Flughöhen im Berliner Luftkorridor

Diskutiere Flughöhen im Berliner Luftkorridor im Andere Konflikte Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Manchmal liest man Sachen zur Fluggeschichte, welche man an dieser Stelle gar nicht erwartet. So ist mir das gestern wieder passiert. In den...

Volker31

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Manchmal liest man Sachen zur Fluggeschichte, welche man an dieser Stelle gar nicht erwartet. So ist mir das gestern wieder passiert. In den Erinnerungen von Egon Krenz Teil 2 (Gestaltung und Veränderung, edition ost im Verlag Das Neue Berlin, ISBN 978-3-360-02811-2) schreibt der Autor auf S. 183 etwas zum Berliner Luftkorridor. Nach dieser Mitteilung wurden die Flughöhen 1984 von 350 m bis 2900 m auf 650 m bis 3200 m verändert. Mal abgesehen von der Tatsache, dass das eigentlich keine DDR-Zuständigkeit war (E.K. wunderte sich darüber ebenfalls) - ist hier jemandem bekannt, ob es tatsächlich solche Änderung gab. Und welchen Anlass das gehabt haben könnte?

Volker
 
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Volker, das sollten Leute wissen, die beim BASC bzw. bei BARTACC gearbeitet haben.

==> West Berlin Air Corridor - Wikipedia schreibt dazu (Übersetzung)
""
Aircraft were compelled to fly at a maximum height of 10,000 ft (3,048 m).However, on occasion, the height restriction would be raised to 13,000 ft (3,962 m) in order to accommodate Soviet military exercises. Flight plans, for entry into an air corridor, were handled by the Berlin Air Safety Center (BASC), who in turn would coordinate with the Berlin Air Route Traffic Control Center (BARTACC).
****
Die Flugzeuge mussten in einer maximalen Höhe von 10.000 Fuß (3.048 m) fliegen.Gelegentlich wurde die Höhenbeschränkung jedoch auf 13.000 Fuß (3.962 m) angehoben, um sowjetische Militärübungen zu ermöglichen. Die Flugpläne für den Eintritt in einen Luftkorridor wurden vom Berlin Air Safety Center (BASC) bearbeitet, das sich wiederum mit der Flugsicherungszentrale Berlin Air Route Traffic Control Center (BARTACC) abstimmte.

""
Das Büchlein "Berlin-Luftkorridore - Flughafen Tempelhof - "Mauerflieger" (Lutz Freundt, AEROLIT, 1.Aufl. 2001)" gibt dazu auch nichts Konkretes her.
 
Kenneth

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Der englische Text macht für mich keinen Sinn, in dem nur maximale Flughöhen erwähnt werden. Inwiefern soll eine Anhebung von 10,000 auf 13,000 Fuss, ohne Erwähnung einer (auch angehobenen?) Minimumflughöhe, sowjetische Militärübungen "ermöglichen"? Ist doch eher ein Hindernis?

Der deutsche Wiki-Text erscheint sinnvoller:

"Zudem sei eine Mindestflughöhe von 2.500 und eine maximale Flughöhe von 10.000 Fuß (762 bzw. 3.048 Meter) einzuhalten. Die Westalliierten erkannten dies offiziell nicht an, da es hierfür keine Grundlage in den Abkommen gab, verständigten sich untereinander jedoch inoffiziell darauf, diese Beschränkungen einzuhalten."
 
ManfredB

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Ob es (für Dich) Sinn macht oder nicht ... eine Erhöhung von 3.048 (3.050) m auf 3.962 m sind schon mal (fast exakt) 30%, also schon mal beträchtlich. Bezogen auf das, was bspw. nötig wäre, um den Betrieb von Verkehrsflugzeugen von/nach Berlin auch wirtschaftlich(er) erscheinen zu lassen, ist das natürlich nichts.
Man bedenke, daß unterhalb der Mindestflughöhe überwiegend auch die Kampfhubschrauber aktiv waren; die FLPL Mahlwinkel, Zerbst und Köthen z.B. lagen in den Korridoren, Stendal und Altes Lager (Jüterbog) unmittelbar daneben. Die Betrachtung des großen Übungsgebietes Letztlinger Heide (mitten im B-Korridor) lasse ich mal aussen vor ...

