Leichtflugzeug tötet zwei Badegäste in Portugal

Diskutiere Leichtflugzeug tötet zwei Badegäste in Portugal im Flugunfälle und Flugunfallforschung Forum im Bereich Luftfahrzeuge allgemein; "Das Unglück geschah am Strand von São João da Caparica in der Nähe von Portugals Hauptstadt Lissabon. Pilot und Co-Pilot der Maschine des Typs...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Intrepid, 02.08.2017
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    "Das Unglück geschah am Strand von São João da Caparica in der Nähe von Portugals Hauptstadt Lissabon. Pilot und Co-Pilot der Maschine des Typs Cessna 152 seien unverletzt geblieben und von der Polizei verhört worden, um die Gründe für die Notlandung zu klären, so die Zeitung „Público“."

    "Augenzeugen sagten, dass das Flugzeug offenbar in Schwierigkeiten geraten und in niedriger Höhe über die Hunderten Menschen am Strand geflogen sei, bevor es schließlich hart aufsetzte. Die Menschen am Strand seien in Panik geflüchtet."

    "Bei den Toten handle es sich um einen 50-jährigen Mann und ein achtjähriges Mädchen, berichteten portugiesische Medien."

    "Das getötete Mädchen war den Augenzeugenberichten zufolge mit seinen Eltern am Strand, die unverletzt blieben. Zunächst habe die Maschine aber den Mann tödlich getroffen. Dann sei sie – bereits mit einem zerschellten Flügel – noch etwa 50 Meter weitergeschlittert und habe das Kind erfasst."

    Quelle: welt.de
     
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  3. #2 Jetcrazy, 03.08.2017
    Jetcrazy

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    Ich würde gerne wissen, wie die Herren Piloten weiterleben, wenn man ihnen vorwirft, lieber Unbeteiligte am Strand wegzurasieren, anstatt sich selbst in Lebensgefahr zu begeben.
     
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  4. nerbe

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    Ich bin der festen Überzeugung, dass es keinesfalls der Vorsatz der Besatzung war Menschen zu töten, sondern sich selbst zu retten (falsche Fokussierung). Man geht mit einer Landung außerhalb eines Flugplatzes immer ein Risiko gegen Dritte ein. Selbst ein Rettungsmanöver mit dem Auto kann Unbeteiligte treffen. Manchmal hat man eben maximales Pech, manchmal ist es eine falsche Entscheidung. Ich hatte Glück als ich auf einem Kartoffelacker außenlandete und kurz vor dem Aufsetzen der Acker zu leben begann. Ich hatte eine Kompanie Russen beim Mausen gestört und keinen der panisch wegrennenden Muschkoten erwischt. Ein Kollege nahe Kamenz mit einer Libelle hatte weniger Glück, die Bäuerin war tot. So ist das manchmal, wenn es ganz dumm läuft, dann geht das Ganze tragisch aus. Die Piloten sind nicht zu beneiden und tragen die Last ihr weiteres Leben lang. Die Landung am Strand war ganz sicher eine tragische Fehlentscheidung, aber alle, die noch nie in einer Stresssituation im Cockpit keinen Mist gebaut haben, dürfen gerne mit Steinen werfen. (Der Pilot mit der Bäuerin wurde damals verurteilt, ich musste nach der Landung mit den Russen auf deren Fotos posieren, für den letzten Angriff eines deutschen Flugzeuges auf eine Kompanie der Roten Armee. Das alles hätte genauso gut umgekehrt ablaufen können)

    Gruß
    Thomas
     
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  5. #4 lutz_manne, 03.08.2017
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 04.08.2017
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    Wenn man viel Wasser hat, sollte man nicht im Sommer an einem Strand eine Notlandung machen. Das ist grob fahrlässig! Die Kiste 100m vom Strand entfernt ins Wasser. Da ist das Risiko einen Schwimmer umzunieten geringer, auch wenn das Eigenrisko höher ist. Aber das eigne Wohl über das Wohl anderer zu stellen... den Herren im Flieger gehört die Lizenz auf Lebenszeit entzogen. Werden bei Eignungstest nicht solche "Gewissensfragen" gestellt?
    Ich kann mich noch an die abgestürzte He 111 (eine CASA), die letzt flugfähige, erinnern. Damals hatte der Pilot nach Motorausfall die Wahl in einen Kindergarten "zu landen" oder drüber zu ziehen und abzustürzen. Als Flieger weiss man vorher worauf man sich einlässt.
    *****
    @nerbe, natürlich war das kein Vorsatz.
     
