North American Rockwell Orbiter Vehicle OV-103 "Discovery", Revell, 1:72

Diskutiere North American Rockwell Orbiter Vehicle OV-103 "Discovery", Revell, 1:72 im Jets bis 1/72 Forum im Bereich ROLLOUTS - Die Bilder Eurer Flieger !; Nun wieder zur rustikalen Modellbaukunst :) Der Bausatz ist der von Revell in seiner neuesten Widerauflage, erkennbar am abnehmbaren...

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  1. #1 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Nun wieder zur rustikalen Modellbaukunst :)

    Der Bausatz ist der von Revell in seiner neuesten Widerauflage, erkennbar am abnehmbaren Cockpit-Dach (welches ich aber geschlossen habe). Zuletzt erschienen zur Zeit der letzten Mission, STS-135, der Atlantis.
    Der Bausatz selbst ist eher einfach gehalten, er dürfte ungefähr so alt sein wie das Shuttle selbst. Auch die Nutzlast in der Ladebucht ist für eine wirklich geflogene Mission ohne grosse Umbaumaßnahmen nicht zu gebrauchen. Die Kachelstruktur ist auch schwierig zu korrigieren. Das hiess für mich, dass der Bau komplett OOB erfolgte und die Ladebucht geschlossen wird. Die beigelegten Decals sind wie gewohnt von Revell sehr gut. Alles nötige vorhanden und die Verarbeitung ,wie immer eigentlich, problemlos. Es liegen die Discovery, die Atlantis und die Endeavour bei.
    Neben der für mich nicht nutzbaren Last, sollte man, wenn man ein "detailgetreues" Modell bauen möchte, zudem auf den fehlenden Bremsschirmbehälter und die falsche ("erhabene") Kachelstruktur achten. Die Passgenauigkeit war aufgrund der grossen Teile eher mittelmässig.

    Gebaut habe ich das Orbiter Vehicle aus dem Space Transportation System (STS). Umgangssprachlich wird vom OV selbst oder dem kompletten STS auch oft vom "Space Shuttle" gesprochen. Um es kurz zu machen: Entschieden habe ich mich für das Orbiter Vehicle OV-103 "Discovery", das dritte Shuttle welches es in den Orbit schaffte.
     

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  3. #2 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2013
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    Die Modellmaße machen die "Discovery" mit 49cm Länge und 36cm Spannweite auch in 1:72 zu einem "kleinen Brocken".

    Das komplette Space Transportation System (STS) besteht in der Startphase aus insgesamt drei Teilen. Einem zentral angeordnetem External Tank (ET), gebaut von Martin Marietta (heute Lockheed), welcher den Flüssigtreibstoff für die Space Shuttle Main Engines (SSME) trägt. Von den ETs gab es verschiedene Typen, welche sich vor allem im Gewicht unterschieden. Dieser Flüssigtreibstoff der SSME bestand aus flüssigen Sauerstoff als Oxidationsmittel und Flüssigwasserstoff als Treibstoff. An diesem zentral angeordnetem Tank befanden sich zwei seitlich angeordnete Solid Rocket Booster (SRB), gebaut von Pratt & Whitney Rocketdyne, deren fester Treibstoff aus Ammonium Perchlorate Composite Propellant (APCP) bestand. Diese beiden Feststoffraketen sorgten während der frühen Startphase für insgesamt über 80% der nötigen Schubkraft, was sie zu den leistungsfähigsten jemals geflogenen Feststoffraketen macht. Zentral über dem ET und den beiden SRB war dann das Orbiter Vehicle (OV) angebracht, welches in sich auch die Nutzlast trug. Gebaut wurde das OV von North American Rockwell (heute Boeing).

