Modellbau and the City

Diskutiere Modellbau and the City im Modellbau allgemein Forum im Bereich Modellbau; Januar 1990: Nach der Schule fuhr ich mit meinen Freunden nach Wuppertal, um mit Taschengeld bewaffnet, Ausschau nach neuen Modellbausätzen zu...

Moderatoren: AE
  1. #1 bolleken96, 31.03.2016
    Zuletzt bearbeitet: 31.03.2016
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    Januar 1990: Nach der Schule fuhr ich mit meinen Freunden nach Wuppertal, um mit Taschengeld bewaffnet, Ausschau nach neuen Modellbausätzen zu halten. Wir fuhren mit einer hohen Erwartungshaltung und wurden nicht enttäuscht. Wir erwarteten die ersten Revellneuheiten des Jahres, ohne zu wissen, was es sein könnte. Und was gab es doch viele Geschäfte, die Modellbausätze führten. Ganz in der Nähe der Bushaltestelle war Walbrecht, die Bausätze, Lego und optische Instrumente führten. Außerdem, fußläufig in der Nähe und mit Bausätzen nicht nur von Revell ausgestattet: Hertie, Kaufhof, Sasse und Willy Müller und Söhne. Somit also 6 interessante Geschäfte in unmittelbarer Nähe. Aber ich habe direkt im ersten Geschäft, bei Walbrecht zugeschlagen. Die brandneue Yak-38 in 1:72 – natürlich – musste es sein! Wow, der sowjetische Harrier, wie cool! Und auch noch im neuen blauen Karton, nicht der schäbige graue. Und was noch neu war: MiG-31, Su-25, MiG-29UB. Russen von denen man nur heimlich zu träumen wagte (nicht zweideutig gemeint). Aber die 9,95 DM (ja genau) für die Forger mussten reichen, so blieben noch 5 DM für McDonald’s. In den neuen Revell-Katalog konnten, ja durften wir noch nicht reinschauen. Mit der Frage „Dürfen wir uns den mal ansehen?“ sind wir ab 02. Januar immer durch die Läden gezogen und gingen den Verkäufern ganz offensichtlich auf den Zeiger. Ich war ja erst 13, aber nervig war das für die Leute sicherlich, wenn ein zunehmend pickliger Teenager wöchentlich, Jahr ein Jahr aus, dieselbe Frage stellte. Aber ich zahlte meinen 10er bei der Frau – nein Dame an der Kasse. Schon das war eine Zeremonie und rührend zugleich: Eine locker 70-jährige Dame saß leicht erhoben hinter einer ebenso alten Registrierkasse und hämmerte stets freundlich die Verkaufssumme in das historische Gerät. Danach ging es trotzdem noch in alle anderen Läden. Ein Modellbausatz-Overkill. Aber - wir waren glücklich.
    Wenn ich dann den Bausatz heim trug, wurde natürlich zu Hause in Neviges sofort zusammen gebaut und bemalt mit dem, was da war und ohne (da nicht existent) Internetrecherche. Und wenn ich dann noch ein paar Mark über hatte, konnte ich, sogar in diesem Provinznest, noch einen Kiosk, der die herrlichen Matchboxmodelle führte, besuchen und mir für 4,95 DM einen schnittigen WW2-Jäger kaufen. Das Geld bekam ich, weil ich noch ein Matheheft kaufen wollte.
    Wenn ich heute in die Stadt gehe, sind von den sechs Geschäften auf 2qkm noch in Summe eins übrig geblieben. Der Kaufhof ist es, wobei hier die Spielwarenabteilung so ausschaut, als wären dort einige der Revell-Bausätze als Realflugzeuge bereits im Einsatz gewesen und hätten ihre zerstörerische Kraft entfaltet. Es ist bei geringer Modellauswahl, kleiner Farb- und gar keiner Zubehörauswahl dort sehr chaotisch und keinen Gang mehr wert. Außer wenn Anfang des Jahres ein paar günstige Auslaufmodelle erhältlich sind. Die reinen Spielwarengeschäfte haben alle zu gemacht, Hertie gibt es auch nicht mehr und der Mitte der neunziger neu eröffnete Toys’r’us führt seit einer Dekade keine Bausätze mehr.
    Es ist ein Trauerspiel.
    Heute haben wir Internet und Smartphones mit selbigen und können überall online alles kaufen und recherchieren. Das mache ich auch….oftmals leider. Denn früher war manches nicht besser, aber schöner. War es nicht toll, von Neuheiten überrascht zu werden? War es nicht klasse, pro Jahr 20-25 Modelle fertig zu bauen? War es nicht toll, in sechs verschiedene Geschäfte zu gehen und nicht nur blaubündener Kartons zu erspähen, sondern auch Italeri, Hasegawa, Fujimi, Matchbox, Heller? Und war es nicht super, mit dem was man an Material hatte, das Modell fertig zu machen? Jedes neue Modell sollte das Beste sein, was man bisher gebaut hat und das war es dann auch. Ganz egal, ob die Vorblidtreue stimmte, ob die eine erhabene Gravur 3mm zu weit links ist oder ob es die 84 Widerauflage des gleichen Modells ist, das hat Spaß gemacht und die ganzen Flieger machten sich gut im Zimmer.
    Heute fange ich immer wieder neue Bausätze an mit dem gleichen Vorsatz wie damals: Es soll das beste Modell werden. Aber es gelingt mir nicht. Ich kaufe den Bausatz online, obschon ich 30 mal gelesen habe was alles nicht stimmt und schlecht ist, beginne und irgendwann kommt die Schleif- und Spachtelorgie, für die mir heute auch keine Zeit bleibt. Während ich dabei schleifend mein Interesse verliere (weil ja noch 200 weitere Versuche zur Verfügung stehen), fällt mein Blick auf das nächste Modell mit später gleicher Historie.
    Das soll nicht nur Jammern sein, sondern führt mich zum Aufstellen folgender These:
    Sind wir überinformiert und für unser Hobby entspaßt freudlos? War es früher nicht vielleicht besser, dass eben nicht alles an Informationen, Zurüstsätzen und Materialien zur Verfügung stand und das einem ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung stand?
    Vielleicht und sogar wahrscheinlich empfinde nur ich so, aber ich würde gerne meine Freude von einst an meinem Hobby gerne in die Gegenwart transportieren. Nicht nur Melancholie soll mich begleiten, sondern die Freude an einer Tätigkeit und einem Ergebnis, dass ich selber erschaffen habe.

