Vorgänge um den Flugplatz Köthen zu Kriegsende

Diskutiere Vorgänge um den Flugplatz Köthen zu Kriegsende im Alte Flugplätze Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Ich habe jetzt für den Vergleich noch eine Aufnahme ausgewählt und unterschiedlich bearbeitet. Schaut euch diese an:

Jubernd

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Wie oft und in welchen Mengen Gifte zur Bekämpfung von Ungeziefer eingesetzt wurden, das weiß ich nicht. Zimperlich war man mit Sicherheit nicht. Wir waren alle in dem Umgang mit dem Teufelszeug sehr leichtsinnig. Mein grauer (Alaskagrau+Polarweiß) Trabbi verwandelte sich in ein gelbes Gefährt, wenn ein Agrarflieger über mich drüber flog. Die Wischer hatten Schwerstarbeit zu leisten. Ich muss gestehen, in meiner Gartenabteilung habe ich noch Zeug liegen, da hätte ich vor Gericht keine Chance, wenn man mich wegen Besitz der Massenvernichtungswaffen anklagen sollte! Bi-58 ist noch das harmloseste davon.
Was mir die Jungs von Garnison erzählten, hatten man regelmäßig die Lagerräume mit Winterbekleidung "behandelt". Und exakt in diese Räume zog dann Heinz mit seiner Sammlung ein.
Auch die ruinösen Überreste auf dem Flugplatz sollte man vorsorglich gleich auf eine Sondermülldeponie umlagern. Angrenzende Waldstücke dürften ebenso "aufgefüllt" worden sein. Wenn es nicht grade Waffenreste waren, so doch mit Chemikalien unterschiedlichster Art. Der Inhalt der Atemgeräte war noch relativ harmlos, auch wenn die heute wohl alle durchgerostet sind. Aber hast Du eine Ahnung, was das für ein graues Pulver in den übergroßen grüngelben "Konservendosen" war? Wie irgend ein Lebensmittel sah das nicht aus. Man hat hier größere Mengen davon geöffnet und in eine Grube geschüttet.
 
Viktor7

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hast Du eine Ahnung, was das für ein graues Pulver in den übergroßen grüngelben "Konservendosen" war?
Also grau waren fast alle Pulver (Gifte), aber mit grüngelben Dosen kann ich auf Anhieb nichts anfangen. In den Kieten und auf lokalen Deponien hatte man alles was erlaubt und auch was verboten war entsorgt. Vermutlich würde man Alarm schlagen, wenn man heute eine Probe davon analysieren würde.
 
Viktor7

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Ungefähr wie diese, aber nur halb so hoch und rechteckig, dafür aber ca. 40 cm lang.
Sagt mir auf den ersten Blick nichts. Im südlichen Bereich von Fliegerhorst befanden sich in den Restlöcher die Schiessstände sowohl der Lw, als auch der Sowjetarmee. Die dort herumliegenden Dosen sahen eher wie Benzinkanister aus. Ich denke, das was du meinst könnte Munitionsdose für MG-Munition sein.
 

Jubernd

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Hm. Leider fehlte auf dem Blech immer eine ordentliche Beschriftung, egal, ob für Entgiftungspulver als auch für gefährliches Zeug. Es waren wohl eher "Universalverpackungen". Oft gab es nur einen kleinen aufgeklebten Zettel, der natürlich nach dem ersten Nasswerden abfiel. Ich bin sicher, dass da noch eine Unmenge an gefährlichstem Zeug in der Erde steckt. Die Beräumung dürfte noch viele Jahrzehnte dauern. Ganze Landstriche werden wohl nie wieder frei gegeben und einfacher zum Totalreservat erklärt. Ich würde dort auch nach einer Beräumung nie Bauland erwerben. Heinz lag übrigens ständig im Clinch mit einem privaten Grundeigentümer auf der Pilsenhöhe. Den dort befindlichen großen Grabhügel durfte er nie untersuchen. Den Grund hat er mir nie genannt.
Die Funkanlage auf der Pilsenhöhe war nach Aussage eines Kollegen aus Baasdorf für weltweite Funkverbindungen bekannt. Zum Flugplatz führte ein dickes Koaxialkabel, welches aber schon früh den Schrottsammlern zum Opfer fiel.
 
Dr. Strangelove

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Viktor7

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Heinz lag übrigens ständig im Clinch mit einem privaten Grundeigentümer auf der Pilsenhöhe. Den dort befindlichen großen Grabhügel durfte er nie untersuchen. Den Grund hat er mir nie genannt.
Dass Heinz irgendwas auf der Pilsenhöhe graben wollte, wusste ich nicht. Er war in Chörau und Cösitz ziemlich aktiv. Aber so nett er zu mir und wahrscheinlich auch zu dir war, genau so konnte er sehr unangenehm und laut werden. Kanntest du sein Domizil in der Wallstrasse in Köthen? Das war übrigens die frühere Tischlerwerkstatt von dem Großvater des besagten Oberstleutnant von der Regierungsstaffel aus Dessau.
 

