Warum keine Schwenkflügler mehr?

Diskutiere Warum keine Schwenkflügler mehr? im Jets Forum im Bereich Luftfahrzeuge; Ok, is klar, danke. Aus dem, was ich (als Laie) über moderne Kampflugzeuge weiß, habe ich diesen Eindruck ja auch gewonnen. Tieffliug hat aber...
WaS

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Überschall Low Level: hier habe ich derartig utopische Verbräuche, dass es sich prinzipiell verbietet. Tornado und F-111 konnten das auch nur "clean", und speziell der Tornado kann ja "clean" dann eigentlich nichts mehr.
Ok, is klar, danke.

Warum kein "low level" mehr? Es fehlen ein wenig die Referenzkonflikte. Heute ist anscheinend mittlere Flughöhe und aktives Zersägen der gegnerischen Luftabwehr opportun.
Aus dem, was ich (als Laie) über moderne Kampflugzeuge weiß, habe ich diesen Eindruck ja auch gewonnen.
Tieffliug hat aber doch immer noch den Vorteil, möglichst spät für den Gegner sichtbar zu sein. Welche technischen Entwicklungen haben denn dazu gehührt, dass dieser Vorteil heute nicht mehr zieht? Bessere Look-down-Fähigkeit der gegnerischen Jäger und AEW&C-Flugzeuge?

Vor allem aber legt man ein Flugzeug nicht mehr explizit auf "low level" aus.
Weil das für andere Einsatzbedungungen zu nachteilig ist, vermute ich.
 

Sens

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Zu einer hohen Geschwindigkeit im Tiefflug gehört immer auch eine hohe Tragflächenbelastung und/oder FBW mit Böen-Minderung, wie bei der B-1B. Auch andere moderne Muster können im Tiefflug kurzfristig bis in den hohen transsonischen Bereich geflogen werden, doch es wird ein "rauer Ritt" und die verbleibende Flugzeit, was den erhöhten Verbrauch angeht, reduziert sich auf Minuten.
Die F-104 bei der Bundeswehr - Erinnerungen und Impressionen
Da gab es ja schon die Details.
Bei einem "rauen Ritt" funktionieren weder der Pilot noch seine Avionik besonders zuverlässig. Von der F-104G wurde erwartet, das sie unter allen Witterungsbedingungen ihre Leistung im Tiefflug brachte. Nicht umsonst waren erst wieder die Schwenkflügel-Entwürfe der 60iger dazu in der Lage. Mit der Einführung der F-104G begannen Mitte der 60iger schon die Planungen für den Nachfolger der F-104G in den 70igern.
 

alois

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In der Berechnungsformel vom LTH ist ein klarer Faktor drin. Die sind jetzt nicht die reine Physik, aber seinerzeit von guten Leuten erstellt worden.
Ray Whitford macht in seinem Buch Air Combat eine andere Rechnung auf.

Zitat:
Provided that the use of variable sweep can be justified on grounds other than weight, the answer to the question of the weight penalty is simple. There is no weight penalty: on the contrary, there is a significant saving. For the VFX mission, for example, Rockwell's submission was the only one to feature a fixed- sweep design. The virtues of variable sweep were convincing enough for General Dynamics, Grumman, Ling-Temco-Vought and McDonnell Douglas all to submit swing-wing designs in response to this demanding requirement, subsequently and successfully addressed by the F-14. No-one can dispute the extra weight of the pivot assembly (the extensive use of titanium bears witness to this), the greater weight associated with the trimming necessary with variation in wing sweep, the extra trim drag, and the necessary increased engine thrust leading to more engine weight and larger fuel load. The structure weight may increase by 2-5%, depending on mission. But if a variable-sweep aircraft and a fixed-wing type having exactly the same performance are compared, the weight saving for variable sweep becomes clear. Grumman in fact pursued a fixed-wing design almost as far as that of the F-14 for comparison purposes. In trying to reconcile the conflicting requirements of high maximum Mach number, subsonic loiter and carrier suitability the designers soon realised that a fixed-sweep aircraft would have a higher wing area and thrust/weight ratio, making it significantly heavier. In the end the fixed- sweep Model 303F would have turned out almost 2,250kg heavier because of the larger wing area of 69m2 (compared with the F-14's reference area of 52m2) required for carrier suitability. While the F-14 can land safely with single-slotted flaps, the fixed-wing 303F needed double-slotted flaps and could not achieve the single-engine carrier wave-off rate of climb demanded by the US Navy.