    Gruß
    Bolleken

    Wenn euch dieser kleine Aufsatz zu sehr nervt, anödet oder ähnliches, kann das Thema auch gelöscht werden.
     
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  3. #2 hpstark, 31.03.2016
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    So ähnlich ging es mir damals in Forchheim /Obf.. Ich war so 10 oder 12 ( Anfang der 70er)

    Da hat man für 5 DM diese schönen Matchbox Bausätze , in diesem herrlich zweifarbigen Plastik kaufen können.

    Ich erinnere mich als wäre es erst gestern gewesen, eines meiner ersten Modelle war eine B-24 Liberator von AirFix in silbernem Kunststoff. Für, ich glaube , 11,95 DM. Da musste ich mir damals einen Vorschuß auf mein Taschengeld der nächsten Woche geben lassen.

    Oder später dann eine P-51 mit einfahrbarem Hauptfahrwerk (Kann mich beim besten Willen nicht mehr an den Hersteller erinnern ) die hatte so ein Rädchen unterm Rumpf.

    Du hast absolut recht, schön war das damals. Und dieser Virus hat mich nie wieder los gelassen :TOP: :TD:
     
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  4. popeye

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    Ach Bolleken - man soll nicht mit dem Finger in Wunden bohren :FFTeufel:

    Ich bin - mit Anlauf - fast doppelt so alt wie Du, und es geht mir manchmal fast auch so... :blush2:
    Aber schuld sind wir selber !
    Wir wollten uns alle vom Bastler zum Modellbauer entwickeln, wie sich das für kompetitive Mannsbilder gehört - und jetzt haben wir den Salat - ganz wie im richtigen Leben :wink: - der kindliche Spass ist mehr oder weniger an unseren eigenen Ansprüchen gescheitert!

