Transall C-160A Werknummer A-03

Diskutiere Transall C-160A Werknummer A-03 im Props Forum im Bereich Luftfahrzeuge; NICHT ALLES, WAS WAHR IST, STEHT IN BÜCHERN. Heute möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, die so, wie sie passiert ist, in keinem Buch...
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NICHT ALLES, WAS WAHR IST, STEHT IN BÜCHERN.



Heute möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, die so, wie sie passiert ist, in keinem Buch steht.

Nach den drei Prototypen V1 – V3 sind sechs Vorserienmaschinen der Transall gebaut worden, A-01 bis A-06, Typenbezeichnung C-160A.

Drei sind von der Armée de l’Air übernommen worden, drei Maschinen von der Luftwaffe.

Die C-160A MSN A-03 hatte am 27.08.1965 ihren Erstflug. Mit dem Kennzeichen YA+052 wurde sie von der ErpSt-61 in Manching der Truppenerprobung unterzogen. Mit ihr wurde in Mont-de-Marsan und Istres vornehmlich die Tiefflugerprobung durchgeführt.

Im Jahr 1968 kam sie als erste Transall zum LTG 63 nach Hohn, bekam dort das Kennzeichen 50+04.

Erste Ausbildungsflüge wurden unternommen, ein erster Einsatz führte sie nach Teheran.

Im Frühjahr 1969 wurde die A-03 auf Geheiß der Bundesregierung für 4 Monate oder 1200 Flugstunden an das Internationale Rote Kreuz verchartert, um Versorgungsflüge im damaligen Biafra zu fliegen.

Die Flüge sollten von der Schweizer BALAIR durchgeführt werden.

Zu dem Zeitpunkt dieser Entscheidung befand sich die Maschine zur 600 Stunden-Kontrolle bei NordAviation in Villaroche/Frankreich.

Dort wurde sie für die Einsätze vorbereitet, u.a. lackiert und mit dem Kennzeichen D-ABYG versehen.

Nach dem Überführungsflug wurde sie am 17.10.1968 der BALAIR übergeben, vorher noch auf das Kennzeichen HB-ILN umregistriert.

Stationiert wurde sie in Douala/Kamerun und flog in den folgenden 4 Monaten rund 200 Versorgungsflüge und war dafür 650 Stunden in der Luft.

Sie wurde bei diesen Einsätzen mehrfach mit Granatwerfern und Raketen beschossen, kehrte aber immer wieder, wenn auch beschädigt zu ihrem Einsatzflughafen zurück. Bei einem Einsatz gab es sogar einen Tragflächendurchschuß.

Nach Biafra eingeflogen hat sie in dieser Zeit 2270 Tonnen Stockfisch, Milchpulver, Salz und Medikamente. Von den fast 200 Einsätzen mußten 25 aus militärischen Gründen abgebrochen werden.

Nach den 4 Monaten kehrte die A-03 leicht lädiert zur 1200 Stunden-Kontrolle nach Lemwerder zurück.

Hier wird die Literatur dann etwas lückenhaft oder undeutlich, es ist nicht ganz klar, ob die Biafra-Einsätze verlängert wurden oder nicht, kann sein, daß die Einsätze fast zwei Jahre gedauert haben.

Zum Schluß der Einsätze, nach erneuter Rückkehr nach Lemwerder sollte die A-03 verschrottet werden. Als Verschrottungsdatum steht der 14.04.1972 in den Büchern.

Das ist der „offizielle“ Teil, den man so in den Büchern findet, quergelesen und zusammengebaut.

Das könnte das Ende einer der ersten Transalls gewesen sein. War es aber nicht.



Die wirkliche Verschrottung fand in Lemwerder nicht statt.

Die Tragflächen, das Leitwerk und auch Teile des Fahrwerks wurden entfernt, auch wurden „wichtige Innereien“ ausgebaut.

Dann, man mag es kaum glauben, wurde 1971 der Rumpf der A-03 per Schiff nach Rendsburg verfrachtet, anschließend (wer sich auskennt) über die Bundesstrasse B77 und die „Panzerstraße“ zum Fliegerhorst Hohn „gerollt“.

Dort wollte sie zunächst keiner haben. Der Fliegerhorst-Feuerwehr wurde sie zu Evakuierungsübungen angeboten, den Fliegerischen Besatzungen ebenfalls. Auch als Coffee-Shop für die Technische Gruppe war sie im Gespräch. Keiner wollte oder konnte sich mit ihr anfreunden, sie wurde von einem zum anderen Abstellplatz gerollt.

Im Jahr 1974 entschied dann der Kommandeur der Technischen Gruppe, den Flugzeugrumpf als Gefechtsstand für den Stab der Technischen Gruppe zu verwenden.

Die A-03 oder besser gesagt, die Reste davon, wurde konserviert und etwa 3 Meter tief ins Erdreich eingegraben, nach oben wurde sie dick mit Erdreich zugedeckt.

Erstmalig wurde sie 1975 zum TAC EVAL als Gefechtsstand eingesetzt.

Nach 10 Jahren, im Sommer 1985 hatte der Zahn der Zeit derart an dem Rumpf genagt, daß man sich entschloß, die A-03 für immer außer Dienst zu stellen.

Dazu rückten Pioniere an, die den Rumpf aus 2000 m3 Schutt und Erde bargen. Vier Tage und eine Nacht dauerte das gesamte Unternehmen, allein für das Freilegen des Rumpfes wurden zwei Tage benötigt.

Ihre letzte Aufgabe erfüllte sie dann doch noch bei der Fliegerhorst-Feuerwehr, am 16.10.1985 wurden die traurigen Reste der Transall C-160A Werknummer A-03 zu Übungszwecken in Brand gesteckt.



Wer nachlesen mag oder sich weitere Bilder ansehen möchte dem seien die Ausgaben 08/85, 10/85 und 02/86 der „Brummel“, der Geschwaderzeitung des LTG63 ans Herz gelegt.

Leider sind diese nicht mehr online verfügbar, die Webseite der Brummel ist nach Auflösung des LTG63 offline gegangen.

Die beiden Fotos sind nunmehr seit über 40 Jahren in meinem Besitz, vermutlich sind sie von der Bildstelle des LTG63.


 
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Wenn du die URL der "Brummel" noch hast, versuch doch mal, ob über die Waybackmachine noch ein Zugriff möglich ist:

 
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You made my day. Danke fürs Zeigen. :thumbup:
 
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Auf die Seite mit den Ausgaben kommt man über die Waybackmachine noch, beim Versuch, die dahinterliegenden PDF zu laden erhält man aber eine Fehlermeldung. Schade!
 
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Ja, hab ich auch gesehen.
 
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Super, jetzt fehlt nur noch ein Foto der 50+04. Habe ich schon gesucht, nur nichts gefunden.
 
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