1.8.2016 - Jena-Schöngleina - Startunfall Segelflugzeug - 2 Verletzte

Diskutiere 1.8.2016 - Jena-Schöngleina - Startunfall Segelflugzeug - 2 Verletzte im Flugunfälle und Flugunfallforschung Forum im Bereich Luftfahrzeuge allgemein; Am 1.8.2016 kam es auf dem Flugplatz Jena-Schöngleina (EDBJ) zu einem Unfall beim Windenstart eines Segelflugzeuges...
Howy-1

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"Plötzlicher Geschwindigkeitsabfall" beim Windenstart, in nur 8 - 10m Höhe. Ich bin zwar kein Segelflieger, aber das klingt doch stark nach Seilriss oder Windenproblemen. Wie schnell ist man mit dem Segler in dieser geringen Höhe und was hat man da für Optionen?
Zum Nachdrücken muss man da aber schon sehr schnell realisieren, was passiert ist und entspechend reagieren. Wobei "Absturz" hier vielleicht nicht der richtige Begriff ist, denke ich. Es wird wohl eher ein Durchsacken sein, was jedes Kind kennt, das beim Drachensteigenlassen ohne Wind mit der Schnur in der Hand stehenbleibt.

Gruß
Dirk
 
DDA

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Auch beim Seilriß /Windenausfall in geringer Höhe gilt Nachdrücken, Fahrt aufholen und dann geradeaus landen. Der Steigwinkel soll in dieser Höhe keinesfalls 30Grad übersteigen, damit der Übergang zur Normalfluglage nicht soviel Zeit erfordert.
Ein schnelles Reagieren ist hier geraten, und nur ein deutliches Nachdrücken zeigt den gewünschten Effekt. Bereits während des Fahrtaufholens (und die ist dringend für ein gesittetes Abfangen erforderlich) sollte man sich die weiteren Schritte klarmachen und bedenken, daß zum Ausfahren der Bremsklappen erst die nötige Überfahrt sicher anliegen muß. Wahrscheinlich ist das Bremsklappenfahren infolge des noch ausreichend zur Verfügung stehenden Platzes zum Geradauslanden nicht einmal zwingend erforderlich.

Um diesem besonderen Fall mit der gebührenden Achtung begegnen zu können, ist es dringend geraten, sich der möglichen Situation bereits vor dem Anrollen bewußt zu werden. Damit verringern sich Überraschungseffekt und Reaktionszeit, beides kommt einer sicheren Landung sehr entgegen.

Ich habe dies auch schon selbst erlebt (Leistungsverlust der Winde kurz nach dem Abheben) und den Junior unbeschadet geradeaus gelandet...

Warum dies in Jena schief gegangen ist, vermag und will ich nicht beurteilen. Unfallursachen kann es diverse, technische, wie auch menschliche, auch die Kombination aus mehreren, geben.

Axel
 

wilco

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Zunächst einmal volle Zustimmung zum Beitrag von DDA. Da kann man jeden Satz unterstreichen.

Für die Nichtsegelflieger hier im Forum möchte ich hinzufügen, daß das Thema Startunterbrechung/Seilriß in der Ausbildung sehr gründlich geübt wird. Ein Flugschüler hat, bevor er allein fliegen darf, mindestens drei Seilrißübungen absolviert; je nach örtlichen Gegebenheiten in möglichst unterschiedlichen Höhen.

Merksatz: "Nachdrücken - Nachklinken - Nachdenken!"

Wobei "Nachdenken" für die zu fällende Entscheidung steht, ob eine Geradeauslandung möglich, eine verkürzte Platzrunde nötig, oder besser ein Notlandefeld außerhalb des Platzes anzufliegen ist.
 
JohnSilver

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Alien
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Im Lotter Kreuz links oben
Kannst du bitte kurz erklären, was in diesem Zusammenhang "Nachklinken" bedeutet? Ausklinken des Seilrestes?
 
D-OEBP

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Ich habe es (allerdings vor -OMG- knapp 40 Jahren! :hopelessness:) so gelernt, dass nach dem Ausklinken/Reißen des Schleppseils die Seilkupplung dreimal betätigt werden musste, um das Seil/den Seilrest sicher vom Flugzeug zu trennen.
 

wilco

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Völlig richtig, man stellt so sicher, daß sich kein Seilrest und kein bremsender Seilfallschirm mehr am Flugzeug befinden.

Die Reaktion unterscheidet sich übrigens gar nicht vom Normalbetrieb. Wenn sich bei einem regulär abgeschlossenen Windenstart das Schleppseil, wie in den allermeisten Fällen, automatisch aus der Kupplung löst, wird manuell dreimal "nachgeklinkt". Eben um ganz sicher zu gehen, daß man keinen "Anhang" mitschleppt.
 
atlantic

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"Plötzlicher Geschwindigkeitsabfall" beim Windenstart, in nur 8 - 10m Höhe.Wie schnell ist man mit dem Segler in dieser geringen Höhe und was hat man da für Optionen?
Zum Nachdrücken muss man da aber schon sehr schnell realisieren GrußDirk
Also beim Windenstart geht man eigendlich bis ca 50 m im wagerechter Fluglage auf Höhe, erst dann hängt an sich richtig ran.
sogenannte Kavalierstarts, also nach Abheben in den Steigflug, sind überhaupt nicht gern gesehen, und wie bei dem Unfall zu sehen, sehr sehr risikobehaftet.
In so geriger Höhe ist nichts mit nachdrücken da du das Flugzeug sonst in den Boden fliegst, darum bleibt man ja auch bis zur sicherheitshöhe, die 50 m, in Normalfluglage und hat so die Möglichkeit sicher richtung Winde zu landen.

