Wie behält der Bomberpilot die Kontrolle?

Diskutiere Wie behält der Bomberpilot die Kontrolle? im Bordwaffen Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Guten Tag, mich beschäftigt seit kurzer Zeit eine Frage, welche ich hoffe, von der Community in diesem schönen Forum hier beantwortet zu bekommen...

Mr Milk

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Guten Tag,
mich beschäftigt seit kurzer Zeit eine Frage, welche ich hoffe, von der Community in diesem schönen Forum hier beantwortet zu bekommen.

Wie konnte bzw kann ein Bomberpilot seinen Bomber kontrollieren wenn auf einen Schlag Tonnen an Bomben abgeworfen werden?
In meiner Vorstellung müsste der Bomber doch hochsteigen oder sich anderweitig bewegen?
 
Chopper80

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In meiner Vorstellung müsste der Bomber doch hochsteigen oder sich anderweitig bewegen?
Natürlich muss der Pilot gegensteuern, wenn sich das Gewicht rapide verringert. Da die abgeworfene Last sich in der Nähe des Schwerpunktes befindet, wird kein großes Nick- oder Rollmoment auftreten, natürlich wird das Flugzeug erstmal steigen, aber das kann der Pilot gut ausgleichen. Sieht ja bei den Wasserbombern ähnlich aus. Es gab allerdings schon Vorfälle beim Fallschirmspringen, wo der Schwerpunkt aufgrund der zur Tür drängenden Springer aus dem Limit ging und sich die Fluglage dramatisch änderte

C80
 
Schorsch

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Nun, man kann da mal etwas nachrechnen.
Nehmen wir den Bomber mit der schwersten Nutzlast, die B-52.
Die konnte in Vietnam bis 108 500lbs Bomben aufnehmen, also 24.5t.
Unter Annahme, dass der Bomber beim Abwurf etwa halbvolle Tanks hat, ergibt sich:
Gewicht vor Abwurf: OEW + FUEL + BOMB = 88t + 45t + 24.5t = ~157t
Gewicht nach Abwurf: OEW + FUEL = 88t + 45t = ~133t
Die Differenz entspräche: 18%
Oder: würde man ein Manöver mit 1.2g fliegen (entgegen dem Flug beim 1g), wäre man wieder beim gleichen benötigten Auftrieb.
Ein normales Flugzeug sollte seinen maximalen Lastfaktor binnen 3 Sekunden aufbauen können, somit stellt der Verlust von 25t Nutzlast in vielleicht 5-10 Sekunden keine sonderliche Herausforderung für die Nicksteuerung dar. Natürlich nur, wenn die Waffen gleichmäßig um den Schwerpunkt angeordnet sind. Aber das kann vorrausgesetzt werden.
Ich würde behaupten, dass die Höhenänderung effektiv sehr niedrig ausfällt. Aufgrund der Stabilität des Flugzeugs würde sich das Flugzeugs schnell wieder in ein neues Gleichgewicht bringen.
 

78587?

Space Cadet
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noch ein Nachtrag, der Abwurf einer über 10t schweren "Grand Slam" aus einer Lancaster, war sowohl für die Besatzung, aber viel mehr für den Hauptholm extrem belastend. Die ist da regelrecht nach oben gesprungen.

.
 
Intrepid

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Es gab allerdings schon Vorfälle beim Fallschirmspringen, wo der Schwerpunkt aufgrund der zur Tür drängenden Springer aus dem Limit ging und sich die Fluglage dramatisch änderte
Da kann ich ein Lied von singen.

Richtig erschrocken war ich bei einem der ersten Absetzflüge bei schlechtem Wetter, wo die Springer zwar noch unten ihren Sportplatz finden konnten, ich nach vorne aber keinen Horizont mehr hatte. Ich habe ihnen total begeistert beim Verlassen des Flugzeuges zugeschaut und hätte beinahe die Fluglage verloren. Womit wir beim wichtigsten Punkt wären: Erwartungshaltung. Stelle ich mir für einen Bomber ähnlich vor wie beim Ausfahren der Landeklappen. Wenn man weiß, was kommt, hält man einfach dagegen und gut ist.