    Entschieden habe ich mich, auch aufgrund der Decals für die STS-95 Mission, welche ich mir zum Vorbild nahm. STS-95 war der erste Flug mit dem neuen "Meatball" NASA Logo und das OV war zu dem Zeitpunkt nich so arg verranzt und angekokelt wie auf anderen Bildern anderer Missionen zu sehen. Hier vor der Mission :http://2.bp.blogspot.com/-Drda9G95aug/T42xjXPIlXI/AAAAAAAAAQg/8Wi733bJt3g/s1600/STS-95+rollover.JPG
    Während der Landung in Florida: http://www.nbbd.com/space/glenn/images/padig07sts-95.jpg

    North American Rockwell Orbiter Vehicle OV-103 "Discovery", STS-95, Space Shuttle Landing Facility SLF, Kennedy Space Center KSC, Florida, 29.10.1998.
     

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  4. #3 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    OV-103 "Discovery" wurde am 12.08.1983 fertiggetsellt und absolvierte ihren ersten Flug im August/September 1984 während STS-41-D. Dies war bis dahin der 12. STS Flug und brachte 6 Astronauten in den Orbit. Während des Jungfernfluges wurden drei Satelliten ausgesetzt und verschiedene Experimente durchgeführt. Am 09.03.2011 endete die Laufbahn der Discovery mit STS-133, in der das vierte EXPRESS Logistics Carrier (ELC4) sowie Versorgungsgüter und ein humanoider Test-Roboter mit dem PMM Leonardo zur Internationalen Raumstation gebracht wurden.

    Ich habe mich jedoch, auch aufgrund der "Meatball"-Decals für STS-95 entschieden. Dies war der erste Flug mit den neuen NASA Emblemen 1998. STS-95 war insgesamt die 92. STS-Mission und der 25. Flug der Raumfähre Discovery.
     

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  5. #4 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    STS-95 brachte 7 Astronauten in den Orbit:

    Curtis Brown (5. Raumflug), Kommandant
    Steven Lindsey (2. Raumflug), Pilot
    Scott Parazynski (3. Raumflug), Missionsspezialist
    Stephen Robinson (2. Raumflug), Missionsspezialist
    Pedro Duque (1. Raumflug), Missionsspezialist (ESA/Spanien)
    Chiaki Mukai (2. Raumflug), Nutzlastspezialistin (NASDA/Japan)
    John Glenn (2. Raumflug), Nutzlastspezialist

    John Glenn wurde mit diesem (seinem zweiten) Flug im Alter von 77 Jahren der älteste Mensch welcher im Orbit war. Sein erster Flug machte ihn 1962 zum ersten amerikanischen Astronauten, indem er während "Friendship-7" dreimal die Erde umkreiste.

    Die Mission stand ganz im Zeichen astronomischer und atmosphärischer Forschungen. Beispielsweise wurde der Satellit SPARTAN 201 für mehrere Tage ausgesetzt. Mit ihm wurden physikalische Bedingungen und Vorgänge erforscht, die in der Sonnenkorona ablaufen und Auswirkungen auf den Sonnenwind haben.
     

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  6. #5 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    In der Ladebucht der Discovery war die HOST-Plattform (HST Orbital Systems Test) untergebracht, auf der sich verschiedene Geräte befanden, die bei der nächsten Wartungsmission in das Hubble-Weltraumteleskop eingebaut werden sollten. Mit HOST wurde deren Weltraumtauglichkeit überprüft. Dabei handelte es sich um ein neues Kühlsystem für die NICMOS-Kamera, einen 486er Computer, ein elektronisches Datenaufzeichnungsgerät ohne bewegliche Teile (Solid State Recorder) sowie ein Glasfaserkabel.

    Ebenfalls in der Ladebucht befand sich der wissenschaftliche Komplex IEH-3 (International Extreme ultraviolet Hitchhiker), der aus sechs Einzelexperimenten bestand. So wurden mit dem UVSTAR-Teleskop Untersuchungen im extremen Ultraviolettbereich vorgenommen, die dem Studium des Plasmas von Jupiter, dessen Mond Io und heißen Sternen dienten. Außerdem wurden extrem reine Kristallfilme hergestellt. Während der Mission wurde mit PANSAT (Petite Amateur Naval SATellite) auch ein kleiner Experimentalsatellit ausgesetzt, der der Datenübertragung diente.
     

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  7. #6 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    John Glenn nahm in seinem hohen Alter an diesem Flug teil, um diverse Experimente durchzuführen, die die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf alte Menschen ergründen sollten.

