Türkei - Syrien - Irak: Kampf gegen Kurden

Diskutiere Türkei - Syrien - Irak: Kampf gegen Kurden im Aktuelle Konflikte Forum im Bereich Aktuell; der Kommentar im SPIEGEL erläutert etwas mehr die geopolitischen Hintergründe Trumps Syrien-Debakel: Der Chaoskrieger - SPIEGEL ONLINE - Politik...

Sczepanski

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der Kommentar im SPIEGEL erläutert etwas mehr die geopolitischen Hintergründe
Trumps Syrien-Debakel: Der Chaoskrieger - SPIEGEL ONLINE - Politik

Die Konsequenz daraus wäre: wenn wir uns nicht von "Chaoskriegern" abhängig machen wollen, dann muss Europa gestärkt werden und eine entsprechende Ausgleichs- /Ersatzfunktion übernehmen. Denn jeder einzelne Nationalstaat in Europa ist nicht stark genug. Nur ein gemeinsames Europa kann "auf Augenhöhe" mit den Großmächten wie China, Russland oder den USA agieren. Die Situation in Syrien mit den zu erwartenden Auswirkungen (Flüchtlingswelle, IS Freigänger …) sollte ein Weckruf sein.
Das meint auch die Süddeutsche: Türkei - Europa muss aus seiner Ohnmacht herausfinden

Inzwischen leisten die Kurden massiven Widerstand, die syrisch-russischen Truppen rücken weiter vor, und die Türkei sieht sich mit Vorwürfen zu Kriegsverbrechen konfrontiert:

...
In Nordsyrien liefern sich türkische Truppen weiter erbitterte Kämpfe mit der Kurdenmiliz YPG. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten einen Gegenangriff begonnen und die wichtige Grenzstadt Ras al-Ain zurückerobert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Syrische Truppen rücken vor
Gewinner der aktuellen Entwicklung scheinen mehr und mehr Russland und Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu sein. Syrische Regierungstruppen zogen in Manbidsch in der Nähe der türkischen Grenze ein. Bilder der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zeigten, wie sie im Stadtzentrum die syrische Flagge hissten. Manbidsch war zuvor von den rund 150 amerikanischen Soldaten in Richtung Irak verlassen worden. Das russische Außenministerium bestätigte den Abzug und erklärte, russische Soldaten patrouiliierten in der Gegend.

Hinweise auf Kriegsverbrechen
Die von Kurden geführte Verwaltung in Nordsyrien erklärte, die humanitäre Lage verschlechtere sich. Es fehle an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Internationale Hilfsorganisationen stellten ihre Arbeit ein und zögen Mitarbeiter ab. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verlangte von der Türkei, Berichte zu untersuchen, denen zufolge Kämpfer der mit ihr verbündeten Miliz Ahrar al-Scharkija sich selbst dabei gefilmt hatten, wie sie drei gefangen genommene Kurden erschossen. Auch eine kurdische Politikerin sei in der Gegend hingerichtet worden.
...
p.s.:
inzwischen greift auch die syrische Luftwaffe in die Kämpfe ein
 
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pok

pok

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Schon sehr bissiger aber lesenswerter Text:
Syrien: Der ultimative Verrat

Wenn man sich das so ansieht: im Dreißigjährigen Krieg war es nicht anders.
Jeder gegen jeden.
Bündnisse nach aktueller Interessenlage.
Gibt es für die Aussage des Zeit Journalisten Wolfgang Bauer:"Das Versprechen an sie: Wir lassen euch nicht im Stich. Das wurde nun auf die brutalstmögliche Art gebrochen." irgendeine belastbare Quellenangabe?

Ich denke dass, das eine temporäre politische Entscheidung von Barack Obama war, die nie vom amerikanischen Senat autorisiert wurde. Das hat für Trump keine Bindungswirkung, zumal es nicht im Interesse der USA auf Seiten der Kurden syrisches Staatsgebiet gegen die Türkei zu verteidigen.
 

