Zulassung eines neuen Systems

Diskutiere Zulassung eines neuen Systems im Luftfahrtgrundlagen Forum im Bereich Grundlagen, Navigation u. Technik; Hallo zusammen, war lange nicht mehr hier, aber jetzt brauch ich mal wieder hilfe ;). Ich schreibe derzeit meine bachelorarbeit u. habe ein...

Moderatoren: Learjet
  1. #1 maximilian222, 03.03.2016
    maximilian222

    maximilian222 Sportflieger

    Dabei seit:
    25.12.2013
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    Hallo zusammen,

    war lange nicht mehr hier, aber jetzt brauch ich mal wieder hilfe ;).
    Ich schreibe derzeit meine bachelorarbeit u. habe ein system entworfen das auf die tragfläche am boden angebracht wird (details sind nicht wichtig).
    Nun möchte ich gerne in meinem report erwähnen, warum das system nur auf die tragfläche gestellt wird u. nicht FEST im flugzeug (tragfläche) verbaut wird. Die gründe dafür sind einfach da man dafür eh nie eine zulassung bekommt etc. .
    Aber wie wäre denn der werdegang? Ich reiche alles an unterlagen bei welcher behörde ein u. diese prüft alles u. erstellt dieses formular (mir ist der name entfallen, ich mein nicht form one) SDC oder so? Achja, das system soll sich auf deutsch registrierte flugzeuge beziehen.
    vielen dank
     
  2. Anzeige

    Schau dir mal die beiden Links an:
    diesen Ratgeber und die Flugzeug-Kategorie

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  3. #2 Spartacus, 03.03.2016
    Spartacus

    Spartacus Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.10.2010
    Beiträge:
    373
    Zustimmungen:
    283
    Beruf:
    Informatiker
    Ort:
    Braunschweig
    Wie muss ich mir das denn vorstellen? Das System wird auf die Tragfläche des stehenden Flugzeugs gelegt, dann macht es was, dann nimmt man es wieder runter und dann kann das Flugzeug fliegen?
    Oder soll das System auf die Tragfläche montiert werden und das Flugzeug damit in die Luft gehen können?
    Das geht aus Deinem Satz nicht eindeutig hervor, ist aber entscheidend.

    Für D-registrierte Flugzeuge und die grundsätzliche Zulassung von Mustern in D ist das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig zuständig.
    Allerdings wirst Du eine Zulassung für ein Gerät nicht bei denen bekommen.
    Üblicherweise müssen die Hersteller der Luftfahrzeuge Änderungen beim LBA melden und deren Zulassung beantragen.
    Bei fest eingebauten Systemen müssen diverse Punkte dabei durch den Hersteller zertifiziert werden:
    - Brandlast
    - Einfluss auf Aerodynamik, Flugeigenschaften, ggf. Änderung der Limits für Geschwindigkeiten und Höhen
    - Einfluss auf Balance/Schwerpunktlage und Gesamtabflugmasse des Luftfahrzeugs
    - Mögliche Auswirkungen des Systems bei Unfällen (Explosionsgefahr, Ablösung vom Luftfahrzeug, Beschädigung der Umgebung, Umweltbelastung)
    - Einfluss auf Treibstoffverbrauch
    - ggf. Einfluss auf elektrischen Verbrauch

    Sollten sich da nämlich Änderungen ergeben, müsste das Pilots Operation Handbook und natürlich das Maintenance Handbook angepasst werden. Das erfordert dann eben einen aufwändigen (und teuren) Zulassungsprozess.
    Und den gehen Hersteller nur, wenn sich das auch irgendwo rechnet.

    Eine mobile Anbringung muss aber vom verantwortlichen Piloten ebenfalls auf all diese Dinge geprüft werden. Zusätzlich muss das System in allen Fluglagen so gesichert sein, dass es weder irgendwelche Ruder oder Klappen blockiert, noch plötzlich runterfällt und am Boden Schaden anrichtet.

