Lehrgang Flugphysiologie Königsbrück (Zentrifuge und Höhen-Klima-Simulationskammer)

Diskutiere Lehrgang Flugphysiologie Königsbrück (Zentrifuge und Höhen-Klima-Simulationskammer) im Ausbildung und Jobs Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Im Januar fand ein "inofizielles Forumstreffen" in Königsbrück statt. Drei Forumsteilnehmer reisten an, um sich dem Grundlehrgang Flugphysiologie...

Moderatoren: Learjet
  1. #1 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Im Januar fand ein "inofizielles Forumstreffen" in Königsbrück statt.
    Drei Forumsteilnehmer reisten an, um sich dem Grundlehrgang Flugphysiologie für Jetbesatzungen zu stellen. Einige Unterrichte wurden dann überraschenderweise von einem verdienten Forumsmitglied gehalten.

    Nachfolgend fasse ich den Lehrgang mal ganz grob zusammen.

    Der Lehrgang dauert von Montag bis Freitag. Bis Mittwoch liegt der Schwerpunkt auf Zentrifuge, Donnerstag dann die Höhen-Klima-Simulationskammer. Freitag dann nur noch Unterrichte, die auch an allen anderen Tagen immer mal wieder dazwischen liegen.

    Nachfolgend die Tage mal chronologisch:
     
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  3. #2 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Montag:

    Morgends erst mal einiges an Theorie. Nachdem wir dann so ganz grob wissen, was in der Zentrifuge mit uns passiert, geht der praktische Teil los.
    Wir bekommen eine Anti-G Hose verpasst und müssen in einem Sim-Cockpit die Atemtechnik lernen.
     

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  4. #3 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Nach dem Mittagessen kommt der lustige Teil der Sache.
    Es geht ab in die Zentrifuge.
    Nach dem Einsteigen fährt die Zentrifuge immer erst auf 1,4G. Das ist die sogenannte Baseline. Dadurch verträgt man das Hochfahren deutlich besser.
    Das erste Profil fängt mit einer Fahrt auf 2G, dann auf 2,5G und auf 3G an. Alles mit einem Onset (Anstieg) von 0,1G pro Sekunde. Dann nochmal auf 3G mit einem Onset von 0,5G pro Sekunde.

    Dann hat man kurz Zeit, bevor die Zentrifuge mit einem Onset von 0,1G pro Sekunde los fährt. Das macht man so lange bis man irgendwelche Einschränkungen wahrnimmt. Dann lässt man einen Knopf los und die Zentrifuge hält an. Bei diesem Profil soll man noch keinerlei Muskelanspannung oder Pressatmung durchführen. Es soll nur die "natürliche G-Toleranz" ermittelt werden.

    Hier mal ein Bild von der Zentrifuge:
     

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  5. #4 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Zuvor wurden die Lehrgangsteilnehmer aufgeteilt. Die Anderen führen derweil Sportausbildung durch. Schwerpunkt ist dabei, dass man lernt, welche Bereiche man besonders trainieren muss.

    Das hat ziemlich viel Spaß gemacht. Auf dem Bild sieht man das Triplex.
     

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  6. #5 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Dienstag:

    Morgens kam die erste Gruppe wieder in die Zentrifuge und durfte nun ausprobieren, wie die G-Belastung mit Muskelanspannung und Atemtechnik aussieht. Anschließend dann noch eine Fahrt, bei der auch die Anti-G Hose zum Einsatz kommt.

    Die andere Gruppe führte derweil Rückenschule durch.


    Nach dem Mittagessen kamen nur noch Unterrichte.
     
  7. #6 Grobbuster, 01.03.2007
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    Klingt alles sehr gut, nur schade, dass eine Rückenschule, Kraftraum etc in den meisten geschwader nur sehr dürftig vertreten sind.
     
  8. #7 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Mittwoch:

    Die erste Gruppe geht wieder in die Zentrifuge und fährt verschiedene Profile, unter anderem wird auch ermittelt wie hoch die G-Toleranz mit Muskelanspannung, Pressatmung und Hose ist.
    Außerdem noch ein paar Fahrten bei denen man zum Beispiel einen recht heftigen Onset wählen konnte. Das war ganz klar der Höhepunkt der Woche. :HOT

    Die andere Gruppe führt derweil Übungen am Desorientierungstrainer vor. Das ist ein Simulator ohne jegliche Aussensicht, in dem der Lehrgangsteilnehmer erfährt, wie ihn sein Gleichgewichtsorgan täuschen kann. Das Gerät dreht sich dabei meist recht schnell um die Hochachse. Recht eindrucksvoll.
     

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  9. #8 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Nachmittags dann noch einige Unterrichte von den Ärzten zu den Themen Hypoxie, Ernährung usw.
     

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  10. #9 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Donnerstag:

    Es geht in die Höhen-Klima-Simulationskammer. Darin trägt man Helm und Sauerstoffmaske und fährt bis auf 43.000 ft Höhe. Währenddessen bekommt man zum Beispiel BW-brandwundenverbandpäckchen gezeigt. Diese blähen sich beim Aufstig so auf, dass man mit ihnen sicher Fußball spielen könnte. Ein auf Ortshöhe schlaff hängender Wetterballon hat bei 43.000 ft einen enormen Durchmesser. Oben angekommen geht es gleich wieder auf 25.000 ft runter. Dort wird man vom Sauerstoff getrennt und sollte die Sauerstoffmangelerscheinungen erkennen. Das geht recht schnell und man wird wieder an den Sauerstoff angeschlossen. Es geht runter auf 18.000 ft und man wird erneut vom Sauerstoff getrennt. Man macht ein paar Tests und merkt kaum, dass man zuwenig Sauerstoff aufnimmt. Dabei werden einem noch durch verschiedene Beispiele gezeigt wie die eigene Leistungsfähigkeit abnimmt. Insbesondere die Nachtsichtfähigkeit leidet.

