Luftschiffe im 1. WK - Das Ende der fliegenden Giganten kam jäh

Diskutiere Luftschiffe im 1. WK - Das Ende der fliegenden Giganten kam jäh im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Am 25. August 1915 war es soweit: Mit dem 163,5 Meter langen LZ 77 traf der erste Zeppelin-Luftschiff auf dem neuen "Luftschiffhafen" in Spich...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Bleiente, 26.08.2005
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    Am 25. August 1915 war es soweit: Mit dem 163,5 Meter langen LZ 77 traf der erste Zeppelin-Luftschiff auf dem neuen "Luftschiffhafen" in Spich ein. Dafür war "Auf dem Vogelsang" eine gigantische Halle aus dem Boden gestampft worden. 184 Meter lang, 32 Meter breit und 28 Meter hoch war das Monstrum, gebaut für die Versorgung der neuen Luftgiganten, mit denen das wilhelminische Reich den Ersten Weltkrieg aus der Luft für sich entscheiden wollte.
    Nach Recherechen des Heimathistorikers Matthias Dederichs hob LZ 77 schon zwei Tag später, am 27. August 1915, von Spich aus zum ersten Feindflug gen Westen ab. Obwohl noch weitere Einsätze folgen sollten, war die Wirkung der schwebenden Zigarren gering. Trotz großem logistischem Aufwand und bei hohen Verlusten blieben die Bombardierungen nur Nadelstiche. Heute erinnert kaum noch etwas an das Spicher Kapitel Luftfahrgeschichte.
    Keimzelle der kurzen Zeppelin-Geschichte in der Region war der Truppenübungsplatz Wahner Heide. Nachdem in der Heide der Einsatz von Ballonen zur Artilleriebeobachtung geübt worden war, nutzten Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals Zeppeline das Areal. So ist es nachzulesen in Jürgen Hucks 1962 erschienenem Aufsatz "Die Frühzeit der Luftfahrt im Raume Wahn (bis 1919)".
    Zu den Ursprüngen zitiert der Autor den Luftschiff-Obermaschinisten Karl Schuster: "1912 wurde von dem in Köln stationierten Zeppelin-Luftschiff II, zu dessen Besatzung ich gehörte, auf dem Schießplatz Wahn zum ersten Mal mit Festungsselbstladegewehren aus dem Schiff auf markierte Schützengräben geschossen."
    Zu Beginn des Ersten Weltkriegs setzte die Führung große Hoffnungen auf die Zeppeline und eine völlig neue Kriegsführung aus der Luft. Allerdings fehlte es in Westdeutschland an entsprechend großen Luftschiffhallen. Zwar gab es seit 1909 die Kölner Halle. Doch die war mit einer Länge von "nur" 173 Metern zu klein für die neuen Zeppeline und die noch größeren so genannten Schütte-Lanz-Luftschiffe. Daher fiel die Entscheidung, eine weitere Hafen im Kölner Raum zu bauen. Die Wahl fiel auf ein Gelände südlich der Straße von Stockem nach Spich.
    Dort entstand ab Dezember 1914 die 184 Meter lange Halle, deren Konstruktion einer Reihe weiterer Bauwerke in Düsseldorf, Darmstadt, Mannheim, Lahr, Hannover, Jüterbog, Dresden und Schneidemühl entsprach.
    ...
    Neben LZ 77 waren weitere Luftschiffe in Spich stationiert. So LZ 79, das am 28. Januar 1916 Paris angegriffen hatte, und LZ 90. Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist Chronisten auch das Luftschiff SL 11 unter Hauptmann Schramm, das 1916 Einsätze gegen London geflogen hatte. Am 3. September 1916 wurde SL 11 von dem britischen Jagdflieger Leutnant Robinson über Südengland abgeschossen, noch zwei Stunden nach dem Absturz brannte das Schiff, niemand von der 16-köpfigen Besatzung überlebte. Am Abschussort Cuffley erinnert ein Denkmal an Robinson - und an SL 11 aus Spich, berichtet Zeppelin-Experte Huck.
    Der Absturz hatte weitreichende Folgen für die für Beschuss, Wind und Witterung anfälligen Schiffe. "Die Heeresluftfahrt mit Luftschiffen wurde nach dieser Katastrophe im Westen eingestellt. 1917 sind keine Feindflüge mehr nachweisbar", recherchierte Dederichs. Allein das Schütte-Lanz-Luftschiff E 9 landete 1917 in Spich, um im Sommer des Jahres abgerüstet zu werden. Noch im selben Jahr wird der Luftschifftrupp 19 aufgelöst. Von nun waren bis zum Waffenstillstand Kampfflugzeuge in Spich stationiert.
    "Auf dem Vogelsang" bezogen 1918 englische Soldaten Quartier. Die Briten veranlassten sogar Sieglars Bürgermeister Johann Lindlau, weitere 355 Morgen für die Erweiterung der Start- und Landebahn zur Verfügung zu stellen, berichtet Dederichs. Doch der Flugplatz hatte keine Zukunft. Die Franzosen demontierten 1921 die Halle und verfrachteten diese "vermutlich als Kriegsbeute in ihre Kolonie Marokko". Aus den Unterkünften wurden Wohnungen.
    Rund 90 Jahre später sind die Spuren des einzigartigen Stückes Luftfahrt-Geschichte fast getilgt. Geblieben sind die "Ernst-Lehmann-Straße", die an den Piloten der 1937 über Lakehurst explodierten "Hindenburg" erinnert, und die "Dr.-Eckner-Straße", die dem Zeppelin-Mitarbeiter gewidmet ist. Der letzte aktive Zeppeliner, Anton Adamczak, der 1916/7 beim Bodenpersonal in Spich zum Einsatz kam und in Spich sesshaft wurde, starb 1982.
    Eine Rarität hat Heimatforscher Dederichs noch ausfindig gemacht: Einen großen Knochen, der seinerzeit in einer der bei den Soldaten beliebten Gaststätten "Zum Bahnhof" und Waldschlösschen hing, und auf dem sich die Luftfahrer verewigt hatten. "Der verschönert heute die Wohnung einer Troisdorfer Seniorin."
    (26.08.2005)
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/index_frameset.html?/news/artikel.php?id=97352

