Zivilist Das Goldene Zeitalter der zivilen Luftfahrt - Air Couzinet als Scratchbau im Maßstab 1:72

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Die tragischen Figuren sind doch immer die, die auch am meisten faszinieren. Renè Couzinet war der Prototyp des genialen Pechvogels. Wer seine erste Schöpfung sieht, die aber erst im dritten Versuch zum Einsatz kam (erste abgestürzt, zweite mit der Werkstatt verbrannt), der bemerkt sofort, hier ist was Außergewöhnliches.

Und dann noch die erfolgreiche Überquerung des Südatlantiks mit dem charismatischen Mermoz am Steuer“knüppel“ der Arc en Ciel, gefolgt von durch ständige Attacken von Neidern in ihren alten Wassern bestätigten amtlichen Stellen, die alle möglichen Aufträge torpedierten. Im Neuanfang sollte dann ein Postflugzeug entstehen, die AirCouznet 10, und als besondere Werbung wurde sie für das Rennen Istres -Damaskus genannt. Die typische Couzinet-Linie hatte es nicht, fasziniert mich aber mit dem Bus-ähnlichen Rumpf. Das kommt davon, wenn man auch beruflich viel mit solchen Dingern zu tun hat.



So etwas gibt es wohl kein zweites mal: Muss ich also haben!!




Bausatz gab es keinen, zumindest nicht in 72. Also entschloss ich das Teil scratch bauen, und gleich als Master für das JFR Team (die ihn inzwischen im Programm haben) . Also zuerst mal Quellen aufsuchen, davon gibt es nicht so viele.
  • Le Fanatique de l‘Aviation 25
  • Les Ailes no. 844
  • World Encyclopedia of Civil Aircraft, Enzo Angelucci, Willows Books Collins
Dann ist es noch eine große Hilfe, wenn andere Modellbauer ihre Archive öffnen: hier Claudio Luchina. Mit Hilfe des Silhouette Schneidplotters entsteht ein Master. Die weitgehende Verwendung von 2-dimensionalen Flächen bei der AC 10 vereinfachen den Bau des Masters, vor allem mit der Silhouette. Die Hauptteile sind hier zu sehen:



Man sieht hier aber auch die 3-dimensionale Teile. Traditionell aus Holz wurde die Dachkontur geschnitzt und als Vacu-Teil produziert.



Ich sag es am besten gleich: Die Flächen sind geraubt! RS war so freundlich, die hübsche Airspeed Envoy rauszubringen und deren Fläche ist genau die AC 10 – naja, fast. Motoren sitzen anders und ihre Gondeln sind sehr verschieden.



Die Motorgondeln sind aus einem anderen Bausatz, jedenfalls hatte ich die "am Lager". Ich meine, es wäre eine Blenheim gewesen. Hauptsache es passt - oder lässt sich leicht anpassen. So schnell kann's gehen - glaubt ihr. Jetzt fehlen ja noch die ganzen Kleinteile, Inneneinrichtung, Fahrwerk, Anbauteile außen. Schaun wir mal...
 
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Der Rumpf braucht ja noch eine Innenausrüstung, nachdem ja reichlich Fenster da sind. Glücklicherweise gibt es eine Querschnittzeichnung – die sich aber mit den Einblicken der Fotos nicht deckt. War vielleicht jeden zweiten Tag wieder umgebaut?


Ich entscheide mich für die Teile des Querschnitts, die mit wenig Änderungen auch gemäß Foto verwendbar sind. Im Wesentlichen ist nur die Position des Piloten zu ändern, lt. Zeichnung hinten, lt. Bild eher vorn, und damit auch die der Antenne.


Das gibt eine ganze Menge von Teilen, die erstellt werden wollen. Hier sind die bereits für die Abformung vorgesehenen Teile, auch mit Spornrad und Kühler (unten, unter dem Sitz).



Es gehören aber auch Ätzteile dazu. Das sind die Strukturen für die Wände des Führerraumes, die Antenne und vor allem die Hebelage. Die Kleinteile unten mittig sind die Steuerhörner.


Die Hebel werden auf den Platten der Strukturen montiert. Blechfalter sollte als Berufsbild eingeführt werden. Das ist fast so spannend wie Uhrmachen, allein schon die Auslegung: Da entscheidet sich, ob gefaltet oder mehr geflucht wird.
 
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Mittlerweile sind die Flächen mit den Motorträgern montiert und abegegossen. In letzteren wird das Fahrwerk eingezogen. Die Montagelöcher werden vorgebohrt. Da es ja ein Master ist, kann ich die Teile nicht fest montieren, daher die Helling, denn das Fahrwerk soll ja senkrecht sein.


Das Fahrwerk mache ich aus Metall. Auch hier hilft eine Helling zur Anpassung der Teile. Aus der Helling werden später die Federbeinbrücken ausgeschnitten.



Montiert sieht das dann so aus zum Abformen.



Probemontage zeigt, ob auch alles passt.


Hier sind die Längslenker auch montiert; sie werden als Ätzteile gefertigt werden.
Fehlen ja nur noch die Motoren und das Leitwerk.
 