    Anschließend geht es wieder runter auf Ortshöhe. Die Fahrt an sich dauert etwa eine Stunde. Die Tests, die man fortwährend machen muss nerven etwas, aber ansonsten war das ebenfals sehr eindrucksvoll.
     

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  11. #10 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Direkt dannach findet noch eine rapide Dekompression statt. Man sitzt zu zweit in einer Kamer und es geht auf 8.000ft. In der benachbarten großen Kammer wird eine Druckhöhe von 25.000ft aufgebaut. Dann wird ein Ventil geöffnet und binnen 1,5 Sekunden steigt man von 8.000 auf 22.500ft. Währenddessen wird auf die in dieser Höhe vorherschende Temperatur Simuliert. Also etwa 50 Grad minus.


    Nach dem Mittagessen erfolgen noch Unterrichte, unter anderem auch von einem Psychologen. Entgegen der üblichen Vorurteile muss ich diesen Psychologen aber echt loben. Nach übereinstimmender Meinung, war das mit einer der besten Unterichte der Woche.
     
  12. #11 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Freitag:

    Es folgten noch weitere Unterrichte und schließlich das Abschlussgespräch.


    Alles in allem eine sehr interessante Woche. Äußerst lehrreich und hat sehr viel Spaß gemacht.

    Falls noch weitere Fragen bestehen, immer heraus damit.
     
  13. #12 milhouse-bart, 01.03.2007
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    So, noch ein letztes Bild. Noch mal die Kammer. Im linken Bildteil sieht man eine Tür und dahinter eine weitere Tür. Dazwischen ist die kleine Kammer für die rapide Dekompresion.
     

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  14. #13 FastEagle107, 01.03.2007
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    1. Wurde irgendwas erwähnt, ob die Testergebnisse der Zentrifugenfahrten jetzt schon die Wahl des Flugzeugmusters (Eurofighter, Tornado, Heavy) beeinflussen?

    2. Wie sieht denn die weitere Nutzung der Zentrifuge aus? Gibt es weitere Tests während der Ausbildung? Muss man dort bestimmte G-Belastungen erreichen? Oder Profile "bestehen"?

    3. Wann wird die Zentrifuge evtl zu einem Hindernis, was man nicht besteht und wie weit befindet man sich dann schon in den Mühlen der Bundeswehr?
     
  15. #14 milhouse-bart, 01.03.2007
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    1. Na ja, wenn Du eine sehr niedrige G-Toleranz hast, wird es wohl schwierig mit EF. Ob das jetzt konkrete Auswirkungen hat, weiß ich aber nicht sicher.

    2. Es geht bei dem Lehrgang weniger darum zu besteh, als vielmehr die eigene natürliche G-Toleranz durch verschiedene Maßnahmen zu erhöhen. Wenn man auf Tornado kommt, geht man nur für diesen Grundlehrgang in die Zentrifuge. EF geht jedes Jahr (?)

    3. Da kann ich wenig dazu sagen, aber es gibt ja noch genügend kompetente Leute hier.
     
  16. #15 FastEagle107, 01.03.2007
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    Copy! Thanks.

    Hat mich nur mal interessiert, was die dort im Hinblick auf die Zukunft und die Wichtigkeit der Ergebnisse so erzählen.
    Als ich dort war, war es mehr oder weniger nur 'nice to know' und nicht sehr bedeutend für die Zukunft. ;)

    Viel Erfolg weiterhin!
     
  17. #16 rechlin-lärz, 01.03.2007
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    Was wird konkret zu Ernährung erzählt - was zu Hypoxie?

    Dein Thread ist interessant - vielen Dank!:TOP:

    VG

    rechlin-lärz
     
  18. #17 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Das waren beides so einstündige Unterrichte. Ernährung war sehr allgemein gehalten. Hypoxie natürlich schon deutlichen Bezug zur Fliegerei.
    Aberkonkrete Inhalte? Puh. :?!
    Gibts was konkretes was Du wissen willst?
     
  19. Grimmi

    Grimmi Alien
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    Danke für den guten Bericht :TOP:

    Gleich noch ne Frage zur Zentrifuge ... Warum Ösiwappen drauf ? :confused:
     
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  21. #19 Talon4Henk, 01.03.2007
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    Zur Ernährung wird hauptsächlich erzählt, aus welchen Gründen man was Essen sollte. Oder besser was man aus welchen Gründen nicht essen sollte als Flieger.

    Zur Hypoxie: hier werden die 5 verschiedenen Arten der Hypoxie vorgestellt und deren Auswirkungen auf die Fliegerei.
     
  22. #20 milhouse-bart, 01.03.2007
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    Die Zentrifuge wurde damals von den Österreichern gekauft. (Zu DDR-Zeiten)
    Dieses Unternehmen ist noch immer für die Zentrifuge zuständig und hat auch die Modernisierung auf EF vorgenommen.

    AMST heißt "Austria Metall System Technik", wenn ich das noch richtig im Kopf hab.
     
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