Sczepanski

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den gleichen Tenor haben andere Medien, wie die WELT
es sollte im Interesse der USA sein, als zuverlässiger Partner zu gelten
 
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Sens

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In der Realpolitik fragt man immer, welche Interessen haben die Beteiligten? Der Bürgerkrieg in Syrien kommt nur dann zu einem einvernehmlichen Ende, wenn die jeweiligen Interessen gewahrt werden können. Werden sie ignoriert, dann schwellt der Konflikt weiter. Dazu gehört es auch, dass man verbal abrüstet.
Ethnische Säuberung – Wikipedia
 

Sczepanski

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wie würdest Du die brutale Vertreibung von Kurden (inklusive der Vorwürfe von Kriegsverbrechen wie des Bombardements eines zivilen Konvois mit Flüchtlingen oder der Ermordung einer kurdischen Politikerin) einerseits und der bereits in Afrin durchgeführten (siehe hier Seite 3) und weiter angekündigten Ansiedlung von zigtausend arabischen und turkmenischen Kriegsflüchtlingen andererseits bezeichnen?
 
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Sens

Alien
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Manu Gómez (@GDarkconrad) | Twitter (scrollen nicht vergessen)
Hier haben wir das gleiche Problem, wie bei den iranischen Tankern. Die Transponder werden abgeschaltet oder zeigen nicht die reale Position an. Sämtliche Mächte, die in Syrien involviert sind, fliegen ihre Missionen, um den Gang der Ereignisse am Boden zu verifizieren. Sie erscheinen so nicht auf der Operation Shader RAF Sentinel R1 RRR9985 Syria/Iraq mission Syria - Map of Syrian Civil War - Syria news and incidents today - syria.liveuamap.com , wenn sie nicht auch vom Boden aus erkannt werden.
 

Sczepanski

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die Mobilisierung auf syrisch/kurdischer Seite wird massiv ausgeweitet
Arabische Stämme schließen sich Mobilmachung an

50.000 Kämpfer der arabischen Stämme in Nord- und Ostsyrien haben sich der von der Autonomen Selbstverwaltung ausgerufenen Mobilmachung angeschlossen und bekanntgegeben, am Widerstand gegen den Angriffskrieg der Türkei gegen Rojava teilzunehmen. …

Die Stämme hoben hervor, dass sie einer „barbarischen osmanischen Besatzungsmacht“ gegenüberstünden, unter der sie bereits über Jahrhunderte Leid ertragen mussten.
...
da kommt der "neue Sultan Erdogan" (Stichwort: "Neo-Osmanismus") wohl nicht gut an

Allerdings bilden russische Truppen anscheinend einen "Puffer" zwischen Türken und Syrern
 
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Veith

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Sämtliche Mächte, die in Syrien involviert sind, fliegen ihre Missionen, um den Gang der Ereignisse am Boden zu verifizieren.
Ich möchte meine Frage wiederholen, ob etwas über die NATO-AWACS in der Türkei bekannt ist und ob sie allen NATO-Partnern, Türkei inkl., ihre Aufklärungsinfos übermitteln.

Zwischenzeitlich habe ich einen Artikel / Text einer Pressekonferenz aus 2015 gefunden, in der sich der bundesdeutsche Außenminister in der damals analogen Situation wie folgt äußerte:

"Frage: Gibt es Garantien, dass die Daten nur im Rahmen der Bündnisverteidigung genutzt werden? Können Sie das tatsächlich sicherstellen?

Schäfer: Es gilt das Wort jedes Mitgliedstaates. In einer Allianz von 28 Staaten, die über 60 Jahre lang existiert, ist es doch selbstverständlich, dass man sich auf das Wort der Bündnispartner verlässt und sich an das hält, was im Nato-Rat gemeinsam einstimmig explizit beschlossen worden ist."
AWACS über der Türkei: Nur fürs NATO-Luftlagebild, keine Unterstützung für Syrien-Einsatz | Augen geradeaus!
:whistling:
 
Veith

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Wow, ich fragte um 15:23 Uhr und SPON antwortete 15:34 Uhr :love:
Danke.
 

