War die Strategische Bomberoffensive ein Fehlschlag?

Diskutiere War die Strategische Bomberoffensive ein Fehlschlag? im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Mal eine kleine Diskussion aus dem Bereich: „Hinterher schlauer sein ist eine exakte Wissenschaft.“ Zwecks Nachvollziehen der Zahlen empfehle ich...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Schorsch, 24.01.2006
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    Mal eine kleine Diskussion aus dem Bereich: „Hinterher schlauer sein ist eine exakte Wissenschaft.“ Zwecks Nachvollziehen der Zahlen empfehle ich folgendes Dokument, welches viele überaus interessante Zahlen enthält, leider aber etwas konfus geschrieben ist.
    Link (PDF):
    http://www.bmlv.gv.at/pdf_pool/publikationen/kork1.pdf.

    Link (HTML):
    http://64.233.183.104/search?q=cache:pT8POZIxYyMJ:www.bmlv.gv.at/pdf_pool/publikationen/kork1.pdf


    Hintergrund:
    1941 hatte das US Army Air Corps veranschlagt, dass man mit 3.850 Bombern die identifizierten 154 strategischen Ziele in Deutschland innerhalb von 6 Monaten zerstören könnte. Anschließend, so glaubte man, sei der Krieg praktisch gewonnen.

    Die Realität sah anders aus und der trotz intensiver Bombardierungen erreichte die Kriegsproduktion in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 1944 ihren Höhepunkt, um dann schlagartig abzufallen. Der Grund des Abfalls war nebst Treibstoffmangel, Maschinenverschleiß und partielle Zerstörung der Produktionsstätten, vor allem der Zusammenbruch des Transportwesens, welcher mit der strategischen Bomberoffensive nur bedingt in Zusammenhang stand.

    Die Aufstellung und Aufrechterhaltung der notwendigen militärischen Mittel kostete die Briten und Amerikaner jedoch gewaltige Summen, welche in keinem Verhältnis zu deren Nutzen standen. Bei den Amis sah das so aus: Von den 45 Milliarden Dollar (Preisbasis 1944), welche in den Flugzeugbau flossen, wurden etwa 10 Milliarden Dollar für die etwa 34.800 viermotorigen Bomber ausgegeben. Weitere 10 Milliarden Dollar flossen in die Errichtung und den Unterhaltung der Überseebasen. Dazu kommen die enormen Kosten der Ausbildung der Besatzungen: Angenommen, dass für 2 von 3 Bombern eine Besatzug ausgebildet wurde, so ergeben sich Bedarf nach fast 50.000 Piloten, über 100.000 Bordschützen und nochmal genauso viele weitere Besatzungsmitglieder (Funker, Bombenschützen, etc).
    Dazu muss gesagt werden, dass die Abwehr vergleichsweise günstig war, da ein Jäger etwa ein Drittel bis ein Viertel eines Bombers kostete, der Verteidiger zudem seine abgeschossenen Piloten recyclen konnte und darüber hinaus mit weniger leistungsfähigen Flugzeugen (Me-109 gegen Mustang) schmerzhafte Verluste erzeugen konnte.

    Daher meine These:
    Eine Konzentration auf vor allem auf taktische Bomber (B-25, B-26, A-26) und auf Jagdbomber (wie es Russland, Deutschland und Japan taten) hätte weniger Ressourcen erfordert, welche in die Ausstattung von Heeresdivisionen hätte investiert werden können, deren Aufstellung und Unterhalt wesentlich kostengünstiger war. Wirft man ein Blick auf die enormen Verluste der Bomber und Besatzungen über Deutschland (ich glaube an die 10.000 Bomber), sowie die militärisch recht belanglosen Verwüstungen in den Städten und die vielen zivilen Opfer, so müsste diese Strategie im Nachhinein doch als schwerer Irrtum aufgefasst werden.
    (Und im Prinzip müsste auch heute eine solche Strategie als wenig zielführend aufgefasst werden, wenn die Rahmenbedingungen vergleichbar sind).
     
