Radiosonden: Gefahr für die Luftfahrt?

Diskutiere Radiosonden: Gefahr für die Luftfahrt? im Navigation, Flugfunk u. Verfahren Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Hallo! Jeden Tag werden in Deutschland mehrfach Radiosonden in den Himmel entlassen. Z.B. von Meppen, Bergen, Norderney usw. Über Deutschland...

Redrum

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Hallo!

Jeden Tag werden in Deutschland mehrfach Radiosonden in den Himmel entlassen. Z.B. von Meppen, Bergen, Norderney usw. Über Deutschland befinden sich bis zu 3x täglich 8-10 Radiosonden gleichzeitig in der Luft und steigen bis auf bis zu 35.000m Höhe auf, wo der Ballon platzt und die Sonde mitsamt dem Ballonrest an einem kleinen Plastikfallschirm zu Boden geht. Das mit 2-10 m/Sek. oder schneller, wenn der Schirm sich verheddert. Die Sonden senden bei 400 MHz ihre eigene Position und einige Telemetriedaten, wie Wetterdaten, Temperatur Luftdruck, Ozongehalt etc. Die eigentliche Sonde ist ein Styroporkorpus, der die Elektronik enthält. Das Ding ist etwa so groß wie 0,5L-Flasche aus PET.

Mich würde interessieren, ob diese Positionsdaten auch bei ATC eingeblendet werden, um ggf. darum herum navigieren zu können. Oder ignoriert man die Sonden einfach, weil ein evtl. Aufprall zu verkraften wäre? Immerhin schickt man ja zum Test auch gefrorenes Geflügel durch die Triebwerke. Ein Aufprall solch einer Sonde bei 1.000km/h erscheint mir trotzdem zumindest unschön.

Danke für Infos,
Gruss
Redrum
 

Rhönlerche

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Die Sonden fliegen weltweit. Die sind leicht und nur so ne Pappschachtel. Wie eine kleine Milchtüte. Die Gefahr einer Kollision kann man praktisch offenbar vernachlässigen. Gute Wetterberichte bringen der Luftfahrt mehr, als dass diese Sonden schaden.
 

Redrum

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Mein Thermomix hat 80 Gramm ermittelt. In der Sonde sind 2 AA-Batterien. Der Korpus ist aus Styropor.
 
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Rhönlerche

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Es gibt die auch aus Plastik. Wie so ein Rauchmelder etwa. Wieviele Wetterstationen mit täglichem Ballonstart gibt es weltweit? Ein paar hundert oder vielleicht tausend? Das wird für die Flugsicherheit keine große Rolle spielen. Die steigen ja auch sehr hoch, wo noch weniger los ist.
 

Redrum

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Die gibt es auch so groß wie ein Schuhkarton und kommen jeden Donnerstag aus Holland. Das sind dann Ozonsonden. Die enthalten einen fetten Akku, zusätzlich noch die oben abgebildete Sonde als Telemetriesender und eine relativ große Pumpe, die Luft ansaugt, analysiert und wieder auspustet. Das Ding will man garantiert nicht auf Reiseflughöhe vor der Scheibe haben.

Die Eingangsfrage bleibt: versucht man aktiv, diese Dinger nicht zu treffen, oder nimmt man es hin, dass es statistisch eher unwahrscheinlich ist, eine Sonde zu treffen?
 

Rhönlerche

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Besser als ein leerer Zusatztank, sag ich mal. :biggrin:
 

Redrum

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Ich meine - zur Dohnenproblematik schielend - dass hier Fremdkörper in Reiseflughöhe rumeiern, allerdings leicht zu lokalisieren sind, da sie ihre Position aussenden. Man könnte spielend einen sicheren Aufprall verhindern, wenn man die Positionsdaten mit den Radardaten kombinierte.
 

Rhönlerche

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Haben die wirklich einen Transponder plus Energieversorgung dafür dabei? Wenn man so ein Ding steigen lässt, kann man doch nach Windrichtung direkt sagen, wo es die hinweht?
 

Redrum

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Die Sonden messen erst die Windrichtungen in verschiedenen Höhen. Das gehört u.a. zu ihren Aufgaben. Es kann sein, dass Du in den Himmel guckst und feststellt, dass der Wind aus Osten kommt. Die Sonde aber eiert teilweise völlig irre umher und fliegt teilweise in entgegengesetzte Richtung...je nach Höhe.
Und ja: die senden ganz sicher Daten und brauchen dafür auch eine Batterie. Es gibt schon einen Grund, warum die Radiosonde heisst. ---> KLICK
 

Rhönlerche

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GPS ist ja heute serienmäßig auf allen Mobilfunkchips. Ob das aber die Flugsicherung in angewandter Form wirklich interessiert? Wissenschaftler sicher.
 

