Wie fliegt man sowas? Was passiert da?

Diskutiere Wie fliegt man sowas? Was passiert da? im Hubschrauberforum Forum im Bereich Luftfahrzeuge; Hallo, als Flächenflieger habe ich von Hubschraubern nur wenig Ahnung und habe eben N24 geguckt. Bei einer Reportage über die Bo-105 hat der...

Moderatoren: gothic75
  1. #1 Captain Murdock, 30.01.2016
    Captain Murdock

    Captain Murdock Flieger-Ass

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    Hallo,

    als Flächenflieger habe ich von Hubschraubern nur wenig Ahnung und habe eben N24 geguckt. Bei einer Reportage über die Bo-105 hat der Pilot den Hubschrauber auf die Nase gestellt und ist Kreise geflogen ohne das der Hubschrauber großartig gestiegen oder den Kreis verlassen hat. Hier das Video dazu (wenige Sekunden zu sehen):
    https://youtu.be/XeZ-D-6xNyo?t=22m9s


    Kann mir mal jemand erklären wie der Pilot das macht hinsichtlich steuerung und wie das physikalisch im groben zu erklären is? Verstehe nicht warum der Hubschrauber dadurch keine Vorwärtsbewegung einnimmt. Geschweigedenn keine Höhe verliert wo doch der Auftrieb nicht genau senkrecht zum Boden positioniert ist, sondern durch die Rotorstellung etwas nach vorne.
     
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  3. Boogi

    Boogi Berufspilot

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    Hi,

    aus physikalischer Sicht ist das ein ganz normaler Kurvenflug, nur dass eben der Rumpf nicht in Flugrichtung zeigt, die Fluggeschwindigkeit eher gering ist und die Schräglage groß. Der Auftrieb muss dann eben größer sein als das Gewicht.

    Gruß
    Boogi
     
  4. nikkor

    nikkor Fluglehrer

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    Der Bo 105 ist einfach ein Arschgeiler Hubschrauber. Eine Schade den auszumustern.
     
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  5. cool

    cool Testpilot

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    Naja, normaler Kurvenflug sieht anders aus. Cooles Manoever, ich denke die Frage ist, wie es die Bo hinbekommt die Auftriebskraft direkt nach oben "zu lenken", obwohl der Rotor ja eine komplett andere Achse hat (im Bezug auf die Erde).

    Ich bin kein so nen Helikopter-Freak, hab das aber noch nie bei nem anderen Hubschrauber gesehen.
     
  6. GorBO

    GorBO Space Cadet

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    Also Kurvenflug ist es mal nicht, sondern eine Form des Seitwärtsschweben.
    Für den Piloten stellt es sich so dar, dass er beim Drehen auf der Stelle selbst einen imaginären Punkt definiert, um den er schwebt. Das ist idealerweise das Hauptgetriebe, bei vielen unerfahrenen Piloten ist es der Pilotensitz und hier wurde diese Drehachse extrem weit vor den Hubschrauber gelegt.
    Physikalisch würde ich das Analog des Pendels wählen, dass man in eine Kreisbewegung versetzt. Die Auftriebskraft entspricht in dem Bild dem Seil des Pendels.

    Man kann übrigens als Drehachse auch den Heckrotor oder einen Punkt hinter dem Hubschrauber wählen. Sieht auch spektakulär aus und ist sogar noch schwieriger zu fliegen.
     
  7. #6 Captain Murdock, 31.01.2016
    Captain Murdock

    Captain Murdock Flieger-Ass

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    Okay aber wie steuert der Pilot diese Bewegung? Gehen wir doch mal von dem Beispiel aus der Pilot schwebt mit dem Hubschrauber in 5m Höhe auf einer Stelle. Er erhört den Schub drückt die Nase nach unten und dann? Oder wie läuft hier der Bewegungsaberat des Piloten ab?
     
