Vorgänge um den Flugplatz Köthen zu Kriegsende

Diskutiere Vorgänge um den Flugplatz Köthen zu Kriegsende im Alte Flugplätze Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Kannst du das bitte näher erläutern?
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Ich bin aber zu der Ansicht gekommen, dass man darauf verzichtet hat, weil man an eine Fortsetzung des Krieges oder eine Verwendung nach Friedensschluss geglaubt hat. Der Beweis für die Institution liegt vor. An ihrem Standort südlich von Berlin wurden vor ein paar Jahren Behälter mit Kartenmaterial der Umgebung freigelegt. Diese gingen nicht mit auf Transport, weil sie für eine Fortsetzung des Krieges an einem unbekannten Verbringungsort unbrauchbar waren.
Kannst du das bitte näher erläutern?
 
Jubernd

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Kannst du das bitte näher erläutern?
Bisher war doch die verbreitete Meinung, dass die NS-Forschungseinrichtungen angesichts der bevor stehenden Niederlage alles vernichtet hätten, was geeignet war z.B. Hinweise auf Interna, besonders auf belastete handelnde Personen, zu geben. So gibt es davon kaum Hinterlassenschaften. Man muss aber davon aus gehen, dass weniger belastete Personen ihre wissenschaftlich-technische Tätigkeit nach Kriegsende gern fortgesetzt hätten. Als die Sowjets in Dessau kurzzeitig wieder forschen ließen, kehrten viele Mitarbeiter guter Hoffnung wieder zurück und gaben Verstecke vergrabener Technik und Dokumentation preis. Im Beispiel Zerbst erfolgte die Vergrabungsaktion der Nachrichtentechnik ebenfalls für "zukünftige Verwendung". Für den Berliner Raum traf das aber nicht zu. Man versuchte, komplett nach Südwest, möglicherweise in die geplante Alpenfestung, zu verlegen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kriegsende noch nicht unmittelbar in Sicht. Das dabei nicht nur einsetzbares Gerät (Radar), sondern auch Laboreinrichtungen verlegt wurden, beweist, dass man auch dort weitermachen wollte. Die Trennung in verwertbares und nicht mehr nutzbares Material zeigt sich in obigem Beispiel. Lokales Kartenmaterial war für den neuen Standort völlig unbrauchbar. Allerdings ist mir nicht klar, weshalb dieses nicht verbrannt wurde, denn mit einer Rückkehr an den alten Standort hat wohl niemand rechnen können.
 
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Welche konkrete Institution meinst du in deinem Beispiel?
 
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Welche konkrete Institution meinst du in deinem Beispiel?
Die konkrete Dienststelle nenne ich aus bestimmten Gründen erst später. Im Süden Berlins gab es verschiedene Stellen. Am bekanntsten ist Kummersdorf. Neben den Heeresversuchsanstalten gab es auch solche der SS.
 
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Zerbst hatte eine Nachrichtenschule? Heer oder Luftwaffe? Eher nix, Zerbst war Flugplatz, da gab es nur die LN-Staffel des Horstes...

Und zur "Verlagerung" etc von irgendwelchem Gerät ware es ultimo den Verlagernden dann sowas von egal, wenn sie nur die eigene Haut retten konnten, mit Kfz. oder per Pedes. Da wurde alles, was entbehrlich war, stehen gelassen, da hat sich keiner mehr um irgendwelche Vernichtungen gekümmert, Offiziere waren die ersten, die mit oder ohne Mamsell stiften gegangen sind, bis zum Schluß blieben die Muschkoten und Kraftfahrer... die konnten keine Marschbefehle türken.

Oral History ist manchmal eine feine Sache, geht aber größtenteils in die Hose, wenn es um Orte und Baulichkeiten geht. Da hab ich schon manchen Zeitzeugen auf den Pfad der Realität führen dürfen mit Plänen und Dokumenten. Es waren auch viele Blender mit dabei, die sich interesssant machen wollten; alles Tinneff
 
Jubernd

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Wahrscheinlich hat der Herr Kirsch etwas zu hoch gegriffen. Er beschreibt im Dessauer Kalender 98 seine kurze Tätigkeit als Marine-Nachrichtenoffiziersanwärter in Zerbst. Er hatte eine infantristische Grundausbildung in Mövenberg (Sylt) genossen und war zur technischen Ausbildung in die Marine-Nachrichtenschule Flensburg-Mürvik versetzt worden. Er wurde kurz danach an die Wehrmacht bis zum "Endsieg" ausgeliehen. Die nachrichtentechnische Ausbildung fand in der Kaserne im Nordosten von Zerbst und im Gelände statt. Er schreibt: "Am 11. oder 12.April wurde an einem Hügel im Wald eine große Grube in den Heidesand gegraben. Dahinein trugen wir alle wichtigen Geräte (Sender und Kabel, sogar die Akkumulatoren. Alles wurde für den Gebrauch nach dem Endsieg abgedeckt, zugeschaufelt und getarnt." Auf unsere Einladung hin kam er, konnte aber nichts mehr auffinden. Er hat noch weitere Hinweise auf die Kaserne, die Ausbildung und die große Menge an vergrabener Technik gemacht, aber das hat nichts genützt.
 
