Miss Shilling's orifice

Diskutiere Miss Shilling's orifice im Luftfahrzeugtechnik u. Ausrüstung Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Guten Abend zusammen, ich hab mich ein wenig mit dem im Titel genannten Bauteil beschäftigt und bin über die ein oder andere Frage gestolpert....

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  1. #1 Nibbler91, 20.02.2011
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    Guten Abend zusammen,

    ich hab mich ein wenig mit dem im Titel genannten Bauteil beschäftigt und bin über die ein oder andere Frage gestolpert.
    Gibt es hierzu vielleicht eine deutsche Seite, oder kann mir jemand dieses Bauteil aus den frühen Merlin Triebwerken mal etwas genauer erklären?
    Ich konnte bis jetzt nur etwas Brauchbares in der englischen Wikipedia finden.
    Ist ja eigentlich ganz nett beschrieben, aber irgendwie blicke ich die Funktionsweise nicht so ganz.
    Des weiteren dachte ich immer, dass das Ausgehen des Motors bei negativen G's damit zu tun hat, dass kein Sprit im Motor ankommt.
    Ich habe das so verstanden, dass bei negativen G's der Sprit in der Schwimmerkammer den Schwimmer mit der Nadel nach oben drückt und das Ventil verschließt, was dann eben dazu führt, dass der Motor eben keinen Treibstoff mehr bekommt.
    Jetzt wird auf Wiki noch gesagt, dass bei länger anhaltenden G-Kräften der Sprit, der nach oben gedrückt wird, den Schwimmer mit der Schwimmernadel nach unten drückt, somit das Nadelventil komplett offen ist und der Vergaser mit Spritt geflutet wird, was dann eben auch dazu führt, dass der Lader mit Treibstoff "vollläuft".
    Diesen Punkt verstehe ich nicht so ganz. Wieso drückt der Treibstoff (der ja durch die negative Beschleunigung nach oben gedrückt wird) den Schwimmer jetzt nach unten?
    Und wieso kann dann ebenfalls Treibstoff aus dem Nadelventil den Vergaser fluten?
    Der müsste dann ja entgegen der Beschleunigungskraft fließen.....?
    Wo ist denn da mein Denkfehler (denn ich denke der Fehler liegt bei mir zwischen den Ohren ;)).
    Vielleicht kann mir ja jemand eine Auskunft geben.

    Viele Grüsse,
    Nibbler
     
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  3. #2 Heinkel, 20.02.2011
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    Nun, ich bin nur Heinkel-Fahrer, aber wahrscheinlich trifft's trotzdem: Mit zunehmender Flutung der Schwimmerkammer wird der Schwimmer nach oben gedrückt und zieht dabei das Schwimmerventil zu. Wenn nun negative g (bei meinem Heinkel (103A-2) nicht so häufig, zugegebenermassen) den Sprit anstatt unter den Schwimmer, über den Schwimmer drücken, so öffnet das Schwimmerventil ja völlig, der Motor bekommt zuviel Sprit, und säuft ab. Wenn er nicht mit Miss Tilly's Diaphragm ausgerüstet ist...
     
  4. #3 Nibbler91, 20.02.2011
    Nibbler91

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    Ja, ich hatte auch überlegt, dass der Sprit dann von oben / seitlich von oben zwischen die Oberseite der Schwimmergehäuse und dem Schwimmer kommt drückt er den Schwimmer ja runter - das wäre schon nachvollziehbar. Aber wenn der Sprit schon so stark nach oben gedrückt wird, dass der Schwimmer wieder nach unten kommt, wie kann denn dann noch weiterer Treibstoff nach unten in die Schwimmergehäuse fließen?
    Das widerspricht irgendwie meiner (hoffentlich logischen) Vorstellung.
    Bei Wikipedia steht, dass dieses Tilly Office eben wie eine Unterlegschweibe aussieht.
    Ist ja quasie ein Durchflussbegrenzer, richtig? Wie genau funktioniert denn dieses Ding und wo wurde es im Vergaser eingebaut?
    Gruss, Nibbler