    Im SpaceHab und im Mitteldeck absolvierte die Besatzung während der neuntägigen Mission eine Vielzahl interessanter Experimente auf den Gebieten Medizin, Biologie, Mikrogravitation, Technologie und Erderkundung. Die Discovery landete in Florida.

    Der Start von STS-95 wurde zum ersten Mal live in HDTV übertragen, was gleichzeitig den Start dieser Technik in den USA darstellte.
     

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  8. #7 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Der Start von STS-95 erfolgte von LC-39B des Kennedy Space Center KSC. Der Flug endete nach 9 Tagen, 19 Stunden und 44 Minuten nach insgesamt 134 Erdumrundungen auf Bahn 33 des Kennedy Space Center.
    Die maximale Erdentfernung während STS-95 betrug 561km und ein Erdorbit dauerte ca 95 Minuten.
     

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  9. #8 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Das Space Transportation System STS ging aus dem Versuch hervor, ein wiederverwendbares Raumfahrzeug zu entwickeln. Das Versprach eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber den herkömmlichen "Einweg"-Raketen, bei denen alle Raketenstufen nur einmal verwendet werden können. Die erwartete Ersparnis konnte allerdings nicht erreicht werden. Ganz im Gegenteil kostete ein STS-Start zwischenzeitlich knapp eine halbe Milliarde Dollar, etwa fünfmal so viel wie ein Start mit einer unbemannten Einwegrakete gleicher Nutzlastkapazität, und stieg auf zuletzt gut eine Milliarde Dollar.
     

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  10. #9 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Das dreiteilige Konzept des STS mit der Aufteilung in Orbiter, Außentank und Booster wurde von der NASA offiziell am 15. März 1972 festgelegt. Studien und Konzepte gehen bis in die 60er Jahre zurück.

    Ein Jahr später waren erste detailliertere Planungen verfügbar. Diese enthielten aus heutiger Sicht völlig utopische Zahlen. Man ging von einem Erstflug im Jahr 1978 aus, der Markt für wissenschaftliche, kommerzielle und militärische Missionen wurde auf 50 Flüge pro Jahr geschätzt. Dabei sollten so viele kommerzielle Nutzlasten in eine Umlaufbahn gebracht werden, dass sich das STS-Programm selbst finanzieren sollte.

    Damals ging man von 10,5 Millionen US-Dollar pro Start aus. Im Laufe der Entwicklung stiegen diese Kosten jedoch beträchtlich – 1977 ging man schon von etwa 24 Millionen Dollar aus. In der Folge musste auch die Anzahl geplanter Flüge drastisch reduziert werden. Die Entwicklungskosten stiegen laufend an und erreichten bald über 12 Milliarden Dollar.

    1978, in dem Jahr, in dem eigentlich der Erstflug des STS hätte stattfinden sollen, stand das Programm kurz vor dem Aus. Es war die US-Luftwaffe, die Druck auf den Kongress ausübte, um mehr Gelder für das Shuttle-Programm zu bewilligen. Man hatte mit dem STS gerechnet und mehrere schwere Spionagesatelliten entwickelt, die nur mit dem STS in den Orbit gebracht werden konnten. Diese Intervention verhinderte ein vorzeitiges Ende des STS-Programms.
     

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  11. #10 muesingman, 10.02.2013
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    Hey KRH,

    Du präsentierst hier ein durchaus (weil kein "gewöhnliches Luftfahrzeug") interessantes Projekt mit gelungener Umsetzung und darüber hinaus Hintergrundinformationen, die mir so im Detail bislang nicht geläufig waren. Weiter so! :TOP:
     