    Jetzt bauen wir durchschnittlich höchstens noch zwei, drei Modelle im Jahr. Die aber mit Perfektionsanspruch, damit man auch den kleinsten verbleibenden Fehler umso besser sieht :tongue:

    Aber ich hab gelernt, mich mit meinem Zitat unten zu trösten - versuch's :victorious:

    Rolf
     
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  5. #4 Swordfish, 31.03.2016
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    Hallo Bolleken
    Ich könnte deine riesengrosse schriftliche Darstellung wie es damals war, fast wörtlich übernehmen. Es war bei mir ähnlich, wenn auch noch einiges früher:wink:
    Bei uns gab es drei reine Spielwarengeschäfte mit bis zur Decke gestapelten Modellsätzen, wobei die grössten Schachteln zuoberst im Regal standen. Dazu waren in zwei Kaufhäusern auch Modelle erhältlich......heute ist rein garnix mehr übrig!!!!!!
    Ich trauere aber nicht dieser Zeit nach, nein, ich freue mich, dass es heute möglich ist, eine Unmenge an Zubehör und Modellbausätzen bequem zu Hause einkaufen zu können!:cool:
    Auch die Digitalfotografie hilft mir ein "Vermögen" einzusparen, und trotzdem kann ich jedes Detail fotografieren. Ich kann mein eigenes "Modellbuch" online drucken lassen, oder mich wie hier im FF über ein Problem schlau machen lassen, all das gabs früher nicht!!!
    Deshalb mache ich mein Hobby heute viel intensiver, bewusster und es ist mit dem Wissen aus dem Internet und Literatur interessanter geworden. Und ich freue mich heute genauso viel, wenn ich per Post ein neues, vollgepacktes Paket bekomme, wie ich früher Freude hatte, mit wenig Geld ein Modell zu kaufen....:blush2:
    Fazit: Heute ist es für mich X-mal besser und schöner wie früher!!!!!!!:angel:
     
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  6. #5 bolleken96, 31.03.2016
    Zuletzt bearbeitet: 31.03.2016
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    Danke euch allen für eure Antworten und euer Interesse.
    Natürlich stehe ich immer noch voll hinter meinem Hobby. Und ich werde vermutlich bis zum letzten Tag weitermachen. Nur wenn ich im Zuge einer Selbstreflektion doch auch kritisches finde, führt das vielleicht dazu, etwas melancholisch feststellen zu müssen, dass ich nicht alles kindlich positive in die Gegenwart gerettet habe.
    Ausserdem macht es riesig Spaß, mal wieder so einen kleinen Text zu schreiben.
    Auf jeden Fall sehr interessant, was ihr berichtet. Danke dafür.
     
  7. AM72

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    Tja - 1990, das ist ja nun schon wieder ein Weilchen her. Ich als "Ossi" könnte da ja hier meine lustige Reise nach München Ende 1989 wiedergeben..- zurück kam ich jedenfalls mit einem Haufen Modelle.

    Aber, die alten Zeiten wären keine alten Zeiten wenn sie nicht eben längst vergangen wären.
    Wir haben uns und unsere Welt geändert ( ja - WIR - und nicht irgend jemand Böses Anderes!)- und damit eben auch unser Kaufverhalten, unsere Ansprüche und vieles andere mehr.
    Wir ärgern uns über manches, was es so nicht mehr gibt und nie mehr geben wird - und freuen uns über vieles, was es damals gar nicht gab, nicht mal im Wunschdenken.
    Wer jetzt so alt ist wie wir damals, vermisst überhaupt nix von damals und fühlt sich von solch Sentimalitäten mitunter gar genervt.

