Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen

Diskutiere Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Beim Thema "Ju 52 + Salzburg + Armée de l’Air + eine Prise Göring" gab es eine kleine Abschweifung in Richtung Motoren und Baureihenbezeichnungen....

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  1. L1049G

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    Beim Thema "Ju 52 + Salzburg + Armée de l’Air + eine Prise Göring" gab es eine kleine Abschweifung in Richtung Motoren und Baureihenbezeichnungen. Interessant dazu die Bemerkung von Junkers-Peter in Beitrag #29: "Leider sind keinerlei offizielle Dokumente über die Baureihenbezeichnungen und deren Vergabe überliefert oder bisher aufgetaucht."

    Um das ursprüngliche Thema nicht umzubiegen, habe ich ein neues Thema "Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen" aufgemacht. Vielleicht kann man dieser Problematik empirisch etwas näherkommen.

    Es gibt zwei interessante Fotos:
    http://www.forcedlandingcollection.se/pLW/LW150-Ju52/LW06-150-02.jpg
    http://www.forcedlandingcollection.se/pLW/LW150-Ju52/LW06-150-03.jpg

    Die Fotos zeigen eine Ju 52/3m
    - mit einer 'normalen' Mittelmotor-Verkleidung (keine NACA-Haube)
    - mit Zweiblatt-Propellern ohne große Spinner
    - mit zusätzlichen rechteckigen Lufteinläufen unter den Motoren
    - mit einem Emblem am Bug, das ich - mangels tieferer Emblem-Kenntisse - auf die Schnelle nicht identifizieren kann
    - mit der Zahl '146' am Bug, wahrscheinlich die letzten Drei der WNr.
    - mit dem ganz großen Frachttor der g7e/g8e
    - mit der Kennung '??+AK' am Rumpf, möglicherweise ein VKz.

    Nach schwedischen Quellen (u.a. Bo Widfeldt) landete dieses Flugzeug mit 32 Flüchtlingen am 08.05.1946 in Malmö-Bulltofta. Diese schwedichen Quellen geben außerdem an: Typ: Ju 52/3m R12, Kennzeichen: JU+BM, WNr. 500146, Einheit: IV./T.G. 1

    Nun können diese Angaben von den Fotos her nicht verifiziert werden; natürlich können sie damals bei näherer Untersuchung des Flugzeuges festgestellt worden sein.

    Zu einer WNr. 500146 und zu einem SKz. JU+BM ist allgemein wenig (bis nichts) bekannt.

    Um zurück zum Ausgangspunkt ('keinerlei offizielle Dokumente über die Baureihenbezeichnungen') zu kommen: kann man das abgebildete Flugzeug tatsächlich als eine "Ju 52/3m g8e(R12)" ansehen? Und welche Motore sind denn hier verbaut?

    Gerhard
     
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  3. #2 Tester U3L, 09.11.2016
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  4. #3 Junkers-Peter, 09.11.2016
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    Interessantes Thema. Nur befürchte ich, dass hier im Forum dazu nur wenig Erhellendes kommen wird.

    Die gezeigte Maschine ist eine g8e, u.a. erkennbar an der großen Ladeluke und der Tragflächenenteisung. Nicht zuletzt identifiziert sich die Ju 52 über ihre Werknummer 500146 als g8e. Eingeflogen wurde die Maschine als Lizenzfertigung bei der ATG in Leipzig-Mockau am 05.08.43 durch Flugzeugführer Harry Conrad. Gleichzeitig mit dem ersten Flug erfolgte die FT-Abnahme. Zwei weitere Flüge erfolgten einen Tag später: ein Steuerungs- u. FT-Flug sowie die Stückprüfung kombiniert mit einem Justierflug. (Quelle: Flugbuch H. Conrad). Weitere Informationen habe ich zu dieser Ju 52 nicht.

    ATG hat ab Ende 1941 bis zum Produktionsende Mitte 1944 ausschließlich g8e hergestellt (Quelle: ATG/TH-P: Abgelieferte Flugzeuge, Stichtag 31.12.44).
    In Werknummern: Ab W-Nr. 3139 bis 3460 und von 500111 bis 501453 alles g8e.

    Die letzten drei Stellen der Werknummer am Rumpf aufzubringen war ein typisches Kennzeichen der ATG-Maschinen.

    Eingebaut waren entweder BMW 132 T oder Z mit der (nur am Boden verstellbaren) Einstellschraube, also Standard für die Luftwaffenmaschinen. Mischmotorisierungen T und Z waren möglich. Da habe ich auch Nachweise dafür.