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  6. #5 Unwissend, 03.08.2017
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    Ich kann nicht beurteilen , weil ich die Situation nicht kenne. Auf Wasser hast Du mit einem Hochdecker große Probleme zu landen.
    Es droht ein Überschlag / ertrinken.Das Kind hat er nach dem der Flügel abgeknickt war getroffen.
    Da hast du keine Kontrolle mehr über den Flieger.
    Ob der Pilot ruhig schlafen kann?
    Es gab mal auf der A9 beim Grenzübergang in Richtung DDR einen LKW Unfall, wo der Fahrer insgesammt 11 Leute getötet hat. Anschüssige Strecke, das Stauende übersehen. 6 Monate später saß er wieder auf dem Bock und gab in der ARD dazu auch ein paar Statments ab. Der fuhr bis zu seiner Rente im Jahr 2005. Grüße Frank
     
  7. #6 lutz_manne, 03.08.2017
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    Das sowas passieren kann, weiss der FF aber bevor er in das Flz einsteigt und er geht das Risiko bewusst ein. Das Kind hat diese Wahl nicht gehabt. Es sei denn es muss sich überlegen, geh ich heute an den Strand? Nö, zu gefährlich, da landen ja Flugzeuge.

    Dann droht dem FF eben der Überschlag. So what?

    PS: Natürlich sind das Sekundenentscheidungen im Stress. Daher sollte sowas auch bei einem Psychotest vorher geklärt werden, sofern möglich, wie jemand reagiert. Ein Egoisten sollte man dann eben kein Flz fliegen lassen.
     
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  8. Trara

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    Tragischer Vorfall...Die Piloten werden ganz sicher ihr Leben lang darunter leiden. Aber so schlimm das Ganze auch ist, muss ich nerbe Recht geben: In so einer Extremsituation, in der Sekunden über Leben und Tod entscheiden und der Druck so enorm ist, können ganz schnell Fehler passieren und die werden auch immer wieder passieren. Da finde ich es nicht richtig, andere ab zu urteilen, wenn man selber nie in einer solchen Situation war.
     
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  9. #8 bitboy0, 03.08.2017
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  10. #9 Philipus II, 03.08.2017
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    Von den Fällen, in denen die Sache nochmal glimpflich ausgegangen ist und die Anwesenden dann mit den Piloten für Bilder posiert haben, haben wir wahrscheinlich noch nie gehört. nerbe schilidert ja selbst hier ähnliche Vorfälle, bei dem es einmal zu einem tödlichen Unfall kam, das andere mal aber niemand geschädigt wurde. Notlandungen mit Kleinflugzeuge in der Nähe von Personen erfolgen sehr häufig, enden aber nur selten tödlich für Umstehende. Im konkreten Fall hat der verantwortliche Luftfahrzeugführer eine fahrlässige Entscheidung getroffen. In vielen anderen Fällen gabs spektakuläre Bilder und das wars.

    Wenn ich die Fakten richtig habe war ein Insasse des Flugzeugs ein Flugschüler. Von der moralischen Verurteilung des Flugschülers möchte ich Abstand halten. Ein Flugschüler ist aus gutem Grund Schüler - er soll die Fliegerei unter professioneller Anleitung erlernen. Hätte er schon alle theoretischen und praktischen Fähigkeiten, die zur verantwortungsvollen Bedienung eines Luftfahrzeuges erforderlich sind, könnte er seine Prüfung ablegen. Man kann zudem davon ausgehen, dass der Ausbilder in diesem Notfall die tatsächliche Kontrolle über das Flugzeug übernommen hat - oder dies in Anbetracht des Ergebnisses zumindest hätte tun sollen. Zudem sollte man berücksichtigen, das der Fluglehrer nicht ohne Grund die rechtliche Verantwortung trägt. Von zwei Piloten oder Pilot/Co-Pilotzu sprechen ist aus meiner Sicht unfair.
     
