Literatur zur Zertifizierung und Zulassung von Interior Materialien und Teilen

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TurboDavid0815

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Hallo Flugzeug-Freunde!

ich bin auf der Suche nach Literatur über die Zertifizierung und Zulassung von Teilen für die Fluggastkabine.
Mich interessiert was zu beachten ist wenn ein Teil für das Interior des Flugzeuges zertifiziert werden soll.

Ich habe auf der EASA Website schon einiges herausfinden können. Zum Beispiel dass für ein großes Linienflugzeug die CS-25 (Certification Specification for Large Aeroplanes) gilt.
Auch habe ich herausgefunden dass Teile die im Innenraum verbaut werden immer einen Flammtest bestehen müssen.
Nach nun längerer Suche konnte ich leider nicht finden was sonst noch alles zu beachten ist.

Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich?
Oder gibt es vereinfachte Guides die ich mir durchlesen kann damit ich weiß welche Schritte bei einer Zertifizierung für neue Materialien beziehungsweise Teilen im Innenraum zu beachten sind?

Liebe Grüße,

David
 

Lime

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Nur mal ganz grob aus dem Nähkästchen:

Normalerweise spezifiziert der Kunde, welche Requirements erfüllt werden müssen. In der Regel sind das alles Tests, welche sich in der RTCA DO160 wiederfinden. Das Thema Flamability kommt meist mit Smoke und Toxicity als "Paket" daher. Schau dir mal die FAR 25.853 an. In der Regel werden Materialien einem definierten Brandtest unterzogen (hast du ja bereits richtig erkannt).
Für die Kabine gibt's noch allerhand weitere Tests, wie z.B. die Fluid Susceptibility Tests (Cleaning Agents, Insecticides etc...) oder auch mechanische Tests (Vibration, Abuse Loads etc.).

Was genau da gefordert wird und angemessen ist, hängt davon ab, ob ich nur einen Spender für die Spucktüten oder z.B. einen Haltegriff im Eingangsbereich qualifizieren möchte/muss.
 

TurboDavid0815

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Danke für die schnelle Antwort !

Das heißt, angenommen ich möchte ein Kabinenverkleidung zertifizieren lassen muss der Kunde gefragt werden welche Testergebnisse er braucht damit er das Teil verbaut?
Einfach gesagt man müsste mit Boeing oder Airbus kontakt aufnehmen und fragen welche Tests die wollen wenn man ihnen was verkaufen möchte?

Ich bin in der CS-25 unter 853 schon auf die FST Anforderungen gestoßen. Aber ich verstehe nicht wo man sonst finden kann welche Anforderungen an ein Teil gestellt werden.
Hast du vielleicht auch für die Test die du bezüglich der Kabine erwähnt hast einen Tipp für mich? Welcher Abschnitt kommt hier in Frage?

LG
 

Lime

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Hier kann eigentlich nur der jeweilige Hersteller Auskunft geben (oder eine ggf. externe Firma, die das Prozedere auftragsmäßig durchführt).

Ich kenne mich nur bei den 4 großen Herstellern (Airbus, Boeing, Bombardier und Embraer) aus und da werden die Requirements immer vom Kunden definiert. Das ganze läuft dann unter Environmental Qualification seitens des Zulieferers. Die eigentliche Zulassung des betreffenden Teiles bzw. der Komponente erfolgt dann durch den Kunden im Rahmen der Zulassung des gesamten Fliegers.

Wenn man jetzt nicht direkt vom Hersteller beauftragt wurde, muss man sich selbst um eine Qualifikation und Zulassung kümmern. Letzteres dürfen nur entsprechend autorisierte Stellen/Firmen durchführen.

Folgende Qualifikationstests sind üblich:

  • Temperature
  • Pressure
  • Vibration & Shock
  • Constant Acceleration
  • Humidity
  • Waterproofness
  • Sand & Dust
  • Fluid Susceptibility
  • Fungus Resistance
  • Flammability, Smoke, Toxicity
  • Heat Release

(Liste nur exemplarisch, muss nicht vollständig sein)
 

Lime

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Außerdem müssen vor der Qualifikation in der Regel noch Verifikationstests durchgeführt werden, um nachzuweisen, dass das entwickelte Produkt die Anforderungen erfüllt.

Falls es in Richtung Produkt für die Luftfahrt geht, würde ich dringend anraten, sich jemand ins Boot zu holen, der mit den ganzen Prozessen vertraut ist. Die eigentliche Produktentwicklung ist leider nur der kleinere Teil des gesamten Aufwandes bis das Teil dann mal an Bord eingebaut werden darf...
 

TurboDavid0815

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Vielen Dank für deine Hilfe, allein die Info über die RTCA-DO160 hat mir sehr geholfen.
Die geteilten Erfahrungen von dir umso mehr.

Außerdem müssen vor der Qualifikation in der Regel noch Verifikationstests durchgeführt werden, um nachzuweisen, dass das entwickelte Produkt die Anforderungen erfüllt.
Sind die Tests zur Qualifikation nicht genug um sich als Hersteller zu verifizieren?

Da alles in den Kinderschuhen steckt, spiele ich eigentlich nur mit dem Gedanken so etwas vielleicht zu machen. Eine gute Idee ist vorhanden sowie ausreichende Infrastruktur. Jedoch scheint der ganze Prozess sich zu beweisen offenbar sehr langwierig und ich nehme an auch sehr kostspielig.