Sczepanski

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Im Schatten des Krieges gegen die Kurden kommt das Themas "IS" wieder auf die Tagesordnung Entflohene IS-Kämpfer: Baghdadis Traum - Syriens Albtraum - SPIEGEL ONLINE - Politik
Dass Manbidsch wieder in syrischer Hand ist, habe ich gestern schon gepostet. Heute kommen Nachrichten von einem überstürzten (fluchtartigen?) Aufbruch der bisher dort stationierten US-Soldaten. Wobei gestern F-15 Fighter und Apache den Rückzug der US-Truppen gegenüber den Türken gedeckt haben.
Die Syrer haben nun sogar den syrisch-türkischen Grenzort Kobani erreicht . Die syrisch (russisch unterstützten) Truppen haben auch ziemliche Kontrolle über wichtige Hauptverbindungsstraßen erreicht, die sich offenbar die Türkei sichern wollte.
Während kurdische Einheiten in heftigen Kämpfen verwickelt sind, sowohl im Frontbereich des kurzzeitig eroberten Gebietes (wo auch Rückeroberungen stattfinden) wie auch am Grenzort von Ras-al-Ain, wo immer noch heftige Kämpfe und Bombardements durch die türkische Luftwaffe erfolgen, rückt Assad mit seinen Verbündeten zügig vor.
Dazu unter dem Titel: Erdogan will "niemals" Waffenruhe in Nordsyrien zustimmen
...
In Nordsyrien dauerten die Gefechte nach übereinstimmenden Berichten weiter an. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die ihren Hauptsitz in London hat, berichtete von heftigen Kämpfen in der Region zwischen Ain Issa und Tal Abjad. Die kurdischen Milizen würden hier von syrischen Regierungstruppen unterstützt.
...
Meine Ansicht.
Erdogan hat sich verrannt, anstelle der US-Einheiten übernehmen Assad und Verbündete (Russland) die Kontrolle zumindest in den größeren Orten und an den Hauptverbindungsstraßen.

Und "im Schatten" des Kurdenkonflikts aktiviert Russland seine Angriffe auf die türkischen Verbündeten (FSA) bei Idlib mit der Luftwaffe
 
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Mike

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Flieger-Ass
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Meine Ansicht.
Erdogan hat sich verrannt, anstelle der US-Einheiten übernehmen Assad und Verbündete (Russland) die Kontrolle zumindest in den größeren Orten und an den Hauptverbindungsstraßen.
Das klingt so, als ob Assad hier fremdes Territorium annektieren würde. Das ist aber ein Teil von Syrien, ob einem nun Assad symphatisch ist oder nicht.
 
Veith

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Gott sei Dank, ist m.E. das Vorgehen unter den Mächten vor Ort (Syrien, Türkei, Rußland, Iran sowie den USA) abgesprochen. Es wird höchstens noch um Details gerangelt. Hatten wir doch Anfang 2018 im Grunde schon einmal („Operation Olivenzweig“).

Daß dabei einige europäische Pläne, insbesondere britische und französische (als alte Kolonialherren Syriens) abrauchen, ist dabei sicher gewollt. Da in der Politik vieles Symbolik ist, könnte das Datum, an dem die USA ankündigten ihre Truppen abzuziehen, ebenfalls kein Zufall sein (7. Oktober) :evil:
 

Sens

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Raqqa: Turkish warplanes target the perimeter of Ein Issa city with several airstrikes Ain Issa, Ar-Raqqah - Map of Syrian Civil War - Syria news and incidents today - syria.liveuamap.com
"Raqqa: Türkische Kampfflugzeuge zielen mit mehreren Luftangriffen auf das Umland von Ein Issa" Die öfter mal unterschiedliche Transkription von Namen im Arabischen ist kaum zu vermeiden.
Das Scrollen nicht vergessen, weil so die Farbmarkierungen für die Bewegungen der jeweiligen Kräfte besser zu erkennen sind.
Auf der folgenden Grafik wird das Vorrücken der türkischen Kräfte bei Tel Abyad auf Ayn Issa veranschaulicht.
http://anna-news.info/wp-content/uploads/2019/10/17/0207/Ain-Issa-16.10-1.jpg
Сводка событий в Сирии и на Ближнем Востоке за 16 октября 2019 года
Zu den Ereignisse in Nordsyrien gehört auch die Region Idlib, die ja in Grün als schon bestehende türkische "Schutzzone" markiert ist.
Situation in Idlib entwickelt sich nicht im Interesse der Türkei
Da wird auf vielen Bühnen agiert und das macht es nicht leichter nur eine Seite zu verurteilen.
Nur zur Erinnerung, in Libyen unterstützen Frankreich + arab, Staaten und Italien +Türkei, die jeweilige Gegenseite.
Formal-politisch müssten wir bei Italien sein und real-politisch sind wir bei Frankreich.
 