Also wenn es um Flugzeuge gleicher Leistung geht, die auch noch Langsamflugeigenschaften, wie auch hohe Leistung kombinieren müssen, dann ist der Schwenkflügel sogar besser. Ein paar Seiten vorher in dem Kapitel beschreibt er, dass die F-15 ein schlechteres Verhältnis von Widerstand zu Gewicht hat als die F-14. Sicher, das kann man heute durch viel stärkere Triebwerke wieder ausgleichen. Aber dafür wäre der Spritverbrauch höher, als das Flugzeug mit gleicher Anforderung mit Schwenkflügel. Der Schwenkflügler hätte also bei gleichem Gewicht und Größe einen Reichweitenvorteil, weil er die Leistung nicht bräuchte.

Das Argument mit dem Tiefflug ist nur ein temporäres, da es derzeit keinen ernst zunehmenden Gegner gibt, in dessen Luftraum man unbedingt hinein muss um wichtiges zu zerstören. Das könnte sich die nächsten 20 Jahre ändern, je mehr die Chinesen Ärger machen. Stealth hilft, aber auch nur solange es keine Technik gibt, die es nutzlos macht. Dann muss man neben Stealth auch wieder altbewährte Tricks auffahren, wie z.B. den Tiefflug. Diese Technik ist im Prinzip schon da, sie muss nur großflächiger eingeführt werden.

Zum Argument des Stealth. Bisher gibt es noch keine Designs, die Schwenkflügel mit Stealth verbinden, darum kann man derzeit keinerlei Aussagen machen wie sich Stealth und Schwenkflügel vertragen.
 
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Schorsch

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Na ja, meinte ich ja so. Habe ja das gleiche Buch daheim.
Aber ein Fakt wird ja ohne Abrede bestätigt: ein Schwenkflügel ist schwerer, laut der Knibbel-Formel vom LTH etwa 15-20% als ein vergleichbarer Flügel gleicher Größe und gleicher Belastung.
Um die besagte "Gleichheit" zu bekommen, brauche ich Anforderungen, welche der Schwenkflügel in besonderer Weise erfüllt. Dein zitiertes Beispiel zeigt hier ja das Problem: die F-14 hat supersonic weniger Widerstand. So richtig der Supersonic Cruiser ist aber die F-14 auch nicht, auch dank der im AB sehr durstigen TF30. Der Schwenkflügel kann dann auch zu einem Scheinvorteil werden, wenn die Anforderung nicht die Wirklichkeit abbildet. Bei der F-14 rechtfertigt sich der Schwenkflügel vor allem aufgrund der langen "Loiter Time", also prinzipiell Warteflug. Hier kann die Kombination VSW+TF30 richtig "abräumen". Alles ist meines Erachtens auch anders erreichbar gewesen. Das gilt um so mehr, wenn ich mehr Optionen einbeziehe, etwa Abwurftanks.

Beispiel Supersonic. Die sehr durstigen Triebwerke (höherer SFC als ein J79) bedeuten, dass so wirklich lange man mit einer F-14 nicht supersonic fliegt. Auch der relativ geringe Spritanteil spricht dagegen. Die F-14 in relevanter Konfiguration erreicht nur in einem schmalen Höhenband überhaupt mehr als Mach 2. Wenn ich jetzt aber Einlauf und Airframe sehr konsequent auf diese Mach 2 Fähigkeit auslege, dann habe ich eben so einen Scheinvorteil. Der Tornado lässt grüßen.
Eine Kombination aus gering gefeilten Flügel mit Hochauftriebshilfen und verlängerten Flügelwurzel (so wie F-18) würden supersonic >1.5 komplett baden gehen gegen den Schwenkflügel. Aber wenn ich diese Anforderung streiche, dann stehen sie als Gesamtpaket auf einmal besser da.

Somit bleibt es meiner Ansicht nach Zeitgeist: besonders tapfere Anforderungen (Kurze Startbahn und M2+) waren damals beliebt, speziell in den USA. Und dann kommt halt so etwas raus.
 
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jackrabbit

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Hallo,

Vielen Dank für die Antworten und die interessante Diskussion. :thumbsup:

Ich habe die F/A-18 nie als wesentliche Steigerung gegenüber der Tomcat empfunden (Reichweite/ Nutzlast) und deshalb die Frage,
natürlich auch weil die Luftwaffe (Bundeswehr) als Ersatz für den Tornado jetzt F/A-18 in Zuge des Konzeptes der nuklearen Teilhabe beschafft.