Weißt du wie man sich als Testlabor für solche DO-160 Test qualifizieren kann?
Die Testaufbauten scheinen mir für die meisten der Tests doch realistisch im Eigenbau.
Natürlich muss man einiges zukaufen aber möglich wäre es.

LG
 

Lime

Flieger-Ass
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Sind die Tests zur Qualifikation nicht genug um sich als Hersteller zu verifizieren?
Vorsicht! Man muss unterscheiden! Ich kann ein Produkt entwickeln, dann muss ich Verifikationstests durchführen, um zu zeigen, dass es den technischen Anforderungen enspricht. Dann muss ich Qualifikationstests durchführen, um zu zeigen, dass es den definierten Umwelteinflüssen widerstehen kann und am Ende muss es noch für die Verwendung im Flieger zugelassen werden.

Das hat alles noch nichts damit zu tun, mit einer (oder der eigenen) Firma irgendwie den Status "zugelassener Hersteller" zu erreichen.

Da alles in den Kinderschuhen steckt, spiele ich eigentlich nur mit dem Gedanken so etwas vielleicht zu machen. Eine gute Idee ist vorhanden sowie ausreichende Infrastruktur. Jedoch scheint der ganze Prozess sich zu beweisen offenbar sehr langwierig und ich nehme an auch sehr kostspielig.
Die Hürden sind da relativ hoch. Mit einem guten Produkt und einer eigenen Infrastruktur ist es da noch lange nicht getan... Ich weiß nicht, wie genau sowas vonstatten gehen kann, aber teuer und aufwendig wird es in jedem Fall.

Weißt du wie man sich als Testlabor für solche DO-160 Test qualifizieren kann?
Die Testaufbauten scheinen mir für die meisten der Tests doch realistisch im Eigenbau.
Natürlich muss man einiges zukaufen aber möglich wäre es.
Man kann für die Tests auch externe Labore beauftragen. Bevor ich mich mit selbstgebautem Testgerät da heran wage, würde ich Profis beauftragen. Der Aufwand ist auch so schon immens. Das Durchführen der Tests ist ja nur der "angenehme" Teil. Dazu muss noch stapelweise Dokumentation erzeugt werden:

  • Specification
  • V&V Test Plan
  • V&V Test Procedure
  • V&V Test Report
  • Qualification Test Plan
  • Qualification Test Procedure
  • Qualification Test Report
  • etc. pp...

Wenn dir all diese Dokumente nichts sagen, dann solltest du besser gar nicht darüber nachdenken, die Sache allein durchzuziehen... Die ganzen Themen Problem Reporting, Dokumentenreviews, Config-Management, Supply Chain usw. kommen ja auch noch dazu...
 

Lime

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Wenn du ein gutes Produkt hast, dann stelle es doch mal bei den einschlägigen und am Markt befindlichen Kabinenzulieferern vor. Vielleicht ergibt sich ja ein Weg als Supplier für einen größeren OEM-Zulieferer im Rahmen einer Produktentwicklung. Die ganzen Formalitäten könnte dann ggf. der OEM-Zulieferer (bzw. dann ja dein Auftraggeber) übernehmen.

Um welches Produkt geht es denn genau? --> Antwort gerne per PN!
 
Schorsch

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Eigentlich ist das alles gar nicht so schwierig.
Erste Frage: ist es etwas elektronisches?
Wenn ja, dann tatsächlich DO160 wie oben beschrieben.
Wenn es sich nur um ein "dummes" Teil handelt, muss folgendes nachgewiesen werden:
  • der ominöse Fire, Smoke, Toxicity (FST)
  • ggf. auch noch erweiterte Brandeigenschaften wie Heat Release und Heat Release Rate
Die genauen Aufbauten dieser Tests sind in der CS25 in den Anhängen beschrieben. Man macht es in einem Brandlabor. Es selber zu machen geht nicht, weil man auch hier eine Zulassung haben muss.

Weiterhin muss man nachweisen, dass das Teil gewisse Lasten aushält. Konkret, es muss bei den zu erwartenden Flug- und Crash-Lasten an Ort und Stelle bleiben (darf aber kaputt gehen).

Tatsächlich ist am Ende der Flugzeughersteller derjenige, welcher Dir die Anforderungen an eine Zertifizierung mitteilt. Es ist aber alles im Grunde genommen etwas weniger kompliziert als mitunter dargestellt.

Das alles in Eigenregie zu machen ist schwierig bis unmöglich. Man benötigt eine separate Zulassung, um Teile selber zu qualifizieren (google mal EASA 21J). Du brauchst auch eine Zulassung, um überhaupt etwas zu produzieren. Das ganze kann man als 1-Mann Laden nicht leisten. Daher, schreibe mal grob was Du vorhast. Das selbst zu machen ist eigentlich ohne Aussicht auf Erfolg.
 
Schorsch

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Alien
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Außerdem müssen vor der Qualifikation in der Regel noch Verifikationstests durchgeführt werden, um nachzuweisen, dass das entwickelte Produkt die Anforderungen erfüllt.
Das ist in der Airbus-Welt der Fall. Streng nach Zulassung darf auch ein nutzloses Teil mitfliegen. Man braucht auch keine Anforderungen zu formulieren. Airbus macht viele Dinge deutlich komplizierter als sie sein müssten. Aber man stellt ja auch ein Produkt her, an das die Kunden hohe Anforderungen haben. Damit hat das in dem Mikrokosmos seine Berechtigung.
 
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