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  3. #2 AM72, 24.01.2006
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2006
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    Ich habe die Doks mal noch nicht gelesen ( mache das aber denn ).

    Aber mal eines im Vorraus :

    Man muss ja, um Erfolg/Nichterfolg beurteilen zu können nach Aufgabe und Ergebniss fragen.
    Was war die Aufgabe, die Zielsetzung der US.Airforce im Bombenkrieg ?

    Die Terroriesierung der dt. Bevölkerung um damit die Moral zu drücken oder gar ganz zu wegzunehmen ?
    Ging es generell gegen industrielle (und milit.) Ziele um den Deutschen die Basis zur Kriegsführung zu nehmen ?

    Das sollte man erst mal klären. Flugzeug gegen Flugzeug aufzurechnen halte ich für völlig falsch.
    Wenn man einen Krieg gewinnt und einen Gegner total niederringt, sind 10.000 oder 20.000 verlorene Flugzeuge eine Nebensache.

    Deiner These zum Schluss stimme ich voll zu. es gibt ein interessantes Detail : Russland besas mit der TB-7 (Pe-8) ein absolut gutes 4motoriges schweres Bombenflugzeug. Es war ihnen eine Gesamtproduktion von etwas über 80 Flugzeugen wert ...
     
  4. AM72

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    Ich habe mal das pdf überflogen, lese es noch genauer. Ich würde aber jetzt schon sagen : interessante Zahlen, die Schlussfolgerungen und Behauptungen aber teilweise mit Vorsicht geniessen ! - da wiederspricht und widerlegt man sich ja selber, gewisse Sachen werden sehr oberflächlich abgehandelt.
    Aber ganz interessant.
     
  5. #4 christoph2, 24.01.2006
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2006
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    Auf den Punkt gebracht, das Ziel der AAF war die Zerstörung der deutschen Industrie, so das Hitler nicht mehr in der Lage war den Krieg fortzuführen. Ich bin der Meinung, dass kann man schon mal so stehen lassen.

    Erreichen wollte man dies mit präzisen Bombenabwürfen auf Industrieanlagen, durchgeführt bei Tageslicht. Ich denke auch da gehen wir d'accord!?

    Der Grundgedanke dieser Doktrine ist durchaus logisch und nachvollziehbar, aber war diese Doktrine mit den gegebenen Mitteln auch durchführbar? Genau da scheiden sich die Geister.

    Es ist natürlich entscheidend was "hinten rauskommt": und das war eine absolut vernichtende Niederlage - aber, wie groß war der Anteil der Strategischen Bomberoffensive am totalen Sieg der Alliierten?

    Meine persönliche These ist: Die Doktrin der Vernichtung der deutschen Industrie konnte mit den gegeben Mitteln nicht alleine durch die Strategische Bomberoffensive erreicht werden. Gründe dafür lag m.E. in:

    Die Ausrüstung: Die Bombenzuladung der B-17 und B-24 war zu schwach, um schwere Industrieanlagen auf Dauer lahmzulegen - sonst hätte die Produktion ja nicht weitergeführt werden können.

    Die Präzision: Ein präzises Abwerfen der Bomben aus mittleren und großen Höhen konnte nicht gewährleistet werden, da sowohl Wetter, Flak und Abfangjäger (Reihenfolge bewusst gewählt) nicht durch die verwendete Technik kompensiert werden konnte.

    Das sind in meinen Augen die wichtigsten Gründe, dann kommen natürlich noch sekundäre Faktoren wie zu schwache Abwehrbewaffnung der Bomber, geringe Reichweite der Jäger etc. pp dazu, aber das sind nicht die Hauptgründe, die das Unternehmen nicht durchführbar machten. Man war technisch nicht in der Lage einen Industriekomplex dauerhaft abzuschalten (am Ende des 2. WKs schon).

    Fazit: Primäres Ziel der Strategischen Bomberoffensive nicht erreicht, weil nicht durchführbar mit gegeben Mitteln.
     
