Berlin-Attrappen für die Weltkriegsbomber

Diskutiere Berlin-Attrappen für die Weltkriegsbomber im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Interessanter Artikel in der heutigen Märkischen Allgemeinen:...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Monitor, 07.02.2014
    Monitor

    Monitor Alien

    Dabei seit:
    09.09.2004
    Beiträge:
    8.124
    Zustimmungen:
    2.707
    Ort:
    Potsdam
    Interessanter Artikel in der heutigen Märkischen Allgemeinen:
    http://www.maz-online.de/Lokales/Ob...uf-die-die-Bomber-von-Berlin-ablenken-sollten

    Die Nazis bauten in Oberhavel Anlagen auf, um die Bomber von Berlin abzulenken Berlin-Attrappen für die Weltkriegsbomber
    Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz.

    Oberkrämer/Kremmen. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

    Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). "Es gibt kaum Infos und Dokumente", erzählte er.

    Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung "V-500", die Engländer gaben ihr den Namen "Devoy City" oder auch "Berlin-Nauen 1". Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. "Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind", erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.

    Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulier-ten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald - auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. "Man muss aber ganz genau hinsehen", sagte Peter Reinhardt. "Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf." In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

    Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.

    Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von "Decoy-City". 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

    Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten.

    Von Robert Tiesler
     
    juergen.klueser, Zlin526, Grimmi und 2 anderen gefällt das.
  2. Anzeige

    Schau dir mal die beiden Links an:
    diesen Ratgeber und die Flugzeug-Kategorie

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
Moderatoren: mcnoch
Thema:

Berlin-Attrappen für die Weltkriegsbomber

Die Seite wird geladen...

Berlin-Attrappen für die Weltkriegsbomber - Ähnliche Themen

  1. Suche Spotting-spezifischen Rat / Erfahrung: Canon 80D oder 7D2 für's Spotting?

    Suche Spotting-spezifischen Rat / Erfahrung: Canon 80D oder 7D2 für's Spotting?: Ja Leute, ich weiß, sowas nervt, aber ich muss es doch nochmal hier im FF versuchen. Ich hab es ja auch schon in Fotografie- und...
  2. Frankfurt - Entschärfung einer HC 4000

    Frankfurt - Entschärfung einer HC 4000: In Frankfurt läuft momentan die Entschärfung einer englischen HC 4000 Luftmine: Ticker zur Bombenentschärfung in Frankfurt | hessenschau.de |...
  3. NA FJ-2 Fury Umbau aus ESCI Fury 1:48

    NA FJ-2 Fury Umbau aus ESCI Fury 1:48: Nun geht es der der alten Esci-Fury an den Kragen. [IMG] Eine veröffentlichte Zeichnung der FJ-2 von NA: [IMG] Der Inhalt des Kartons hält...
  4. Flugplatz Fürstenwalde (EDAL)

    Flugplatz Fürstenwalde (EDAL): Hier einige Aufnahmen vom ehemaligen FLP Fürstenwalde Flugplatz Fürstenwalde – Wikipedia [ATTACH]
  5. Fly-in für Elektroflugzeuge auf dem Flughafen Grenchen

    Fly-in für Elektroflugzeuge auf dem Flughafen Grenchen: Am 9. und 10. September 2017 findet mit der Smartflyer Challenge das erste europäische Fly-in für Elektroflugzeuge auf dem Flughafen Grenchen...