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  11. #10 mig-jet, 03.08.2017
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    Auch in einem Psychotest kannst Du keinen Egoisten entlarven. Der Test im Ledersessel beim Psychologen, und das Handeln in einer Stresssituation wo es um Leben und Tod geht sind zwei verschiedene Welten.
    Bei Berufspiloten werden diese Stresssituationen im Simulator regelmäßig geübt, und ins Unterbewusstsein eingeprägt. Ein Sonntags-PPLer wird schnell mit solch einer Situation überfordert. Viele Hobbypiloten die nur eine VFR Berechtigung haben, warten jedes Wochenende auf schönes Wetter, und hoffen dass eine Vereins-Maschine zur Verfügung steht. Leider fehlt es oft an der Routine, und das Gelernte in der Flugausbildung ist auch nach Jahrzehnten oft vergessen.
    Der Hauptverantwortliche bei diesem tragischen Unfall ist der Pilot, aber es steht mir nicht zu ein Urteil zu fällen, das überlasse ich den Fachleuten.
    Gruß, Marc
     
  12. #11 _Michael, 04.08.2017
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    Niemand hier "verteidigt" die Piloten oder "hofft", dass ein technischer Defekt gefunden wird. Da interpretierst du etwas hinein, das nicht da steht. Es geht einzig darum, dass man mit Werturteilen warten soll, bis man die Sachlage sicher und vollständig kennt. Das gehört einerseits zu einer anständigen Diskussionskultur, andererseits sind solche moralischen Schnellschüsse aus (Flugzeug-)fachlicher Sicht hier gar nicht Thema.

    Natürlich handelt es sich hier um ein Diskussionsforum und jedem steht es (fast) frei, seine Meinung kundzutun. Aber das heisst noch lange nicht, dass deshalb jede Meinung angebracht ist.
     
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  13. 78587?

    78587? Space Cadet

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    Demnach waren auf dem Wasser wohl Kitesurfer,



    .
     
  14. gero

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    Interessant an der Diskussion ist, wie so oft, daß munter verschiedene Aspekte in einen Topf geworfen werden. Und das, ohne wirklich fundierte Informationen zu haben. Ein schlimmer Unfall ist passiert. Das ist ein belastbarer Fakt. Ein Flugzeug ist notgelandet. Das auch. Daraus zu schlußfolgern, daß jemand (der Pilot, eine C152 hat nur einen Piloten, auch wenn 2 Personen drinsitzen ist einer der Verantwortliche Luftfahrzeugführer) fahrlässig gewesen sein muß, ist falsch. Solange man so wenig darüber weiß. Fahrlässigkeit ist ein Rechtsbegriff, der genau definiert ist. Ob alle Entscheidungen der Besatzung richtig / optimal gewesen sind, kann man von der Ferne nicht bewerten. Möglicherweise nicht. Aber die Bewertung schuldhaft / fahrlässig treffen andere.
    Der zweite Aspekt ist der ethische / moralische. Man hat gefälligst sein Leben und / oder das seines Passagiers zu opfern als das von unbeteiligten. Liest sich in Thrillern und Westernromanen immer gut. DIese Forderung gibt es aus gutem Grund in unserem Rechtssystem nicht (Siehe Verfassungsgericht zum Abschuß einer Verkehrsmaschine). Abgesehen davon, daß es sich in der Praxis nicht durchsetzen ließe.

    Fragen stellen sich schon, warum ist die Maschine überhaupt in diese Notlage gekommen? Gab es Alternativen?
    Aber ab dem Moment, wo der Quirl steht, gibt es ganz klare Prioritäten. Die werden in der Ausbildung trainiert und sind überall auf der Welt gleich:
    Fluglage stabilisieren. Notlandefeld suchen. Landung vorbereiten. Landen. Wenn dazwischen noch Zeitreserve ist: Startversuch Motor. Wenn dann noch Zeit ist: Notruf per Funk. Soweit die Theorie. Die Unfallberichte sind voll von Fällen, bei denen die Piloten versucht haben, irgendetwas zu retten und damit eine Katastrophe verursacht haben.