  12. #11 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2013
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    Bis auf den ET sind alle drei Hauptkomponenten des STS widerverwendbar. Das Orbiter Vehicle ist der Teil welcher die Nutzlast trägt. Die Nutzlastbucht befand sich im mittleren Teil des Shuttle. Nach oben konnten zwei große Tore aufgeschwenkt werden, um die Nutzlastbucht dem freien Weltall auszusetzen. Dieser Vorgang wurde auf jeder Mission durchgeführt, da sich die Radiatoren, welche die Kühlung des Orbiters sicherstellten, auf der Innenseite der Nutzlastbuchttore befanden. Das Nicht-Öffnen der Tore bedeutete einen sofortigen Missionsabbruch. Zudem befand sich ind der Nutzlastbucht die Andockschleuse. Die Nutzlastbucht war 18,38 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,57 Meter. Das entspricht etwa den Ausmaßen eines Grossraumflugzeuges und war darauf ausgelegt, auch grosse militärische Satelliten aufnehmen zu können. Dieser zylindrische Bereich konnte voll von der Nutzlast ausgenutzt werden.

    Zudem konnte in der Nutzlastbucht ein Roboterarm, das Remote Manipulator System (RMS) installiert werden. Da das System in Kanada hergestellt wurde, wurde es manchmal auch Canadarm genannt. Der Arm verfügt über sechs Freiheitsgrade und hatte einen Greifmechanismus an seinem Ende, mit dem er Nutzlasten oder Astronauten bewegen, sowie Satelliten einfangen konnte. Er war 15 Meter lang und wog 410 kg, konnte jedoch Massen bis zu 29 Tonnen verschieben. Die Steuerung geschah durch einen Astronauten, der sich auf dem Flugdeck des Shuttle befand. Neben den beiden rückwärtigen Fenstern des Flugdecks wurden mehrere Kameras auf dem Arm und in der Nutzlastbucht für die präzise Steuerung des Arms eingesetzt.
     

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  13. #12 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2013
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    Die Energieversogung für den Betrieb der elektrischen Systeme wurde von Brennstoffzellen erzeugt. Diese wurden mit Wasserstoff und Sauerstoff betrieben. Im Orbiter waren drei Brennstoffzellen installiert, die je 7 kW leisten konnten, kurzzeitig waren sogar bis zu 12 kW möglich. Zudem waren die Orbiter Discovery und Endeavour mit dem Station-to-Shuttle Power Transfer System ausgerüstet. Dieses ermöglichte ihnen, Strom von der ISS zu beziehen, um eine längere Aufenthaltsdauer zu ermöglichen.

    Weitere Systeme zur Energieerzeugung waren die Hilfskraftanlagen (APUs). Diese drei mit Hydrazin betriebenen Turbinen erzeugten mechanische Leistung zum Betrieb von Hydraulikpumpen. Das Hydrauliksystem wurde benötigt für die Ventil- und Schubvektorsteuerung der drei Haupttriebwerke, die Bewegungen der aerodynamischen Steuerflächen, das Schließen der Treibstofftüren an der Unterseite des Orbiters und an verschiedenen Stellen innerhalb des Fahrwerks.
     

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  14. #13 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2013
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    Verschiedene Bereiche der Außenhaut des OV waren mit speziellen Hitzeschutz-Verkleidungen ausgestattet. Das war für den Wiedereintritt in die Atmosphäre unerlässlich, da wegen der sich vor dem Flugkörper aufbauenden Schockfront enorme Temperaturen auftraten. Ohne den Hitzeschutzschild wäre das OV verglüht. Auch die früheren Raumschiffe der Apollo-, Gemini- und Mercury-Programme waren mit einem Hitzeschild ausgerüstet, wie auch die russischen Sojus-Kapseln. Einzigartig am Hitzeschutzschild des OV war jedoch seine Wiederverwendbarkeit.

    Den größten Teil des Hitzeschutzschildes stellten die über 20.000 Kacheln auf der Unterseite des Rumpfes des Orbiters dar. Die sogenannte High-temperature reusable surface insulation (HRSI) konnten bis zu 1260 °C aushalten. Die Kacheln waren maximal 12 cm dick und bestanden zum größten Teil aus Hohlraum (90 %) und Siliziumdioxid (10 %).