    Interessant ist auch die Flammenvernichter-Anlage am Mittelmotor.

    Das Stammkennzeichen der 500146 war DO+MN. Dein "JU+BM" muss eine Fehlinformation sein. Stammkennzeichen begannen immer mit einem Konsonanten. Es gab 1938/39 vor Kriegsausbruch Überführungskennzeichen, die mit "JU" begannen, diese waren aber ausschleißlich dem Junkers-Stammwerk in Dessau zugewiesen.

    "R12" müsste sich auf den Rüstzustand beziehen. Die Ju 52 wurde ja in etlichen Ausführungen ausgeliefert: Nachschubtransporter, Kistentransporter, Sani, Hörsaal, Fallschirmjäger, Reiseflugzeug usw. Eine konkrete Zuordnung zu R12 habe ich aber momentan nicht.

    Zu den militärischen Bezeichnungen g5e, g6e usw. gibt es natürlich offizielle Dokumente mit Beschreibungen, so in den Handbüchern und Baureihenübersichten des RLM. Meine Aussage mit dem Nicht-Vorhandensein bezog sich auf die zivilen und Exportmuster.

    Viele Grüße
    Peter
     
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  5. #4 Ledeba, 10.11.2016
    Zuletzt bearbeitet: 10.11.2016
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    Auslieferung der ersten g8e bei ATG im Oktober 1941 (12 lt. Programm, 9 Ist) --- vermutlich wurden 7 der im Vormonat auszuliefernden g6e auch als g8e ausgeliefert, denn es sind in den C-Amts-Meldungen für den Oktober "+7 Maschinen" als "Stand Vormonat" geführt, in dem allerdings nur 7 g6e erwähnt werden. Insgesamt sind 16 Maschinen als "Übergabe an die Luftwaffe" geführt worden. (Quelle: C-Amts-Meldungen 1941)

    Letzte g8e war die W.Nr.501454, die am 21.07.1944 in Leipzig abgeholt wurde (W.Nr.501453: 17.07.1944, W.Nr.501452: 15.07.1944). (Quelle: Arbeitsberichte Fa. ATG)
     
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  6. L1049G

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    @Junkers-Peter

    Vielen Dank.

    Nun ist das "JU+BM" nicht "meine" Erfindung, sondern ist u.a. in einem Buch von Bo Widfeldt genannt, der als gründlicher Rechereur in Schweden gilt. Irgendeinen Hintergrund müßte das "JU+BM" also haben...

    Können wir eigentlich sicher sein, daß die Nummer '146' am Bug auf die WNr. 500146 verweist, und nicht etwas auf 501146?

    Schade, daß über die R-Bezeichnungen (z.B. 'R12'), aber meines Wissens auch über die SA-Bezeichnungen ('Sonderausführung') sehr wenig bekannt ist.

    Viele Grüße
    Gerhard
     
  7. L1049G

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    @Lebeda

    Danke, sind vielleicht auch WNr. für die im ersten Absatz genannten 16 g6e bzw. g8e bekannt?

    Viele Grüße
    Gerhard
     
  8. Ledeba

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    In den C-Amts-Meldungen werden sie nicht genannt ... aber da müßte Peter mehr wissen, meines ist ein anderes Fachgebiet. Es werden wohl die vierstelligen sein ...
     
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  9. #8 Junkers-Peter, 11.11.2016
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    Öhm, nö. Du hast doch die Werknummer 500146 ins Spiel gebracht? :headscratch: Ich weiß nicht, welche Ju 52 da irgendwann in Schweden gelandet ist. Die 501146 (DU+DJ) ist am 23.10.43 bei ATG eingeflogen worden. Weiteres ist mir über die Maschine nicht bekannt.

    Den Satz musst du mir mal erklären. Das ist ja das gleiche, als wenn du schreiben würdest, 10 Bf 109 G-10 wurden als K-4 ausgeliefert. :FFTeufel: Macht wenig Sinn.
    Darüber hinaus besaß die g8e gegenüber der g6e eine vergrößerte seitliche Ladeluke sowie eine bei der g6e nicht vorhandene Dachluke. Man schneidet nicht mal eben ein größeres Loch in den Seitenrumpf und ins Dach und macht einen Deckel drauf. Sowas hat Auswirkungen auf den Festigkeitsverband des Rumpfes und muss mit Verstärkungen der Struktur kompensiert und vorher natürlich konstruktiv unterfüttert werden.