  6. AM72

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    Auf den Punkt gebracht, das Ziel der AAF war die Zerstörung der deutschen Industrie, so das Hitler nicht mehr in der Lage war den Krieg fortzuführen. Ich bin der Meinung, dass kann man schon mal so stehen lassen.

    Erreichen wollte man dies mit präzisen Bombenabwürfen auf Industrieanlagen, durchgeführt bei Tagesslicht. Ich denke auch da gehen wir d'accord!?


    Nein, da gehe ich so nicht mit.

    Zunächst war das ziel (aller "Bombenkrieg führenden Mächte) die Terorrisierung der Zivilbevölkerung mit dem Hauptziel der Untergrabung der Moral.

    Direkte Industrielle Ziele wurden erst speziell angegriffen und getroffen, als dies auch das explizite Ziel war ( Peenemünde, Schweinfurt, Synthetische Kraftstofferzeugung).
    Das passierte erst im Zusammenhang mit der allierten Landung in Frankreich -Der Luftkrieg reihte sich nun als Teil eines übergeordneten, realen Miltärischen Zieles ein. Man denke nur mal an die intensive Bombarduierung von Verkehrswegen, Knotenpunkten und milit. iele in frankreich im Vorfeld der Landung.

    Wie sehr schnell da auf einmal direkte und sinnvolle Ergebnisse erreicht wurden, ist schon interessant.
     
  7. #6 Schorsch, 24.01.2006
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2006
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    Der bin ich auch.
    Zum Thema Ziele: Diese waren vor dem Krieg vor relativ klar. Naemlich strategische Ausschaltung der Industrie. Die Amis haben richtig erkannt, dass ein Krieg gegen Deutschland in erster Linie ein Abnutzungskrieg ist und dem Feind die Mittel der Kriegsfuehrung genommen werden muessen.

    Daher baute man Bomber, welche meiner Meinung das erklaerte Ziel hatten, Industrie zu zerstoeren (die Demoralisierung kam spaeter und wurde von den Englaendern mangels Alternative betrieben, schlussendlich ist der Einsatz so vieler Kriegsmittel zur Demoralisierung der Bevoelkerung rausgeworfenes Geld).

    Man spuerte zwar die grossen Verluste der Tagangriffe, aber man hielt oftmals die Ergebnisse fuer dementsprechend. Nach dem Angriff auf Schweinfurt/Regensburg zum Beispiel dachte man, mehrere Monate die Jagdfliegerproduktion ausgeschaltet zu haben. Schlussendlich war ein Monat.
    Schlussendlich hatte man aber spaetestens Ende 1943 einen derartig leistungsfaehigen Apparat (von der Bauxitgrube, ueber die Montagehalle und die Ausbildungsstaetten bis zu den Flugfeldern), dass man es halt einsetzte.

    Die wirkliche Sinnhaftigkeit wurde spaeter (heute?) diskutiert. Es ist normal, dass man waehrend eines Krieges die Dinge nutzt, die man hat. Grosse Strategiewechsel sind eher selten (und deshalb ist die Niederlage auch oft frueh absehbar; die Amis konnten sich einen Fehlschlag wie die strategische Bomberoffensive halt leisten).

    Arne,
    zu terminlichen Einordnung: Die Nachtangriffe der Englaender begannen Ende 1942 im grossen Stil (1000-Bomber Angriffe). Die Tagbombadierungen der Amis Mitte 1943 (Schweinfurt). Die Industrie war vor der Landung 1944 Ziel der Tagangriffe. Nach der Landung hat man sich wohl mehr und mehr auf das Transportwesen konzentriert, auch um Deutsche Nachschubwege abzuschneiden.
     
  8. AM72

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    (die Demoralisierung kam spaeter und wurde von den Englaendern mangels Alternative betrieben, schlussendlich ist der Einsatz so vieler Kriegsmittel zur Demoralisierung der Bevoelkerung rausgeworfenes Geld).

