Versehentlicher Abschuß einer tschechoslowakischen MiG-21 ...

Diskutiere Versehentlicher Abschuß einer tschechoslowakischen MiG-21 ... im Besondere Ereignisse Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; ... über der DDR durch sowjetische Jagdflieger im Jahre 1964. Dieses mir bisher unbekannte Ereignis erwähnt Holger Müller in seinem MiG-21-Buch...

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  1. #1 boxkite, 01.01.2013
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    ... über der DDR durch sowjetische Jagdflieger im Jahre 1964. Dieses mir bisher unbekannte Ereignis erwähnt Holger Müller in seinem MiG-21-Buch auf Seite 160. Leider weiß er selbst auch keine näheren Details. Kann ein Leser des FF etwas beitragen, was Aufschluß über diesen Zwischenfall gibt? Wie kam es zur falschen Zielansprache? Wo ging das Flugzeug nieder? Hatte der Abschuß Auswirkungen auf den Ablauf beim Abfangen unbekannter/"zweifelhafter" Flugzeuge?
     
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  3. Ta154

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    Ein paar Informationen zu diesem Vorfall gibt es in Jakab MiG-21 Vol.2 von Miroslav Irra:

    Danach passierte das ganze am 26. September 1964 in der Nähe von Luckenwalde, als die MiG-21F13 von einem sowj. Jagdflugzeug während einer Zieldarstellung in 4500m Höhe abgeschossen wurde. Zunächst war dem tschechoslowakischen Piloten die Ursache des Triebwerksausfalls offensichtlich gar nicht bewusst, aber als nach zwei Anlassversuchen das Triebwerk (verständlicherweise) immer noch nicht funktionierte, musste er sich katapultieren. Die Maschine stürzte nach Irra etwa 7 km südwestlich von Luckenwalde ab, wo sich damals ein großer Truppenübungsplatz befand. (Direkt südlich davon ist der Flugplatz Jüterbog / Altes-Lager). Diese Angabe würde eventuell auch zu einem Eintrag in „Himmelstürmer“ (von Lutz Freundt) passen: Dort ist für 1963/64 ein „Absturz im Großraum Jüterbog“ ohne weitere Details verzeichnet. Weitere Angaben zu Ursachen oder Konsequenzen sind mir nicht bekannt.

    Interessanterweise ist das nicht der einzige Fall in dem ein tschechoslowakisches Flugzeug in einem nördlichen Nachbarland versehentlich abgeschossen wurde: R. Langener beschreibt in „Meine Jahre auf dem Schleudersitz“ wie während der Luftverteidigungsübung Zenit-70 eine tschechoslowakische Su-7 von einer polnischen MiG-21 aus abgeschossen wurde. Die Ursache war: Beim Wechsel der Einsatzmaschine (die ursprünglich vorgesehene MiG war nicht einsatzklar) wurde übersehen, dass die Ersatzmaschine statt mit einer Schreiberrakete mit einer scharfen R-3S bestückt war!
     
  4. #3 MiG-21.de, 12.01.2013
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    In der Tat! Jetzt weiß auch ich wieder, aus welcher meiner zahlreichen Quellen ich die Information her habe :).
     
  5. #4 Tester U3L, 13.01.2013
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    Ja, da hast Du wohl Recht. Dieser Vorfall passierte am 14. Mai 1970 in der Nähe von Milicz (Polen; Niederschlesien). Dabei wurde eine tschechische Su-7BKL ('6512') des 20. sbolp von einer polnischen MiG-21PFM des 11. PLM abgeschossen. Wie TA154 bereits schrieb, lag die Ursache in einem nicht geplanten Wechsel des Flugzeuges. Da das ursprünglich vorgesehene Flugzeug nicht einsatzbereit war, griff man auf eine DHS-Maschine zurück, die mit scharfen R-3S-Raketen bewaffnet war. Eine dieser Raketen fand dann ihr Ziel und brachte die Su-7 zum Absturz. Zum Glück konnte sich der Pilot sicher katapultieren. Man entschuldigte sich von polnischer Seite offiziell für den Vorfall und bot als Ersatz eine Su-7BKL ('6023' - ex-polnische '23') aus ihrem Bestand an.
     
  6. #5 Tester U3L, 13.01.2013
    Zuletzt bearbeitet: 13.01.2013
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    Zur ursprünglichen Frage: Abschuss der tschechischen MiG-21F-13 '0111' (Hersteller: Aero; C/N: 460111; ID: 9. September 1964; Einheit: 11. slp) am 26.09.1964 bei Luckenwalde

    Am 26. September 1964 um 14:00 Uhr starteten vom Flugplatz Zatek zwei MiG-21F-13 zur Zieldarstellung für die DDR-Luftverteidigung (was innerhalb des WV ein übliches Verfahren war, sogenannte 'Tschaika'-Flüge).
    Führender des Paares war pplk. (OSL) Štefan Bolcha und die andere MiG-21F-13 '0111' flog mjr. (Maj.) Václav Ohem. Beide Flugzeuge stiegen auf eine Höhe von 13.000 Meter (das zweite Flugzeug flog ca. 1.000 Fuß tiefer 2.000-3.000 Meter hinter seinem Führenden) und flogen Richtung DDR. Vom Flugplatz Merseburg startete eine sowjetische MiG-21F-13 (oder MiG-21PF ?) der 1. IAD, mit dem Auftrag die beiden Eindringlinge abzufangen. Anstatt sich hinter die Zieldarsteller zu setzen und sie nur zu fotografieren, feuerte der sowjetische Pilot (Umrajow ?) eine R-3S-Rakete ab, die die geführte MiG-21F-13 von Maj. Ohem im Bereich der Schubdüse traf. Der Pilot registrierte einen starken Drehzahlabfall und mit der Erkenntnis, dass es sich wohl nur um einen Triebwerksfehler handelt (bei den MiG-21F-13 mit dem Triebwerk R-11F-300 waren Triebwerksausfälle wegen 'Reibschluss' (Fressen der Triebwerkslager) recht häufig!), versuchte er zwei Mal das Triebwerk wieder anzulassen. Nachdem das Flugzeug in Rückenlage befindlich die Höhe von 4.500 Metern unterschritten hatte, katapultierte sich der Pilot.
    Die Untersuchungen ergaben, dass die beiden Flugzeuge auf direkten Befehl des Kommandeurs der 1. IAD (1. Luftverteidigungsdivision) angegriffen wurden, welcher zwar über diese Zieldarstellungsübung informiert war, jedoch diese beiden MiGs als Eindringlinge ansah, da deren Kennungsgeräte SRO-2 befehlsgemäß ausgeschaltet waren.

    Die MiG-21F-13 '0111' war der erste Verlust diesen Typs in der CSSR.

    Das Flugzeug war bis dahin 10 Stunden und 40 Minuten für die Luftstreitkräfte geflogen.


    Quelle: MiG-21F-13 0111 :: MiG-21F-13 :: Mikoyan-Gurevich MiG-21

    Hier gibt es (auf Tschechisch und z.T. Englisch) weitere Informationen zum Vorfall, über den abgeschossenen Piloten und ein Foto des Wracks:

    http://aces.safarikovi.org/revi/Jan.Safarik-Nevydarena.'Cajka'.pdf
     
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