    Beispiel: Eine GoPro mit Klettbändern am Heckleitwerk anbringen ist technisch kein Problem, kann aber Einfluss auf die Aerodynamik (damit den Luftwiderstand, und damit den Verbrauch) haben und runterfallen sollte sie natürlich auch nicht.
    Bohrlöcher in die Hülle, um das Ding fest zu verschrauben, sind aber auf jeden Fall tabu. Dafür musst Du zum Hersteller.

    Viel Spaß

    Spartacus
     
    Ghostbear und Schorsch gefällt das.
  4. #3 Schorsch, 13.03.2016
    Schorsch

    Schorsch Alien

    Dabei seit:
    22.01.2005
    Beiträge:
    10.709
    Zustimmungen:
    2.328
    Beruf:
    Flugzeugzeug machen.
    Ort:
    mit Elbblick
  5. #4 maximilian222, 14.03.2016
    maximilian222

    maximilian222 Sportflieger

    Dabei seit:
    25.12.2013
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    genau das wort hab ich gesucht!!! mir ist es einfach nicht mehr eingefallen.
    STC war es, vielen dank!
     
  6. #5 Spartacus, 14.03.2016
    Spartacus

    Spartacus Flieger-Ass

    Dabei seit:
    13.10.2010
    Beiträge:
    373
    Zustimmungen:
    283
    Beruf:
    Informatiker
    Ort:
    Braunschweig
    Ich noch mal:

    Wenn das System nur am Boden genutzt wird, und nicht fest (vulgo: dauerhaft) mit dem Flugzeug verbunden wird, dann ist meines Erachtens (ich bin aber kein zugelassener Musterprüfer oder so) keinerlei Papierkram notwendig.
    Klar sollte dann aber sein:
    - Der Eigner und der Halter (und ein ggf. nutzender Pilot) sollten informiert sein und der Nutzung zustimmen
    - Das Lfz darf in KEINER Weise an der Oberfläche oder an Strukturen beschädigt werden
    - Sollte das Lfz mit dem System aktiv rollen oder passiv bewegt werden, sind natürlich die üblichen Vorsichtsmaßnahmen geboten (Sicherung gegen Propeller-Luftstrom, gegen Herunterfallen; vollständige Bewegungsfreiheit aller Steuerorgane und -Flächen...)
    - Vor einem Flug ist das System natürlich restlos und rückstandslos zu entfernen

    Wenn das geht, dann braucht's keinerlei Zertifizierung. Das hat den Vorteil, dass man das System dann mal auf einem, mal auf einem anderen Lfz einsetzen könnte (sofern es dafür geeignet/gedacht ist). Und das wiederum würde ggf. Marktchancen drastisch erhöhen, wenn man das Ding in Serie produzieren und verkaufen wollte.
    (Allerdings kenne ich das System nicht, kann also nicht beurteilen, ob dafür überhaupt ein Bedarf bestünde)

    Alle Klarheiten beseitigt? ;-)

    Spartacus
     
  7. #6 maximilian222, 14.03.2016
    maximilian222

    maximilian222 Sportflieger

    Dabei seit:
    25.12.2013
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    servus.
    ja ist klar das man keine zulassung benötigt wenn das system nicht dauerhaupt am lfz angebracht ist ;)
    ging nur darum das ich erwähne in meiner arbeit WARUM ich es nicht fest verbaue.
    Wollte praktisch nur erklären das es teuer u. umständlich ist wenn man es in die tragfläche integriert.
    vielen dank euch.
    gruß
     
  8. #7 Acanthurus, 20.03.2016
    Acanthurus

    Acanthurus Testpilot

    Dabei seit:
    19.07.2005
    Beiträge:
    687
    Zustimmungen:
    241
    Beruf:
    Arbeit
    Ort:
    Fest
    Für eine "Ergänzende Musterzulassung" (supplemental type certificate, STC) brauchst du im Regelfall:

    - Ein Entwicklungsbetriebshandbuch, welches den Anfordungen nach Part21J entspricht und welches von der EASA genehmigt wird.

    - Eine Genehmigung als (EASA) Entwicklungsbetrieb. Diese setzt voraus, dass du eine gewisse Struktur mit fest vergebenen Posten hast

    -Miniumum an Posten: Musterprüfleitstelle, Musterprüfingenieure, Internes System Monitoring, Geschäftsführung.

