Vietnamesische Opfer klagen Herstellerfirmen vor US-Gericht

Diskutiere Vietnamesische Opfer klagen Herstellerfirmen vor US-Gericht im Andere Konflikte Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Am Dienstag beginnt der Kriegsverbrechen-Prozess gegen die Unternehmen, die die US-Armee mit dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Lothringer, 01.03.2005
    Lothringer

    Lothringer Guest

    Am Dienstag beginnt der Kriegsverbrechen-Prozess gegen die Unternehmen, die die US-Armee mit dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange belieferten.

    Mehr als hundert Vietnamesen haben 30 US-Chemiefirmen geklagt und verlangen Entschädigung sowie eine Dekontamination der vergifteten Landstriche.

    70 Millionen Liter

    Im Vietnamkrieg wurden von US-Kampfflugzeugen über 70 Millionen Liter des hochgiftigen Entlaubungs-Mittels versprüht, um Verstecke und Versorgungsgrundlage der Vietcong-Guerilla zu zerstören.

    Agent Orange enthält die hochgiftige Chemikalie Dioxin, die Krebs und Missgeburten hervorruft. Insgesamt sind in Vietnam vier Millionen Menschen von den Spätfolgen des Chemiewaffen-Einsatzes betroffen. Noch heute werden jährlich 35.000 Babys mit Missbildungen geboren.

    180 Millionen Dollar für US-Veteranen

    Die Erfolgsaussichten der vietnamesischen Kläger sind ungewiss – allerdings wurden 1984 die Herstellerfirmen Dow und Monsanto zu 180 Millionen Dollar Entschädigung für US-Veteranen des Vietnamkriegs verurteilt, deren Gesundheit durch den Kampfstoff beeinträchtigt wurde.

    Präzedenzfall

    Die Klage könnte sich zum Präzedenzfall entwickeln – ist der US-Präsident im Kriegsfall berechtigt, den Einsatz gesundheitsgefährdender Chemikalien anzuordnen?

    Die Anwälte der Herstellerfirmen fordern eine Einstellung des Verfahrens: Schließlich hätten die Zulieferer den Kampfstoff genau nach den Spezifikationen der US-Regierung geliefert. Außerdem sei der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Agent Orange und den Gesundheitsproblemen nicht bewiesen.

    Anwalt will diplomatische Lösung

    Andrew Frey, Rechtsvertreter von Dow Chemicals, will den Fall über diplomatische Verhandlungen und nicht vor Gericht gelöst sehen: In den 60er Jahren gab es keine Produkthaftungsgesetze, und ein Urteil könnte die Macht des US-Präsidenten einschränken.

    "Das Gericht soll die Entscheidungen des Präsidenten hinterfragen" zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters, "diese berücksichtigten die möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und militärische Einschätzungen, und sie haben wahrscheinlich viele Menschen mehr gerettet als sie schädigten".

    Fehlgeburten

    Dr. Phan Thi Phi Phi, eine der Klägerinnen, gibt an, in zwei Jahren vier Fehlgeburten erlitten zu haben: "Wir wussten nicht, warum das geschah, und waren sehr traurig, dass wir keine Kinder haben konnten". Ihr Anwalt Constantine Kokkoris argumentiert, dass durch vergiftete Lebensmittel und verseuchtes Trinkwasser heute noch Menschen geschädigt werden.

    Im Jahr 1984 erklärten sich sieben Chemiekonzerne, darunter Dow und Monsanto, bereit, Vietnamveteranen Entschädigungen in der Höhe von 180 Millionen Dollar auszuzahlen.

    Dave Cline, der Präsident von "Veterans for Peace", fordert, vietnamesische Opfer gleich wie US-Bürger zu behandeln: "Wir haben die Anerkennung der US-Opfer durchgesetzt, jetzt ist es Zeit, den Vietnamesen die gleiche Gerechtigkeit angedeihen zu lassen."

    Angeklagt sind unter anderem die Firmen Hercules Inc., Occidental Chemical Corp., Ultramar Diamond Shamrock Corp., Maxus Energy Corp., Uniroyal Inc. und Wyeth.

    Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1967903
     
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  3. Jemiba

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    "...Die Erfolgsaussichten der vietnamesischen Kläger sind ungewiss ..."

    Erfolgsaussichten ????

    Seit wann wählen denn Vietnamesen in den USA !
     
  4. #3 mcnoch, 10.03.2005
    Zuletzt bearbeitet: 10.03.2005
    mcnoch

    mcnoch Alien
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    Die Klage wurde zwischenzeitlich vom Richter abgewiesen. Das Versprühen von Chemikalien zur Entlaubung stelle nach Ansicht des Gerichtes kein Kriegsverbrechen dar. Insbesondere sein die USA bis zum April 1975 gar nicht Unterzeichner des Genfer Protokolls von 1925 zur Haager Landkriegsordnung gewesen, nach welchem der Einsatz von chemischen Waffen verboten sei. Aber selbst dann, wäre nach Ansicht des Gerichtes, das Versprühen von Entlaubungsmitteln kein Einsatz von chemischen Waffen, da das Ziel dieses Einsatzes nicht war, Menschen unmittelbar zu töten oder zu verwunden - also als Waffe zu wirken – sondern nur ein Auffinden von feindlichen Soldaten und Lagern ermöglichen oder erleichtern sollte. Selbst wenn diese daraufhin beschossen wurden, sei dies keine direkte Waffenwirkung gewesen, sondern nur eine indirekte.

