Streßbelastung bei Strahlflugzeugführern

Diskutiere Streßbelastung bei Strahlflugzeugführern im Luftfahrtgrundlagen Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Ich habe eben mal bei You Tube reingeschaut und da sind auch Clips zu sehen, die Kampfpiloten unter hohen "G" Belastungen zeigen. Wenn man...

Moderatoren: Learjet
  1. #1 pilotf4f, 07.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest

    Ich habe eben mal bei You Tube reingeschaut und da sind auch Clips zu sehen, die Kampfpiloten unter hohen "G" Belastungen zeigen.
    Wenn man bedenkt jeden Tag diese Belastung ...
    Ein Anwärter hat mal berichtet, wie früh junge Piloten die Jets fliegen, grau werden, habe mir das von einem G-91 Piloten auch mal bestätigen lassen.
    Ich habe mal gelesen, daß ein Pilot bei einem Flug bis zu 2 Kilo abnimmt. Stimmt das?
    In einem Buch über Kampfflugzeuge hat sich ein F16 Pilot in seine Anti G Kluft geschmissen. Der gute Mann sah sehr ausgezehrt aus...

    Würde gern mehr darüber erfahren.
    Es heißt ja nicht umsonst: Mit 40 ist man für die Aufgabe zu alt...
     
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  3. #2 C.A.P.U.M., 07.04.2008
    C.A.P.U.M.

    C.A.P.U.M. Kunstflieger

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    Hallo,

    vielleicht findest Du ja hier http://www.luftwaffe.de/ im downloadbarem "Kompendium der Flugmedizin" ein paar Antworten auf Deine Fragen.

    Viel Spass beim Lesen wünscht :TOP:
    CAPUM
     
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  4. #3 Schorsch, 08.04.2008
    Schorsch

    Schorsch Alien

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    Ein Kampfflugzeug fliegt gerne hoch über den Wolken und hat recht große Fensterflächen. Da wird es gewiss recht warm unter der Haube. In einem Zeitraum von 1,5 bis 2 Stunden zwei Liter Flüssigkeit zu verlieren ist kein Abnormität, das gelingt selbst FF-Teilnehmer Schorsch mit gewisser Regelmäßigkeit.
    Ein Luftkampf dauert bestenfalls 5 Minuten (schlimmstenfalls endet er mit dem Abschuss innerhalb von Sekunden), in solch einer kurzen Zeit kann der menschliche Körper keine 2 Liter "raushauen".

    P.S.: Der Energieumsatz eines Piloten beträgt bestenfalls 4000kJ in zwei Stunden, also vergleichbar mit einer herkömmlichen (nicht kampfwertgesteigerten) Dr. Oetker Tiefkühlpizza.
     
  5. #4 RareBear85, 08.04.2008
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    Hallo

    Ein Bekannter von mir fährt sehr erfolgreich Motocross-Rennen in der Amateurliga. Da gibt es 40-Minuten-Rennen, wer am Ende die meisten Runden geschafft hat, gewinnt. Je nach Witterung und Strecke verliert er dabei bis zu vier Kilo pro Rennen. Ich bin beim Training auch mal mitgefahren und war nicht mal der Langsamste, allerdings hab ich mich nach ca 15min vor Erschöpfung aufs Maul gepackt. Der Kraftaufwand ist enorm und man braucht eine stählerne Ausdauer. Nach meinem Sturz pfiff ich auf dem letzten Loch. Ist aber zum Glück alles heil geblieben.

    Hat zwar jetzt nichts mit Fliegerei zu tun, aber der Gewichtsverlust unter Extrembedingungen steht ja hier im Vordergrund.

    Gruß,
    Kevin
     
  6. #5 pilotf4f, 08.04.2008
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 08.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest


    Boah, vielen Dank, da steht wirklich alles wissenswerte drin.:HOT:
    Habe selten ein so umfangreiches und gut verständliches Werk entdeckt.

    Eine Frage stand da mit der Maskenatmungdrin: Ist die Zuführung von 0 eigentlich ständig unter Druck, oder atmet der Pilot ganz normal ein und aus? Ich habe mal von einem Piloten gehört, daß bei dem Abarbeiten der Checkliste die Maskenatmung auch unter Druck geschieht, also der Pilot sich quasi auf das Ausatmen konzentriert, während er Pressbeatmet wird, da dies eh sonst nicht möglich wäre. Diese Prozedur soll, so habe ich gehört auch in extremen Flugmanövern stattfinden, wenn der Pilot schlicht und ergreifend nicht in der Lage ist (durch hohe "g" Belastung)von selbst einzuatmen.