    - Nach erteilter Betriebsgenehmigung (diese erhält man üblicherweise über ein Musterprojekt, welches die EASA streng überwacht) darfst du dich 1x pro Jahr (typischerweise für 2 Tage) von der EASA auditieren lassen und dafür einen Haufen Gebühren abdrücken

    - Detaillierte geprüfte und freigegebene Bauunterlagen für dein Design

    - Ein Musterprüfprogramm für dein Design, in welchem du genau aufschlüsselst, wie du genau welchen Paragraphen der Bauvorschrift nachzuweisen gedenkst. Dafür musst du viel Kleinkram dokumentieren, z.B. wie du die entscheidung getroffen hast, ob das nun eine kleine oder große Änderung ist, welche Bauvorschriften du als Zulassungsbasis verwendest usw.

    - Die Nachweisführung selbst (Prüfberichte, Versuchsberichte, Berechnungen...)

    - Solltest du für die Nachweisführung einen Flugversuch benötigen (das kann die Behörde ggf. fordern, z.b. um nachzuweisen dass dein Design keine negativen Auswirkungen auf Ruderwirksamkeit o.Ä. hat)), wirds nochmal extra schwierig. Dann brauchst du ein genehmigtes Flight testing ops manual, ein Flugversuchsprogramm, ein Risk assessment, einen Antrag auf Genehmigung der Flight Conditions, um damit ein PtF (Permit to Fly) beantragen zu können usw. Für den Versuch selbst brauchst du dann ggf. einen Piloten und einen Flugversuchsingenieur, welcher den Anforderungen entsprechend qualifiziert ist.

    - Einen Satz Instructions for Continued Airworthiness (ICAs, Instandhaltungsunterlagen) einschließlich (EASA-genehmigter) Lifetime Limitations Section

    - Eine Einrüstanweisung

    - Einen EASA-geprüften Anhang zum Flughandbuch (das kann unter Umständen entfallen, wenn es die Behörde als nicht erforderlich betrachtet)

    - Ggf. einen Herstellungsbetrieb (nach Part21G oder als Musterbau Part21J), um das Design auch zu bauen

    - Ggf. einen Part145-Betrieb, um das Design am serienzugelassenen Luftfahrzeug einzurüsten

    Es gibt auch andere (vereinfachte) Möglichkeiten (z.B. einen Entwicklungsbetrieb nach "alternative Procedures" anstatt 21J)
    für viele dieser Teilschritte, aber der obige Weg ist der "Regelfall", wie er normalerweise erfolgt.

    Gruß
    a.p.
     
    arneh, banji, Schorsch und 2 anderen gefällt das.
  9. Anzeige

    Hallo

    Schau dir doch mal die Luftfahrt-Kategorie an

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  10. banji

    banji Testpilot

    Dabei seit:
    09.03.2011
    Beiträge:
    524
    Zustimmungen:
    460
    Beruf:
    hat er
    Ort:
    Landau
    Danke Acanthurus für die informativen Details. Ich hab immer mal wieder mit FAA gebehmigten STCs zu tun die leider das von dir geschilderte Verfahren nicht durchlaufen haben. Ergebniss ist dann ein in D wertloses bzw stark eingeschränkt nutzbares Fluggerät.

    Mal rein aus Interesse wie sehen diese Abläufe bei einem Permit to Fly aus? Mich würde das sehr interessieren, mehr nich wenn man wüsste um was es geht. Schade hierbei nur dass der Threatsteller nur auftaucht wenn er für seine Arbeit Hilfe braucht und dann wieder verschwindet wenn er sie hat und im Dunkeln tappen lässt um was es eigentlich geht. Dabei sind seine Themenansätze wirklich auch für die interessant die mitlesen oder Hilfestellung geben.

    Internet eben... Just take dont give...
     