Zu den (vorgeschriebenen Flughöhen) verweise ich dann doch auf das zitierte Buch "Mauerflieger"; der Autor kannte/kennt sich ja aus ... :whistling:
 

Volker31

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Man bedenke, daß unterhalb der Mindestflughöhe überwiegend auch die Kampfhubschrauber aktiv waren
Danke für den Hinweis! Das ist ein interessanter Hinweis auf einen möglichen Grund der Veränderung. Leider lässt sich eben dem Buchtext nicht entnehmen, ob es eine temporäre oder dauerhafte Änderung war.

Volker
 
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Da das Thema sehr komplex ist, erlaube ich mir einen Hinweis zu einem Fachbuch, daß sich u.a. auch mit Geschichte und dem Prozedere bzgl. den drei Berlin-Korridoren beschäftigt. Fiel mir gerade ein, daß ich dieses Buch (DIN A4 Grösse, 520 Seiten!) auch im Regal stehen habe, eigens besorgt wg. der Militärischen Flugsicherung in der der DDR:

 
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...Nach dieser Mitteilung wurden die Flughöhen 1984 von 350 m bis 2900 m auf 650 m bis 3200 m verändert. Mal abgesehen von der Tatsache, dass das eigentlich keine DDR-Zuständigkeit war (E.K. wunderte sich darüber ebenfalls) - ist hier jemandem bekannt, ob es tatsächlich solche Änderung gab. Und welchen Anlass das gehabt haben könnte?
Volker
Ich hab mal etwas in meinem Altpapier gekramt. Auf einer russisch beschrifteten Flugkarte mit einer Streckenvorbereitung (undatiert, aber sachlich zuordenbar nach 1987) sind die "Zeitweiligen Luftverbindungswege" ZLVW 1-3 mit Höhenangabe "750-2900m" und die "Berliner Kontrollzone" BKZ mit 3050m angegeben.
Von Marxwalde aus sind wir mit 3650m über die BKZ auf unser Funkfeuer gekurvt, manchmal über einer C-130 voller Antennen auf Kreiskurs haarscharf am oberen Deckel der BKZ..

Der erwähnte Wikipediaartikel spricht zur zeitlichen Einordnung nur von "on occasion", das übersetze ich mit "gelegentlich"
 
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Hat wohl durchaus interessant werden können, mit einigen Flugzeugen mit Höhenmesser in Fuss und mit anderen mit Höhenmesser in Meter, oder?
 
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Von Marxwalde aus sind wir mit 3650m über die BKZ auf unser Funkfeuer gekurvt, manchmal über einer C-130 voller Antennen auf Kreiskurs haarscharf am oberen Deckel der BKZ..
Das ist interessant! Wie muß ich mir eine C-130 "voller Antennen" vorstellen? Was konnte man da aus 700m Entfernung erkennen?
 
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Hat wohl durchaus interessant werden können, mit einigen Flugzeugen mit Höhenmesser in Fuss und mit anderen mit Höhenmesser in Meter, oder?
Warum, waren den die Höhenmesser zu dieser Zeit (1980er Jahre) so ungenau?
 
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Nein, das meinte ich nicht, nur, dass es zur Verwirrung/Ungenauigkeiten kommen könnte, wenn jemand Höhenvorgaben in Meter (Fuss) bekommt, und im Flugzeug ist ein Höhenmesser in Fuss (Meter). Aber vielleicht stellt(e) sich das Problem gar nicht?
 
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Das ist interessant! Wie muß ich mir eine C-130 "voller Antennen" vorstellen? Was konnte man da aus 700m Entfernung erkennen?
Rückblickend wird es wohl eine EC-130(J?) gewesen sein. Aus der Entfernung konnte man nur beurteilen das es keine "glatte" C-130 war und das Beiwerk als Antennen ansprechen, frag mich aber bitte nicht welche. Mich hat eher die Flugbahn, ganz oben an der äußersten Grenze der BKZ beeindruckt. Mein Gedanke war das es wohl Funk/Funkmeßaufklärung sein könnte und ob der wohl unseren Flugfunk mithört..
 