( ich musste auch schon mal aus 40 m Höhe landen weil die Winde verreckt ist )


Für die Nichtsegelflieger hier im Forum möchte ich hinzufügen, daß das Thema Startunterbrechung/Seilriß in der Ausbildung sehr gründlich geübt wird. Ein Flugschüler hat, bevor er allein fliegen darf, mindestens drei Seilrißübungen absolviert; je nach örtlichen Gegebenheiten in möglichst unterschiedlichen Höhen.
es sollten besser mehr sein, hilft auf jedem fall um den wichtigen Ablauf beim Seilriss intuitiv drin zu haben.
Das Ausklinken ist schon deshalb wichtig da es ja auch mal 100 - 300m Seil sein können die noch dranhängen.
 
atlantic

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Astronaut
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"Plötzlicher Geschwindigkeitsabfall" beim Windenstart, in nur 8 - 10m Höhe.. Wie schnell ist man mit dem Segler in dieser geringen Höhe und was hat man da für Optionen?
`n Segler hebt ab so ca. 50-60 km/h ab, eine sichere Geschwindigkeit ist so ab 90 km/h gegeben, die man mit ´ner guten Winde aber durchaus nach 3-5 sec. schafft. Und die Option in solchem Fall = einfach geradeaus landen.

Die Geschwindigkeiten sind natürlich je nach Flugzeug ein wenig höher oder weniger
 
Howy-1

Howy-1

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Also beim Windenstart geht man eigendlich bis ca 50 m im wagerechter Fluglage auf Höhe, erst dann hängt an sich richtig ran.
sogenannte Kavalierstarts, also nach Abheben in den Steigflug, sind überhaupt nicht gern gesehen, und wie bei dem Unfall zu sehen, sehr sehr risikobehaftet.
Also ist es quasi ähnlich wie beim Motorflug, erstmal nach dem abheben Geschwindigkeit aufbauen (und beim Segler zusätzlich sichere Höhe, die im Falle des Falles in Geschwindigkeit umgesetzt werden kann) und erst dann den eigentlichen Steigflug beginnen. Und ich vermute, dies eben aus genau dem Grunde, damit man bei Verlust der Zugkraft (warum auch immer) aus geringer Höhe immer noch einfach ausschweben und aufsetzen kann, was im aktuellen Fall eben nicht so war. Ok, der vermutete "Kavalierstart" ist zwar spekulativ, aber recht naheliegend. Wir werden es erfahren.

Grüße
Dirk
 

wilco

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Also beim Windenstart geht man eigendlich bis ca 50 m in wagerechter Fluglage auf Höhe, erst dann hängt an sich richtig ran.

...darum bleibt man ja auch bis zur Sicherheitshöhe, die 50 m, in Normalfluglage...

Äh, nur falls hier mal ein Segelflugschüler mitliest:

"atlantic" hat klar Recht mit den Zielen, die er beschreibt: Ein Seilriß bedeutet immer Fahrtverlust, daher muß es möglich sein, zügig wieder mindestens Normalfahrt einzunehmen. Deshalb steigt man zu Anfang flach.

(Das mit der "waagerechten Fluglage" bzw. "Normalfluglage bis 50 Meter" dürfen wir mal nicht so wörtlich nehmen, die Nase zeigt schon deutlich nach oben dabei...)

Nur, die Art des "digitalen" Windenstarts, die er beschreibt, also flach bis 50 Meter, "erst dann hängt man sich richtig dran", wird heute nicht mehr unterrichtet. (Ich hab's auch mal so gelernt. Im Zeitalter von Grunau-Babys und schwachen Winden war das auch angebracht.)

Man hebt heute flach ab und beginnt dann (unter Beachtung der Schleppgeschwindigkeit!) gleich mit einem langsamen Übergang bis zur vollen Steigfluglage. Auf keinen Fall ein Kavalierstart, aber eben auch nicht "zweistufig", sonden in einem einzigen großen Übergangsbogen.

Der Vorteil liegt wesentlich in der Vermeidung von Seilrissen, weil zwischen 50 und 100 Metern Schlepphöhe regelmäßig eine Spannungsspitze in der Seillast auftritt. Die kann man so wirkungsvoll entschärfen. Weiter auch in der besseren Anpassung des Steigwinkels an die Schleppgeschwindigkeit und damit in der besseren Ausnutzung der von der Winde zur Verfügung gestellten Leistung.
 
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