    Hamburg 43 ? - meinst Du das mit später ? Schaut Euch überhaupt mal die Aktionen der Briten/Amerikaner im Bomebnkrieg gegen Deutschland im Jahr 1943 genauer an.

    Ist schon komisch, das die Industrie irgendwie immer Wohnviertel, Stadtzentren und die Zivilbevölkerung war....
     
  9. #8 EDGE-Henning, 24.01.2006
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2006
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    Beitrag entfernt.
     
  10. #9 Schorsch, 24.01.2006
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    So Leute, was grundsaetzliches:

    Ich will hier keine Diskussion ueber Kriegsverbrechen der Amis/Englaender lostreten. Wenn ihr da etwas auf dem Herzen habt, macht euch einen Thread auf, wo wir uns dann die Geschichte entsprechend auslegen koennen und anhand ueberzeugender Fakten (Standardabweichung der Bombenkrater vom Eisennacher Lokschuppen) das Grosse und Ganze erschliessen koennen.

    Es geht hier primaer um die Strategie der Amis. Die Englaender konnten mit ihren Nachtangriffen nichts anderes als Staedte treffen (auch die Deutschen konnten mit ihren Nachtangriffen wenig anderes treffen). Die Angriffe D vs UK und spaeter UK vs D haben daher viele Tote und Zerstoerung erzeugt, effektiv aber nichts gebracht (ausser boeses Blut mehr als 60 Jahre nach Kriegsende). Sie gehoeren zum haesslichen aber militaerisch zweitrangigen Teil des Krieges.

    Die Amis wollten zumindestens die Industrie zerstoeren. Wie gesagt: Man opfert nicht die enormen Ressourcen, um die Bevoelkerung zu demoralisieren. Im Gegensatz zu den Briten hatten sie auch keine Grund rachsuechtig gegen D zu sein.

    So, stick to the question!
     
  11. #10 EDGE-Henning, 24.01.2006
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    Ich wollte damit eigentlich nur Darlegen, das die Industrie meist sehr Geschützt ist. Und der Eisenacher Lokschuppen steht heute noch, alle beide.
    Das BMW Flugmotorenwerk war strategisch schon recht wichtig. Ich entferne meinen Beitrag wieder.
     
  12. #11 christoph2, 24.01.2006
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    Grundsätzlich sollte man erstmal klären, was man denn nun eigentlich klären möchte.

    Geht es hier um strategische Bombardements wie von der AAF versucht (Stichworte precision bombing, Ira Eaker, VIII Bomber Command) oder geht es um 'morale bombing' wie vom RAF Bomber Command versucht?

    Ich habe es so verstanden, dass es um ersteres geht - darauf war auch meine erste Antwort abgezielt, ich habe ja auch geschrieben AAF und nichts andereres.

    Ich fasse aber gerne nochmal meinen Standpunkt etwas genauer zusammen, damit ich nicht missverstanden werde:

    Die Army Air Force war meist nicht in der Lage eine wirklich präzise und nachhaltige Bombardierung der industriellen Ziele in Deutschland zu erreichen - ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sarkastisch behaupte, das man bei so manchem Angriff keinen Unterschied zwischen morale bombing und precision bombing erkennen kann (da brauche ich nur meine Oma fragen). Und genau da sehe ich mich in meiner Meinung bestärkt, dass das Equipment unter den herrschenden Bedingungen einfach nicht ausreichte um die Doktrin durchzusetzen.
     