    Interessantes und allzu häufig vergessendes Kapitel der Militärluftfahrtgeschichte.
     
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  3. #2 GerhardJ65, 26.08.2005
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    Hallo
    weis jemand ob ein Zeppelin mit Raketen abgeschossen wurde?

    Gerhard
     
  4. #3 Bleiente, 26.08.2005
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    Bodengestützte eher nein.
    eher schon mit luftgestützen ungelenkten Raketen von Flugzeugen aus
    Anwendung durch Briten und Franzosen (?)

    schau mal hier:
    http://www.worldatwar.net/chandelle/v4/v4n1-2/ww1nite.html
     
    helischmidt gefällt das.
  5. #4 helischmidt, 26.08.2005
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  6. #5 bregenzer, 02.09.2005
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    war es damals eigentlich nicht möglich die zeppeline mit artilleriekanonen abzuschießen? von der reichweite her hätte das doch funktioniert?
     
  7. #6 Bleiente, 02.09.2005
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    Ja deshalb gab es schon die Krupp BaK (Ballon-Abwehrkanone).
     
  8. #7 Friedhelm Ladwig, 03.09.2005
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    Moin!

    Ich weiß es nicht genau,aber es gibt in Nordholz das Aeronauticum.Dort beschäftigt man sich mit Marineluftschiffen des I.Weltkrieges und der Marinefliegerei.
    Website ist mir im Moment leider nicht bekannt.
    Aber man könnte ja mal dort anfragen.
    Viel Spaß dabei.

    Grüße Fiete.
     
