
 

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"Am Mittwochabend empfing Kairo eine Delegation des Obersten Rates der Scheichs und prominente Persönlichkeiten libyscher Stämme an Bord eines Privatflugzeugs aus Bengasi."
Die nationalen Kräfte im Lande, die das Sagen haben und deren Unterstützung man gewinnen muss, um die eigenen Interessen zu waren. Da winkt keine herrenlose Beute. Libyen ist kein "failed State" sondern braucht seine Zeit sein inneres Gleichgewicht zu finden.
 

Sczepanski

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Damit überhaupt so etwas wie Demokratie in Libyen wachsen kann, da brauchte man Unterstützung vor Ort und Schutz vor äußeren Einflüssen. Darauf will niemand warten und die damit verbundenen Risiken für ein Mandat tragen. Der kleinste gemeinsame Nenner bleibt da, die schon bestehende Regierung in Tripolis, wenn es keinen internen Umsturz gibt. Bei uns ein Tabu, doch über 90 % der Mitglieder in der UN führen nur den Namen Demokratie, ohne es zu sein. "Zettelfalten" macht noch keine Demokratie.
der kleinste gemeinsame Nenner sollte für Demokraten die Förderung des Parlamentarismus und des gewählten Parlaments sein, und nicht die von aussen erfolgte Einsetzung einer "Regierung der nationalen Einheit", die genau diese Programmatik nicht umsetzt.
 

gringo

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Der Blick auf das heutige Libyen hinsichtlich "failed State" ist von jeweiliger Parteinahme abhängig.
In der Rangliste - fragile States Index - auf Platz 20, also 3 Plätze hinter dem Irak ...
Global Data | Fragile States Index

Hier mal eine Meinung, die es in etwa trifft:
Libyen kann sich heute als gescheiterter Staat qualifizieren. Es hat zwei Regierungen, zwei Armeen, einen riesigen Landstreifen an der Grenze zur Sahelzone, Tunesien, Algerien, Tschad und Sudan. Seine Gebiete sind zu einem sicheren Hafen für Dschihadisten aller Loyalitäten und zu einem Kanal für Waffen- und Drogenschmuggel von und nach dem afrikanischen Kontinent und nach Südeuropa geworden. Libyen, einst ein hochrangiger Vertreter der Öl exportierenden Industrie, hat die gesamte Produktion eingestellt, da die Ölfelder mehrmals den Besitzer gewechselt haben und die Anlagen aufgrund mangelnder Wartung fast veraltet sind.
...
Nach dem Sturz und der Hinrichtung von Gaddafi im Jahr 2013 wurde Libyen zur Beute lokaler und internationaler islamistischer extremistischer Organisationen wie des Islamischen Staates (ISIS), die die Abwesenheit einer Regierung ausnutzten, um sich im Vakuum zu etablieren. Der Abbau des libyschen Nationalstaates und die Gefahr, die durch die Entstehung eines potenziellen dschihadistischen Staates entsteht, der dem 2014 von ISIS in Syrien und im Irak geschaffenen ähnelt, haben externe Mächte dazu gebracht, durch lokale Kunden zu versuchen, die Reste dessen, was verwendet wurde, wiederzugewinnen der libysche Staat sein.
Libya’s Field-Marshall Khalifa Haftar – the Returnee
 

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Ohne parlamentarische Parteien gibt es kein Parlament. In Libyen ist es nur eine formale Zusammenkunft von Stammesvertretern, die sich keiner gemeinsamen Verfassung , die ja noch fehlt, sondern nur den Interessen ihres jeweiligen Stammes verpflichtet fühlen. Aus dem Grunde gibt es Abgeordnete, die sich in Tripolis aufhalten und eine Mehrzahl, die sich in Bengasi aufhält.
2014 gab es die letzten, von der UN beaufsichtigten und damit anerkannten Wahlen in Libyen. Unter Vermittlung der UNO verständigten sich moderate Vertreter beider Seiten im Dezember 2015 auf ein Abkommen zur Bildung einer Einheitsregierung. Diese Regierung, geleitet von einem neunköpfigen Präsidialrat unter Fayiz al-Sarradsch, arbeitet seit März 2016 in Tripolis.
Unsere Bundesdeutschen Verhältnisse sind nicht die in Libyen und selbst ein Vergleich mit Frankreich würde scheitern, wenn es um die Rolle des Parlaments geht, hier ein Präsidialsystem.
Die nächsten libyschen Parlamentswahlen sollen in Libyen stattfinden, zunächst 2019 1 , nachdem sie ursprünglich geplant waren 10. Dezember 2018 2 , um die 200 Mitglieder des Repräsentantenhauses zu wählen. Am selben Tag findet eine Präsidentschaftswahl statt 3 .
Ihnen sollte ein Referendum über eine neue Verfassung vorausgehen, das in jeder der drei historischen Regionen des Landes (Tripolitanien, Fezzan und Cyrenaica) mit absoluter Mehrheit gebilligt werden muss, und mindestens zwei Drittel der Stimmen auf nationaler Ebene erhalten Zustimmung zu einer Verfassungsänderung abgestimmt 26. November 2018 an das Repräsentantenhaus von Tobrouk 4 .
 