    Die hocherhitzten Bereiche am OV wie die Nase und die Flügelvorderkanten waren mit kohlenstofffaserverstärkten Kohlenstoff (CFC), im Englischen war der Begriff Carbon Fiber Reinforced Carbon (CFRC) oder Carbon-Carbon (C/C) gebräuchlich, verkleidet, der gegen Temperaturen über 1300°C und mechanische Beeinträchtigungen wie Risse weitgehend resistent war. Ein vollständiger Schutz vor Beschädigung war nicht möglich. Die Columbia-Katastrophe im Jahr 2003 war auf ein großes Loch in einem CFC-Panel an der Flügelvorderkante zurückzuführen.

    Weitere Bereiche des OV waren mit der sogenannten Advanced flexible reusable surface insulation (AFRSI) ausgerüstet; das waren Kacheln, die etwa 650 °C aushalten können. Dazu gehörten das Cockpit, der vordere Rumpfteil sowie das Seitenleitwerk bzw. Ruder. Der Rest des OV (hinterer Rumpfteil und Oberseite) hatte keinen speziellen Hitzeschutz. Die normale Außenhaut der Raumfähre konnte jedoch bis zu 370 °C aushalten.
     

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  15. #14 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 11.02.2013
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    Das OV verfügte für die Datenübertragung (Kommunikation, Video, Telemetrie, Experimentdaten) u. a. über Mikrowellensysteme im S-Band und Ku-Band. Über die Tracking and Data Relay Satelliten (TDRS) steht während des gesamten Umlaufs eine (fast) ununterbrochene Datenstrecke zum Boden zur Verfügung. Die Ku-Band Antenne befand sich in der Ladebucht, so dass dieses leistungsfähigste System nur in Flugphasen mit geöffneter Ladebucht genutzt werden konnte.

    Die Mannschaftsräume des OV bestanden aus dem Flugdeck (engl. flight deck), dem Mitteldeck (engl. middeck) und der Luftschleuse (engl. airlock). Die gesamten Mannschaftsräume boten einen Rauminhalt von 65,8 m³. Das Flugdeck stellte das eigentliche Cockpit dar, während des Starts befanden sich dort die Sitze von Pilot und Kommandant. Wenn das OV einen Orbit erreichte hatte, wurden sämtliche Sitze verstaut, um so Platz zu sparen. Das Mitteldeck war der Wohn- und Arbeitsbereich der Raumfähre. Hier befanden sich eine Toilette, Schlafabteile und die nötigen Gerätschaften für die Zubereitung der Mahlzeiten. Zudem bot das Mitteldeck Platz für Experimente sowie etwa 140 Liter Stauraum für Nutzlast. Ebenfalls im Mitteldeck befand sich ein Ergometer, ein Trainingsgerät, mit dem die Astronauten der Verringerung der Muskelmasse durch die Schwerelosigkeit entgegenwirkten.

    Um das Leben der Astronauten an Bord zu ermöglichen, musste in der Kabine ständig ein lebensfreundliches Klima erhalten werden. Das wurde durch verschiedene Lebenserhaltungssysteme (engl. Environmental Control and Life Support System (ECLSS)) erreicht. So müssen etwa Temperatur und Druck in einem bestimmten Bereich bleiben. Die größte Herausforderung dabei war, eine Überhitzung des Orbiters zu verhindern. Dazu dienten zwei große Radiatoren im Innern der Ladebuchttüren. Diese strahlten während des ganzen Fluges Wärme in den Weltraum ab. Der Druck in der Kabine wurde von mehreren Tanks mit Stickstoff und Sauerstoff erhalten. So konnte im Shuttle eine Atmosphäre erzeugt werden, die der irdischen sehr ähnlich war.

    Ebenfalls zu den Lebenserhaltungssystemen gehörte das Wasser-System. Im Shuttle waren 4 Wassertanks installiert, die je etwa 75 Liter Wasser fassten. Weiteres Wasser wurde von den Brennstoffzellen hergestellt. Es entsteht als Abfallprodukt bei der Stromerzeugung. So konnten bis zu 10 Liter Wasser pro Stunde zusätzlich gewonnen werden. Abfallwasser wurde in einem entsprechenden Tank gesammelt und in regelmäßigen Abständen in den Weltraum abgegeben.
     