    Zusammengefasst: Ob der Pilot Fehler gemacht hat, kann man dann überdenken, wenn man die Fakten kennt. Die Tatsache, daß ein furchtbarer Unfall passiert ist, bedeutet nicht automatisch, daß der Pilot falsch gehandelt hat. Das Leben allgemein und besonders die Fliegerei ist nun mal nicht 100% sicher.
    Die ethisch/moralisch/religiös begründete Forderung das eigene Leben zu opfern um jemand anderes zu retten gibt es nicht.

    Nebenbei, ein bilderbuchmäßiges Beispiel zur Illustration von Johannes 7,53–8,11

    gero
     
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  15. #14 innwolf, 04.08.2017
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    Hallo,
    nach dem Motorausfall war die richtige Entscheidung wohl schwer sofort zu treffen, kein Kommentar. Aber die Frage war warum so niedrig die gewählte Flugroute daß es keine Alternativen gab.

    Beispiel Jesolo bei Venedig, der Strand ist über 10km wohl durchgehend voller Menschen, aber 1500m nordwestlich des Strandes sind auch Sumpfwiesen und Gemüsefelder....

    Auch im Motorflugzeug kann man die Strategie der Segelflieger einhalten, fliege nie niedriger als du aus der Höhe ein Aussenlandefeld erreichen kannst. Und "bezahle" im Gebirgsflug damit daß dann der Streckenflug nicht aufgeht, fliege nicht in ein unlandbares flaches Tal ein mit der Hoffnung der Hangwind oder auch ein Thermikblubber wird dich anheben.

    Z.B. Das Etschtal und der Vinschgau nötigt bei annährend Gipfelhöhe ggf. abzubrechen oder in 700m Höhe über dem Tal aussenzulanden, die Täler sind dort eng oder Wein- und Obstkulturen.....

    Nicht mit dem Motorflugzeug wenn die Gifel nicht frei sind......, lieber Aussenlandung hangaufwärts auf einer Bergwiese mit Fahrwerksbruch als tödlich zwischen Felsen im Fluß 600m tiefer.

    Man schaue mal südlich des Brenners, nur Sterzing oder bei Bozen...
     
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  16. #15 banji, 04.08.2017
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 04.08.2017
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    Als ich gestern von dem Unfall gehört hatte hatte ich ehrlich gesagt eine unruhige Nacht. Ich bin selbst schon an Stränden mit Hochdeckern geflogen. In Ft Lauderdale zum Beispiel an der Küstenlinie entlang in max 200ft höhe, in der Regel eher 100 - 150ft. Das ist dort nicht anders möglich da man unter dem Approach von FLL durch muss. Wenn man von Süden kommend an den Pompano will muss man das so machen. Ich habe in solchen Situationen die (belebten) Strände immer als Notlandemöglichkeit in Betracht gezogen. Gerade die vielen privaten Hotelstrände dort sehen auch aus 30 Metern Höhe durchaus "landbar" aus. trotzdem sind dort tausende Menschen zugegen. Ich gebe hier ganz offen zu, dass ich sehr wahrscheinlich den gleichen, fatalen Fehler gemacht hätte, einfach weil ich - selbst ohne Not und in der Flugvorbereitung - zu viele Aspekte nicht beachtet habe. Der Geräuschfaktor mit stehender Latte zum Beispiel ist nie in meine Überlegungen eingeflossen. Im Gegenteil ich hätte eher naiv gedacht man sieht mich ja kommen und wird aus dem Weg gehen. Im Nachhinein und vor dem Hintergrund dieses Unfalles kommt mir das alles sehr naiv vor. Eine Naivität, die damals sowohl mein FI als auch andere Piloten mit denen man so spricht teilten... ("you either die in the sea, or you live on the beach" ist da eine der Aussagen an die ich mich erinnern kann - die Meinung eine 172 lieber nicht ins Meer zu setzen war quasi allgemeingültig)

    Dieser Unfall wird meine Sichtweise in vielerlei Hinsicht prägen und verändern.