  13. AM72

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    Mir gehts auch nicht um Moral & Politik ! - aber ich darf deswegen schon meine Meinung sagen ? ;)
    Flächendeckende Angriffe auf Großstädte mit Bombenteppichen ohne jegliche Punktzielvorgabe hat nunmal nix mit gezielten Aktionen gegen die Industrie zu tun - das ist Fakt. Das hatte auch besitrechtliche Gründe, Teile der deutschen Industrie waren in der Hand von US-Aktionären - ein interessanter Aspekt übrigens. Und letzteres stand zunächst auch gar nicht als Aufgabe im Vordergrund.
    Man hat damals einfach gedacht, man kann die Moral einer bevölkerung durch solche Angriffe grundlegend untergraben. das war eine relativ verbreitete Annahme. Was dabei rauskommt und was es letztendlich kostete, ist doch erst hinterher klar gewurden.
    Wäre jedem Deutschen das Ergebniss des WKII im vollem Umfange von vornherein bewusst gewesen, so wäre keiner losgelatscht. Aber die wenigsten gingen von solch einem Ergebniss aus sondern von einem ganz anderen und latschten eben los. Als man die deutschen Großstädte einäscherte, versprach man sich aucht etwas anderes als letztendlich herauskam.
    Schorsch, weist Du wir haben jetzt 2006 und wissen jetzt einfach vieles (nicht alles) besser und würden es eben anders machen. 1942/43 aber hat man unser Wissen nicht gehabt, beachte das mal.
     
    NGM0043 gefällt das.
  14. AM72

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    Die Army Air Force war meist nicht in der Lage eine wirklich präzise und nachhaltige Bombardierung der industriellen Ziele in Deutschland zu erreichen - ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sarkastisch behaupte, das man bei so manchem Angriff keinen Unterschied zwischen morale bombing und precision bombing erkennen kann (da brauche ich nur meine Oma fragen). Und genau da sehe ich mich in meiner Meinung bestärkt, dass das Equipment unter den herrschenden Bedingungen einfach nicht ausreichte um die Doktrin durchzusetzen.

    danke Christoph, mal en guter Ansatz.

    Letztere Zeile aber stimmen so nicht. Schweinfurt ( da wurde dann erst mal fast die gesamte deutsche Kugellagerproduktion lahmgelegt - das ist einige Verluste wert!), Angriffe auf die Talsperren, Angriffe mit verherrender Wirkung auf die Hydrieranlagen - es ging einiges , wenn man denn nur wollte und entsprechende Ziele stellte.
    Macht doch mal nicht die Augen zu !
     
  15. #14 christoph2, 24.01.2006
    Zuletzt bearbeitet: 24.01.2006
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    Arne, ich habe ja nicht gesagt, das es unmöglich war, salop gesagt 'einen guten Treffer zu landen'. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, es hängt von vielen Faktoren ab, Wetter, Wind, Erfahrung der lead crew, eingesetzte Anzahl an Bombern, wie gut war an diesem Tag die Flak, die Reichsverteidung, der eigene Jagdschutz, wie gut waren die Crews auf den Einstatz vorbereitet? Eine dichte Wolkendecke über dem Zielgebiet konnte alles vermasseln (ich weiß natürlich auch das Radar zur Blindbombardierung eingesetzt wurde, das machte die Sache aber nicht unbedingt einfacher oder gar präziser). Es gibt genügend Gegenbeispiele, wo das Ergebnis miserabel war (von der Genauigkeit betrachtet).
    Ich glaube nicht das man nicht richtig 'wollte', sondern eher nicht richtig 'konnte' oder besser gestagt: nicht zu jederzeit 'konnte' wie man 'wollte'. Die Leistung war nicht immer abrufbar, schon gar nicht während der ersten Zeit, in dem man sich mehr als einmal blutige Nasen einholte. Es ist ja nicht so, dass die damaligen Verantwortlichen einen Plan aus der Tasche ziehen konnten, wie man einen strategischen Luftkrieg am besten führt, das musste hart erarbeitet werden und hat einen hohen Preis gefordert - nur um am Ende zu sehen, wie man es besser nicht gemacht hätte. Aber ich sage diesbzgl. immer "Nachkarten zählt nicht".
     
  16. #15 Schorsch, 24.01.2006
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    Man muss doch vor dem Krieg irgendwie zu dieser Ueberzeugung gelangt sein. War das Wetter in den USA so bestechend, dass man sich mitteleuropaeischen Sommer mit unversagbaren Wolkenfeldern nicht vorstellen konnte?