  9. #8 Hans Trauner, 03.09.2005
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    Hallo

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  11. #9 Bleiente, 03.09.2005
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    03. September 1915 - Absturz Marineluftschiff L 10

    "...Am heutigen 3. September jährt sich zum 90. Mal der Absturz des Marineluftschiffs L 10. Das in Friedrichshafen gebaute und auf dem Marine-Luftschiffplatz Nordholz bei Cuxhaven stationierte Zeppelin-Luftschiff mit der Werknummer LZ 40 befand sich am Nachmittag des 3. September 1915 auf dem Rückmarsch von einer Aufklärungsfahrt über der Nordsee.
    Kurz vor Erreichen der Küstenlinie stürzte das Luftschiff brennend ins Meer und riss alle 19 Besatzungsmitglieder in den Tod. Es war über Neuwerk von einem Blitz getroffen worden. So berichtet das Deutsche Luftschiff- und Marinefliegermuseum "Aeronauticum" in Nordholz und erinnert an das Unglück.
    Manfred Mittelstedt fasst zusammen: "90 Jahre sind vergangen, seitdem das Nordholzer Luftschiff L 10 in den frühen Morgenstunden des 3. September 1915 zu einer Minensuch- und Aufklärungsfahrt über die Nordsee aufstieg. Am späten Nachmittag dieses Tages sollte der in Friedrichshafen erbaute Zeppelin wieder in Nordholz landen. Es war jedoch die letzte Fahrt des Marine-Luftschiffes. L 10 war das erste der damals neuen großen Luftschiffe mit vier Maybach-Motoren zu je 210 PS. Der 96 km/h schnelle und in Friedrichshafen erbaute Zeppelin mit einer Nutzlast von 16,20 Tonnen war bei einem Durchmesser von 18,71 Metern 163,5 Meter lang. Der Gigant fasste 31 900 Kubikmeter Wasserstoffgas.
    Mit dem Tag der Indienststellung am 17. Mai 1915 wurde L 10 auf dem Marine-Luftschiffplatz in Nordholz stationiert. Untergebracht war der Zeppelin in der weltweit einzigen Doppeldrehhalle Nobel. Von Nordholz aus war L 10 mit seiner 19-köpfigen Mannschaft zumeist im Aufklärungs- und Minensuchdienst im Bereich der Nordsee im Einsatz. Die kurz unter der Wasseroberfläche stehenden feindlichen Seeminen waren aus der Gondel des Luftschiffes sehr gut zu sehen. Die Feststellungen wurden den Minensuchern nach Cuxhaven gemeldet, und von dort ging es hinaus, um die Seeminen des Gegners zu entschärfen. Auch ein gegnerisches U-Boot wurde auf diese Weise entdeckt und mit Bomben belegt.
    ...."
    http://www.szon.de/lokales/friedrichshafen/stadt/200509030340.html
     
  12. #10 Mr.Goldfinger, 04.03.2008
    Zuletzt bearbeitet: 04.03.2008
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    Also mit Raketen wurde kein deutscher Zeppelin abgeschossen so weit ich das weis. Aber die Briten "bombardierten" die Luftschiffe, mit Brandbomben usw. auch entwickelten die Engländer extra für die Zeppelingefahr besondere Spreng- bzw. Brandmunition für ihre MG`s.

    Diese Munitionsarten wurde von dem Australier John Pomeroy (Sprengpatronen) und eine mit Phosphor gefüllte Brandmuni, wurde von J.F. Buckingham, Coventry entwickelt. Eine weitere Sprengpatrone wurde von einem Commander Brock der Royal Navy erfunden. Alle für das Lewis-MG im Kaliber .303.

    Sehr empfehlenswert ist das Buch: Deutsche Marine-Luftschiffe 1912-1918 von Douglas H.Robinson. Ein absoluter Knüller das Buch! Über 400 Seiten voll mit der Geschichte der Marineluftschiffe, deren verschiedener Typen und vorallem Einsatzberichte - bis ins kleinste Detail. Immer verglichen mit britischen Berichten usw. Wirklich, wer sich für diese Art Luftfahrtgeschichte interessiert, der sollte unbedingt einmal einen Blick dort reinwerfen!
     
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