    PS. Wie bekommt man denn mit einem Heinkel 103 negative G-Kräfte hin???:D
     
  5. cool

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    Der Treibstoff, der auf nun auf der "anderen" Seite der Schwimmerkammer steht, drückt den Schwimmer nun entgegen den G-Kräften und das Nadelventil gibt den Spritfluss frei (stehen positive G-Kräfte an, dann soll der Schwimmer und das Nadelventil für den korrekten Spritstand in den Kammern sorgen, damit der Vergaser den Treibstoff sauber bemessen kann, nun ist ja alles "umgedreht" )
    Im Prinzip derselbe Effekt, wie wenn man den Motor/Vergaser einfach auch auf den Kopf drehen würde.
    Bei normalen Motoren ist das mit den Vergasern kein Problem (wie beim Motorrad ect.) aber hier treten ja auch keine negativen G-Kräfte aus (bzw. wenn, dann hat man eh andere Sorgen :rolleyes: )

    Ich kenne mich mit den alten Warbirds nicht aus, aber üblicherweise, wenn Tanks unterhalb von Vergasern angebracht sind, dann werden die auch über Spritpumpen versorgt, die Nadelventile sind dann so ausgelegt, dass sie auch gegen den höheren "Boost Pump Pressure" arbeiten und den Sprit in den Schwimmerkammern sauber bemessen.

    Ich kann auch nur meine Schlüsse aus dem Wiki-Artikel ziehen. Aber ein Flussbegrenzer (in Form einer odinären Unterlegscheibe) sorgt im normalen Betrieb dafür, das gerade das an Sprit durch die Zuleitung fliessen kann, dass der Vergaser die Versorgung bei Volllast aufrecht erhalten kann. Dreht man nun wieder den Motor um und die Nadelventile gehen voll auf, dann kann der Vergaser nicht derart gefluttet werden, weil die Differenz zwischen zugeführtem Sprit und zu verbrauchenden Sprit nicht eklatant ist. -> Der Motor wird längere Zeit irgendwie so lala weiterlaufen, aber wie beschrieben bricht die Leistung wohl nciht sofort zusammen.

    Im Artikel steht ja auch drinn, dass dann die Membranvergaser eingeführt wurden, die ja nachwie vor Anwendung finden, in meiner Kettensäge ist so nen Ding drinnen, dass liefert unabhängig von der Lage bemessenen Treibstoff für alle Lastzustände.
    Hier hat man eine Unterdruckgesteuerte Membran genommen und damit den Schwimmer "ersetzt", die Membran wird durch Unterdruck "gehalten" und die Eigenmasse ist recht gering, so dass G-Kräfte nicht sonderlich wirksamm werden und auf die Gemischbildung einfluss haben.

    Ich geh aber mal davon aus, dass dir die grundlegende Funktionsweise eines normalen Vergasers geläufig ist.

    Gruss
     
  6. #5 Nibbler91, 20.02.2011
    Nibbler91

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    Ok, also manchmal fällt der Groschen halt pfennigweise, aber er hat es jetzt auch bei mir geschafft unten anzukommen ;).
    Durch Eure Antworten ist die Frage für mich auf jeden Fall schonmal beantowrtet - vielen Dank!
    Hin und wieder scheitert es halt an den logischsten Kleinigkeiten.
    An die Spritpumpe (die ja logischer weise in einem Tiefdecker vorhanden sein muss, wenn der Motor halt höher liegt) hatte ich zwar gedacht, aber ich war mir nicht sicher, ob die Pumpe gegen die G-Kräfte wirken kann. Bei genauerem Überlegen ist es allerdings logisch.
    Was das Nadelventil angeht - das Beispiel, den Vergaser einfach mal auf den Kopf zu stellen war gut - dabei hat es dann entgültig klick gemacht ;).
    Tja, bei manchen Fragen denkt man, nachdem sie beantwortet sind nicht :"Schön, wieder was dazu gelernt", sondern: "WARUM bin ich nicht von alleine drauf gekommen".:D
    Vielen Dank für die Infos euch beiden ;),

    Gruss, Nibbler
     
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