    Die Bombardierung von industriellen Zielen, welche ja meist in der Naehe von Wohngebieten lagen, erfordert auch eine exakte Aufklaerung. Da den Deutschen recht schnell klar war, was die Amis vorhatten, war die Dezentralisierung und Tarnung von Anlagen der richtige Schritt.

    Spaetestens dann fehlten die richtigen Ziele. Dieses Problem besteht heute auch so: Was machen, wenn ich die Waffe habe aber das Ziel fehlt? Dann greife ich sekundaere Ziele an (kleine Fabriken, "Industriegebiete"), mit entsprechendem sekundaeren Erfolg.

    Andersrum: Haette man wirklich 'morale bombing' am Tag machen wollen, so waren die Ziele doch eindeutig: Warum hat man weder Reichstag noch Reichsluftfahrtministerium gezielt bombadiert? Warum nicht gezielt den Koelner Dom?
     
  17. #16 Flogun, 24.01.2006
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    Diese Überzeugung, dass der Bomberkrieg der richtigere ist, kam meiner Einschätzung nach auch daher, dass die Bomber die bessere Lobby hatten. Ein Phänomen, das die US-Streitkräfte meiner Meinung nach bis heute nicht ganz abgelegt haben (siehe dazu The Real War).
    Die jeweiligen TSK schauen verstärkt nach ihrem eigenen Vorteil. Klar gibt es einen Secretary of the Navy, -Air Force und -Army. Darüber wird die Luft jedoch eisig, da irgendwann mal ein Gremium entscheidet -wer da die Mehrzahl stellt 'gewinnt'. Und Entscheidungen auf dieser Ebene werden oft durch Machtspiele gefällt. Nur gut, dass der damalige Präsident (JFK) sich nicht beirren ließ, und seine eigene Meinung zur Cuba-Krise hatte, sonst hätten wir heute nicht den Luxus uns darüber überhaupt zu unterhalten.

    Meinungen, den Krieg auch mit Präzisions-Angriffen zu führen gab es damals jedenfalls schon.

    Zitat Robin Olds (selbst P-51-Begleitschutz-Pilot für die Bomber):

    "When the lead bomber dropped his weapons, the rest of his formation released their bombs on his smoke trail. Out of thousands of bombs dropped," Olds observed during raids on German targets, "as few as 50 percent hit within 3,300 feet of the aim point." As a result, post-war studies revealed German war plants were dispersed and often increased production despite the raids.

    Olds began developing his own ideas about tactical air power. "It occurred to me that if they wanted precision bombing on a ball-bearing factory they could load P-51s with 500-pounders, and 70 of us could have done just as much damage as 1,000 bombers."

    When World War II rumbled to a close with the surrender of Germany and the capitulation of Japan after atomic bombs destroyed Hiroshima and Nagasaki, the United States emerged as a super power with the high-flying B-29 and the big bomb.

    Military leaders "thought we didn't need anything else," Olds said. Then the Soviets exploded their own atomic bomb, and the arms race began.

    Squadron and group commanders of World War II bomber units became the commanders of the new Air Force -- men who "didn't fly a whole hell of a lot, or we wouldn't have had many of them around," Olds said. "After the war they became our Air Force leaders and planners.
     
  18. #17 christoph2, 24.01.2006
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    Heutzutage, in Zeiten von Radar-Rückwärts-Einpark-Hilfen im Auto hört sich das vielleicht lächerlich an, aber das Wetter in Europa war entscheidend für die Durchführung von präzisen Bombenangriffen während des 2.WKs. Es ist ja nicht nur die besagte Wolkendecke über dem Ziel (bitte verbeisst Euch da nicht rein, das sollte ein Beispiel sein), es ist das schlechte Wetter über England oder der Nordsee. Was bringt einem strahlendes Wetter über Berlin, wenn man in England vor lauter Nebel die Hand vor Augen nicht mehr sieht und die Bomberflotte erst gar nicht hochkommt. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, das das Wetter ein wichtiger Faktor ist, den man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht allzu gut kompensieren konnte.
     