Viele Grüsse
 

arneh

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Ich habe die F/A-18 nie als wesentliche Steigerung gegenüber der Tomcat empfunden (Reichweite/ Nutzlast) und deshalb die Frage,
natürlich auch weil die Luftwaffe (Bundeswehr) als Ersatz für den Tornado jetzt F/A-18 in Zuge des Konzeptes der nuklearen Teilhabe beschafft.
In Sachen Flugleistungen war sie das wohl auch praktisch nicht. Ihr Vorteil war die wesentlich geringere Komplexität und Wartungsintensität und damit einhergehend bessere Verfügbarkeit und Einsatzfrequenz. Auf einem Träger ein ganz entscheidender Vorteil, da man faktisch Netto 'mehr' Flugzeuge auf dem gegebenen Platz zur Verfügung hat.
Die F-14 war sicherlich rein technisch ein für ihre Zeit hervorragendes Flugzeug. Mehr (Luft-)Kampfkraft pro Flugzeug war auf einem Flugzeugträger kaum zu starten und Landen. Aber das wurde natürlich erkauft, durch einen ziemlichen Footprint, sowohl des Flugzeuges selber als auch von dessen Logistik. Und das nur als 'Selbstzweck', nämlich für die Selbstverteidigung des Trägers. Damit blieb für die 'aktive' Rolle des Flugzeugträgers (Angriff von See-/Bodenzielen) nicht mehr arg viel Platz übrig. Dies hat man mit der Hornet nachhaltig geändert.
 
Schorsch

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Ich habe die F/A-18 nie als wesentliche Steigerung gegenüber der Tomcat empfunden (Reichweite/ Nutzlast) und deshalb die Frage,
natürlich auch weil die Luftwaffe (Bundeswehr) als Ersatz für den Tornado jetzt F/A-18 in Zuge des Konzeptes der nuklearen Teilhabe beschafft.

Viele Grüsse
Ich erinnere da viele Diskussion um die Ausmusterung der F-14, welche alle von einer Katastrophe sprachen. Man habe jetzt keine Jagdflugzeuge mehr, sondern nur noch "Bomb Trucks".
Dabei fand ich den Mythos F-14 stets etwas suspekt.
Halten wir fest:
  • das Flugzeug ist wirklich sehr groß, mit entsprechenden Nachteilen
  • trotz Schwenkflügel und Größe war die reine Reichweite (speziell unter Gefechtsbedingungen, wo man nicht mit M.75 dahin eiern kann) keine Stärke
  • Supersonic Performance ist eher Mittelmaß
  • die Beladungsoptionen sind auch eher mau, wenig externer Treibstoff, insgesamt geringe Zuladung
Das ist alles im Kontext der Mission, der verfügbaren Technologie seinerzeit (AWG-9 wiegt bummelig 600kg, jede AIM54 weitere 450kg) und dem Zeitgeist ok. Das System funktionierte nach holprigen Start (auch normal) ganz ok. Gegen "richtige" Jagdflugzeuge wenig "bang for the buck", aber die Kernmission war ja eine andere. Für die "richtige" F-14 musste man ein "richtiges" Triebwerk haben. Mit dem F110 hatte man ein richtiges, die F-14 wurde dadurch mehr Jagdflugzeug als vorher. Dazu kamen die Avionik-Updates. Mit dem weitgehenden Wegfall der Bedrohung durch Langstrecken-Bomber entfiel auch der Job, 150nm von der Flotte entfernt mit Raketen klobig wie Fliegerbomben auf gegnerische Bomber zu warten (MiG-CAP hätte man eh stets mit AIM-7 gemacht). Die AIM54 wäre so oder so ausgemustert worden. Allerdings war das kein kleines Update, war im Prinzip wie einmal neu kaufen.

Die F-18E ist sicherlich kein Flugleistungswunder, aber in allen relevanten Kategorien genauso gut oder besser. Das da immer riesige Tanks dran hängen sieht wenig elegant aus (wobei man die F-14D auch selten ohne sah). Aber im Gesamtkontext das bessere Flugzeug, weil am Ende mehr Raketen effektiv Richtung Gegner zeigen. Als Air2Ground sowieso. Mit der Fähigkeit praktisch alle Missionen vom Jäger, über den Jagdbomber, SEAD und Betankung durch ein Muster fliegen zu lassen, enorm flexibel.
 

alois

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Somit bleibt es meiner Ansicht nach Zeitgeist: besonders tapfere Anforderungen (Kurze Startbahn und M2+) waren damals beliebt, speziell in den USA. Und dann kommt halt so etwas raus.
Klar, der Flügel als solcher ist schwerer, macht aber vergleichbare Flugzeuge nicht schwerer. Darum ging es mir, weil ein Flugzeug immer ein Gesamtsystem ist.