    Die erste g8e bei ATG, die 3139, wurde übrigens schon im September 1941 abgeliefert. Hier habe ich einen Überführungsflug von Zerbst nach Fritzlar am 27.09.41.

    JU+BM könnte einfach "Junkers-Baumuster" heißen. Die Abkürzung Ju-Bm findet sich auf manchen Typenschildern vor dem Feld mit dem Flugzeugtyp.

    Werknummern- Baureihen-Zuordung ATG:
    2859 - 2978 =...3m g4e
    2979 - 3138 =...3m g6e
    ab 3139 =.........3m g8e
    (Quelle: 26.01.44, RLM/G II-B3: Technische Anweisungen des Generals der Truppentechnik, Werknummernblöcke Ju 52)

    Bezeichnung der Sonderausrüstung:
    SA 10 ist auf alle Fälle die Mausi-Ausführung, also die mit dem Minensuchring und der entsprechenden Ausrüstung im Rumpf.

    Viele Grüße
    Peter
     
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  10. Ledeba

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    Kann ich gerne machen ...: Ich wollte mit diesem etwas verquirlten Satz ausdrücken, daß bis Oktober 1941 keine g8e offiziell in den C-Amts-Meldungen erwähnt werden, die genannte Zahl "+7 Stand Vormonat" aber den Schluß zuläßt, daß im September 1941 diese g8e gebaut worden sein dürften (was du ja auch bestätigst). Beim "Einflug BAL" findet sich im September ebenfalls ein "+7" --- allerdings unter der Bezeichnung g6e. Deshalb: diese g6e dürften wohl g8e gewesen sein. :FFTeufel: Macht viel Sinn.

    War das die BC + RA? Sie ist die einzige, die an diesem Tag aus Zerbst kam ...

    Grüße
    Ledeba
     
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  11. #10 Junkers-Peter, 11.11.2016
    Zuletzt bearbeitet: 11.11.2016
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    Nun meine ich verstanden zu haben, was du sagen wolltest.:angel: So hat das dann wirklich Sinn und ist durchaus möglich.

    Danke auch für die Infos zur letzten bei ATG gebauten Ju 52/501454. Wußte ich bisher nicht.:)

    Ja, die BC+RA war die 3139. Die ist übrigens bereits am 8.12.41 bei der KGrzbV 300 bei Derna/Libyen durch einen Bombenangriff verlorengegangen.

    Noch was zu den Motoren:
    Die BMW 132 T und Z besaßen Ansaugluft- und Vergaservorwärmung, deshalb die untenliegenden Ansaugschächte.

    Viele Grüße
    Peter
     
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  12. L1049G

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    Nochmals zurück zur Werknummer 500146: ich habe noch etwas nachgegraben.

    Es sieht so aus, als ob das (vermeintliche) Skz "JU+BM" in den ersten bzw. älteren Aufzeichnungen nicht erscheint sondern erst später auftaucht. Also haken wir den Punkt mal als "ungeklärt" ab.

    Zur Werknummer 500146: diese taucht schon in älteren Aufzeichnungen auf; außerdem (siehe erstes gelinkte Bild in Beitrag #1) ist an der Maschine ein sauberes, glänzendes Werknummern-Schild zu sehen und daher kann man wohl annehmen, daß die Daten des Schilds richtig abgelesen wurden.

    Die 500146 wurde übrigens später nach Bromma überflogen und dort am 27.08.1945 an Rußland übergeben!

    Gerhard
     
  13. L1049G

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    Um das eigentliche Thema "Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen" fortzusetzen, möchte ich auf das aktuelle Buch "Im Zeichen des Kranichs" von Joachim Wachtel und Günther Ott verweisen; dort werden folgende "spezielle" Baureihen-Bezeichnungen angegeben:

    - Z-5 für WNr. 7390 Kennzeichen D-ACDA, später D-AOAW
    - Z-5 für WNr. 7493 Kennzeichen D-AEAC
    - -11 für WNr. 6567 Kennzeichen D-AGAC
    - -11 für WNr. 7022 Kennzeichen D-AUAS

    Kann bitte jemand die Charakteristiken für "Z-5" und "-11" erläutern?

    Außerdem ist dort als 'tio' die WNr. 6700 Kennzeichen D-ACAW angegeben; könnte es sich dabei um die (einzige??) Ju 52/3m mit VDM-Prop handeln, wie sie von Junkers-Peter beim Thema "Ju 52 + Salzburg + Armée de l’Air + eine Prise Göring" im Beitrag #29 als "io"-Variante erwähnt wurde? Und wenn ja, mit welchem Motor?