  8. #7 Acanthurus, 31.01.2016
    Zuletzt bearbeitet: 31.01.2016
    Acanthurus

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    Hoi..
    Bei den Modellheli-Fliegern heißt diese Figur "Funnel".
    Im gezeigten Video sehen wir einen Tail-Up Funnel gegen den Uhrzeigersinn.
    Es gibt mehrere Varianten, wie man diese Figur einleitet
    Die im Video gezeigte Variante geht (mit dem Modell) etwa so:

    Man nimmt zunächst etwas Seitwärtsfahrt nach Rechts auf (cyclic rechts) oder dreht per Viertelpirouette aus der Vorwärtsfahrt in den Funnel ein, nimmt die Nase mehr und mehr runter und gibt dazu passend mehr Collective. Gleichzeitig wird dann reichlich linkes Pedal fällig. Wird die Funnel-Lage erreicht, so ist neben dauerhaft linkem Pedal auch dauerhaft cyclic roll nach links fällig. Die Figur gehört eigentlich zu den einfacheren, da man, wenn die korrekte Steuerposition erreicht ist, eigentlich gar nichts mehr machen muss. Gerne gemachte Fehler sind, dass nicht genug Nose Down oder zu viel Pitch ansteht und der Heli wegsteigt, oder dass der Heckrotorausschlag nicht zum Cyclic-Ausschlag passt und der Heli aus dem Trichter herausdreht.
    Wenn man einen sehr flachen Funnel fliegt, dann braucht man auch keinen links-Ausschlag mehr am cyclic--- wird dann eher ein Rechtsausschlag draus, um die Fahrt zu halten. Ab so 20-25° stationär nose down ist aber definitiv cyclic nach links fällig. Bezüglich Nicksteuerung ist das (nach dem Einleiten) einigermaßen neutral.

    Kurzes Lehrvideo zum Funnel hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=ak3QrByuQQU

    da sieht man auch mehrere der denkbaren Varianten (tail-up/tail-down, normal/inverted, left/right)

    Physikalisch ist da nichts besonderes dran, es ist das übliche Kräftegleichgewicht zwischen Schwerkraft und Zentripetalkraft, wie bei der Schräglage im Kurvenflug auch. Aufgrund der mächtigen Schräglage ist reichlich Schubüberschuß gegenüber dem normalen Schweben erforderlich (ein 45°-Funnel brauch 41% mehr Rotorschub als in der Schwebelage). Bei denn "manntragenden" dürfte das viele Helis an die Leistungslimits bringen (daher auch der Dummquatsch in dem Video, dass die 105 aerodynamisch undenkbare Sachen konnte...) das Prinzip Funnel geht auch mit anderen Mustern (es gibt z.b. auch reichlich Videos von Alouettes, aber im Prinzip geht das mit jedem Muster, welches Leistungsüberschuß mitbringt - die Anforderungen ans Rotorsystem sind gering, keine hohen Steuermomente, Rollraten oder ähnliches erforderlich, ein low-G-Problem oder sowas)
    Je nach Funnel-Version kann auch der Heckrotorschub das erste Limit sein, an dem man ankommt.
     
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  9. #8 chopper, 01.02.2016
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    Acanthurus hat das schon sehr gut beschrieben.

    Mit der Alouette II haben wir in den 70ger Jahren ähnliches auch versucht. Sah aber bei weitem nicht so spektakulär aus.
    Es war auch angeraten, daß der FSO (vulgo Flight Safety Officer) nicht gerade in der Nähe war .......

    Wichtig für dieses Manöver ist ein gewisser Leistungsüberschuss (war bei der Alouette II nicht so unbedingt vorhanden) und dass die relative Anblasgeschwindigkeit des Heckrotors von 18 kt (Handbuchwert) nicht überschritten wurde.
    Dieser Wert ist schnell erreicht und dann wird der Heckrotor schnell wirkungslos.
     
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    Hallo

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  11. #9 Captain Murdock, 01.02.2016
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  12. #10 Acanthurus, 03.02.2016
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    Wobei das eher ein recht flacher Nasenkreis ist als ein (stationärer) Funnel... der Unterschied ist, dass man diesen Nasenkreis entweder dynamisch aus der Fahrt heraus ohne allzu viel Rolleingabe fliegt (und dabei Airspeed abbaut), oder sogar cyclic in die Bewegungsrichtung geben muss um die Fahrt zu halten, wenn das Schauspiel nicht nach nem dreiviertelkreis vorbei sein soll.
    Beim echten steilen Funnel (wie bei der 105 im Video) braucht man den Cyclic in die andere Richtung, um die Rolllage der Drehphase anzupassen - das Aufrechterhalten der Fahrt entsteht da eher durch einen (winzigen!) Offset der Nase aus der Mittenrichtung.
     
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