Man kann es sicherlich Zeitgeist nennen, man kann es auch so ausdrücken, dass die Anforderungen es erfordert haben. Diese können aber jederzeit wieder kommen, sich also der "Zeitgeist" wieder ändern. Bisher kann man die Anforderungen ohne erfüllen. Irgend wann könnte der Tiefflug wieder kommen und da hat der Schwenkflügel wieder Vorteile. Kann auch sein, dass die Elektronik und KI und Drohnen so günstig werden lässt, dass man bemannte Flugzeuge für die meisten Kampfaufgaben wirklich nicht mehr braucht und es auch egal ist wie viele davon verloren gehen. Man weiß es nicht was die Zukunft bringt. Den Wartungsvorteil wegen fehlender Schwenkflügel erkauft man sich heute mit mehr Wartung der Elektronik und anderem Gedöns, wenn man an die F-35 denkt, die irgend wie auch nicht das gelbe vom Ei ist.
 

alois

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Dabei fand ich den Mythos F-14 stets etwas suspekt.
Halten wir fest:
  • das Flugzeug ist wirklich sehr groß, mit entsprechenden Nachteilen
  • trotz Schwenkflügel und Größe war die reine Reichweite (speziell unter Gefechtsbedingungen, wo man nicht mit M.75 dahin eiern kann) keine Stärke
  • Supersonic Performance ist eher Mittelmaß
  • die Beladungsoptionen sind auch eher mau, wenig externer Treibstoff, insgesamt geringe Zuladung
Ja, man muss die F-14 mit dem Referenzentwurf von Grumman ohne Schwenkflügel betrachten. Die Forderungen der Navy waren nur so komplett zu erfüllen. Ein spezielles Flugzeug für eine spezielle Aufgabe und als die Aufgabe weg fiel, nutzlos. Darum sind die F-111 der Air Force nach dem KK auch schnell ausgemustert worden. Die F-14 war mehr Mythos als echte Leistung. Selbst die Fähigkeit auf Maximalentfernung sechs verschiedene Bomber auszuschalten war nur Mythos und die entsprechenden Vorführungen nur Show.

Die F-18 scheint auf dem ersten Blick nachteilig ihren Vorgängern gegenüber. Sie sollte zuerst ja auch eher die A-7 ersetzen und die F-14 in der Jägerrolle ergänzen, also Multirole, das was die viel schwerere F-4 im Laufe ihrer Karriere wurde, die auch durch die viel leichtere F-16 ersetzt wurde. Die F-18 kam auch in eine Zeit, als Eisenbomben immer mehr durch immer günstigere Lenkwaffen ersetzt wurden, was den Zuladungsvorteil der zu ersetzenden A-7 auch fragwürdiger machte. Im Nachhinein betrachtet, hatte man keine Nachteile durch die F-18, weil sich der Luftkrieg geändert hatte.
 

koehlerbv

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Aber die F-14 haben doch die Japaner besiegt! Jeder konnte doch deutlich sehen, dass das ohne diese Schwingflügel gar nicht ging ...

 

Sens

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Klar, der Flügel als solcher ist schwerer, macht aber vergleichbare Flugzeuge nicht schwerer. Darum ging es mir, weil ein Flugzeug immer ein Gesamtsystem ist.