Die Belastungen für das Flugzeug halte ich allerdings nicht für trivial ...

 
Chopper80

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noch ein Nachtrag, der Abwurf einer über 10t schweren "Grand Slam" aus einer Lancaster, war sowohl für die Besatzung, aber viel mehr für den Hauptholm extrem belastend. Die ist da regelrecht nach oben gesprungen.

.
10t sind für eine Lancaster ( ca. 30t MTOW ) ja auch schon ganz ordentlich ....

C80
 
Intrepid

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Bei dieser Aktion habe ich schön alle Lastverteilungen gerechnet (6 * 100 kg Blüten mussten von über den Tragflächen nach hinten zur Tür gehievt und über Bord geschmissen werden), aber stellte sich dann als völlig harmlos heraus:



Ein größeres Bild habe ich leider nicht. Und ich war deshalb so vorsichtig, weil ich das tief mit genehmigtem Unterschreiten der Sicherheitshöhe geflogen bin. Einem der beiden Werf-Helfer war anschließend schlecht, obwohl er wie ein Bergsteiger angeseilt war. Der hat dann den niedlichen Blüten noch hinterher gekotzt ... ist aber unten niemandem aufgefallen :wink2:

Schwierig war es, den Abwurfpunkt genau zu bestimmen, damit die Blüten auch auf dem Platz niederregneten, wo das Ereignis war. Hat aber geklappt - gute Vorbereitung eben :thumbsup:

 
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MiGhty29

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so sieht es schon anders aus!
Danke!

Uwe
 
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ich habe mal gelernt,dass ein Pfund in etwa einem HALBEN Kilo entspricht! :TD:
Bitte NEU rechnen! :TOP:

Gewichtsumrechner von Pfund nach Kilogramm

Gruss Uwe
Was soll ich dazu sagen ... die gleiche Buchstaben beim Google eingetickert hätte Dir noch mehr Erkenntnis gebracht.
Was mich noch mehr schockt: wegen kleiner Zweifel bei einer Zahl wird die gesamte These in Zweifel gestellt.
Man könnte das OEW groß anzweifeln, und meine Treibstoffkalkulation. Aber nein.


noch ein Nachtrag, der Abwurf einer über 10t schweren "Grand Slam" aus einer Lancaster, war sowohl für die Besatzung, aber viel mehr für den Hauptholm extrem belastend. Die ist da regelrecht nach oben gesprungen.
Ich glaube zum einen waren die 2.WK Bomber generell etwas "wackeliger" ausgelegt, zum anderen stellt eben eine 10t Bombe (30% MTOW) "auf einmal" eine ganz andere Sprungfunktion da als 15% über 5-10 Sekunden.
 
MiGhty29

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alles gut...Schorsch...ich habs ja nun verstanden!
nicht EinhundertAchttausendFünfhundert Pfund =etwa 54 t
sondern
EinhundertAcht x FünfhundertPfundBomben!
Danke trotzdem...
Uwe
 
lutz_manne

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Haben die Grand-Slam-Werfer möglicherweise beim Abwurf schon den Flieger gleichmässig angedückt, so auf 0,8 G vielleicht? Dann würde der Flieger doch etwas entlastet werden, auch wenn die Last den Flieger etwas langsamer verlässt. Nach dem Abwurf dann eine sanfte Abfangkurve fliegen.
 

78587?

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Haben die Grand-Slam-Werfer möglicherweise beim Abwurf schon den Flieger gleichmässig angedückt, so auf 0,8 G vielleicht? Dann würde der Flieger doch etwas entlastet werden, auch wenn die Last den Flieger etwas langsamer verlässt. Nach dem Abwurf dann eine sanfte Abfangkurve fliegen.
Denke ich nicht, einen Bahnneigungflug, wird das Zielgerät nicht können. So eine einzelne Abwurfwaffe, bedarf eines präzisen Anfluges, auf gleicher Höhe und Kurs.


