Millionengrab? Israels neue „Air Force One“ steht jetzt in der Wüste (09.06.2022)

Diskutiere Millionengrab? Israels neue „Air Force One“ steht jetzt in der Wüste (09.06.2022) im Israel Defence Force / Air Force Forum im Bereich Einsatz bei; https://www.flugrevue.de/militaer/millionengrab-israels-neue-air-force-one-steht-jetzt-in-der-wueste/ Der Umbau einer gebrauchten Boeing 767-300...
AT-6

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Der Umbau einer gebrauchten Boeing 767-300 zum Regierungsjet hat den Staat Israel 208 Millionen Euro gekostet. Seit über zwei Jahren ist das Flugzeug fertig – benutzt wurde es nie. Das dürfte auch so bleiben: Die Regierung hat ihre "Air Force One" eingemottet.

Der Auftrag für das Flugzeug kam noch von Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu – und datiert aus dem Jahr 2014. Damals hielt man den Kauf einer gebrauchten Boeing 767-300 und deren Umbau zum maßgeschneiderten VIP-Jet offenbar für eine gute Idee. Doch die zunächst dafür kalkulierten Kosten von 393 Millionen Schekel (109 Millionen Euro) wuchsen mit den Jahren immer weiter an. Schlug das Flugzeug selbst, Baujahr 2000 und früher bei Qantas, mit einem Kaufpreis von rund 44 Millionen Euro zu Buche, beträgt die Gesamtsumme der Investitionen bis heute nach offiziellen Angaben 750 Millionen Schekel – also über 208 Millionen Euro, und damit fast das Doppelte des veranschlagten Startpreises.

Der "Flügel Zions"
Seit Ende 2019 ist die 767-300 fertig umgebaut – und eigentlich hätte sie schon vor über zwei Jahren erstmals israelische Regierungsvertreter ins Ausland fliegen sollen. Doch wenige Monate nach dem Jungfernflug der als 4X-ISR registrierten Maschine am 3. November 2019 brach sich weltweit die Corona-Krise Bahn. Die Regierung Netanjahu verschob daraufhin die Übernahme ihres Wunschflugzeugs, aus Furcht vor öffentlicher Kritik und negativen Schlagzeilen. Als vor einem Jahr dann der neue Ministerpräsident Naftali Bennett in Tel Aviv die Amtsgeschäfte übernahm, "erbte" der auf Sparsamkeit bedachte Nationalkonservative auch den in Israel als "Flügel Zions" bezeichneten Zweistrahler.

Keine Zukunft in Israel
In Dienst gegangen ist das Flugzeug seitdem freilich nicht – und aller Voraussicht nach wird es das auch künftig nicht. Ein Rechnungsprüfer-Bericht aus dem Frühjahr 2022 offenbarte, dass ein Flug mit der 767 den israelischen Steuerzahler im Schnitt doppelt so viel kosten würde wie das Chartern eines Privatjets. Außenminister Yair Lapid wetterte daraufhin, das Flugzeug verkörpere "alles, was in der Netanjahu-Regierung korrupt und kaputt war" und forderte öffentlich den Verkauf der 4X-ISR.

Dazu ist es bislang nicht gekommen. Doch im Mai ordnete die Regierung Bennett an, das auf dem Hauptstadt-Airport Ben Gurion parkende Flugzeug auf der Luftwaffenbasis Nevatim, gelegen in der israelischen Negev-Wüste, einzumotten. Am 30. Mai nahm die 767 den 30-Minuten-Hüpfer aus Tel Aviv unter die Flügel. Nun wartet sie in der Wüste darauf, welche Zukunft das Schicksal ihr noch beschert. Eins scheint sicher: In Israel wird diese Zukunft nicht liegen.
 
lutz_manne

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Ein bisschen komisch ist das schon. Man kann ja eigentlich keine maßgeschneiderte Regierungsmaschine mit dem "Chartern eines Privatjets" vergleichen, das ist wohl scheinbar reine Blenderei dem Volk gegenüber. Wenn man allgemein bedenkt, welchen Sicherheitshype die Isaelis immer so machen, glaube ich kaum, dass jemand von den Obrigkeiten mit einem 08/15 Jet fliegen werden, oder?
Eher wird man am Ende wohl wieder von vorn anfangen und eine andere Maschine maßschneidern lassen. (Nur so kann man doch in Regierungskreisen seinen Günstligen Aufträge zuschanzen... hätte ich beinahe geschr...) Ich bin gespannt.
 