    Ich jedenfalls habe mich vorhin mit einem Belgier geschrieben und einen Tip bekommen und werde gleich deshalb mal fix in Frankreich was bestellen - weil ich so ein Detail verbessern kann, über welches man 1990 ganz ordentlich den Kopf geschüttelt hätte.
    Ja, ich wäre heute auch froh wenn ich ein Modell wie damals in 3 Tagen fertig haben würde - und es dann genauso aussehen würde wie heute.
    Das Wichtige dabei ist aber:
    Ersteres geht heute noch- das Zweite ging früher nicht.
    Früher war immer alles Schöner, das Heute wird morgen noch viel Schöner als heute sein.

    Trotzdem,- doch immer wieder mal schön so alte Erinnerungen zu lesen und zu teilen :angel:
     
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  8. #7 Norboo, 31.03.2016
    Zuletzt bearbeitet: 31.03.2016
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    Nein, nervt nicht.

    Genauso war es! Aber recherchiert haben wir trotzdem. Es gab zu meiner Zeit die Flug Revue und Luftfahrt International zu kaufen. Quartettspiele (!) waren auch ein Quelle für ganz schlechte Fotos. Und mühsam zusammengesparte 36 DM habe ich in das Buch "Die Flugzeuge des II.Weltkriegs" investiert. Hellblauer Einband mit farbigen Seitenrissen. Das habe ich aufgehoben, aus nostalgischen Gründen. Wenn man mal einmal im Jahr in Hamburg war, gab es dort am Hauptbahnhof auch mal ein Modell Magazin. Mit nützlichen Tipps und nicht voll mit perfekt gebauten Modellen wie heute....
     
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  9. #8 syrphus, 31.03.2016
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    Ach, ist das schön, verzückt in die Vergangenheit schauen und verklärt in Erinnerungen zu schwelgen. Gut, dass es solch Erinnerungen gibt, was wäre das Leben fad ohne diese Erinnerungen.
    Mein Onkel als alteingesessener Dresdener hatte in seiner Gartenlaube ein Modell der 152 an der Decke hängen (woher auch immer). Das Modell begeisterte mich und prompt erhielt ich dann auch Modellbausätze – die „guten“ alten Plasticart-Bausätze in 1:100. Ich habe gebaut, was es gab. Meist ohne Recherche, wo sollte man auch recherchieren – na, in der „Fliegerrevue“ vielleicht. Doch dann kam Kovozavody mit tollen Modellen in 1:72. Das erste Modell für mich war die L-29 Delfin. In Pulsnitz (manchem vielleicht bekannt aufgrund der Pulsnitzer Pfefferkuchen – ganz lecker) gab es einen Elektroladen, der hatte auch tschechische Modelle. Also wurden die Eltern immer mal wieder genervt, wir sollten doch mal wieder in Pulsnitz einkaufen. Mit etwas Glück fiel dann auch ein Modell ab. Was es gab, wurde auch gebaut. Eine Büchse weiße Farbe mit diversen Abtönpasten und Schulpinseln waren die Bemalungsgrundlage. SMER mit Modellen in 1:48 kamen dazu – tolle Sachen. Dann gab es noch die tschechische Zeitschrift „Letectví+kosmonautika“. Die nette Zeitungsfrau am Bahnhofskiosk hat immer eine für mich aufgehoben. Die „alten“ Exemplare habe ich in der Bibliothek im Armeemuseum Dresden „gelesen“. So manchen Samstag habe ich da verbracht. Dafür hatte ich mir extra eine zweibändige Ausgabe des Wörterbuches Tschechisch-Deutsch-Deutsch-Tschechisch (steht heute noch in meinem Bücherregal) zugelegt.
    Mitte der siebziger Jahre kam dann mal ein Paket aus dem „Westen“, von irgendeiner Patentante meiner Schwester. Neben Kaffee, Schokolade und Puddingpulver waren zwei Modellbausätze drin: eine F-4J vom Flugzeugträger Saratoga und von Matchbox die Fw190. Offenbar hatte niemand das Paket kontrolliert… Na, langer Rede kurzer Sinn – es war eine schöne Modellbauzeit.
    Aber alles entwickelt und verändert sich, wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Wir ändern uns, unsere Ansprüche ebenfalls, unsere Sichtweise erst recht. Aber das ist doch gut so. Wir leben im jetzt und heute. Jede Zeit hat ihren Reiz. Heute baue ich eben nicht mehr alles, habe den Pinsel gegen die Airbrush getauscht. Habe …zig Bücher im Regal. Fahre nicht mehr nach Pulsnitz (selten und nur wegen der Pfefferkuchen), den Elektroladen gibt’s schon lange nicht mehr. Sicher schade. Aber heute bestell ich halt im Internet, in Deutschland, Tschechien, Polen, Frankreich … Und warum auch nicht? Die Welt ist offen und wir sollten es auch sein! Wichtig ist einzig und allein – habt Spaß am Leben und auch am Hobby!!! Was keinen Spaß mehr macht, sollte man beenden. Wir leben heute, also genießen wir es. Behaltet Eure Erinnerungen, schreibt sie auf, erzählt sie Euren Kindern, aber macht Euer Leben hier und heute schön. Was die Zukunft bringt, vermag keiner zu sagen.
     
