Rheinwiesenlager

Diskutiere Rheinwiesenlager im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Immer mal wieder tauchen die "Rheinwiesenlager" der USA auf. Angeblich sollen diese von 5 Mio. Deutschen nach dem letzten Weltkrieg durchlaufen...
Veith

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Immer mal wieder tauchen die "Rheinwiesenlager" der USA auf. Angeblich sollen diese von 5 Mio. Deutschen nach dem letzten Weltkrieg durchlaufen worden sein, wovon 1 Mio. starben. Bereits damals sollen die Gefangenen nicht als PoW, sondern DEFs (Disarmed Enemy Forces) geführt worden sein.

Inzwischen habe ich auch ein umfangreiches Web gefunden:
Rheinwiesenlager.de

Vor allem das Luftbild mit ca. 300.000 Gefangenen ist depremierend.


Ist da was dran oder ist das maßlos aufgebauschte antiamerikanische Propaganda? Gibt es seriöse Forschungen?
 
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Bani

Bani

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Ne, ne - nix mit Propaganda!

Hierzu kann ich Dir das Buch:

DER GEPLANTE TOD, Untertitel: "Deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen und französischen Lagern 1945 - 1946" empfehlen.

Interessanterweise von einem ehemaligen "Gegner" geschrieben: James Bacque - ein kanadischer Journalist!
Die "Rheinwiesen" werden darin natürlich auch behandelt.

Schwerpunkt des Buches liegt in der Handhabung der ganzen PoW - DEF Sache.

Ist ja im Grunde ganz einfach:
Als Pow - also Kriegsgefangener - hatte man bestimmte Rechte in Punkto Verpflegung und Behandlung - dies entfiel natürlich, wenn man aus dem PoW-Status entlassen wird!
Auf diese Weise kam man ganz billig zu abertausenden von Arbeitssklaven, deren Zahl sich mit der Zeit auch noch "ganz natürlich" von allein verringert! :HOT

Also, wie gesagt:

James Bacque
DER GEPLANTE TOD

Kann ich nur empfehlen!
 
Veith

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Danke Bani,

nachdem ich wußte wohnach ich suchen mußte, habe ich eine gute Rezession genau dieses Buches gelesen (Tenor: unwissenschaftlich).

Was wohl - überraschender Weise - stimmen soll, sind die 5. Mio. Gefangenen. Was heftig bestritten wird, sind die 800.000 - 1 Mio. des Buches. Diese Zahl soll nur auf unseriösen Hochrechnungen basieren. Es soll lediglich rd. 56.000 ungeklärte Tote gegeben haben, leider wurde versäumt zusätzlich die offizielle Todeszahl anzugeben. :(

Die offizielle Zahl der Toten wäre schon interessant. Bezweifelt werden muß mMn die unterstellte Absicht , Gleichgültigkeit ok, aber nicht geplant ...
 
Sören

Sören

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Mein Großvater erlebte das Kriegsende auch als Gefangener der US-Streitkräfte. Sehr viel erzählte er mir von dieser Zeit nicht, einerseits weil er sicher dachte, ich könne dies mit meine damals 10 Jahren ohnehin noch nicht richtig verstehen oder auch andererseits weil er, wie ich glaube, diese Schrecklichen Erlebnisse für den Rest seines Lebens nie richtig verkraften konnte. Immerhin starb er schon mit 67 Jahren.
Jedoch kann ich mich noch recht gut an Erzählungen erinnern, wo er riesige stacheldrahtumzäunte "Wiesen" schilderte, auf denen die Gefangenen zu tausenden bei jedem Wetter unter freiem Himmel dahinvegetierten. Jedoch von Frauen, Kindern und Greisen berichtete er nichts. Geholfen at ihm damals sicherlich, daß er Elektoingeneur war und ihn die Amerikaneroft holten, um dieses oder Jenes für sie zu reparieren. Anschließend kam er nach Marseille,wo er unter französischer Aufsicht im Hafen arbeiten mußte.
 
Shadow

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Es gab auch mal eine mehrteile Dokumentation zu dem Thema, eine Folge hat sich überwiegend mit den Lagern am Rhein befaßt. Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, so in den letzten 2 Jahren...