    Noch ein kurzes Wort zu den bisherigen Kommentaren hier:

    Ich habe mich jetzt sehr offen aus dem Fenster gelehnt und schuldig bekannt dass ich das wohl nicht viel anders gemacht hätte. Trotzdem finde ich einige "Meinungen" hier genauso erschütternd wie den Unfall selbst. *****
     
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  17. #16 innwolf, 04.08.2017
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    Hallo,
    was gibt es an Erfahrungen einen Hochdecker in unmittelbarer Strandnähe in das Wasser zu setzen,zwischen 50cm und 1,5m Wassertiefe, nicht weite als 1/2 Spannweite vom Ufer? Hohes Todesrisiko?
     
  18. #17 lutz_manne, 04.08.2017
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    Nein, ich fliege nicht selbst in der realen Welt. Was mich verwundert, dass eben für solche Motor-Notfälle scheinbar (denn ich kenne keinen Unterricht oder Unterlagen zu dem Thema) nicht klar definiert wird: Finde eine geeignete Landefläche, ohne Menschenleben zu gefährden. Falls es eben nicht klar definiert wurde, ist eben eine Fläche mit Menschen drauf keine geeignete Stelle für eine Notlandung. Ich glaube auch, man muss dieses Hintergrundwissen vorher vermittelt bekommen. Im Affekt ist es zu spät für eine solche moralische Entscheidung. Aber vielleicht wird es auch verdrängt oder geht im Risikomanagement einfach unter. Auf jeden Fall bleibt auch der eigene instinktive Lebenswille und da will ich dem Piloten keinen Vorwurf machen, dass er diesen hat. Alles andere wäre ja auch unnatürlich.
    Ich sehe bei dem Vorfall einzig und allein die Fehlentscheidung die Möhre nicht ins Wasser gesetzt zu haben. Kite-Surfer hin oder her.

    Dem Video nach war die Maschine vollständig steuerbar. Die TF ist wohl erst am Boden gebrochen.

    Solche Sätze wie "you either die in the sea, or you live on the beach" sind in der Ausbildung natürlich leicht mit einem Lächeln daher gesprochen. Auch die Flugzeugführer der Luftwaffe haben im WWII ihre Mühlen, wenn es noch ging, "bequem" abgelegt. In Straßennähe und natürlich wenn's ging ohne nasse Füsse zu bekommen.

    Und ein Urteil erlaube ich mir nicht, bin ja kein Richter. Aber es ist eben meine Meinung dazu. Vielleicht öffnet auch dieser Vorall anderen FF die Augen und sie entscheiden in ihrer Situation anders, um nicht unschuldige Menschen durch ihr "Hobby" aus dem Leben zu reißen.

    @innwolf direkt in Strandnähe wäre auch nicht gut. 100-150 m vom Strand entfernt wäre sicher besser. Und an einem Strand (wie diesen) gibt es doch i.d.R. Rettungsschwimmer+Rettungsmittel. Besser gehts kaum.

    PS: Und ich glaube den beiden Herren aus dem Flieger wird es vom Gewissen her nicht gut gehen und vielleicht werden die sich auch fragen, ob das die richtige Entscheidung war. Da bin ich mir sicher.
     