  19. AM72

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    Du hast schon recht Christoph. Was letztlich auch im nachhinein richtig sein würde, wusste kaum einer. Die Technik setzte Grenzen. Dann verschiedenste Vorstellungen. Vom Moral Bombing" hat man sich damals kaum losgelöst.
    Das Wetter war sicher ein wichtiger Faktor. Aber man muss dazu auch sagen : Wenn diese Woche das Wetter schlecht war, waren die industriellen Ziele deswegen nächste Woche nicht mal eben weggebeamt in irgendwelche Hölen.
    Es war auch eine Ausbildungsfrage. Wohin man die Besatzungen hintrainiert. Es war eine Grundsatzfrage - wohin man die Technik entwickelt, wie man sie einsetzt. (Ein gewisser deutscher Stuka-Pilot at ja imerhin um die 500 Panzer vernichtet - da kommt keine B-17, keine Lanc und keine B-24 mit ... - und dieser Stuka war nun technisch nicht die Gipfelleistung dieser Zeit)

    Letztendlich aber frage ich mich jetzt, worum wir diskutieren. Das Deutschland nicht aus der Luft zu besiegen war, wussten damals schon genug Leute.
    Wir sind hier "Luftfahrtfreaks" und ich meine, wir sehen es manchmal alles ein wenig aus dem Gesamtzusammenhang gerissen.
    Eine Luftwaffe ist bisher immer eine Teilstreitkraft gewesen und ist es gegenwärtig auch immer noch - wenn auch mit wachsender Bedeutung. Sie kann einen Krieg nicht alleine gewinnen und/oder entscheiden. Das hat der WKII, der Koreakrieg,Vietnam und auch der letzte Golfktrieg gezeigt.
    All das aber wissen wir.
    Worum diskutieren wir nun eigentlich, was ist der Sinn ?
     
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  21. Flogun

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    Ich denke darum geht es.

    Mit dem Wetter hast Du sicherlich recht Arne, die Ziele waren auch danach noch da. Wetter ist ein unkalkulierbares Risiko, wenn beim Start in England klarer Himmel war mußte das ja nicht auch für die Rückkehr gelten.

    Die Teilstreitkraft allein kann natürlich nix reißen, aber man kann sich besser positionieren als andere. Die Luftwaffe war ja auch der Depp dass die Invasion Englands nicht hingehauen hat, obwohl die schon vorher gesagt haben dass sie dazu nicht in der Lage sind, wegen der dafür fehlenden Art der Flugzeuge (nicht der Anzahl).
     
  22. #20 christoph2, 24.01.2006
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    Die von Schorch in den Raum gestellte Frage war:

    "War die Strategische Luftoffensive ein Fehlschlag?"

    Meine Meinung dazu habe ich ja bereits im ersten Beitrag kund getan, Du hast mir aber bereits in dem Punkt widersprochen, als ich von dem Ansatz ausgegangen bin das die Zerstörung der industriellen Anlagen durch gezielte Angriffe den Krieg beenden sollte. Du bist der Meinung, korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege, das der generelle Ansatz nur in der Terrorisierung der Zivilbevölkerung liegt. Das sehe ich anders, ich sehe zwei Strategien, die des VIII Bomber Command und die des RAF Bomber Command, wie bereits erwähnt precision bombing und morale bombing. Und ich bin der Meinung, das die Strategie des VIII BC, trotz des Gesamtsieges durch die Allierten, nicht zur Gänze aufgegangen ist.

    Über morale bombing braucht man eigentlich nicht zu diskutieren. Das dies nicht funktioniert zeigen die verheerenden Brandbombenangriffe auf japanische Städte, denn SO sieht es aus wenn die AAF 'morale bombing' betreibt.

    Ich hoffe ich habe mich soweit verständlich ausgedrückt.

    Es gibt doch eine US Strategic Bombing Survey, da sollte man vielleicht mal näher hinschauen.
     
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War die Strategische Bomberoffensive ein Fehlschlag?

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