Redrum

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GPS ist ja heute serienmäßig auf allen Mobilfunkchips. Ob das aber die Flugsicherung in angewandter Form wirklich interessiert? Wissenschaftler sicher.
Darum ja auch meine Frage! Mich würde es interessieren, wenn ich im Cockpit säße und gleich mit 1.000km/h ein Doppelpack AA-Batterien in die Frontscheibe schlägt.

GPS ist ja heute serienmäßig auf allen Mobilfunkchips. Ob das aber die Flugsicherung in angewandter Form wirklich interessiert? Wissenschaftler sicher.
wenn Du mit Mobilfunkchip eine SIM-Karte meinst: darauf ist kein GPS-Chip!
 
Del Sönkos

Del Sönkos

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Mich würde interessieren, ob diese Positionsdaten auch bei ATC eingeblendet werden, um ggf. darum herum navigieren zu können. Oder ignoriert man die Sonden einfach, weil ein evtl. Aufprall zu verkraften wäre? Immerhin schickt man ja zum Test auch gefrorenes Geflügel durch die Triebwerke. Ein Aufprall solch einer Sonde bei 1.000km/h erscheint mir trotzdem zumindest unschön.

Danke für Infos,
Gruss
Redrum
Ich wurde von ATC noch nie vor diesen Radiosonden gewarnt bzw. habe noch nie davon was in den NOTAM gelesen - auf Ballonaufstiege wird z.B. aufmerksam gemacht. Solche kleinen Akkus hätten auch eine viel zu geringe Leistung, um rechtzeitig z.B. das TCAS warnen zu können.

Übrigens: Es ist eine Urban-Legend, dass gefrorene Vögel verschossen werden. Man möchte ja realistische Testergebnisse haben und mit Eisblöcken auf Radome, Triebwerke oder Windshields zu schießen kommt der Realitätnicht allzu Nahe.
 

Redrum

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Solche kleinen Akkus hätten auch eine viel zu geringe Leistung, um rechtzeitig z.B. das TCAS warnen zu können.
Die Leistung reicht aus, um die Sonden noch in 300km Entfernung empfangen zu können. Die Sonden werden ja von den Firmen bzw. der BW im Flug ausgelesen, daher dachte ich, die Daten würden ATC zur Verfügung gestellt, um diese z.B. per Overlay über den Radarschirm zu legen. Die Sonden werden selbst keine ausreichende Radarsignatur hinterlassen, daher ist ein Transponder unsinnig. Und natürlich zu teuer. Ein Sondenstart kostet 300-400€.
Aber offenbar ist es wirklich egal, ob so ein Teil mal mit einem Airliner kollidiert, wenn es keinen bei ATC juckt. Immerhin sind die Teile sicher vermehrt und höher in der Luft anzutreffen als diese Rundflugballone. Oder man hofft auf die Statistik...das Nichteintreffen eines Kollisionsereignisses.
 
Del Sönkos

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Das eine ist das Auslesen und das andere ist das genaue Orten für FLARM oder TCAS. Ich finde die Frage aber durchaus berechtigt und wundere mich schon ein wenig über die Anzahl - auf der anderen Seite sind Kollisionen mit Vögeln ja auch relevantiv gering und deren Anzahl ist ein vielfaches höher.
 
pok

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... Oder man hofft auf die Statistik...das Nichteintreffen eines Kollisionsereignisses.
Was ja anscheinend nicht ganz falsch zu sein scheint, denn obwohl diese Sonden seit ueber 75 Jahren unterwegs sind hat es anscheiend noch keine Kollision gegeben bisher.
 
chopper

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Richtig! Zumindest bis in die 80ger Jahre hatten die Sonden noch Radarreflektoren. GPS gab es noch nicht und Windrichtung und - stärke wurden durch Radarverfolgung ermittelt. Die Reflektoren bestanden aus Kunststoff mit Alufolie.
 

Redrum

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Gerade weil sie keine Radarsignatur hinterlassen, wäre ein XPDR sinnvoll!
aber sie senden ihre eigene GPS-Position aus. Das sollte von der Präzision ausreichen. Ich versuche mal, einen schlauen Programmierer zu finden, der die Daten "Zeit und Position/Höhe" der Sonden sowie der ADS-B-Daten der Flugzeuge abgleicht. Die stehen ja beide zur Verfügung. Mich würde mal interessieren, wie viele NearMisses oder Annäherungen da so über das Jahr zustande kommen.
 
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Passt ganz gut zum Thema: Balloon trifft in gut 10300 Meter auf vorbeifliegenden Swiss Airbus, steigt weiter bis das Teil in 30000 Metern platzt. Flugdaten im 15 Min. Film eingeblendet.
Zu finden bei Yout unter: Spaceballoon.fr
 
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Radiosonden: Gefahr für die Luftfahrt?

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