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Und zur "Verlagerung" etc von irgendwelchem Gerät ware es ultimo den Verlagernden dann sowas von egal, wenn sie nur die eigene Haut retten konnten, mit Kfz. oder per Pedes. Da wurde alles, was entbehrlich war, stehen gelassen, da hat sich keiner mehr um irgendwelche Vernichtungen gekümmert, Offiziere waren die ersten, die mit oder ohne Mamsell stiften gegangen sind, bis zum Schluß blieben die Muschkoten und Kraftfahrer... die konnten keine Marschbefehle türken.
...
Hier müssen wir streng unterscheiden zwischen dem wiss.-techn. Personal und den Übrigen. Wie sich zeigt, waren die Ersteren immer bestrebt, die Früchte ihrer Tätigkeit zu bewahren und möglichst gut zu verbergen. Sie hätten nie ihr Lebenswerk vernichtet. Hier in Dessau zeigte es sich deutlich, weil die Verstecke im guten Glauben (manchmal auch unter Zwang) preis gegeben wurden (komplette Turbine mit Dokumentation usw). Allerdings bekommen wir immer noch Hinweise auf solche Verstecke, weil die Informanten nicht wussten, dass diese längst wieder leergeräumt waren.
Problematisch für die erste Gruppe wurde es dann, wenn ihre Tätigkeit mit dem Missbrauch von Häftlingen verbunden war oder in einem geächteten Bereich lag (Kampfstoffe). Dann durften die Namen der Mitarbeiter natürlich nirgendwo erscheinen. In diesen Fällen kam nur die vollständige Vernichtung in Frage.
Allerdings zeigte es sich, dass die Alliierten nur an den Ergebnissen interessiert waren und weniger an der Vorgeschichte der Wissenschaftler.
 
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Laut Beschriftung Flugzeugwracks aus Köthen. Ich glaube der Bezeichnung und verlinke es hier. Die Hallen im Hintergrund haben Ähnlichkeit. Auch die doppelsitzige Fw-190 habe ich für Köthen schonmal gesehen.
 
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Welche konkrete Institution meinst du in deinem Beispiel?
Da nach nunmehr fünf Jahren keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten sind, will ich deine Frage nun gern beantworten. Im April 45 verlegte das Führungshauptamt, Amt 8, Sitz in der "Friedensstadt" Glau/Trebin labor-technisches Gerät, die wissenschaftliche Bibliothek und Schriftgut in südwestlicher Richtung . Offenbar der letzte LKW mit dem Radargerät im Schlepp blieb in Köthen stecken. Das Radargerät stellte man in der Schäferei unter, sechs wasserdichte Kisten vergrub man auf der Wiese. Sie stehen jetzt in einer Ausstellung zur Luftfahrtgeschichte in Bernburg/Strenzfeld. Wie sich später herausstellte, flog der Chef der Abt.3, der den Transport begleitete, vom Flugplatz Köthen in die Tschechei und gelangte so in seinen thüringischen Heimatort, da der direkte Weg durch die anrückenden Alliierten versperrt war.
 
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Leider wurden bisher im Umfeld keine weiteren Kisten aufgefunden. Die ausgegrabene Dokumentenkiste trug aber die Nummer 72. Ob der Rest sein Ziel erreichte, ist unbekannt. Nummer 72 enthielt Material aus dem Schreibtisch des Abteilungsleiters, dessen brisanter Inhalt höchste Vertraulichkeit und sorgfältiges Vergraben forderte. Wenn sich dieses Amt auch nicht unmittelbar mit Kernwaffenforschung befasste, war man doch immer auf dem aktuellen Stand. Und daraus ist abzuleiten, dass man entgegen der Meinung einiger Historiker keine Erfolge in der diesbezüglichen Forschung vorweisen konnte. In Köthen lag der unumstößliche Beweis.
 
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Aber der fehlt uns eben noch. Also was war in der Kiste, außer bisherigen Mutmaßungen und Geheimnissen? Der Chef hätte nicht den Umweg über Tschechien nehmen müssen, denn die Amerikaner sind ja in seiner thür. Heimat vorher präsent gewesen. Ist also etwas konfus, was hier getischt wird.
 
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Die Flucht über Tschechien haben uns thüringer Verwandte des Chefs selbst erzählt. Näheres über Richtung und Verbleib des Transportes wussten sie aber auch nicht. In der Kiste 72 befand sich sein Essbesteck (der große Löffel fehlte) und die Taschenlampe, dienstliches Schriftgut über Leistungssteigerung in der Kriegsproduktion nach amerikanischem Vorbild und Material eines amtsinternen Nachrichtendiestes. Die Abteiung 3 war die Informationsabteilung des Amts 8, auch FEP oder Waffenamt. Im Rahmen der Leistungssteigerung wurde auch die bisherige Erfolglosigkeit in der Kernforschung erwähnt. Stand kurz vor Ende 44. Wenn man dort danach noch Erfolge gehabt hätte, wäre dies mit Sicherheit erwähnt worden.
 
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    , https://www.flugzeugforum.de/threads/vorgaenge-um-den-flugplatz-koethen-zu-kriegsende.96251/page-11
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