  19. nerbe

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    Ja, wenn man in einem Flugzeugforum Fragen stellt, dann kann es tatsächlich passieren, dass auch Piloten antworten. Und das wiederum führt gar nicht so selten zu unerquicklich, ehrlichen Antworten aus der Praxis. Ich fliege seit 48 Jahren und habe auch zuweilen Bockmist gebaut, den ich heute keinesfalls mehr so machen würde. Das genau nennt man Erfahrungen machen. Das ist nicht anders als beim Auto- oder Motorradfahren, denn auch da passieren Unfälle aus blödsinnigsten Ursachen und es kommen auch Unschuldige zu Schaden oder gar zu Tode. Diese Dinge sind traurig und und unendlich tragisch, aber sie passieren nunmal. Dieses Lebensrisiko tragen wir alle, ob Luftfahrt oder nicht. In den meisten Fällen, wo der Verursacher noch greifbar ist, befindet dann ein Richter über die Art der Schuld und eine angemessene Sühne. Das ist bei Piloten nicht anders als bei anderen Unfallbeteiligten. Wer hier gar, wie beim Themenstarter angedeutet, Lynchjustiz erwägt, sollte darüber nachdenken wie menschlich Fehler sein können und wie unmenschlich und unzivilisiert ein Lynchmord. Mein Vater wurde auf seinem Motorrad von einem dämlichen Autofahrer die Vorfahrt genommen und er verstarb 2 Tage später....ich rede also in persönlicher Kenntnis dieser Dinge und fasele nicht nur daher.

    Gruß
    Capo
     
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  21. banji

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    Ich kenne ehrlich gesagt keine. Das liegt aber daran dass das niemand tuen würde. An solchen Stränden sind in dem von dir vorgeschlagenen Berich genauso viele Menschen wie am Strand.

    Auch auf eine Wasserung weiter draußen möchte ich kurz eingehen. Die meisten 152 haben nach vorbe öffnende Türen und nach oben öffnende Ausstellfenster. Landest du halbwegs sicher in tiefem wasser bin ich mir sicher dass sie sinkt wie ein Stein. (Türunterkante unterschreitet den Auftrieb der Zelle bei weitem) ist die tür erstmal ein paar cm unter wasser. Bekommt man sie nicht mehr oder nur schwer auf. Ausstieg durch das Fenster halte ich ebenfalls für fast unmöglich. Was bleibt ist warten und sich gedanken machen wie grausam das Ertrinken wohl sein wird. Wassern in solchen Fliegern ist kein Spass. Erschwert wird das ganze übrigens dadurch dass man mit dem Sitz zurück muss um auf Türhöhe zu sein. Würde mich übrigens mal interessieren wie das die Ferry Profis planen. Bei einem Tiefdecker hat man dank der Flächen bei geglückter Landung genug Zeit die Türen / Haube aufzumachen.
     
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  22. macfly

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    Eine Landung im Meer, auch noch 100-150m vom Strand entfernt, damit man keine Kite-Surfer gefährdet, wie "Herr Schlauberger" den "Herren Piloten" hier vorschlägt, wäre der sichere Tod für beide Insassen gewesen. Eine solche Wasserung sieht etwa so aus:


    Die Maschine bremst bei der Wasserberührung schlagartig ab, überschlägt sich und geht unter - samt Mann und Maus. Da muss man extremes Glück haben, um dort noch rauszukommen. In dem Video hatte der Pilot das Glück - weil die Maschine direkt am Ufer lag, nicht sinken konnte und die Strandbesucher ihn sofort gerettet haben. In diesem Fall wurde niemand ernsthaft verletzt. Wer aber dann daran glaubt, dass Rettungsschwimmer vom Strand ganz schnell 150m auf's offene Meer schwimmen, dort Insassen in 30m Tiefe aus dem versunkenen Flieger retten, verwechselt die Realität mit Baywatch...

    Wie hier schon mehrfach festgestellt, aber immer wieder ignoriert: die Verantwortung für den diskutierten Unfall trägt allein der Fluglehrer - sowohl rechtlich, wie auch menschlich. Das ist rechtlich eindeutig geregelt: der rechts sitzende Fluglehrer hat jederzeit die volle Entscheidungsgewalt - inklusiver aller Rechte und Pflichten. Er ist auch für den Flugschüler verantwortlich. Das ist in der Fahrschule nicht anders: wenn ein Fahrschüler am Zebrastreifen ein Kleinkind überfährt, weil er Gas und Bremse verwechselt, dann ist der Fahrlehrer Schuld. Und wenn sich der Fahrschüler bei einem Unfall verletzt, bekommt der Fahrlehrer den Ärger. Er ist gerade dafür da, so etwas zu verhindern. Dass trotzdem immer wieder provozierend von "die Herren Piloten" gesprochen wird, ist für mich ein Indiz, dass wir hier einfach getrollt werden sollen...

