15.06.2022 Flugzeug im Maisfeld notgelandet (Landkreis Oldenburg, Fuji FA 200)

Diskutiere 15.06.2022 Flugzeug im Maisfeld notgelandet (Landkreis Oldenburg, Fuji FA 200) im Flugunfälle und Flugunfallforschung Forum im Bereich Luftfahrzeuge allgemein; https://www.kreiszeitung.de/lokales/oldenburg/hude-ort59233/flugzeug-muss-auf-dem-feld-notlanden-91612106.html Ein kurioser aber brisanter...
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Ein kurioser aber brisanter Zwischenfall ereignete sich am Dienstag gegen 19.29 Uhr in der Gemeinde Hude. Ein 28-jähriger Pilot war mit seinem Co-Piloten in einer Fuji FA 200 auf dem Flugplatz der Insel Wangerooge gestartet und wollte nach Detmold fliegen.

Auf dem Weg ging dem Sportflugzeug allerdings der Sprit aus. Der Pilot wollte deshalb den Flugplatz in Ganderkesee ansteuern und die Maschine betanken. Diesen erreichte er allerdings nicht mehr und musste vier Flugminuten vor Ankunft mangels Treibstoff eine Notlandung aus 2.500 Metern auf einem Feld an der Holler Landstraße vornehmen.

Die Region rund um Oldenburg ist zwar weitgehend landwirtschaftlich genutzt und nur dünn besiedelt, allerdings sind die Acker alle 100 bis 150 Meter durch Entwässerungsgräben getrennt – zu kurz für eine Landung. Glücklicherweise machten die beiden Piloten aber noch ein Maisfeld mit einer Länge von rund 300 bis 400 Metern aus und setzten zur Landung an. Wie im Lehrbuch brachte der Pilot die Maschine auf den Boden und verursachte dabei nur geringfügige Schäden.

Die Feuerwehr der Gemeinde wurde zwar alarmiert, konnte aber nach kurzer Zeit wieder einrücken. Verwandtschaft der beiden Insassen holte diese ab. Für den morgigen Tag wolle man Treibstoff heranschaffen und versuchen, das Flugzeug vom Acker aus zu starten.
 
Chopper80

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Für den morgigen Tag wolle man Treibstoff heranschaffen und versuchen, das Flugzeug vom Acker aus zu starten.
Ob er dafür von der Behörde eine Genehmigung bekommt? Bei dem tiefen sandigen Boden bezweifle ich das.
Ansonsten mal wieder ein Negativ-Beispiel für 7P :wink2:

C80
 
Kenneth

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Der Bauer findet es wahrscheinlich nicht so lustig. Vor allem wenn (hoffentlich) der Tieflader zu Abholung kommt. Eine Nachschulung in Sachen Flugplanung könnte u.U. angebracht sein.
 
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Der Bauer findet es wahrscheinlich nicht so lustig. Vor allem wenn (hoffentlich) der Tieflader zu Abholung kommt. Eine Nachschulung in Sachen Flugplanung könnte u.U. angebracht sein.
Ein Tieflader wird wohl kaum auf das Feld fahren müssen. Eher zieht der Bauer die Kiste mit dem Trecker zur Straße oder es geht mit Muskelkraft. Ansonsten wird er problemlos von der Haftpflicht entschädigt. Aus eigener Erfahrung ist er da sicher gut bedient.

C80
 
krohmie

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In vielerlei Hinsicht ein "Nichtereignis" und alles gut gemacht wäre da nicht die Sache mit dem Kraftstoffmangel.
 
macfly

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Was für ein Held... Man kann die Hektik des Piloten förmlich spüren, wenn man sich den FR24 Schrieb anschaut:

Start in Detmold gegen 17:50 Uhr (lokal), Landung in Wangerooge 18:45 Uhr (lokal). Der Platz schließt um 19 Uhr.
Wiederstart in Wangerooge um Punkt 19 Uhr (bei FR24 ab 19:04 getracked) - vermutlich als letzter Abflug des Tages.
Um 19:22 Uhr (lokal) ging dann der Sprit aus.
Man wollte wohl noch jemanden auf Wangerooge absetzen oder abholen.

Das sieht nach einem klassischen Fall aus von "Schnell, schnell, schnell, wir müssen los, um 19 Uhr macht der Platz zu! Oh, wir müssten noch tanken - nee, dann schaffen wir das nicht mehr rechtzeitig nach Wangerooge. Müssen wir dann auf dem Rückweg machen, irgendein Platz, der längere Öffnungszeiten hat."

Sinnlose und hektische Aktion. Wäre alles kein Problem gewesen, wenn man 1h früher zum Flugplatz gefahren wäre, um den Flug ganz in Ruhe vorbereiten und antreten zu können. Dem Piloten wird das definitiv schon auf dem Hinflug klar gewesen sein, dass es mit dem Sprit diesmal eng wird. Aber: keine Zeit, keine Zeit...
 

Flieger

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Es gibt ja auch Spritverluste mit klarer Ursache...