Dort kamen auch Augenzeugen zu Wort, welche die - zeitweise - menschenunwürdige Situation der Gefangenen sehr gut beschrieben. Einen Teil der Aussagen habe ich noch bildlich vor Augen :(

Bei einem Vergleich mit Erlebnisberichten aus Lagern in den USA, fällt auf, dass es dort zu Beginn sehr human - fast freundschaftlich - zuging. Erst nach Befreiung einiger KZs schlug die Stimmung um. Ich gehe mal davon aus, dass es sich nicht nur um chronologische sondern um kausale Zusammenhänge handelt.
 
JohnSilver

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Im Lotter Kreuz links oben
Sehr guter link zum Rheinwiesenlager:
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1995/hjb1995.29.htm

Fazit: Unwissenschaftlich und tendenziös.

Zeitzeugen berichten, daß viele der Gefangenen bei Regen in den Erdlöchern verschüttet wurden, die sie sich zum Schutz vor der Witterung gegraben hatten. In den Remagener Friedhofsakten ist jedoch nur ein einziger Sklelett-fund im Lagergelände aus dem Jahr 1950 dokumentiert. Die geringe Zahl der Anfragen nach Vermißten in den Suchdienstakten läßt aber auch nicht erwarten, daß die Zahl der im Lager Remagen/Sinzig Verstorbenen wesentlich höher war als die von Böhme geschätzten 1.200. Wären die Überlegungen Bacques zutreffend, müßten im Lager Remagen/Sinzig mehrere Zehntausend Gefangene umgekommen sein. Die Frage nach dem Verbleib der Leichen kann er jedoch nicht beantworten, obwohl er für Hinweise auf Massengräber im Umkreis von Gefangenenlagern eine hohe Belohnung ausgesetzt hat
und als Fazit:

Die Zahl der Kapitulationsgefangenen „warf für die amerikanischen Gewahrsamsmacht organisatorische Probleme auf, die auch bei gutem Willen unlösbarwaren. Darüber hinaus führten das Siegesbewußtsein, die Entdeckung der KZ-Greuel und die Vorstellung von der Gesamtschuld des deutschen Volkes nicht selten dazu, daß es auch an diesem guten Willen fehlte
 
Veith

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Also, ich denke auch das maßlos übertrieben wurde. Schade ist, daß ich keine serösen Infos (wie die offizielle Zahl der Toten) finden konnte.

Und noch eines: Das Argument, Kriegsgefangenen den ihn zustehenden Status als Kriegsgefangenen zu verweigern, mit dem Hinweis, man könne sie nicht entsprechend versorgen, ist mehr als "schäbig" - dann hätten die US-Truppen teilen müssen, sorry (oder gab es Hungertode bei US-Truppen?).
 
Wolfgang Henrich

Wolfgang Henrich

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nur einmal zur Info was Statistiken angeht und deren Auslegung.
Mein Großonkel kam 1945 in Gefangenschaft. Zu der Zeit ein gesunder junger Mann. Er kam nach Remagen. Wochenlang unter freiem Himmel bei absolut unzureichender Verpflegung. Er ist praktisch über einen längeren Zeitraum verhungert bzw. dahingesiecht. Dazu kamen entsprechende Erkrankungen wie Rur etc. Als nichts mehr zu retten war, wurde er aus der Kriegsgefangenschaft in ein deutsches Lazaret entlassen, wo ihm nicht mehr zu helfen war und er nach wenigen Tagen verstarb. Offiziell ist er also in deutscher Obhut und als freier Mann gestorben.
Soviel zum Thema Statistik und Statistikgläubigkeit. :(

Ich glaube nicht, dass das ein Einzelfall war.
 

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Hallo!
Zu dem Thema Rheinwiesenlager gibt es sehr ausführliche Nachrichten, Dokomente und Unterlagen. Verausgesetzt man hat die Grundlage des Buches: Der geplante Tod: . Wenn man in dem Buch die Quellenangaben nach geht, bekommt man umfangreiche Infos. Aber vorsicht, dass geht ins Geld. Ich betreibe meine Nachforschungen schon seit 1997 und ich habe dafür schon sehr viel Euros ausgegeben. Wenn man ein großes Interesse an der Sache hat, lohnt es sich. Besonders für die Jahrgänge 1947 bis heute.
 
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