Aluminium- und Luftfahrt-Industrie "Made in Westfalen"

Diskutiere Aluminium- und Luftfahrt-Industrie "Made in Westfalen" im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Hallo liebe Luftfahrt-Enthusiasten! Anbei möchte ich allen Interessierten einen hoffentlich interessanten Link zu einem spannenden Projekt...
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Hallo liebe Luftfahrt-Enthusiasten!

Anbei möchte ich allen Interessierten einen hoffentlich interessanten Link zu einem spannenden Projekt vorstellen:

westfalen.museum-digital.de/index.php?t=institution&instnr=43
(Das Posten von Links ist leider erst ab 10 Beiträgen möglich - das kopieren in den Browser aber auch jetzt schon...)

Hinter der Idee steht zunächst der Gedanke ein Museum am Ort der Wiege der verarbeitenden Aluminiumindustrie im damaligen Deutschen Reich aufzubauen. Gleichzeitig ist der Ort, das Areal der ehemaligen Firma Carl Berg im Werdohler Ortsteil Eveking gelegen, wohl unumstritten der Ausgangspunkt der Westfälischen Luftfahrtindustrie:
Die Luftschiffsysteme von David Schwarz, Graf Zeppelin und Erbslöh wurden im Städtedreieck Altena – Lüdenscheid – Werdohl ab 1890 in einem Radius von nur wenigen Kilometern im Wesentlichen konstruiert und gebaut.
Die ersten beiden von der Ingenieuren der Firma Carl Berg in Werdohl-Eveking, das Erbslöh-Luftschiff bei Selve in Altena. Mitte der 1920er Jahre schlossen sich dann die beteiligten Firmen zur Berg-Heckmann-Selve AG zusammen, daraus erwuchs die heutige VDM Metals.

Der Link führt zum Kristallisationspunkt der Idee – der Zusammenlegung verschiedener privater Sammlungen um daraus den Grundstock einer in Nordrhein-Westfalen einmaligen Sammlung zu bilden. Zumal das Zusammenspiel der Themen Luftfahrt- und Aluminiumindustrie wohl nirgends besser zu bespielen wäre als in den vermeintlich abgelegenen Tälern des märkisch-westfälischen Sauerlandes. Eben an der Wiege…

Die Sammlung wird im Rahmen des Digitalisierungsprojektes musem-digital:westfalen erfasst und zunächst in Form von Digitalisaten aufbereitet. Die Daten sind dann über die Deutsche Digitale Bibliothek und die EUROPEANA abrufbar.
Die Sammlung umfasst derzeit etwa 2.500 gegenständliche Objekte, 2.500 Fotos-, Ansichtskarten und Pläne sowie eine Fachbibliothek mit rund 5.000 Medieneinheiten. Momentan ist also erst ein geringer Teil, dazu momentan überwiegend mit dem Schwerpunkt Zeppelin-Geschichte, recherchierbar.

Der Weg bis hin zum Museum wird also noch lang, steinig und arbeitsintensiv.
 
Doppelnik

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Klingt interessant, aber jemand der in Düren zur schule gegangen ist, wird dabei stuzig, schließlich ist man hier vom Dur-Aluminium (steht für Dürener Aluminium) überzeugt welches wohl bei den Zeppelinen und später auch den Flugzeugen verwendet worden ist. Die Aluhütte gibt es nicht mehr, aber ich war da mal drin, während sonst kaum etwas in Düren den Krieg überstanden hat, blieb ausgerechnet die strategisch wichtige Aluhütte anscheinend weitgehen intakt...
 
chopper

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Also soweit mir bekannt leitet sich der Begriff „Duraluminium“ vom lateinischen „durus“ ab.
Das steht für „hart“ oder auch „ausdauernd“.
 
Doppelnik

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Sowohl als auch, es sollte wohl auch als Düren als den Erfindungsort erinnern
 
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Für den Luftschiffbau wurde das Duraluminium im Verlauf des Krieges (1916? Ich habe das Jahr jetzt nicht zur Hand...) auf Veranlassung des Reichsmarineamtes als einzige Aluminiunmlegierung zum Bau von Luftschiffen bestimmt. Damit war die Firma Berg (zu diesem Zeitpunkt Carl Berg AG) aus diesem Teil des Geschäftes heraus...

Das ändert aber nichts an der grundlegenden Pionierleistungen im Hinblick auf die Forschung und Etablierung des Materials "Aluminium" vom Werdohler Versetal ausgehend. Und ebenso wenig an der Bedeutung der Konstruktion der Luftschiffsysteme Schwarz und Zeppelin. Für letzteres wurde sogar die erste Ringbauhalle in Lüdenscheid errichtet.
Die Halbzeuge wurden dann ab Eveking per Kleinbahn (KAE - Kreis Altenaer Eisenbahn) nach Lüdenscheid verbracht, dort probeweise vormontiert und an den Bodensee geliefert. Die Ringbauhalle (am Bahnhof) wurde aus Mitteln der Gesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt - quasi dem Vorläufer der späteren Luftschiffbau Zeppelin GmbH - bezahlt.