    Hatte schon gehört, Starfighterpiloten hattenn quasi hyperventilert, da zuviel Sauerstoff dabei ins Blut gelangte und sie ohnmächtig wurden.

    Freue mich auf Antworten
     
  7. #6 pilotf4f, 08.04.2008
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 08.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest


    Das mit dem Motocrossrennen kenne ich, gut, daß Dir nichts passiert ist. Hab mal jemanden gekannt (fuhr Rennen auf Husquarna) der hatte sich beim Sturz ein Loch in die Kniescheibe gebohrt.
    Ich hab das mal mit der Yamaha Tenere ein Stückweit im Schlamm oder Sand ausprobiert und kann nur sagen: Knochenarbeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wenn die Männer/Frauen Paris Dakar auf dem Motorrad Stundenlang im tiefen Wüstensand unter hohem Tempo die Balance haltend bestreiten...da ist man -untrainiert -nach kurzer Zeit verddich..
    Hat auch nichts mit Fliegerei zu tun, doch die Streßbelastung ist hoch.

    Man kann dem vorbeugen durch einfache Mittel: Langstreckenläufe und Muskelaufbau der beanspruchten Regionen. Soll nicht heißen wie Arnold Schwarzenegger zu trainieren (mehr Muskel heißt auch Gewichtszunahme)
    sondern wohl dosiert. Bringt eine ganze Menge. Langstreckenläufer sind auch keine Muskelberge sondern eher hagere Leute.

    Es gibt z.B. einen guten Leitsatz: Ein gut trainierter Rücken kennt keine Schmerzen....
     
  8. #7 donnert, 08.04.2008
    Zuletzt bearbeitet: 08.04.2008
    donnert

    donnert Flieger-Ass

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    Meines Wissens nach, kann man am Blinker u. A. zwischen Sauerstoff und Druck-Sauerstoff wählen...

    Das mit dem Stress ist 'ne interessante Sache. Ein Bekannter war in den 60-70er Jahren Zeitsoldat beim FMI in Fürstenfeldbruck und unter anderem mit der Einrüstung von Messgeräten in verschiedenen LF betraut, mit denen solche Stresssymptome untersucht wurden.

    Ich kann mich noch an ein zwei seiner Erzählungen erinnern.

    Die eine ging über einen G-91 Piloten, der von den Vitalfunktionen gesehen beim Flug (X-country, große Höhe) im medizinischen Sinn eigentlich geschlafen hat :FFTeufel:

    Die Andere ging über eine Transall-Besatzung, die bei einer Verlegung nach Übersee in schlechtem Wetter eine Zwischenlandung in Gander gemacht hat. Die wurden wohl in absolut übler Suppe bis zum Boden runtergesprochen und nach dem Durchstoßen der Wolken hat man festgestellt, das man noch ca. 100ft hoch ist, aber ca. 300ft neben der Bahn! Da gingen wohl die Meßwerte von Atmung und Puls bis zum Anschlag... :cool:
     
  9. #8 pilotf4f, 08.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest


    Bahh..schauder allein die Vorstellung...da krieg ich ne Gänsehaut. :FFEEK:
     
  10. #9 pilotf4f, 08.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest


    Also das Buch ist wirklich klasse. Da bekommt man direkt Lust so nebenbei Medizin zu studieren.....
    nochmals vielen Dank für den Tipp!!!:TOP:
     
  11. #10 RareBear85, 08.04.2008
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    Ich hatte in der Tat ziemliches Glück bei dem Zwischenfall. Ich fuhr über einen Sprunghügel und gab beim Absprung zu wenig Gas, was zur Folge hatte, dass das Hinterrad während des Sprungs zu hoch kam. Ich landete auf dem Vorderrad und konnte mich grad so auf der Maschine halten. Immer noch mit dem Hinterrad in der Luft, rollte/eierte ich noch ein paar Meter weiter bis die Maschine schließlich vornüber kippte. Während ich mich filmreif überschlug, bekam ich das Ende des Lenkers mit voller Wucht auf meinen Solaplexus gerammt. Obenrum bekleidet war ich mit einem Motocross-Brustpanzer und darüber eins der typischen Crossershirts. Gottseidank hatte ich den Brustpanzer, das Shirt hing nur noch in Fetzen an mir runter. Das hätte echt böse enden können. Trotz des Panzers hatte ich kurzzeitig enorme Atembeschwerden. Seitdem hab ich dann auch noch mindestens einmal im Jahr ne Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk.
    Im Fernsehen hab ich mal einen Crosser gesehen, der ist mit den Armen voraus gestürzt, dabei kam es bei beiden Handgeleken zu einer Auskugelung und die Knochenenden des Unterarms traten aus(wie bei einem offenen Bruch) und bohrten sich in die Erde. Beide Hände konnten gerettet werden aber durch die starke Verschmutzung der Wunden mit Erde kam es zu massiven Entzündungen. Der Typ ist durch die Hölle gegangen. Das ist echt ne krasse Story und so ziemlich mit das schlimmste was einem dabei passieren kann. Mir liefs kalt den Rücken runter als der Bericht im TV lief.