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Sczepanski

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Das klingt so, als ob Assad hier fremdes Territorium annektieren würde. Das ist aber ein Teil von Syrien, ob einem nun Assad symphatisch ist oder nicht.
woher nimmst Du die Aussage "das klingt so, als ob" - es ist die Türkei, die annektieren will; nichts anderes sage ich in allen meinen Postings

"Raqqa: Türkische Kampfflugzeuge zielen mit mehreren Luftangriffen auf das Umland von Ein Issa" Die öfter mal unterschiedliche Transkription von Namen im Arabischen ist kaum zu vermeiden.
Auf der folgenden Grafik wird das Vorrücken der türkischen Kräfte bei Tel Abyad auf Ayn Issa veranschaulicht.
http://anna-news.info/wp-content/uploads/2019/10/17/0207/Ain-Issa-16.10-1.jpg
nach dieser aktuelleren Karte scheinen die kurdisch/syrischen Truppen wieder einiges an Gelände entlang der west-östlich verlaufenden Autostraße "M 4" und an der zur Grenze führenden Verbindungsstraße "712" zurück erobert zu haben und in Richtung zum Grenzort Tall Abyad vorzustoßen; ebenso sollen weiter östlich beim heftig umkämpften Serêkaniyê (Ras al-Ain) syrische Grenzorte wieder unter kurdischer Kontrolle und syrische Panzer westlich im Grenzort Kobane eingerückt sein sein, die Grenze bis Jarablus ist unter Kontrolle syrischer Einheiten - massive syrische Truppenbewegungen mit GRAD Mehrfach- Raketenwerfern sind auf dem Weg zur Front.
...
Aktuell wird verkündet:
Syrien: Türkei und USA vereinbaren eine Unterbrechung der Kämpfe in Nordsyrien
Türkei und USA einigen sich auf Waffenruhe in Nordsyrien
Nordsyrien: Türkei und USA beschließen Waffenruhe
Streit über Syrien-Offensive: USA und Türkei vereinbaren Waffenruhe - SPIEGEL ONLINE - Politik
Den kurdischen Milizen sollen 120 Stunden zum Abzug aus der Grenzregion gegeben werden
...
Die Türkei habe zugesagt, ihre Militäroffensive nach dem Abzug der syrischen Kurdenmiliz zu beenden.
das kann zwei oder mehr Gründe haben:
1. Erdogan sieht seine Erfolgschancen durch den harten Widerstand massiv beeinträchtigt, möglicherweise sogar unerreichbar, und verkauft sich "so teuer wie möglich"
2. das ist eine abgekartete Sache - die Syrer und Russen sollten die Grenzregion zu Lasten der kurdischen Selbstverwaltung sichern und der US-Rückzug sowie der türkische Vorstoß haben nur den vorgeschobenen Anlass dazu geliefert und die Kurden unter Druck gesetzt
In Afrin wurden vergangenes Jahr 200.000 Kurden vertrieben - und islamistische Milizen mit ihren Familien angesiedelt. Das gleiche Schicksal erwartet die Kurden in Nordsyrien, wenn Erdogan erfolgreich ist. ...
 
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Sczepanski

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….

Wobei meine Aussage bestehen bleibt. Meines Erachtes zählt der Bündnisfall nicht in den Fällen, wenn man einen Krieg beginnt und in dessen weiteren Verlauf "angegriffen" wird... Ich hätte mir eine stärkere Betonung dieses Aspekts/dieser Sichtweise gewünscht.
....
dazu Experte zur türkischen Militäroperation in Syrien: Erdogan wird scheitern
Aber von einer Beistandspflicht kann in diesem Fall keine Rede sein. Die Nato wird argumentieren, dass es sich um einen Krieg handelt, den die Türkei im Ausland führt. Sie wird auf keinen Fall akzeptieren, dass Erdogan sich als den Angegriffenen ausgibt.

Auch wenn Europa die kurdische PKK als Terrororganisation eingestuft hat, auch wenn die YPG der syrischen Kurden als Ableger dieser PKK gilt – das ändert nichts daran, dass es seit Jahren keine Bedrohung der Türkei aus syrischem Gebiet gegeben hat.
...
Er erklärt, im syrischen Grenzgebiet eine "Sicherheitszone" einrichten und dort syrische Flüchtlinge ansiedeln zu wollen. Grundsätzlich geht es ihm aber darum, seinen Einfluss in Syrien und auf das angrenzende Mittelmeergebiet auszudehnen.
Ein wichtiger Schritt wäre es daher für seine Zwecke, die M4 unter seine Kontrolle zu bekommen – die wichtigste Ost-West-Verbindung im Norden Syriens. Diese Autobahn ist wohl sein Hauptanliegen.
..
Die USA sind raus aus diesem Spiel, nur Putin und Assad sind die Gewinner und bleiben auf dem Vormarsch. Erdogan sagt zwar, er werde auf jeden Fall seine "Sicherheitszone" durchsetzen. Aber nachdem sich nun russische Truppen zwischen Kurden und Assads Regierungstruppen positioniert haben, ist das völlig unrealistisch. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Türkei die Kämpfe einstellen muss.