    Die unterlegenen Kläger wollen Rechtsmittel einlegen.
     
  5. #4 Bleiente, 10.03.2005
    Bleiente

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    So ist es. Die Klage wurde abgewiesen weil der Richter keinen Zusammenhang feststellen konnte.
     
  6. AM72

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    Komische Begründung der Richter.

    Da müssen die ja gerade entschädigt werden - es sollte ja nur entlaubt werden, aber keinen Vietnamesen ein Leid zugefügt werden. Da dies offensichtlich nachweisbar etwas anders war, sollte die Klage doch mehr als nur gerechtfertigt sein.
    Oder wie wird das dann in Zukunft ? :

    Enthaarungsmittel :
    Patient tot, aber die Brust oder Beinbehaarung ist weg.
    Also alles ok oder was oder wie ? :?!
     
  7. #6 koehlerbv, 11.03.2005
    koehlerbv

    koehlerbv Space Cadet

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    Was hatten die USA damals überhaupt auf einem anderen Kontinent, in einem ganz anderen Land zu suchen ? Ihr Krieg hat 1,5 Millionen (oder mehr) Vietnamesen das Leben gekostet. Der Krieg wurde niemals international als gerechtfertigt anerkannt. Vietnam ist heute wieder ein vereinigtes Land - die USA haben den Krieg schlicht verloren (und zwar schändlich - Agent Orange, My Lai, "Special troops", die bezahlt wurden nach Anzahl abgelieferter "VietCong"-Ohren usw.).
    Müssten die USA nicht den ganzen angerichteten Schaden bezahlen ? Aber die erkennen ja sowieso keine internationalen Gremien und Beschlüsse an. Und das sieht wirklich böse aus.

    Bernhard
     
  8. AE

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    Ein Gericht urteilt nach bestehenden Gesetzen, nicht nach Moral.
    Es ist merkwürdig, dass die Verurteilung zu gunsten der US-Soldaten erfolgte und es keinen Ansatzpunkt für die Zulassung der Klage für die Vietnamesen gibt. Es wurde ja nicht einmal verhandelt sondern abgewiesen.
     
  9. #8 vitez kojo, 11.03.2005
    vitez kojo

    vitez kojo Kunstflieger

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    glaubt den irgend jemand noch an unabhängige justiz. übrigens, ohne herzinfarkte auslösen zu wollen, den weihnachtsmann gibt es nicht.
     
  10. #9 AE, 01.05.2005
    Zuletzt bearbeitet: 01.05.2005
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    Also da schocke ich zurück...den Osterhasen gibt es nicht mehr! Der war in meiner Pfanne.

    Die Urteilsbegründung war einzusehen. Verklagt wurden die Herstellerfirmen eines Herbizides durch die «Vietnamesische Gesellschaft für die Opfer von Agent Orange/Dioxin». Diese sind aber nicht haftbar zu machen was die US-Regierung damit anstellt. Für mich logisch. Der Schadenersatz muss von den Vereinigten Staaten eingefordert werden.
    Es gab eine ganze Reihe von Entlaubungsmittel bzw. Mitteln die direkt gegen die Reispflanze wirkten; Hunger als Waffe. Siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange
     
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  12. #10 Bleiente, 01.05.2005
    Zuletzt bearbeitet: 01.05.2005
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    Nur mal so als Auffrischung und Erinnerung die folgende Nachricht. Das ist jetzt auch schon wieder dreissig Jahre her, wie doch die Zeit vergeht. Und trotzdem gibt es noch offene Wunden.

    Hanoi (dpa) - Der Fall von Saigon am 30. April 1975 setzte drei Jahrzehnten Guerilla-Krieg in Vietnam ein Ende. Erst hatten die Vietnamesen die französische Kolonialmacht vertrieben, dann mit Unterstützung durch China und die Sowjetunion die Vereinigten Staaten und damit die stärkste Streitmacht der Welt.

    Die Schätzungen über die Opfer schwanken: Zwischen zwei und vier Millionen Menschen sollen dabei ihr Leben verloren haben.


    ...."
    Quelle: http://de.news.yahoo.com/050430/3/4iwqk.html


    oder auch hier mit einigen Clip´s zum Thema
    http://www.swr.de/nachrichten/ts/oid4297792_mod1.html
     
  13. mcnoch

    mcnoch Alien
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    Naja, die Sache ist nicht ganz ohne Präzedenz-Fall. Es geht letztendlich für den Hersteller um die Frage des Wissen bzw. Wissens-Müssen (Fahrlässigkeit) um die Verwendung seines Mittels und die sog. erlaubten Gefahren. Messer werden für Verbrechen benutzt, trotzdem dürfen sie hergestellt werden. Bei anderen Sachen, z.B. Giften sieht es schon anders aus, es bestehen dann zumindest hohe Auflagen für den Verwendungsnachweis, sonst ist der Hersteller nicht aus seiner Verantwortung befreit. Das Argument "Wir haben die Bombe nur gebaut, nicht aber abgeworfen!" zieht bei Juristen nicht wirklich. Es gibt da nämlich die schöne Beihilfe-zur-Tat-Konstruktion. War bei den Cyklon-B Herstellern genauso angenommen worden. Es ist ja nicht so, dass das Pentagon diese Mengen ohne vorherige Rückfrage einfach im Supermarkt eingekauft hätte.
     
Moderatoren: mcnoch
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