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Ohne parlamentarische Parteien gibt es kein Parlament. In Libyen ist es nur eine formale Zusammenkunft von Stammesvertretern, die sich keiner gemeinsamen Verfassung , ...
Genau das hat man aber 2011 vorher schon gewusst. Trotzdem hat man den Rebellen den Weg freigeschossen, ohne zu wissen, was danach kommen soll. Gaddafi war weg und das Chaos hat seinen Lauf genommen.

Wo steht überhaupt geschrieben, dass eine Gesellschaft so aufgebaut sein muss, wie wir es in Europa kennen (Wahlen, Parlament, Exekutive, Richterschaft) ? Nirgendwo steht das geschrieben.
Es entzieht sich vollkommen unserer Vorstellungswelt, dass eine Gesellschaft auch anders funktionieren kann bzw. muss.
Genau deswegen scheitern wir schon seit 19 Jahren in Afghanistan und seit 17 Jahren im Irak.
 

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Genau das hat man aber 2011 vorher schon gewusst. Trotzdem hat man den Rebellen den Weg freigeschossen, ohne zu wissen, was danach kommen soll. Gaddafi war weg und das Chaos hat seinen Lauf genommen.

Wo steht überhaupt geschrieben, dass eine Gesellschaft so aufgebaut sein muss, wie wir es in Europa kennen (Wahlen, Parlament, Exekutive, Richterschaft) ? Nirgendwo steht das geschrieben.
Es entzieht sich vollkommen unserer Vorstellungswelt, dass eine Gesellschaft auch anders funktionieren kann bzw. muss.
Warum gab es denn die Ereignisse von 2011? Da hatte sich doch etwas über Jahrzehnte angestaut! Man hätte ja zuschauen können, wie Gaddafi in Libyen seine Autorität zurück gewinnt. In Syrien machen wir es auch, weil eine Radikalisierung drohte und beim Militär-Putsch in Ägypten 2013 war es fast ein Idealfall.
Peter Scholl-Latour hat es einmal treffend erklärt. Das größte Verbrechen von Diktaturen ist das Unterdrücken von demokratischen Strukturen. Deren Wiederbelebung dauert fast immer solange, wie die Zeit einer Diktatur.
Kein Realist erwartet eine funktionierende Demokratie in Libyen und hofft bestenfalls auf eine moderate Diktatur im demokratischen Gewand. Wie bei der absoluten Mehrheit der Herrschaftsformen der UN-Mitglieder.
 
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Warum gab es denn die Ereignisse von 2011? Da hatte sich doch etwas über Jahrzehnte angestaut! Man hätte ja zuschauen können, wie Gaddafi in Libyen seine Autorität zurück gewinnt. In Syrien machen wir es auch, weil eine Radikalisierung drohte und beim Militär-Putsch in Ägypten 2013 war es fast ein Idealfall.
Peter Scholl-Latour hat es einmal treffend erklärt. Das größte Verbrechen von Diktaturen ist das Unterdrücken von demokratischen Strukturen. Deren Wiederbelebung dauert fast immer solange, wie die Zeit einer Diktatur.
Kein Realist erwartet eine funktionierende Demokratie in Libyen und hofft bestenfalls auf eine moderate Diktatur im demokratischen Gewand. Wie bei der absoluten Mehrheit der Herrschaftsformen der UN-Mitglieder.
Die Ereignisse von 2011 waren eine innerlibysche Angelegenheit. Hier hat man dann gleich von außen nachgeholfen und das Chaos perfekt gemacht. Regime-Change. So war das nun mal.
Libyen wird noch in 20 Jahren ein instabiler Staat sein (ist Afghanistan nach rund 20 Jahren ja auch noch), eher werden sich da einige von den Protagonisten, teilweise Inner-NATO, die Schädel eingeschlagen haben.
Natürlich vollkommen demokratisch.
 

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Die Arabische Liga ist sich zunehmend einig in ihrer Ablehnung der türkischen Intervention in Libyen.