Aber warum sollte die Wiederstartgenehmigung davon abhängen, ob es schlechte Planung oder ein reparabler technischer Defekt war? Solange es keine Sicherheitslandung war, braucht er eine Genehmigung und die wird hoffentlich anhand objektiver Kriterien entschieden und nicht als Strafe für schlechte Planung verwehrt?
Gruß
Flieger
 
Kenneth

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Aber warum sollte die Wiederstartgenehmigung davon abhängen, ob es schlechte Planung oder ein reparabler technischer Defekt war?
Das sagt ja auch niemand; es geht darum, dass man nicht einfach so wieder starten kann. Das muss erst behördlich genehmigt werden. Auf einem von den Fotos sieht man, wie ein Rad in weichen, sandigen Boden eingesunken ist. Ob das gut gehen kann? Wenn im übrigen die Zeitung die Idée "einfach mal Sprit holen, nachtanken und wieder weg fliegen" vom Piloten hat, dann könnte man möglicherweise schon eine gewisse "Attitude" erkennen...

Und wie oben bereits erwähnt, wenn es ein Leck gab, dann muss diese ja zuerst beseitigt werden...
 

Forrest Black

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Auf einem von den Fotos sieht man, wie ein Rad in weichen, sandigen Boden eingesunken ist. Ob das gut gehen kann?
Da wurde offenbar kurz vor Ende des Feldes kräftig gebremst. Dann fangen die Räder an, sich mit Unterstützung der Restenergie des Flugzeugs am Boden abzuarbeiten und graben sich ein. Bei einem Start sollte das nicht passieren, solange er nicht abgebrochen wird.
 
JohnSilver

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Im Lotter Kreuz links oben
Der will zurück nach Detmold, weiß, dass es knapp werden könnte mit dem Sprit und versucht auf Biegen und Brechen Ganderkesee zu erreichen, anstatt in Wilhelmshaven zwischen zu landen, das auf dem Weg liegt...
Da hat der Schweizer Käse nur aus Löchern bestanden.
 
Chopper80

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Hat so eine Fuji eigentlich eine rote Restkraftstoff-Warnlampe unabhängig von der Tankanzeige?

C80
 
Intrepid

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Das muss erst behördlich genehmigt werden.
Grundsätzlich kein Problem und unmittelbar nach der Landung möglich. Es werden Auflagen gemacht, die vom Einzelfall abhängen. Insbesondere, wenn der Untergrund zweifelhaft ist, muss vielleicht Feuerwehr beim Start zugegen sein. Wenn nicht Kraftstoffmangel sondern ein technischer Grund vermutet wird, entsprechende Überprüfung und gegebenenfalls Reparatur.

Ich habe alles schon erlebt. Umständlich und erst nach Tagen möglich oder sofort nach Auftanken, weil sowieso die Luftaufsicht gucken kam und sofort die Genehmigung erteilen konnte.
 

MikeBravo

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Der Bauer Dirk Cassebohn hat übrigens schon eine Startschneise vorbereitet und blieb nach der Landung eigentlich ganz cool, weil die Maispflanzen noch klein sind. Quelle: Nachrichten auf Bild Live am Abend
Ich denke, die Maschine wird nach Betankung wieder aus dem Maisfeld starten...
 
Gilmore

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Bei der Hektik beim Start kann es ja auch sein, dass einfach vergessen wurde, den Tankdeckel nach dem Betanken wieder einzusetzen. Der Unterdruck über dem Flügel und die Verdunstung des Kraftstoffs erhöhen den Spritverbrauch dann enorm.
So etwas ähnliches ist mir schon zu Ohren gekommen im Falle einer Pidschi beim Flug von Hodenhagen nach irgendwo in Sachsen. Das führte zu Absturz und zwei Toten. Auch hier war es starker Zeitdruck und der vergessene Tankdeckel.
 
Kenneth

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Der Gedanke kam mir auch, jedoch erscheint mit der Aufenthalt auf Wangerooge so kurz gewesen zu sein, dass vielleicht dort nicht getankt wurde. Wenn beim Abflug getankt wurde, dann hätte ein verlorenes/offenes Tankdeckel bei der Zwischenlandung eigentlich auffallen müssen. Darüber hinaus ist die Fuji ein Tiefdecker, wo man vom Flugzeug aus sowas sehen müsste. Auf aviation-safety.net ist die Rede von einer kaputten Tankanzeige. Dafür gibt es Peilstäbe beim Vorflugcheck. Nach 1 1/2 Stunden ist wohl der Sprit ausgegangen, die Tanks in einer Fuji fassen jedoch satte 200 Liter. Andersrum gesagt muss beim Abflug eine ziemliche Leere dort geherrscht haben.
 
macfly

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... und blieb nach der Landung eigentlich ganz cool, weil die Maispflanzen noch klein sind.
Der Bauer kann ohnehin ganz entspannt bleiben. Schäden am Bewuchs, Ernteausfälle usw. zaht die Versicherung. Das ist eine der üblichen Folgen bei Not- und Außenlandungen. Das ist duch die vorgeschriebene Haftpflicht eines Flugzeugs abgedeckt.

Der Gedanke kam mir auch, jedoch erscheint mit der Aufenthalt auf Wangerooge so kurz gewesen zu sein, dass vielleicht dort nicht getankt wurde.
Auf Wangerooge wurde ganz sicher nicht getankt... Bei den Flugleitern der Nordsee-Inseln gehören anrufende Piloten, die sich nach dem aktuellen Preis des AVGAS erkundigen, zu den regelmäßigen Lachnummern... :rolleyes1:
 
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