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  10. #9 Augsburg Eagle, 31.03.2016
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    Das waren noch Zeiten, als es die Matchbox und Airfix Bausätze fast bei jedem Schreibwarenhändler gab. Und sogar im Supermarkt. Das musste gar kein Spielwarenladen sein.
    Wenn ich mal so nachrechne, gab es bei uns im näheren Umkreis sicher 10 solche Läden, von denen kein einziger mehr Bausätze im Sortiment hat. Wenn es ihn überhaupt noch gibt.
     
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  11. F-16

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    Ach bolleken, da hast Du was angerichtet. Da sitze ich schon zwei Stunden da und überlege wie es eigentlich war und was ich so gebaut habe. Über eines brauch ich aber nicht lange überlegen: Die kindliche, unbeschwerte Freude beim Hobby damals. Schon der Weg nach Hause war schön mit der Neuerwerbung im Einkaufsbeutel. Und dann wurde drauflos gebaut. Vergleiche mit dem Original haben mich eigentlich nicht interessiert, die Anleitung hat gereicht. War ja auch nicht so einfach, hier Bücher oder Zeitschriften zu erhalten. Von Modellen mal ganz abgesehen. Zwar gab es in Karl- Marx- Stadt einen Modellbauladen, aber Bausätze waren wie alles Mangelware. Zum Glück habe ich auch Freiflugmodelle gebaut, das Taschengeld wurde dann eben in Leisten oder Bespannpapier investiert. Und wenns das auch nicht gab ging es nochmal zum einzigen Heimwerkerladen, an guten Tagen hatte der sogar dünnes Sperrholz und an echten Glückstagen Balsaholz.
    Plastiktechnisch waren da Besuche in der CSSR ergiebiger mit KP, Smer und gegen Ende der 80er sogar Revell. So man mit dem Überlandbus rechtzeitig vor Ladenschluß in Karlsbad ankam, dazwischen lag ja noch die Grenzkontrolle. Einmal wurden wir da über vier Stunden kontrolliert, man kann es sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen.
    Na, und heute trauere ich zwar dieser Unbeschwertheit hinterher, mag aber kein Modell mehr einfach mal so zusammenklatschen. Mich stört eigene unsaubere Arbeit, ich möchte meine Kenntnisse anwenden und bei aktuellen Kits auch deren Qualität gerecht werden. Klar piept es mich an Stunden nach einem Detail zu googeln welches außer mir nachher keiner sieht oder ebenso lange den richtigen Farbton anzumischen. Aber schlußendlich habe ich erst dann die Befriedigung welches mir das Hobby bieten soll.
     