    Die Entscheidung, die der Fluglehrer hier getroffen hat, war im Nachhinein gesehen vermutlich falsch. Im Nachhinein gesehen hätte es wohl bessere Optionen gegeben. 150m vor dem Ufer ins Wasser zu gehen, wäre aber im Nachhinein sicher als genauso falsch bewertet worden - auch da wären dann ziemlich sicher zwei Menschen gestorben. Die gleichen Schlauberger hätten sich dann hier über die "Dummheit der Herren Piloten" echauffiert. Die eigentlich Frage hier ist, ob es sonst noch andere Alternativen gab. Vielleicht wird der Unfallbericht dazu etwas sagen.

    Falls es das allerdings nicht gegeben hätte, dann hätte der Fluglehrer hier genau die Entscheidung getroffen, die auf den Straßen leider alle paar Minuten getroffen wird, ohne dass es je groß diskutiertet wird - zumindest nicht in diesem Forum. Menschen, die auf ein Stauende auffahren, haben meist ebenso zwei Optionen. Man kann nach rechts rüberziehen und, auf der Landstraße, den eigenen Wagen gegen einen Baum setzen. Oder auf der Autobahn nach rechts gegen den stehenden LKW. In beiden Fällen ist man selbst, inkl. der übrigen Insassen, fast garantiert tot. Aber man gefährdet mit großer Wahrscheinlichkeit niemanden sonst. Der LKW schluckt den Aufprall aufgrund der großen Masse - der Baum auch. Alternativ kann man aber entscheiden, auf den vorausfahrenden/stehenden PKW aufzufahren. In diesem Fall sind die eigenen Überlebenschancen viel höher. Und es gibt eine gute Chance, dass auch die Menschen im PKW voraus nicht ernsthaft verletzt werden - und nichts schlimmes passiert. Aber es gibt dann das Risiko, dass man fremde Menschen gefährdet. Vielleicht sitzen zwei unschuldige Kleinkinder auf der Rückbank des PKW voraus?

    Fakt ist, dass fast alle Menschen in einer Situation, in der sie den eigenen sicheren Tod, gegen eine Alternative abwägen müssen, bei der vielleicht niemanden etwas passiert, sich praktisch immer für die zweite Option entscheiden werden - auch wenn dafür eine potentielle, aber eher unwahrscheinliche Gefährdung für dritte entsteht. Natürlich in der Hoffnung, dass dann niemanden etwas passiert - und am Ende alles gut ausgeht. Wirklich signifikant anders sieht das erst aus, wenn Menschen den eigenen sicheren Tod gegen den wirklich sicheren Tod von Fremden abwägen müssen, z.B. eine Menschenmenge, die auf der Straße steht. Hier würde ich vielen, aber längst auch da nicht allen Menschen zutrauen, dass sie instinktiv eine andere Entscheidung treffen.

    Mir tun die beiden Menschen, die bei dem Unfall ums Leben kamen und ihre Angehörigen wirklich Leid. Aber mir tut aber auch der Fluglehrer Leid, der den nun mit seiner Entscheidung leben muss. Wirklich froh bin ich, dass ich noch nie so eine Entscheidung treffen musste - weder im Fahrzeug, noch im Cockpit. Ich fahre seit vielen Jahrzehnten Auto - bisher völlig unfallfrei, nicht mal ein Kratzer. Und ich fliege seit vielen Jahren - auch da völlig unfall- und kratzerfrei. Natürlich glaube ich auch, dass ich beides gut beherrsche - und in den meisten Situationen die richtige Entscheidung treffen würde. Ich weiß aber auch, dass da auch letztlich immer etwas Glück dazu gehört. Garantieren kann man im Leben leider fast nichts (bis auf eines...).
     
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Thema: Leichtflugzeug tötet zwei Badegäste in Portugal
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