Jubernd

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Ich kannte Heinz und seine Schwächen sehr genau und wusste ihn zu nehmen. Wir waren seit der Kinderzeit gut befreundet. Er war nun mal für das Kreisgebiet der beste Erfahrungsträger, denn er hat fast jeden Acker persönlich abgesucht. Auch den Bereich um den heiligen Stein (Hilgenstein) an der Straße nach Baasdorf direkt am Flugplatz. Und er hätte auch zum Flugplatz selbst so einiges gewusst. Ich freue mich deshalb, ihn hier im Forum noch einmal würdigen zu können. Die übrigen Leser interessiert das natürlich wenig. In seinem Domizil hatte ich ihn auch mal besucht.
 
Viktor7

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Wir waren seit der Kinderzeit gut befreundet.
Demnach kennst du dich in Libbesdorf gut aus? Auf dortigen Friedhof sind 18 Soldaten begraben. Soweit so gut. Die Geschichte hat einen Makel - einer der Toten hat keinen Namen, nur die EKM ist überliefert. Die Ermittlungen waren insofern erfolglos, als der Besitzer dieser EKM den Krieg überlebt hat und in den 70-ern verstorben ist. Seit über 20 Jahren versuche ich herauszukriegen, was sich dort 1945 abgespielt hat.

Nebenbei gefragt, dann hast du auch einen Berg Pflastersteine aus der keetner Magdeburger Strasse auf dem Hof liegen sehen. Bei der Sanierung der Strasse hat er die Steine Mitte der 80-er nach Libbesdorf bringen lassen und hatte vor, damit sein Gehöft zu pflastern. Dazu ist er dann nicht mehr gekommen. Als er sich kaum noch bewegen konnte, lagen die Steine noch auf dem Hof...
 

Jubernd

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Tut mir leid. Meine Oma , die das hätte wissen können, ist 1967 verstorben. Auch eine Augenzeugin der Vorgänge von 1945, Frau J., ist lange tot. Ich erinnere mich schwach, dass mal erzählt wurde, dass eine Gruppe teilweise junger Wehrmachtssoldaten sich in einem Keller nahe der Kirche versteckt hatten und sich nicht ergeben wollten. Sie wurden alle von den Amis erschossen. Ich war zu Heinz letzten Geburtstag (er lag während der Feier unten allein im Bett) eingeladen und war natürlich zur Urnenbeisetzung. Weiter gab es keine Kontakte mehr zum Ort. Aber ich glaube, wir überfordern hier die Mitleser erheblich.
 
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Die Augenzeugen werden da nicht weiter helfen können. Mich beschäftigt die Frage, was jemanden dazu bewegen kann, die fremde EKM um den Hals zu hängen und die eigene zu entsorgen? Bzw. einer Leiche die eigene EKM umzuhängen, um sich eine neue (fremde) Identität zu geben? De facto liegt jetzt vor Ort ein völlig unbekannter...
 

Jubernd

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Die Augenzeugen werden da nicht weiter helfen können. Mich beschäftigt die Frage, was jemanden dazu bewegen kann, die fremde EKM um den Hals zu hängen und die eigene zu entsorgen? Bzw. einer Leiche die eigene EKM umzuhängen, um sich eine neue (fremde) Identität zu geben? De facto liegt jetzt vor Ort ein völlig unbekannter...
Da kommst Du zig Jahre zu spät. Alle Beteiligten sind verstorben oder senil. Die Erkennungsmarke wurde ja nicht entsorgt, sondern offenbar absichtlich vertauscht, damit der Inhaber für tot gelten sollte. Die Gründe sind heute nicht mehr nachvollziehbar. Tatsache ist, dass durch den Ort auch KZ-Häftlinge getrieben und Erschossene am Ortsausgang nach Quellendorf verscharrt wurden. Was ist denn von der EKM bekannt? Normaler Wehrmachtsangehöriger?
 
Viktor7

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Tatsache ist, dass durch den Ort auch KZ-Häftlinge getrieben und Erschossene am Ortsausgang nach Quellendorf verscharrt wurden
Absurd ist es nicht, aber Nachweise für Libbesdorf hatte ich bislang nicht. Es gab Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Elsnigk, Osternienburg, Lausigk ... eigentlich in allen umliegenden Orten, aber die wurden nicht auf die Todesmärsche geschickt. Aber dessen Routen lagen abseits von Libbesdorf. Hast du da was Handfestes?
Was ist denn von der EKM bekannt? Normaler Wehrmachtsangehöriger?
Das hätte ich auch gern gewusst, aber die DD WASt teilte keine Einzelheiten mit. Nur dass der Inhaber eben den Krieg überlebt hat. Die Einträge in den Dokumenten sehen nicht wie gewohnt aus, zumindest nicht wie die üblichen EMs.
 

Jubernd

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Nur mündliche Überlieferung, aber durchaus glaubhaft (Oma). Ich habe das aber nie weiter verfolgt. Eigentlich müssten ja die Häftlinge auf dem Friedhof in L. ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
 
Viktor7

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Nur mündliche Überlieferung, aber durchaus glaubhaft (Oma).
Das ist aber nicht sehr viel... Ende der 40-er, Anfang der 60-er und Mitte der 70-er hatten alle Gemeinden die Auflage derart Fälle, sowie alle im Bereich der Gemeinde verstorbene Ausländer an die Räte der Kreise zu melden. Libbesdorf meldete lediglich die WH-Angehörige. Es wurde auch durch die Kripo ermittelt. Es wurden auch alle Fälle der Lynchjustiz, wie bei Kleinzerbst verfolgt. Ich denke, wenn es sowas gegeben hätte, wäre es bekannt geworden.
 
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