Man kann es sicherlich Zeitgeist nennen, man kann es auch so ausdrücken, dass die Anforderungen es erfordert haben. Diese können aber jederzeit wieder kommen, sich also der "Zeitgeist" wieder ändern. Bisher kann man die Anforderungen ohne erfüllen. Irgend wann könnte der Tiefflug wieder kommen und da hat der Schwenkflügel wieder Vorteile. Kann auch sein, dass die Elektronik und KI und Drohnen so günstig werden lässt, dass man bemannte Flugzeuge für die meisten Kampfaufgaben wirklich nicht mehr braucht und es auch egal ist wie viele davon verloren gehen. Man weiß es nicht was die Zukunft bringt. Den Wartungsvorteil wegen fehlender Schwenkflügel erkauft man sich heute mit mehr Wartung der Elektronik und anderem Gedöns, wenn man an die F-35 denkt, die irgend wie auch nicht das gelbe vom Ei ist.
Inzwischen schaut man längst genauer hin. Von jedem Start bis zur Landung verbringt man die meiste Zeit einer Mission in einem Luftraum, wo es keine aktive Bedrohung gibt. Erst in einem zeitlich eng begrenzten Bereich von Minuten braucht man vielleicht das jeweilige Maximum an Leistung. Da ist heute die entscheidende Größe die Elektronik, die auch künftig durch die Stealth-Eigenschaft unterstützt wird. Die absoluten Flugleistungen stehen dahinter zurück. Was früher noch Gleichwertig war, dass upgrade der Avionik oder ein verbessertes Triebwerk ist längst klar entschieden. Hat man die Möglichkeit auch die Vorteile des Tiefflug zu nutzen, dann nutzen auch aktuelle Muster diese Möglichkeit. Auch dort braucht man die Nachbrenner-Unterstützung nur in wenigen Fällen. Sie sind inzwischen längst Mehrstufig, so dass der Verbrauchsnachteil bei ihrer Nutzung schon deutlich geringer ist.
 

Sens

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Ja, man muss die F-14 mit dem Referenzentwurf von Grumman ohne Schwenkflügel betrachten. Die Forderungen der Navy waren nur so komplett zu erfüllen. Ein spezielles Flugzeug für eine spezielle Aufgabe und als die Aufgabe weg fiel, nutzlos. Darum sind die F-111 der Air Force nach dem KK auch schnell ausgemustert worden. Die F-14 war mehr Mythos als echte Leistung. Selbst die Fähigkeit auf Maximalentfernung sechs verschiedene Bomber auszuschalten war nur Mythos und die entsprechenden Vorführungen nur Show.

Die F-18 scheint auf dem ersten Blick nachteilig ihren Vorgängern gegenüber. Sie sollte zuerst ja auch eher die A-7 ersetzen und die F-14 in der Jägerrolle ergänzen, also Multirole, das was die viel schwerere F-4 im Laufe ihrer Karriere wurde, die auch durch die viel leichtere F-16 ersetzt wurde. Die F-18 kam auch in eine Zeit, als Eisenbomben immer mehr durch immer günstigere Lenkwaffen ersetzt wurden, was den Zuladungsvorteil der zu ersetzenden A-7 auch fragwürdiger machte. Im Nachhinein betrachtet, hatte man keine Nachteile durch die F-18, weil sich der Luftkrieg geändert hatte.
In den 8 Jahren des Golfkrieges hat der Mythos der F-14 den Iranern so geholfen, dass sie dieses Muster bis heute flugfähig halten.
 
bushande

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In den 8 Jahren des Golfkrieges hat der Mythos der F-14 den Iranern so geholfen, dass sie dieses Muster bis heute flugfähig halten.
Na ja .... ich denke, das ist eher Alternativlosigkeit.
Ja, die dicke Kuh ist heilig bei denen, aber auch der Iran hätte das Muster wohl nichtmehr unbedingt im Bestand, wenn die letzten 40 Jahre anders verlaufen wären.

Obwohl ..... wenn der Iran als Finanzier für neue Varianten (ähnlich wie die Saudis und Koreaner für die F-15) zur Verfügung gestanden hätte ...?! Vielleicht gäbe es dann heute auch bei der USN noch ein paar? Wobei .... eher unrealistisch. Flottenschutz machen die Amis heute komplett anders und vieles ist dank Aegis ja auch wieder auf Schiffe gewandert. Die USAF nimmt vergleichbare Muster wie die F-15EX ja auch nur aus der Not durch zu wenige F-22 und zu spät ankommende F-35 mit in den Bestand. Eine modernere F-14-Version wäre auch nur maximal unter ähnlichen Umständen für die USN denkbar, wenn überhaupt.

Die F-14 ist ohnehin nur knapp am "Tod in der Frühphase" vorbeigeschlittert. Der Iran hat nicht zuletzt die F-14 überhaupt seinerzeit vor dem Untergang dank des Kredites durch die Meli-Bank an Grumman 1974/75 gerettet. Ohne die Perser hätte die USN wohl schon Mitte der 70er die F-14 wieder in der Versenkung verschwinden lassen. Mit bissel was um die 150 ausgelieferten Maschinen und einem bankrotten Hersteller wäre für die Navy kein Blumentopf zu gewinnen gewesen.