Bei Berg wurde das Rohmaterial in Barrenform angeliefert und eine Vielzahl von Legierungen entwickelt. Das sit als Pionier die eigentliche Leistung. Nur wenige Fahrminute aufwärts der Verse etablierte sich dann nur wenig später Basse & Selve mit Aluminiumteilen für den Flugmotorenbau. Allerdings wurden diese dann in Altena gefertigt.
 
Doppelnik

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Also, das Material für die deutschen Luftschiffe kam, von ganz frühen Versuchen mal abgesehen, aus Düren.

Das Erbslöh Luftschiff hatte vielleicht einen Korb aus Metall (wenn überhaubt) war aber ansonsten ein praller Ballon, das passt also nicht in die Reihe. Das Schwarzsche Luftschiff ist hochinteressant (das erste Starrluftschiff, noch vor Zeppelin?), aber da gab es möglicherweise eine Kombination von Pech, technischen Gründen, und den "falschen" Hintergrund weshalb das nicht weiterverfolgt wurde, obwohl das erste Luftschiff von Graf Zeppelin auch nur drei Flüge überstand. Ich glaube nicht, dass das erste Luftschiff von Zeppelin in Westphalen konstruiert wurde, dort hat sicher ein paar Teile gefertigt, aber konstruiert wurde es mit Sicherheit am Bodensee.

Ich wünsche dem Projekt alles Gute, aber der Lokalpatriotismus sollte die Wahrnehmung nicht vernebeln...

Dominik
 
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Lieber Doppelnik,

im Umfeld der Industrie- und Technikgeschichte geht es zum Glück nicht um Glaubensfragen sondern um verifizierbare Tatsachen. Auf die Bedeutung der technischen Entwicklungen einzugehen würde hier den Rahmen wohl sicherlich sprengen. Allerdings ist gerade dieses spannende Kapitel über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten beziehungsweise wurde es darüber hinaus immer weiter ideologisch eingefärbt und damit verfälscht.
Ihren Dürener Lokalpatriotismus in allen Ehren, die Konstruktionsleistungen im Hinblick auf den Bau der Luftschiffe und die ungeheuren Leistungen im metallurischen Sinne, d.h. der Entwicklung von neuen Legierungen, sind lokal eben doch in diesem Teil Westfalens zu verorten.

Richtig ist aber auch, in diesem Punkt bin ich tatsächlich ganz bei Ihnen: ab etwa 1916 kam das Material für den Bau der weiteren Zeppelin-Luftschiffe ausschließlich aus Düren. Die Dürener Aluminiumindistrie hat sich aber eben erst Jahre nach den Entwicklungen im Städtedreieck Altena - Lüdenscheid - Werdohl abgespielt. Die Take-off-Phase beginnt hier um 1889/90.

Dazu gibt es inzwischen auch gute und wissenschaftlich fundierte Literatur wie etwa:
  • Luitgard Marschall: Aluminium. Metall der Moderne.
  • Manfred Knauer: Hundert Jahre Aluminiumindustrie in Deutschland 1886 - 1986. Die Geschichte einer dynamischen Branche.
  • Eckhard Trox: Der Traum vom Fliegen. Carl Berg und die Luftschiffidee von Lüdenscheid bis Lakehust.
  • [...]
Die ältere Literatur kann man leider weitestgehend vergessen, sie ist in weiten Teilen schlichtweg falsch, ideologisch gefärbt und liegt weit ab dessen was ein Historiker nachvollziehbar vetreten kann.
 
Doppelnik

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Welche Konstrutionsleistungen für die Zeppeline wurden denn in Westfalen erbracht? Wenn es hier eine Teilefertigung gegeben hat, dann wurden die sicher in erster Linie nach Vorgaben von Zeppelin gefertigt wobei sicher neue Detaillösungen erdacht wurden.

David Schwarz hatte sein Luftschiff erst weit weg von Westfalen fertig konstruiert (als Ingenieur weiß ich, dass "fertig" bei so einem Projekt sehr relativ sein kann...) und konnte Carl Berg damit für sein Projekt gewinnen (David Schwarz – Wikipedia)

Das Duraluminium wurde nicht nur in Düren erzeugt, es wurde dort auch entwickelt und stellte einen Durchbruch bei der Aluminiumentwicklung dar. Hier wurde zum ersten mal eine Festigkeitssteigerung von Aluminiumlegierungen durch eine Wärmebehandlung umgesetzt, bei Ihnen klingt dies so, als wären alle entscheidenden Durchbrüche in Westphalen erfolgt und die Dürener hätten irgendwas gefertigt.

Zu guter Letzt, ich bin kein Dürener, auch wenn ich dort zur Schule gegangen bin, geboren wurde ich in Aachen und dort wohne ich jetzt auch wieder seit vielen Jahren.

Zum historischen Hintergrund dieses Konflikts :rolleyes1::
 
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