    Viele Grüße
    Gerhard
     
  14. #13 Junkers-Peter, 28.11.2016
    Junkers-Peter

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    Hallo Gerhard,

    leider habe ich über die Baureihenbezeichnungen auch nur rudimentäre Angaben. Anbei das, was ich weiß:

    Die Bezeichnung "Z-5" ist mir bei der Ju 52 bisher überhaupt nicht untergekommen. Normalerweise erhielten zivile Exportmaschinen ein Z als Baureihe, und dann wurden die einzelnen Varianten durchnummeriert. Kenne ich aber nur von anderen Junkers-Mustern wie Ju 86 und Ju 90.

    W-Nr. 7390: Entweder hast du einen Schreibfehler drin oder er ist bereits im Buch vorhanden. Es handelt sich hier um die W-Nr. 7490. Die 7390 war ein normaler Luftwaffentransporter, 7.42 bei der KGrzbV 700 und 4.43 beim KGzbV 1. Es gibt auch ein Foto der Ju 52 als VK+PJ bei der Kesselversorgung Pjoski/Pjeksi
    • W-Nr. 7490: 5.42 Einflüge in Bernburg als CK+QN, also war die Grundzelle ein bereits eingeflogener Luftwaffentransporter
    • 21.08.42, Einflüge in Dessau (als umgebaute Passagiermaschine) mit Export-Überführungskennzeichen D-AXVA, als "Finnland-Ju" bezeichnet.
    • Abgabe an Aero-OY in Finnland, dort als OH-LAP im Einsatz
    • 7.44 von Aero-OY zurück an Lufthansa als D-ACDA, dort bis Kriegsende im Flugbetrieb, mit BMW 132 Z, Eigenname "Petsamo"
    • Foto des Flugzeuges als OH-LAP in Neulen: Kranich in Turbulenzen, S.145, "normales" Aussehen mit festen Zweiblatt-Luftschrauben
    • In zwei Lufthansa-Dokumenten von 3.45 als Ju 52/3m-12 bezeichnet (s.a. Anlage/Auszug aus dem DLH-Inventar)
    • D-AOAW kann auch nicht stimmen, das war die W-Nr. 7017
    W-Nr. 7493
    • 4-5.42 Einflüge in Bernburg [wahrsch. als normaler Luftwaffentransporter]
    • Umbau auf Passagiermaschine
    • 9.42 an Aero-OY als OH-LAO "Waasa", Foto vorhanden, normales Aussehen, BMW 132 T/Z
    • zeitweise bei DLH als D-AEAC
    • 5.45 Schweden SE-BUD
    • 1955 Neuguinea, Gibbes Sepik Airways, VH-BUV, VH-GSS, 1960 in Madang/Neuguinea verschrottet
    Also kann man wohl davon ausgehen, dass die Exportversion für Finnland die Bezeichnung Z-5 erhalten hatte. Ebenso interessant ist die in den DLH-Dokumenten genannte Bezeichnung 3m-12. Eventuell wollte man die älteren Bezeichnungen wie g6e oder t2e durch neue ersetzen.

    W-Nr. 6567
    • 11.40 Einflug nach Umbau in Dessau, CA+NY
    • wahrscheinlich aber schon vorher im Einsatz, da die Werknummern um 6567 bereits im Juli 1939 eingeflogen worden sind
    • Einsatz bei der Luftwaffe als Reise- und Kuriermaschine
    • 9.44 von DLH vom Reich gechartert, D-AGAC, "Hans Duborg", Motoren BMW 132 Z, 3m-11
    • Anfang Mai 1945 Flüge in Flensburg
    • 3.48 verschrottet
    • Foto als D-AGAC mit Admiral Canaris
    • Aussehen wie normale Passagier-3m ge
    W-Nr. 7022
    • 10.40 Einflüge in Bernburg [als Lw-Transporter]
    • 12.40 Einflüge nach Umbau in Dessau, VC+ZW, 1.41 Überf. nach Staaken
    • 20.12.42 Warschau, Bruchlandung inf. Nebel, 30%, Halter: Luftverkehrsstaffel Rangsdorf
    • Transportflüge bei der Luftwaffe
    • 8.44 von DLH vom Reich gechartert, D-AUAS, "W. Ottenberg", Motoren BMW 132 T, 3m-11
    • 3.45 noch vorhanden bei DLH
    Aus den beiden Maschinen Charakteristika für die Baureihe 3m-11 abzuleiten, wäre reine Spekulation. Merkmale: Aus der Transporterserie umgebaute Passagierflugzeuge u. normale Luftwaffen-Motoren BMW 132 T/Z