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Rückblickend wird es wohl eine EC-130(J?) gewesen sein. Aus der Entfernung konnte man nur beurteilen das es keine "glatte" C-130 war und das Beiwerk als Antennen ansprechen, frag mich aber bitte nicht welche. Mich hat eher die Flugbahn, ganz oben an der äußersten Grenze der BKZ beeindruckt. Mein Gedanke war das es wohl Funk/Funkmeßaufklärung sein könnte und ob der wohl unseren Flugfunk mithört..
Bist Du schräg dadrüber/daneben hergeflogen, hast ihn überholt oder bis ihm entgegen gekommen? Allein der Geschwindigkeitsunterschied zur MiG-21(?) muß doch beträchtlich gewesen sein. Eine C-130 flog doch über Berlin nicht mehr in Reisegeschwindigkeit (ca. 575km/h), der war doch am Ziel angekommen. Oder war die gestartet und auf dem Flug in den "Korridor"?
 
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Nein, das meinte ich nicht, nur, dass es zur Verwirrung/Ungenauigkeiten kommen könnte, wenn jemand Höhenvorgaben in Meter (Fuss) bekommt, und im Flugzeug ist ein Höhenmesser in Fuss (Meter). Aber vielleicht stellt(e) sich das Problem gar nicht?
Nicht falsch verstehen! Ich fasse mich kurz: der DDR-Flugverkehr und der Verkehr nach (West)Berlin war auch über Berlin vollkommen getrennt voneinander. Andere Flugleitungen, andere Funkfrequenzen. Die einen flogen nach Meter (Ost), die anderen nach Feet (West). Weit überwiegend(!) ging das seinen Gang, so funktionierte disziplinierter Flugverkehr über Jahrzehnte.
 
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Bin nach dem Start im Steigflug im Bereich Werneuchen drüber, mit kreuzendem Kurs, die Hercules in einer sehr flachen Linkskurve von Süd nach Nord unter mir durch. FP Werneuchen lag ja wimre gerade noch in der BKZ und war ganz sicher das "Objekt der Begierde" für jegliche Form der Aufklärung
 
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Hat wohl durchaus interessant werden können, mit einigen Flugzeugen mit Höhenmesser in Fuss und mit anderen mit Höhenmesser in Meter, oder?
Das war kein Problem. Die "krummen" Höhen, z.B. 3050m / 3650m ergaben sich aus der Umrechnung von Fuss in Meter.
So entsprach 3050m der FL100 (10.000ft) und 3650m eben FL120 (12.000ft). In diesen "krummen Höhen wurde dann auch tatsächlich geflogen.
Unterschiedlicher Luftdruck spielte dabei keine Rolle, da sich beides auf Standard-Druck 1013,25 hPa bezog.
Ich habe übrigens später sehr zu schätzen gelernt, daß sich z.B. FL350 viel schneller und besser spricht, als 10650m (und erst recht letzteres auf Russisch :rolleyes1:)
 
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nochmal zu den C-130, die damals in den Berlin-Korridoren/BCZ unterwegs waren ==> Spyplanes <br />(Berlin Corridors / Border Flights (Peripheral) / USSR & WARPAC Overflights) (klick auf "C-130")

Bei SIGINT-Aufklärungseinsätzen flogen die C-130 der USAF i.d.R. so hoch wie es gem. dem Reglement möglich war, um entsprechende Reichweiten zu erzielen, bei Fotoaufklärungsflügen genau anders herum ("electric bird or picture bird").
Ich erinnere mich, daß NVA-Grenztruppen, auch als vorgeschobene Luftraumbeobachter in Grenznähe eingesetzt und den genznahen Funktechnischen Kompanien zuarbeitend, mal eine C-130 mit offener Heckklappe beobachtet und gemeldet haben; siehe dazu auch ==> Flugplatz Zerbst
Zu den "The Berlin For Lunch Bunch"-Flügen siehe hier
==> The Berlin For Lunch Bunch | Air & Space Forces Magazine oder mehr auch hier
==> Border Patrol
 
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