Hmmmm ..... gut, die Perser haben die F-14 schließlich auch etwas anders, oder besser gesagt unter anderen Umständen eingesetzt: Long Range CAP Missions entlang der Grenzen des eigenen Terrains mit Tanker-Unterstützung und jeder Menge verfügbarer Landbasen und entsprechender Vorwarnzeit durch verteilte Ground Intercept Stationen .... da war sie für die Iraner schon recht gut geeignet. Da wurde aus dem Selbstzweck im Falle der Navy eben die Verteidigung des eigenen Luftraumes und das ist schon eine andere Hausnummer zur Rechtfertigung hoher Betriebskosten. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Auffassung haben die Iraner ja das Komplettpaket sogar mitsamt externer Tanks in der Tat bekommen. Sie haben sie nur quasi nie gebraucht und so gut wie nie an die Flieger gepappt. Unter diesen Umständen könnte für ein Land das fast so groß ist wie die EU das Konzept der F-14 durchaus heute noch nicht total irrelevant sein.
 
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Sens

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Bevor die Tatsachen in der Rückschau ins Gegenteil verkehrt werden. Der "Kater" konnte es mit jedem Einsatzmuster seiner Zeit im Kurvenkampf aufnehmen. Die stufenlos verstellbaren Tragflächen samt Automatik boten ein carefree handling und eine Corner velocity von unter 300 kt. Im Laufe der Einsatzzeit wuchs zudem die Zuverlässigkeit und das Ansprechverhalten der TF30 Triebwerke. Für die kurzfristige Agilität genügten sie bis zur Außerdienststellung. Mit den F110 Triebwerken wuchs auch die Dauerleistung. https://www.reddit.com/r/hoggit/comments/avuh86
Das Radar bot eine Leistung die bis heute Beeindruckend ist. Die letzten Muster gab es noch als Bombcat Modifikation.


Die kühlen Rechner bei der USN haben zurecht den Stöpsel bei den F-14 gezogen. Denn auch dafür waren die Kosten der Flugstunde zu hoch und mit jedem Einsatzmuster weniger an Bord der Träger sanken die Betriebskosten. Seit den 90igern stand ja die AIM-120 zur Verfügung. Die erlaubte es mit einer F-18 eine F-14 in der Jäger-Rolle zu ersetzen genauso wie es eine F-16 bei einer F-15 kann. All das fiel mit dem Ende der SU zusammen und Mittelfristig gab es die Bedrohung durch deren Bomber wie die Backfire und ihre Abstandswaffen nicht mehr.
 
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Ich denke auch das taktische Tiefflugeinsätze weiterhin dazugehören, auch wenn der Golfkrieg 30 Jahre her ist. Seit dieser Zeit ist eben auch die Verwendung von Abstands- und Präzisionslenkwaffen wie JDAM erheblich gestiegen, sodass die Flugzeuge bspw. nicht mehr direkt ihre Ziele oder speziell Pisten überfliegen müssen. JDAM kosten aber auch richtig Geld und weniger finanzstarke Länder werden sich auch weiter auf Tiefflugeinsätze verlassen.
 
Alpha

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Der Thread ist ja ganz schön durchsetzt mit kuriosen Behauptungen. "Die stufenlos verstellbaren Tragflächen samt Automatik boten ein carefree handling " - Tomcat und "carefree Handling" ist ein ziemlicher Brüller - in der Realität ist eher das Gegenteil wahr.
Oder: "Der "Kater" konnte es mit jedem Einsatzmuster seiner Zeit im Kurvenkampf aufnehmen. ". Aha. Hat sich wohl mal wieder der Pilot geirrt, der wirklich real "Kurvenkampf" vs F14 geflogen ist (Cirrus) :-D : 30 Jahre F-14 Tomcat

Aber nachdem auch ein anderer echter Jetpilot hier schon entnervt aufgehört hat - Bühne wieder frei für Google und Wikipedia...
 
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die Beladungsoptionen sind auch eher mau, wenig externer Treibstoff, insgesamt geringe Zuladung
So mau waren die Beladungsoptionen der F-14 mit 6,5 Tonnen doch gar nicht, und wenn keine oder kaum Zusatztanks gab es noch die Nachtankvorrichtung.

Mittelfristig gab es die Bedrohung durch deren Bomber wie die Backfire und ihre Abstandswaffen nicht mehr.
Die Backfire fliegen aber immer noch und eben auch mit Abstandswaffen. Ich sehe da nach wie vor Bedrohungspotenzial für die Träger.
 
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Und F-14 vs F/A-18 - zumindest mit der Super Hornet konnten laut offiziellen Angaben gegenüber der F-14 die Kosten pro Flugstunde halbiert werden.
 
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