    W-Nr. 6700
    • Hier muss wiederum ein Schreibfehler vorliegen, denn die Baureihe der Maschine war nach zwei DLH-Originaldokumenten "rio"
    • wahrscheinlich bestimmt für Südamerika (Andenüberquerung), aber durch Kriegsausbruch nicht mehr ausgeliefert.
    • 8.40 Einflüge in Dessau als SF+IG, darunter auch Mess- und Schwingungsflüge, sehr viele Erprobungsflüge, die auf eine nicht alltägliche Motorisierung schließen lassen
    • Einsatz bei der Luftwaffe als Reise- und Kuriermaschine, Foto als SF+IG
    • 31.12.40 von DLH vom Reich gechartert, D-ACAW "Heinrich Mathy", Motoren BMW 132 Dc und 3-Blatt-VDM-Luftschrauben
    • Kriegsende: Fotos als Wrack in Prien/Chiemsee, 3x NACA-Hauben mit Flammenvernichter-Anlage und 3-Blatt-LS
    Von dieser Maschine stammt auch meine Spekulation über die Baureihe "rio" mit BMW 132 Dc und VDM-Propeller.

    Erwähnt werden muss noch, dass Günther Ott der weltweit führende Experte für die Ju 52 ist. Er sammelt schon seit Jahrzehnten. Leider kann er sich wohl nicht dazu durchringen, das definitive Buch über die Ju 52 zu schreiben. Ich "bearbeite" die Ju 52 nur nebenbei, da mein Schwerpunkt die Ju 88-388 sind. Von solchen Machwerken aus anglo-amerikanischer Quelle ist allerdings dringend abzuraten, wenn man an einer halbwegs fehlerfreien Aufarbeitung der Geschichte der Ju 52 interessiert ist:
    https://www.amazon.de/Junkers-Ju-52-History-1930-1945/dp/1906537461

    Anbei zwei Fotos der D-ACAW zu Kriegsende mit dem unvermeidlichen posierenden GI. Dazu noch der Eintrag zu zwei der oben genannten Ju 52 in einer DLH-Inventarliste vom März 1945.

    Viele Grüße
    Peter
     

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    Hallo Peter,
    recht vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen und die Dokumente/Fotos.

    Glücklicherweise bin ich unschuldig an den Fehlern in meinem vorangegangenen Beitrag. Das steht alles so in dem Wachtel/Ott-Buch drin; ich hab's nochmals überprüft. Was also falsch ist, steht (leider) falsch in dem Buch drin.

    Auszüge aus dem Buch:
    Ju 52/3m Z-5 D-ACDA 7390 10/42-07/43 Charter von Aero O/Y, OH-LAP
    [später] D-AOAW 07/44-05/45 Kriegsende in St. Gilgen

    Zusaätzlich(!) gibt es auch den Eintrag:
    Ju 52/3m te D-AOAW 7017 05/42-06/44 Charter von Iberia, EC-AAL

    Somit ist unklar, welches Flugzeug (mit welchem Kennzeichen) am Kriegsende in St. Gilgen stand.

    Die D-ACAW/6700 ist in dem Buch (als einzige) als 'tio' bezeichnet, dafür gibt es im Buch keine 'rio'.

    Die Z-Bezeichnungen kenne ich auch nur von Ju 86 und Ju 90, aber vielleicht hat man sich im Jahr 1942 auch für die Ju 52 auf alte Tugenden besonnen.

    Außerdem: "Von solchen Machwerken aus anglo-amerikanischer Quelle ist allerdings dringend abzuraten, ...".
    Schon klar, daher zitiere ich auch aus dem Wachtel/Ott-Buch.

    Was mich im Buch (so auf den ersten Blick, hab's noch nicht durchgearbeitet) noch irritiert: die D-2201/4013, die D-2202/4015 und die D-2468/4019 wären (Zitat:) "an Reichsbahn abgegeben" worden. Ist mir unbekannt. Allerdings habe ich bisher auch keinen kompletten Überblick über die Reichsbahn-Jus gewinnen können.