    Schorsch gefällt das.
  11. #9 Acanthurus, 22.03.2016
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2016
    Acanthurus

    Acanthurus Testpilot

    Dabei seit:
    19.07.2005
    Beiträge:
    687
    Zustimmungen:
    241
    Beruf:
    Arbeit
    Ort:
    Fest
    Permit to Fly... das hängt stark davon ab, welche Privilegien der Entwicklungsbetrieb in seiner Genehmigung hat, und welchem Zweck der Flugversuch gilt.
    Größere Läden (wie die Hersteller der eigentlichen Luftfahrzeuge) haben i.d.r. das Privileg zum selbstständigen Genehmigungen der Flight Conditions.
    Kleinere Entwicklungsbetriebe (STC-typisch, dan kenne ich mich eher aus) machen das im Rahmen einer Zulassung grob wie folgt:

    - Erstellen eines Flugversuchsprogrammes, welches aus den Erfordernissen des eigentlichen Nachweisprogramm abgeleitet ist.
    - Erstellung von Risikoanalyse, minutiösen Flugversuchsanweisungen, Personal-Listen und GENAUE Definition der "Flight Conditions"
    - Die "Flight Conditions" müssen von der zuständigen (nationalen) Behörde des Luftfahrzeugs genehmigt werden. Dafür gibts ein Formblatt (Form 18a/b wenn ich mich nicht irre), und man benötigt einen Versicherungsnachweis.
    - Das Formblatt wandert nach Genehmigung dann zur EASA, zusammen mit dem eigentlichen PtF-Antrag.
    - Die EASA genehmigt den Flugversuch innerhalb eines Zeitfensters und behält sich eine Teilnahme/Beobachtung vor
    - Der Flugversuch wird unter Anwendung der im Flight Test Ops Manual festgelegten Verfahren innerhalb des zugelassenen Zeitfensters durchgeführt. Dabei gelten verschiedene Regeln zur Fehlerberichterstattung an die Behörde

    Soweit die Theorie. Den genauen Wortlaut kannst du dir irgendwo aus dem Part21 raussuchen, das dürfte in den AMC+GM drinstehen.

    Bei der FAA kann eben so ziemlich jeder eine Zulassung beantragen. Jedoch gibt es ein Abkommen zur gegenseitigen Validierung von STCs. Klingt einfacher als es ist, ich kenne zwar aus eigener Erfahrung nur die Validierung des EASA-STCs durch die FAA, aber das ist schon recht übel. Umgekehrt bedarf es eben im Regelfall eines EASA-Entwicklungsbetriebes, um den Validierungsprozess zu beantragen und mit Input zu versorgen.

    @Banji: ich dachte mir´s nur, du sprichst es aus...

    gruß
    a.p.
     
    banji gefällt das.
Moderatoren: Learjet
Thema:

Zulassung eines neuen Systems

Die Seite wird geladen...

Zulassung eines neuen Systems - Ähnliche Themen

  1. suche Kleinflugzeug mit amerikanischer zulassung

    suche Kleinflugzeug mit amerikanischer zulassung: hallo, als erstes möchte ich klar stellen, dass ich keine Ahnung von Flugzeugen bzw dem fligen habe. Zum Grund warum ich im Forum bin: Mein...
  2. Zulassungsvorschriften für: Anzahl der zu testenden Flugzeugleben + Falltests

    Zulassungsvorschriften für: Anzahl der zu testenden Flugzeugleben + Falltests: Hallo ihr, ich bin so langsam am verzweifeln. Und zwar habe ich in Unterlage zur ICAF 2013 folgenden Satz gelesen: ---------- There are no...
  3. KAMOV KA-32 jetzt mit EASA Zulassung

    KAMOV KA-32 jetzt mit EASA Zulassung: Der Kamov KA-32 hat in der Version KA-32A11BC (kyrillisch) jetzt das EASA Type Certificate erhalten. Damit kann dieses Modell jetzt in jedem EASA...
  4. Flugzeugzulassung

    Flugzeugzulassung: Hallo zusammen, kann mir irgendjemand erklären wie das mit der zulassung eines Verkehrsflugzeuges wie B737 oder so von Anfang der Planung bis zur...
  5. Ablehnung der Zulassung des Helikopters N-6195G, UH-1H

    Ablehnung der Zulassung des Helikopters N-6195G, UH-1H: Ich bin im stöbern im Internet auf diesen interessanten Artikel gestossen. Was meint Ihr dannach? Wurde der Firma mit recht die Zulassung...