pok

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Ist in allen westlichen Ländern das gleiche!
Das nicht in Betrieb nehmen kostet zu diesem Zeitpunkt mehr, aber die Formulierung „der auf Sparsamkeit bedachte Nationalkonservative " im Presseartikel verrät die wahren Gründe. Bei unserer neuen Air Force one macht die Presse zurzeit hier Präsident Trump dafür verantwortlich, dass es Verzögerungen gibt, weil das dunkelblau den Rumpf zu sehr aufheizt – kann man sich nicht ausdenken!
 
macfly

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Dann können sie die israelische Präsidentenmaschine ja zur der von Mexiko stellen. Da ist es das gleiche: der neue Präsident findet die sündhaftteure Maschine des Vorgängers zu peinlich, und will lieber mit Linienflugzeugen fliegen (oder chartert man "heimlich" dann doch Privatjets?). Die neue 787 steht jedenfalls in Mexiko weiter im Hangar herum. Aus der Ankündigung, dass sich das "einfache mexikanische Volk" die Maschine mieten könne, ist bisher noch nichts geworden. Sie steht einfach rum...

 

Sens

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Es sind ja die Betriebskosten samt das mit dem Betrieb dieser Maschine gebundene Personal. Beides dürfte zu Lasten der Luftwaffe gehen, die sicherlich für eine Stilllegung plädiert hat. Wegen der eingebauten Extras dürfte sie nicht ohne weiteres verkauft werden. Sie Verkaufsfertig zu machen bringt wieder Kosten. "Parkgebühren" fallen in Nevatim nicht an. Bald gibt es dort die ersten KC-46A und dann lässt sich sicherlich eine neue Rolle samt Modifikation finden für die 767-300 finden. Siehe dazu:
Zivile 767-Konvertierungen [ bearbeiten ]

Ein von der IAI umgebauter KC-767 MMTT, der von der kolumbianischen Luftwaffe betrieben wird.
Als kostengünstige Alternative für Nationen, die keine neu gebauten AAR-Tanker kaufen können, hat Israel Aerospace Industries (IAI) eine Variante des KC-767 entwickelt, die als KC-767 Multi Mission Tanker Transport (MMTT) bezeichnet wird. [35] Als kostengünstige Option gegen die KC-46 und die A330 MRTT konzipiert, beinhaltet die KC-767 MMTT den Umbau von gebrauchten Boeing 767 in Lufttanker durch die Bedek Aviation Group, eine Tochtergesellschaft von IAI. [36] Es ist so konfiguriert, dass es den Bedürfnissen des Kunden entspricht, mit mehreren Funktionen - einschließlich Frachttransport, VIP-Transport, Luftbetankung und ISR . [36]

Als Teil seiner Fähigkeiten verfügt der KC-767 MMTT über eine spezielle Frachttür, eingebaute Frachtpaletten, austauschbare Passagiersitze und Bedienerkonsolen, ARP3-Flügel-Betankungskapseln und ein Fly-by-Wire-Boom-Betankungssystem. [36] Als Teil des Umbauprozesses wird ein erheblicher Teil der Struktur, Verkabelung und Systeme des Flugzeugs ersetzt, aufgerüstet oder überholt, zugeschnitten auf die spezifischen Anforderungen des Kunden. [35]

Laut Bedek hat die KC-767 MMTT ein maximales Startgewicht von 400.000 lb (180.000 kg ) und eine maximale Treibstoffladung von 159.800–200.000 lb (72.500–90.700 kg) mit der Kapazität, 13 Lockheed Martin F-16- Jäger zu unterstützen bei Missionen mit einer Reichweite von 1.000 nmi (1.900 km; 1.200 mi). [37]

Die erste KC-767 MMTT, die von einer früher von Air China betriebenen Boeing 767-200ER-Plattform umgebaut wurde, wurde 2010 getestet; Der umgebaute Tanker demonstrierte erfolgreich die Luftbetankung eines IAI Kfir C10 -Jägers während eines 3,5-stündigen Testflugs. [38]
 
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