.
 
lutz_manne

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Denke ich nicht, einen Bahnneigungflug, wird das Zielgerät nicht können. So eine einzelne Abwurfwaffe, bedarf eines präzisen Anfluges, auf gleicher Höhe und Kurs.
.
Stimmt auch wieder... aus dem Wiki zum Norden Bombenzielgerät:
"Während des gesamten Zielanflugs musste der Bomber außerdem immer die Höhe beibehalten, was ihn verwundbarer für feindliche Flugabwehrkanonen machte."
 

Heavy

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Werden hier evtl. die Grandslam Abwerfer der Dammbusters mit Tallboy Bomben verwechselt? Soweit ich ohne Nachschlagen weiss, wurden die Grandslams aus grosser höhe (Edit Wiki sagt 20'000 Fuss) abgeworfen und hatten deshalb eine eingeschrenkte Zielgenauigkeit.

Ich stelle mir das bei den Angriffen auf die Talsperren noch eklatanter vor, da der Abwurfzeitpunkt stimmen muss und aus geringer höhe erfolgt. Da ist dann wenig höhe und Zeit zum ausgleichen/korrigieren. Das Anflugverfahren alleine ist da ja bücherfüllend.
 
Schorsch

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Danke trotzdem...
Uwe
OK, das war das Missverständnis ... ich dachte, da wollte jemand besonders pedantisch sein.
 

jackrabbit

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@Heavy

Hallo,

die großen Bomben Grandslam (22.000 lb) und Tallboy (12,000 lb) wurden beide aus großen Höhen (6.700m) abgeworfen.
Die Rollbombe (bouncing bomb, 9.250 lb) der Dambusters hingegen aus nur 18 m Höhe, wobei manche Bomber wegen der erforderlichen
Genauigkeit mehrfach angeflogen sind und sich dabei mit der (einfachen) 2cm Flak auf den Staumauern beschossen haben.

Grüsse
 
HoHun

HoHun

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Moin!

Die Belastungen für das Flugzeug halte ich allerdings nicht für trivial ...

Das war eine etwas andere Situation: Das Löschflugzeug hat beim Abwerfen des Löschmittels bei ausgefahrenen Landeklappen eine Abfangkurve mit > 2 G geflogen. Außerdem wiesen die Flügel durch Materialermüdung entstandene Risse auf. Löscheinsätze wurden routinemäßig unter Überschreitung der Belastungsgrenzen der Löschflugzeuge geflogen und habe so zu einer sehr schnellen Alterung der Zellen beigetragen.

(Hier nachzulesen: NTSB accident summary for N130HP - Wikisource, the free online library )

Ein Bomber im Horizontalflug hat ja vor dem Bombenabwurf genau den Auftrieb für 1 G. Wirft er jetzt zum Beispiel 30 % seines augenblicklichen Gewichts ab, hat er im ersten Moment immer noch 100 % Auftrieb, aber nur 70 % Gewicht, also entsteht eine vertikale Beschleunigung von 1,43 G. Das führt zu einer ansteigenden Flugbahn, so daß der Pilot nachdrücken muß, um mit < 1 G wieder in die Horizontale zu kommen. Ich habe auch häufiger Beschreibungen von Bombercrews gelesen, nach denen das Flugzeug im Moment des Bombenabwurfs "hüpft".

Werden Bomben abgeworfen, die weit vor oder hinter dem Schwerpunkt liegen, kann die Schwerpunktveränderung die Steuerung erschweren. Da die Abwurflast bei den meisten Bombern schwerpuntnah untergebracht ist, ist das wahrscheinlich meistens nicht so wichtig. Ich glaube, einige Düsenbomber wie etwa die Rockwell B-1 könnten von dieser Regel abweichen ... bei diesem Typ spielt Schwerpunktmanagement eine große Rolle, und sie hat einen einen ihrer Bombenschächte sehr weit achtern.

Tschüs!

Henning (HoHun)
 
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