Es gibt offenbar einen regelrechten Pendelverkehr zwischen der Türkei und Westlibyen

Inzwischen fliegt die türkische Luftwaffe den Flugplatz Al Watiya sogar direkt an

Gleichzeitig werden die LNA Stellungen bei Sirte verstärkt, u.a. mit russischen Pantsir-Fla Systemen

Und Ägypten und Türkei steuern auf eine unmittelbare Konfrontation bei Sirte zu:

طالبنا الرئيس المصري بالإجماع بالتدخل في حال شنت تركيا هجومًا على سرت
Original (Arabisch) übersetzt mit Google:
Dringend Vorsitzender des Obersten Rates der Scheichs und Persönlichkeiten der libyschen Stämme:
Wir fordern den ägyptische Präsident einstimmig auf, einzugreifen, falls die Türkei einen Angriff auf Sirte starten sollte
 
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'Das libysche Parlament "fordert?" das Eingreifen Ägyptens, falls durch die GNA (Verbündete) die "roten Linien" verletzt werden:
Ägyptens Präsident hat reagiert (die älteren Meldungen sind unten, die aktuellen sind oben):
6 hours ago
President of Egypt Al-Sisi: We are able to change the military scene in Libya quickly and decisively




6 hours ago
President of Egypt Al-Sisi: We will not stand idly watching the military build-up at Sirte


6 hours ago
Al-Sisi calls on the Libyan tribesmen to join a unified national army

6 hours ago

El-Sisi: We are ready to train the Libyan tribesmen to build a unified national army




6 hours ago
Al-Sisi: We reject Libya's transformation into a safe haven for outlaws




6 hours ago
Al-Sisi: Arms must be restricted to the state of institutions in Libya
 

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Wieso per Schiffstransport?
 

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Sisi traf sich bei einem Meeting mit libyschen Stammesführern. Dazu wurde bekannt:
Stammesführer, die aus Haftars Hochburg in Bengasi angereist waren, teilten Sisi bei einem Treffen in Kairo mit, dass sie ihn und die ägyptische Armee ermächtigt hätten, in ihr Land einzugreifen, um dem entgegenzuwirken, was sie als "türkische Invasion und Terrorismus" bezeichneten.
Bei dem Treffen mit Stammesführern, die Haftar unterstützen, sagte Sisi: "Die roten Linien, die wir zuvor angekündigt haben ... waren im Grunde genommen ein Aufruf zum Frieden und zur Beendigung des Konflikts in Libyen."
Sisi sagte, er werde die Genehmigung für jeden militärischen Schritt im Parlament einholen, der von seinen Anhängern dominiert wird. "Ägypten ist in der Lage, die militärische Situation schnell und entschlossen zu ändern, wenn es will", sagte Sisi, bevor er alle Parteien aufforderte, den Kampf einzustellen.
Sisi says Egypt won't stand idle in Libya if security is threatened

Hier noch ein interessantes Detail:
Er betonte, dass "wenn die ägyptischen Streitkräfte in Libyen einmarschieren, die libysche Flagge von Stammesältesten angeführt wird".
Egypt has the strongest army in the region and it can change the battle in Libya quickly: Sisi - Geopolitics News

Damit soll m.M.n. formal nicht die ägyptische Armee eingreifen, sondern Streitkräfte, die von libyschen Stammesführern angeführt werden.
Also in Analogie zur GNA, wo aus Syrien etc. Tausende eingeflogene Söldner von der Türkei bewaffnet und geführt agieren ...
Beides ein krummes Ding.
 
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Wieso per Schiffstransport?
sorry, späte Stunde - ich war auf "shipload" und nicht auf "shipment" - als Landtransport also mit Sicherheit über Ägypten

Die Türkei nutzt dagegen neben Tripolis und Misrata zunehmend auch den Flugplatz von Al-Wattiyah für Transporte nach Libyen


3 hours ago
Back to Al Watiya AFB second day in a row: Turkish Air Force's Erkilet based 222nd Squadron's Lockheed C130 Hercules 711468 turboprop transport plane flew from Konya AFB to 'TurAFB' Al Watiya in Nuqat al Khams Tripolitania. This is the 30th TurAF flight to Libya in last 2months
4 hours ago
Turkish Air Force's Konya AFB based 131st Squadron's Boeing 737-7ES AEW&C Peace Eagle "Batı" 13-004 operates over SW Turkey & the Mediterranean
5 hours ago
Back to Al Watiya AFB second day in a row Turkish Air Force's Erkilet based 222nd Squadron's Lockheed C130 Hercules 711468turboprop transport plane is flying from Konya AFB to Libya, likely to 'TurAFB' Al Watiya in Nuqat al Khams. This is the 30th flight in the last 2months

und auch die LNA erhält Nachschub auf dem Luftweg (offiziell dürfte wohl Ägypten der Empfänger der Lieferung sein …)

a United Arab Emirates Air Force flight (C-17A reg. 1230/896C40 as UAF1223) landed at Sidi Barrani Air Base, NW Egypt, as tracked by a receiver on Cyprus. Suspected origin: UAE base in Assab, Eritrea



edit:
wobei nun auch die Türkei verbal heftig austeilt:
2 hours ago
Turkish President: Abu Dhabi government behaves like a pirate by supporting the putschists Haftar with large quantities of arms and money



3 hours ago
President Erdogan: Egypt's presence with the putschist Hafter shows that it was involved in an illegal process




3 hours ago
Erdogan: "No matter what responsibility we have taken in Libya until now, we will continue our responsibility in this way."
 
Anhang anzeigen
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