Hat das innenpolitische Folgen für Erdogan?

Nach den Entwicklungen der letzten Tage ist ein Scheitern der Pläne von Erdogan nicht mehr zu vermeiden. Die geostrategische Situation hat sich völlig gegen ihn gewendet. Es ist durchaus fraglich, ob er sich von diesem massiven politischen Rückschlag erholen kann, nachdem er schon bei den letzten Wahlen die Mehrheit in Istanbul und Ankara, den beiden größten Städten der Türkei, verloren hat.
in den letzten Stunden beschränkt sich die Türkei nach heftigen Bombardements darauf, zu schauen, was überhaupt wo los ist
 
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Mercur

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Da ist man mal ein paar Tage im Urlaub und dann findet man solche üblen Nachrichten bei der Rückkehr vor. OK, war ja schon vor 10 Tagen so in etwa zu ahnen was da passieren wird aber irgendwie doch Mist, dass es doch so gekommen ist - zumindest bisher.

Während also Mr. "Tollster Präsident aller Zeiten" (Topaz) seine Aktion als "Genialen bzw. strategisch brillanten Rückzug" selbst feiert, schüttelt die Welt nur noch den Kopf. Bei ntv schreiben sie heute sogar was vom Glanzstück des Dilettantismus amerikanischer Außenpolitik aber alle in Syrien beteiligten westlichen Staaten geben ebenfalls ein erbärmliches Bild ab - das dann noch als Realpolitik verkaufen zu wollen ist schon weit jenseits von dem, was man unter "Normalos" als typische Verdummungsaktion gelten lassen könnte. Dabei müssten doch so ziemlich alle direkt aber auch indirekt Beteiligten aufhorchen!


Innerhalb der NATO sollten mal kleinere Länder wie Lettland etc. so einige Fragen aufwerfen - der Rückzug amerikanischer Soldaten als mal kurz vom Beschuss durch türkische Truppen die Rede war ist ein peinliches Zeichen der Schwäche. Nicht nur, dass man Verbündete einfach im Stich lässt, nein - kaum wird es mal wirklich etwas ernst und schon bemüht man sich auch ja alle Amerikaner zu retten weil man nicht bereit ist auch nur einen einer Gefahr auszusetzen. Oh Mann - ich hoffe, Mr. Vladimir P. und Donald T. haben mal keinen Konflikt um so einen kleinen Staat am Rande Russlands, dass die Amis kneifen ist ja jetzt klar.

Die halbherzigen verbalen "Bitten" an die Türkei mal die Kurden nicht anzugreifen bzw. dann mit (übrigens nicht wirklich schmerzhaften) Sanktionen zu drohen ist ja auch echt lächerlich - die kurzen Aussetzungen von militärischen Hilfen (es geht ja sofort weiter wenn die Türkei mal kurz aufhören will in einem fremden Land Krieg zu führen) kann man nur als "Goodwill-Veranstaltungen" bezeichnen. Das sie nix bringen ist ja klar - und im Anbetracht des gerade geschlossenen Abkommens zwischen der USA und der Türkei - übrigens über die Köpfe der Kurden und Syrer hinweg - eh' längst wieder obsolet. Denn es gibt ja eine "friedliche" Einigung und somit kein Grund mehr für Sanktionen.

Dieser 120h-Kompromiss betreffs einer Feuerpause ist dann am Ende der Gipfel des Verrates. Die Kurden sollen sich zurückziehen - es ist zwar "nur" von 30km die Rede aber erstens hat Mr. Erdogan ja schon früher mal angedroht, das ganze Kurdengebiet zu besetzen (vielleicht auch mal zu "Verwalten" bzw. noch später mal "Heim ins [osmanische] Reich" zu holen). Ziehen sie sich also zurück ist nicht ausgeschlossen, dass die Türkei noch mal 30km und dann noch mal 30km fordert und Mr. Erdogan hat ja schon klar gesagt, dass er mit Kurden (also den Terroristen) nicht verhandeln will bzw. wird. Dann sollen die Kurden einen Teil ihrer Waffen (also vermutlich den Teil bis hin zur letzten Patrone) an die Amerikaner od. Türken abgeben bzw. unter Aufsicht vernichten lassen - na toll, dann kann sich die Türkei halt den Rest kampflos holen. Zudem sollen die Kurden auch noch die ethnischen Säuberungen und Vertreibungen akzeptieren denen ihr Volk ausgesetzt wurde bzw. aktuell auch wird.