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Der Motor ist aus der Restekiste, man sieht nachher nicht viel davon und die Feinheiten wie Ventiltrieb und Zündgeschirr überlasse ich für diesen Kit mal den Zubehörlieferanten. Dabei sein muss allerdings unbedingt der Abgasssammler und die diversen Be- und Entlüftungen Dazu hilft Lötdraht, der sich gut Aufbohren und - wo nötig - auch oval oder rechteckig formen lässt
.
In der Probemontage sieht man die im Motorgehäuse eingesetzte Buchse als Lagerung für die Propellerwelle und die Isolierung der Endrohre, die im Original wohl Asbest-Streifen waren. Asbest spare ich mir mal hier aus bekannten Gründen und nehme Tamiya-Band.

Die NACA Haube besteht aus einem Aluprofil und einem Einlaufring aus Resinresten gedreht.


Das Besondere an diesem Einbau sind die Krümmer zur Verbrennungsluftzufohr und der Entlüftung des Aggregateraums.



Wichtig ist auch der Ringspalt zwischen Haube und Motorträger. Würde ich für mein Modell dünner machen, ist dann aber schwieriger abzugießen

 
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Für so einen Scratchbau bräuchte ich Jahre. Ich bleibe hier am Ball.
 
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Für so einen Scratchbau bräuchte ich Jahre. Ich bleibe hier am Ball.
Naja, Jahre nicht, aber ein paar Monate schon. Die meiste Zeit braucht die Recherche und das Zeichnen, der Bau geht dann genu so schnell oder langsam, wie Du ein Modell aus dem Kasten baust. Danke für's dranbleiben!
 
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Das Leitwerk war mit der Silhouette geschnitten, danach in Form gefeilt.Wenn man die Hauptbauteile zusammensteckt, bekommt man einen ersten Eindruck, wie das Modell mal aussehen wird.



Das ist ja nur ein Master, kann also nicht zsammengebaut werden. Der Teilesatz ist jetzt fertig:



Damit sich das auch ordentlich abformen lässt kommt noch eine Hochglanzschicht drauf, hier war dunkelblau noch übrig.
Die Rumpfteile hatte ich ja schon so gezeigt, fehlen noch die Flächen samt Fahrwerk und Motoren.



Das JFR-Team hat dann die Abformung übernommen, so zum Beispiel:



Das JFR-Team hat dann die Decals nach der Vorlage bestellt, die in #2 gezeigt wurde, ebenso die Decals, für die es eine Vorlage gab.


Jetzt heißt es abwarten, bis alle Teile des ersten Bausatzes vorliegen. Daraus wird das Modell gebaut und die Bauanleitung erstellt.

Wer wissen will, wie es fertig aussieht, geht entweder in die Website des JFR-Teams und sucht da mal ein bisschen rum oder wartet bis morgen - dann gibt es meine Bilder.
 
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Der "Bus" ist fertig! Zu den Farben gibt es mehr Annahmen als Belastbare Fakten. Hier meine Interpretation:



Der Flieger war ja aus Holz und Silber oder weiß. Ich habe mich für Silber entschieden, weil die Startnummern definitiv weiß waren und der Rest auf den Fotos dunkler aussah.

Trickreich sind die Tricolore-Bänder. Da gibt es die Regel, dass vom Piloten aus gesehen die Reihenfolg wie auf der Flagge sein soll. Leider war mir das zum Zeitpunkt der Fotos nicht bekannt, drum sind sie hier FALSCH!
Später habe ich das korrigiert, so wie in der Virtuellen Ausstellung gezeigt.



Der Schriftzug René COUZINET in schwarz ist backbord angebracht. Auf Steuerbord war er wohl rot. Das Ding hinter den Fnstern ist ein Wärmetauscher - wofür habe ich nicht rausgekriegt.



Auch so eine Unsicherheit sind die beiden rechteckigen Felder in der Flügelnase zwischen Rumpf und Motoren. Ich habe sie mal für die Ölkühlung eingesetzt. Übrigens: ganz unten am Heck steht doch was raus: das ist die Steuerung des Höhenruders, also das Bauteil, das durch Steinschlag beschädigt oder ausgehängt war und somit die Notlandung unvermeidbar machte.



Der Raum hinter dem großen Führerraum diente dem Funker, den Zusatztanks und schließlich als Ruheraum für die Besatzung.
Ganz verschämt unter dem Höhenruder wieder das vermaledeite Teil: so etwas wichtiges würde ich nur ungern ungeschütz so nahe am Boden haben.



Zum Abschied die AC 10 noch mal von hinten.



Ich hoffe, der "Bus" hat Euch Spass gemacht und das Thema Scratch-Bau entzaubert. Wer wie ich sich den Zivilflugzeugen verschrieben hat, wird oft auf Bausätze zuückgreifen müssen, die mit geringerem Aufwand auch gescratcht werden könnten. Also scratch out of the Box.
 
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Ein Modell was man nicht alle Tage sieht. Schöner Flieger :applause1:
 
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