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  12. #11 bolleken96, 01.04.2016
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    Ich habe, wie ich finde, in euren Beiträgen ein paar wunderbare Zitate gefunden, die sehr schön beschreiben, was unser Hobby wirklich ausmacht. Für mich gelernt habe ich auch: So schön die Zeit auch war, die Kindheit kommt nicht wieder, was auch gut ist, aber durch unseren Modellbau konnten wir uns so manche dieser Erinnerungen bewahren und durch vielleicht das ein oder andere rübergerettete Modell aus der Zeit manifestieren. Wenn ich meine C-47 von 1988 betrachte, sehe ich mich immer noch damit die Berliner Luftbrücke nachspielen und höre in Gedanken meine eigens ausgedachten Motorengeräusche. Daher auch Danke für die Einblicke in eure Jugend!
    Und, im Heute ist vieles einfach fantastisch. Vielleicht nicht der Gang in ein Geschäft, aber wir können von überall auf der Welt überall auf der Welt shoppen, Raritäten ausgraben, sogar unsere eigenen Bauteile ausdrucken. Und mit diesen vielen Möglichkeiten und der Aufrechterhaltung des Hobbys kann ich meine Kindheit bewahren für alle Zeit.
    Was ich auch gelernt habe: Durch ein Forum wie dieses und eure tolle Antworten bin ich mir nun sicher, dass es vielleicht doch kein sterbendes, sinnfrei-freudloses Hobby ist. Im Gegenteil. Hier gibt es Lob, Kritik, Tipps, Verrücktheiten, fantastische Arbeiten, meistens einen guten Umgangston, Kuriositäten - hier herrscht LEBEN!

    Auch noch mal an die Kollegen aus der ehemaligen DDR: Diese Erinnerungsgeschichten finde ich richtig spannend und inhaltlich wichtiger, als so manche Politdoku. Klasse.
     
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  13. #12 airforce_michi, 01.04.2016
    Zuletzt bearbeitet: 01.04.2016
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  14. #13 bolleken96, 01.04.2016
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    Sehr cooles Bild. Das ist so eindeutig, da hättest du 1978 gar nicht dazu schreiben müssen.
     
  15. #14 bolleken96, 01.04.2016
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    Und hier ist oben besagte C-47.:blush2:

    Die kann ich ja wohl nicht im "als die Meister...." zeigen
     

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  16. #15 bastelalex, 01.04.2016
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    Ein tolles Thema! Ja, da kann man nostalgisch werden. :rolleyes:

    Ich glaube, es ist schwierig, unser damaliges Modellbaugebaren mit dem heutigen zu vergleichen. Wir sind eben alle älter geworden, blicken auf die Vergangenheit, wie wahrscheinlich jeder Mensch, mit subjektiver Betrachtung, weil wir zu wissen glauben oder fühlen: "Damals war es gut so". Ich halte es da wie Swordfish:

    Durch den Technik-Fortschritt und die umfangreichen Recherchemöglichkeiten im Internet sowie die mannigfaltigen Bezugsquellen und die durchgehende Verfügbarkeit von Modellbauartikeln sind das heute geradezu paradiesische Zustände. Ich finde das nicht "entspaßt-freudlos". Ich finde das "progressiv-optimal" und habe Spaß dabei! Freude, dass die Modelle immer originalgetreuer werden (können) durch die zahlreichen guten Modellbauartikel, die es mittlerweile gibt, und die umfangreichen Möglichkeiten zur Recherche.

    Und die guten, alten Modellbaushops? Die Zeiten sind heute anders, das Konsumentenverhalten ebenfalls, und das Interesse an Scale-Modellbau bei der Jugend deutlich gesunken. Dafür steht die Beschäftigung mit der virtuellen Welt im Vordergrund, und das aus nachvollziehbaren Gründen (Einfachheit und Umfang des Informationsgewinns, Abwechslungsreichtum und Dynamik des virtuellen PC-Spaßes, Erschaffung neuer Identitäten und Beschäftigungsfelder, etc.). Allein die Tatsache, dass es überhaupt noch ein paar Kinder und Jugendliche gibt, die, wie wir früher, ein Plastikmodell "zusamenschustern", lässt mich aufblicken und hoffen...
     