    Viele Grüße
    Gerhard

    PS: Leider kann ich mich nicht mit Informationen über Ju 88-388 "revanchieren".
     
  16. #15 Junkers-Peter, 29.11.2016
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    Hallo Gerhard,

    kein Problem. Du musst dich nicht revanchieren. Es freut mich, wenn jemand Interesse an den alten Kisten hat und man kann seine Erkenntnisse bei der Recherche auch wieder erweitern und auffrischen.

    Solche Fehler passieren halt in Büchern. Muss man mit leben. Ich denke aber, dass meine Angaben stimmen. Die Verbindung 7490 zu D-ACDA ist durch drei Originaldokumente nachgewiesen.

    Zu Kriegsende stand da eine Menge herum. Leider gibt es zu den in Süddeutschland/Österreich aufgefundenen Maschinen keine alliierten "airfield reports", jedenfalls habe ich bisher keine gefunden. Auf dem Bild oben ist hinter der D-ACAW ein helles Seitenleitwerk einer zivilen Ju 52 zu sehen. Hier handelt es sich wahrscheinlich um die D-ASPI (6710), ehemals Ala Littoria mit Alfa-Romeo-Motoren.

    Im Micheldorf/Österreich standen mehrere zivile Ju 52, darunter die ehemalige D-AFSD (6980) von Junkers, später DLH. Auf dem Oberwiesenfeld findet sich ebenso eine ehemalige zivile Ju, die sich bisher der Identifizierung entzogen hat.

    Mit der Reichsbahn hatten diese Ju 52 direkt nichts zu tun. Die gehörten zu den sg. Streckenstaffeln, um die Flugzeugführer im Langstreckenflug zu schulen, ebenso Blindflug und Navigation. Ich glaube, vor der Enttarnung der Luftwaffe vor 1935 firmierte die Schule als Expressgut-Transporter für die Reichsbahn. Nach einem mir vorliegenden Dokument vom 25.07.36, RLM/Kommando der Fliegerschulen/40290/36 gKdos, Zusammenstellung des Fluggerätes nach dem Stande vom 01.07.36 befanden sich die drei von dir genannten Ju 52 tatsächlich bei der Streckenschule. Genannt werden: 4013, 4015, 4019, 5002, 5006, 5018, 5019, 5055, 5056, 5591 und 5592. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Sicher war dort die Fluktuation an Flugzeugen nicht unerheblich. An Ju 86 waren später noch vorhanden vornehmlich zur Blindflugschulung: 0021, 0023, 0027, 0108, 5094 und 5097.

    Über das Buch von diesem Forsyth ließ sich einiges schreiben. Leider wurde die Chance verpasst, mit vielen Mythen und Falschdarstellungen in der Geschichte der Ju 52 aufzuräumen. Sehr ärgerlich. Leider wurde mehr Wert auf Layout und Darstellung gelegt als auf Inhalt.

    Viele Grüße
    Peter
     
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    Damit wir nicht zu weit vom Thema wegkommen, mache ich für den Reichsbahn-Abschweifer ein neues Thema auf:
    "Flugzeuge und Flugbetrieb der Deutschen Reichsbahn"

    Beim Thema "Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen" darf natürlich jeder weitermachen ...

    Gerhard
     
  18. #17 L Andersson, 05.03.2017
    Zuletzt bearbeitet: 06.03.2017
    L Andersson

    L Andersson Fluglehrer

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    Hallo!

    I have just discovered this interesting thread. I have checked Widfeldt's books and also the Bromma airport logbook and here is what I found on Ju 52/3m "500146":
    When flown from Malmö to Bromma on 4 August 1945 it was entered as 500146, so that can be considered as confirmed. On 23-24 August it was test flown by Russian crews and now it is entered without any number, but with three "x" arranged in the same way as the three crowns of the Swedish national insignia. This could mean that Swedish national insignia was painted on, which had happened with interned aircraft before, or just that the aircraft was considered as belonging to the State or the air force.
    The delivery flight on 27 August via Åbo, Finland, is entered with the identity "BM", so the last part of the German marking can be considered as confirmed as well.

    Lennart A
     
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    Hallo

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  20. L1049G

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    Hallo Lennart,

    vielen Dank für die Information, highly appreciated!

    Ich sehe allerdings ein kleines Problem:

    Ist hier eventuell ein Datum falsch?

    Gerhard
     
  21. #19 L Andersson, 06.03.2017
    L Andersson

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    Lennart
     
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Thema: Ju 52/3m Baureihenbezeichnungen
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