Na ja, bei 3 Millionen Flüchtlingen auf bisher 30x100km kommt man auf eine künftige Bevölkerungsdichte von 1000 Einwohnern je Quadratkilometern mit arabischen Flüchtlingen... solche Flüchtlingslager sind ja gute Basen für alle möglichen Fanatiker und genügend Konfliktpersonal gibt es seit 2011 im jährlichen steigenden Maßen. Bei der Bereitschaft - gerade der Mitverursacher an diesem Krieg - für Flüchtlinge zu zahlen hat man ja seit 2015 zurecht seine Zweifel. Sparte man damals das Geld für diese Flüchtlinge ein (und löste so die größte Flüchtlingskrise seit Jahrzehnten aus) so war man in der Folge sofort bereit noch größere Summen in die Grenzsicherung oder weitere Waffenlieferungen zu stecken wobei man auch Deals abschloss die man selbst mit guten Willen nur als Verbrecherisch bezeichnen kann da man jedes internationale Recht mal eben der "Realpolitik" zum Fraß vorwarf.

Irgendwo wird jetzt auch mal so manchen Idealisten klar, welche Kräfte man bisher so in Syrien so völkerechtswidrig unterstützt hat - die "Freie syrische Armee" (sollten das mal nicht alles Demokraten und Freiheitskämpfer sein?) kämpft also als Söldnertruppe für die Türkei, beteiligt sich an Vertreibungen und Morden und das sind jene, die wir für einen mittlerweile 8-jährigen Bürgerkrieg mit Waffen, Ausrüstung, Geld und Kämpfern versorgten?

Mal sehen, wie es in den nächsten Tagen weitergeht - die Amerikaner werden sich am "Erfolg" ihres Vizepräsidenten sonnen und ganz schnell wieder Waffen an die Türken liefern wollen. Ob sie aber jemals wieder einen Fuß in dieses Gebiet bekommen könnte man aber bezweifeln - ist schon fast ein Witz, dass am Ende der 120h-Waffenruhe Mr. Erdogan und Putin sich treffen um Fakten zu schaffen - solange sie sich nicht ins Gehege kommen wird auch die Türkei nicht an NATO-Hilfe brüllen müssen. Sollte es aber irgendwo im Norden Syriens so Probleme mit russischen, iranischen od. syrischen Truppen bzw. Verbänden geben bin ich echt gespannt. Als damals die Spannungen zwischen Russland und der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Jets kurz hochkochten, machte die NATO ja noch klar, dass es die Türkei bei einem Waffengang gegen russische Truppen in Syrien nicht unterstützen werde - dieses Mal vermisse ich diesen Hinweis.

OK - nicht nur die USA geben in diesen Tagen ein verehrendes außenpolitisches Bild ab - auch die halbherzigen Waffensanktionen der Europäer sind echt zum schämen - na ja, nur einige Waffen werden nicht mehr geliefert und das auch nur temporär. Oh Mann, dann hätte man auch Russland schon 2014 wieder Waffen liefern müssen welche nicht in der Ukraine einsetzbar wären.^^
 
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...
in den letzten Stunden beschränkt sich die Türkei nach heftigen Bombardements darauf, zu schauen, was überhaupt wo los ist
ich mus. s mich korrigieren
in der Grenzstadt Ras Al Ain selbst wird weiter geschossen und Östlich von Ras Al Ain geht die türkische Offensive weiter:
ebenso Nordsyrien: Aktivisten berichten von Toten nach türkischem Luftangriff - SPIEGEL ONLINE - Politik
...
Erdogan bestritt der Nachrichtenagentur Reuters, dass es nach der Vereinbarung mit den USA zu Zusammenstößen in Nordostsyrien gekommen sei. Schilderungen von Reuters-Reportern widersprechen dem: Demnach kam es am Freitag nahe Ras al-Ain zu Schüssen und Artilleriefeuer.
logisch dass die kurdische SDF dort keinen Waffensillstand akzeptiert
inzwischen versuchen Reporter in das belagerte Ras Al Ain durchzukommen
 
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