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  16. #15 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Die Hauptkomponente des STS-Systems stellte der Orbiter dar. In ihm befanden sich die Mannschaftsräume und das Cockpit (Flightdeck) sowie die Nutzlast der jeweiligen Mission. Seine äußere Formgebung war durch seine aerodynamischen Bauteile Deltaflügel und Seitenleitwerk geprägt, die ihm zum Abschluss einer Mission eine klassische Landung im Gleitflug ermöglichten. Insgesamt wurden fünf raumflugfähige Orbiter gebaut, davon wurden zwei (Challenger und Columbia) durch Unfälle zerstört. Der Orbiter war eines der komplexesten technischen Geräte, die je von Menschen gebaut wurden. In der Startphase befand er sich in senkrechter Position auf dem Außentank montiert, um in die Umlaufbahn transportiert zu werden. Nachdem er zum Abschluss einer Mission den Orbit verlassen hat, verläuft der Beginn der Landung zuerst rein ballistisch, bevor sie mit einer aerodynamischen Phase abgeschlossen wird.
     

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  17. #16 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Angetrieben wurde das Orbiter Vehicle während der Startphase von den drei Space Shuttle Main Engine (SSME), die flüssigen Sauerstoff als Oxidationsmittel und Flüssigwasserstoff als Treibstoff verwendeten. Das SSME wurde von Pratt & Whitney Rocketdyne gebaut und besaß eine Masse von 3,2 Tonnen. Die Schubdüse hatte eine Länge von 2,87 Metern und einen maximalen Durchmesser von 2,39 Metern.

    Trotz seiner Wiederverwendbarkeit und hohen Effizienz, aber durch Komplexität war das Triebwerk sehr teuer. Die NASA gab den SSME-Preis mit rund 50 Millionen US-Dollar pro Stück an, was in etwa den Anschaffungskosten für eine komplette Delta-II-Trägerrakete entspricht.
     

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  18. #17 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Jeder Orbiter war mit drei Haupttriebwerken ausgerüstet, deren Brenndauer beim Start etwa achteinhalb Minuten beträgt. Für die weitere Mission wurden die SSMEs nicht mehr benötigt. Zum Manövrieren in der Umlaufbahn verwendete das OV das Reaction Control System sowie das Orbital Maneuvering System.

    Die SSMEs gehörten zu den leistungsfähigsten Triebwerken in der Geschichte der Raumfahrt. Jedes Triebwerk produzierte über 2000 kN Schub. In der Brennkammer betrug die Temperatur 3300 °C. Durch Turbopumpen wurde der Treibstoff mit etwa 450 Bar und der Oxidator mit rund 300 Bar zur Brennkammer gefördert. Die Hochdruckpumpen arbeiteten mit Drehzahlen von 35.360/min und 28.120/min. Die Bauteile der SSMEs mussten daher höchsten Anforderungen genügen.

    Der Erstlauf eines SSMEs fand im Oktober 1975 statt. Während der Erprobung kam es zu zahlreichen Problemen. Bei einem Test explodierte ein Triebwerk und zerstörte den Teststand.

    Im Gegensatz zu den Feststoffraketen konnte bei den Flüssigkeitstriebwerken jedoch der Schub geregelt werden oder sie konnten im Flug im Falle einer Funktionsstörung abgestellt werden. Bei mehreren Missionen wurden die Haupttriebwerke kurz vor dem Zünden der Feststoffraketen wieder abgeschaltet und somit der Start abgebrochen. In der Aufstiegsphase der Challenger während der Mission STS-51-F schaltete sich das mittlere Haupttriebwerk aufgrund einer Störung nach fünf Minuten Flugzeit automatisch ab. Trotz des geringeren Schubes konnte ein sogenannter Abort to Orbit durchgeführt und die meisten Missionsziele erreicht werden, wenn auch in einer niedrigeren Umlaufbahn als ursprünglich geplant.
     