    Moral von der Geschicht: Eine Sekunde unkonzentriert und du ziehst die Arschkarte...

    Ich will jetzt auch nicht zu "off-topic" werden mit diesen Moppedstorys. Wenigstens war ich, als das Unheil seinem Lauf nahm, mit dem Fahrzeug in der Luft, man könnte also quasi(wenn der Mond im Zenit steht) von einem Luftfahrzeug sprechen...:FFTeufel:


    Gruß,
    Kevin:TOP:
     
  12. #11 pilotf4f, 08.04.2008
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 08.04.2008
    pilotf4f

    pilotf4f Guest



    Uff, keiin Probelm, bast scho. Ist allerdings schon eine Horrorgeschichte.
    Gut, daß die Hände gerettet wurden....
    Deinen Sturz habe ich in ähnlicher Form mal bei uns in Hoope (CrossÜbungsgelände) gesehen, der kam über den Hügel und ist senkrecht aus der Luft auf dem Vorderrad gelandet. Daraufhin mußte er sich erstmal erholen. Der Sturz blieb gottseidank aus.

    Gerade beim Motorradfahren muß man sich sehr konzentrieren, in jeder Sekunde. Wechselnde Fahrbahnbeschaffenheit, einsetzender Regen, unumsichtige Autofahrer und schon liegste da. Alles schon erlebt.
    Das Thema Konzentration spielt sicher in der Militärfliegerei eine entscheidende Rolle, um wieder zum Thema zurückzukommen.
    Auch das ist ein Grund des frühen Ausscheidens. Viele Dinge auf einmal erledigen, ansonsten hat man, wie Du schon sagst, die Arschkarte...
     
  13. #12 Capovau, 09.04.2008
    Capovau

    Capovau Guest

    Hoope :-) ...sind wir oft Rennen gefahren. Elender, siffiger, schmirgelnder Sand. Jedes Rennen ein Satz Bremsbeläge. Ansonsten schöne Gegend.

    Gruß
    Thomas
     
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  15. Ecki

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    Der Mensch ist einfach nicht für G-Belastungen gemacht!

    Vielleicht haben einige von euch schon einmal Kunstflug in einer Propellermaschine erlebt.
    Dort wird ja gut und gerne im Hochleistungsbereich von 10g gesprochen..

    Nur die Frage ist, wie lange diese Belastung anliegt.
    Im Motorkunstflug werden zwar hohe g´s gezogen, aber immer für kurze Zeiträume - ähnlich wie Geschichte mit dem vom Tisch springen.
    Der Mensch erreicht kurzzeitig dabei auch knapp 40g!! Aber eben nich lange.

    So, nun zurück zur Jet-Kutscherei.
    Als ich damals in Königsbrück in der Zentrifuge fahren durfte, haben nebenbei ein paar alte HAsen das NATO Profil für Fluglehrer absolviert
    (9g über knapp 30 sek.)
    Danach konntest Du die Leute in die Ecke stellen und nen halben Tag vergessen.
    Vielleicht etwas drastisch gesprochen, aber es stimmt schon.

    Ich hab gehört, dass es in Russland sogar Versuche mit Wassertanks gab, um die Belastung zu mindern.

    Bsp. Libelle(is ja auch irgendwie Wasser drin :p )

    Sicherlich ist mit Anfang 40 nicht das ganze Leben vorbei und man muss aufhören.
    Aber es zehrt.. Da sieht man mit 50 gerne mal aus wie Mitte 60.. :FFEEK:
     
  16. Ecki

    Ecki Fluglehrer

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    Ach ja, zur Sauerstoffversorgung..

    Bei welchem System kann man das umstellen, auch bei nem deutschen???
    :confused:

    Das ist am Anfang ziemlich ungewohnt und man schluckt erstmal die Hälfte in den Magen :p
    Aber das verlässt ziemlich schnell wieder diese Gegend, wenn man in größeren Höhen mit weniger Druck zu tun hat ;)
     
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