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  17. AM72

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    Stoss Dich nicht an dem "Meister" - damit waren damals wie heute eigentlich ALLE germeint, die vor langen Jahren irgendwann mal mit dem Hobby begonnen haben und es heute noch weiter betreiben :wink:
    (Meine Modelle waren lange Zeit erst mal gar nicht lackiert)
     
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  18. #17 bolleken96, 01.04.2016
    Zuletzt bearbeitet: 01.04.2016
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    Ok. Dann hätte ich für diesen Thread noch das ein oder andere. Muss nur gucken, weil ich schon einiges in Bollekens alte Kisten gezeigt habe

    http://www.flugzeugforum.de/threads/33641-Bollekens-alte-Kisten
     
  19. #18 airforce_michi, 01.04.2016
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    ...ohja, das wurde mir auch schon vorgehalten, weil ich dem thread gepostet habe - ein 'selbsternannter Meister' zu sein... :rolleyes:

    Aber das ist natürlich Blödsinn und wurde auch nur vorsetzlich falsch verstanden... :glee:
     
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    Hallo

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  21. #19 RomanW., 01.04.2016
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    Danke für diesen schönen Thread! Eine gute Idee!

    Da kann ich dir nur zustimmen. Bei mir hat es sich allerdings dahingehend geändert, dass ich mit dem Basteln (als Modellbauen, so wie es hier im Forum vorgestellt und betrieben wird, getraue ich mich mein damaliges Werken gar nicht zu bezeichnen!) aufgehört habe. Aber bis ich 20 war hab ich einen ganzen Haufen Plastikmodelle (Hasegawa, Revell, Airfix) gebaut. Begonnen hab ich mit Papiermodellen von Geli; von denen hab ich echt viele gebaut. Die waren erschwinglich und groß! :)
    Ich bin auch sehr oft im Modellbaugeschäft meines Vertrauens, in der Linzer Bürgerstraße, gestanden und hab in den bis zur Decke gestapelten Kartons geschmökert.

    Das hast du sehr schön formuliert!
    :TOP:


    Na Gott sei dank, ich dachte schon ich bin hier der einzige, der damals nicht komplett akribisch ans Werk gegangen war.
    :D:
    Ich kann mich noch erinnern, dass ich meine F-16 der Thunderbirds damals auch nicht lackiert habe, weil das Weiß des Plastiks so schön war. Das hätte ich mit Lack und Pinsel damals nie so hinbekommen. Überhaupt hab ich mich damals auch nicht so um Detailtreue und Vorlagen gekümmert. Mir ging es um den Spaß am Zusammenbauen. Geschliffen, gefeilt und gespachtelt hab ich nie! :D: Einfach zusammengeklebt, bemalt und eine irre Freude daran gehabt! War eine schöne Zeit!
     
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  22. Norboo

    Norboo Astronaut

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    Ich denke auch gerade darüber nach, wie man die ersten Bausätze bewertet hat. Ich fing mit Airfix an, die waren damals überall erhältlich, aber die haben sehr schlecht gepasst. (MiG-15...)
    Dann entdeckte ich Revellbausätze, die passten etwas besser zusammen. (z.B. die Hawker Typhoon).

    Aber dann tauchten die ersten Matchbox-Bausätze auf und ich war begeistert! Das passte alles! Und dreifarbig waren die auch schon! Es war eine F4U Corsair. Die groben Gravuren störten mich da überhaupt nicht. Erst später an einer Buccaneer merkte ich, dass das gar nicht gut aussieht.

    Jahre später bekam ich meinen ersten Hasegawa Bausatz. Ich hatte schon davon gehört, aber kaufen konnte man die nur bei Rettkowsky in Hamburg. Ein winziger Laden, aber bis unter die Decke mit Bausätzen vollgestopft. Es war eine F-106, mein Gott, war die grottig. Heute weiß ich, dass die von Frog stammte. Die ist auch nach einigen Spachtel und Schleifversuchen (war also schon etwas später in meiner Modellbaukarriere)im Müll gelandet.

    Oh je, wenn man erstmal anfängt, sich zu erinnern....dann wird der Text schon mal länger...
     
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