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  19. #18 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Neben den Haupttriebwerken verfügte der Orbiter über 46 mittlere und kleinere Triebwerke, die während des Aufenthalts im Orbit und während der ersten Phase des Wiedereintritts eingesetzt wurden. Die zwei größten davon gehören zum Orbital Maneuvering System (OMS). Sie liefern einen Schub von je 27 kN und waren wie die SSMEs im Heck des Shuttle untergebracht. Mit ihnen wurden Bahnänderungen wie etwa das Einschießen in den definitiven Orbit oder die Bremszündung für den Wiedereintritt durchgeführt. Betrieben wurden sie mit hypergolen Treibstoffen, also mit zwei Komponenten, die bei Berührung zünden.

    Die 44 kleineren Triebwerke gehörten zum sogenannten Reaction Control System (RCS). Mit ihrer Hilfe wurde die Lage des OV im Raum gesteuert. Das war vor allem beim Andocken an eine Raumstation oder beim Einfangen eines Satelliten wichtig. Die RCS-Triebwerke wurden auch benötigt, um das OV vor der Bremszündung mit dem Heck in Flugrichtung zu drehen. Die Düsen waren dabei an der Nase sowie am Heck angebracht und jeweils redundant ausgelegt. So konnte die Manöverierfähigkeit des Shuttle weitgehend sichergestellt werden. Wie die OMS-Triebwerke wurden die RCS-Düsen mit hypergolem Treibstoff betrieben.
     

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    Hallo

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  21. #19 Kolbenrückholer, 10.02.2013
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    Die Discovery ist unter Anderen nach einem der Schiffe benannt, mit denen James Cook den Pazifik befuhr und 1778 Hawaii entdeckte.

    Mit 39 Flügen absolvierte die Discovery mehr Flüge als alle übrigen Orbiter. Außerdem wurde sie jeweils für den ersten Flug nach den Unglücken der Challenger und der Columbia ausgewählt.

    1990 transportierte die Discovery das Hubble-Weltraumteleskop ins All, in der Geschichte der Astronomie ein grosser Meilenstein. Auch die zweite und dritte Wartungsmission erfolgte durch die Discovery.
     

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  22. #20 Kolbenrückholer, 10.02.2013
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2013
    Kolbenrückholer

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    Nach ihrer letzten STS hatte die Discovery 39 Missionen absolviert, mehr als jedes andere Raumfahrzeug, insgesamt 238 Millionen km zurückgelegt und 5830 mal dabei die Erde umrundet. OV-103 Discovery verbrachte dabei in 27 jahren Dienstzeit insgesamt genau 365 Tage, also 1 jahr im All. 1985 allein flog die Discovery vier STS-Missionen. Der drittletzte Flug des STS-Programmes erfolgte ebenfalls durch die Discovery, es war STS-133 im Februar 2011.

    Das STS Sytsem wurde sowohl zum Transport ziviler als auch militärischer Lasten genutzt. An Bord des OV wurden Experimente in den verschiedensten Bereichen durchgeführt, darunter im ESA SpaceLab. Nicht zu vergessen sind die Flüge zur MIR und die Aufbau und Versorgungsflüge zur ISS. Das Startgewicht des STS betrug insgesamt ca 2046 Tonnen. Dabei konnten ca 24 Tonnen Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit und ca 14 Tonnen zur ISS transportiert werden. Die Ladebucht hatte Maße von 18,3m x 4,5m. Die Höhe des Orbit betrug zwischen 185–643 km und die Besatzung bestand aus bis zu 8 Personen. Um die ISS anfliegen zu können, ist eine Geschwindigkeit von ca 29.000 km/h nötig.

    Seit dem 19. April 2012 steht die Discovery als Museumsstück im James S. McDonnell Space Hangar im Steven F. Udvar-Hazy Center des Smithsonian-Institut in der Nähe vom Washington Dulles International Airport. Dort hat sie den Prototypen der Space Shuttles, die Enterprise, ersetzt.

    So und das ist das letzte Bild für diesen Rollout. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig entertainen. Wie immer bei mir alles traditionell gepinselt. Gebaut wie gesagt OOB.

    Ich persönlich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Na dann mal... Feuer frei!


    bis denne :)
     

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Thema: North American Rockwell Orbiter Vehicle OV-103 "Discovery", Revell, 1:72
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