Taking the MiG

Diskutiere Taking the MiG im NVA-LSK Forum im Bereich Einsatz bei; Die Rubrik „MiG-21 gefunden“ und die vorgestellte Postkarte von Waffen’s hat mich bewogen, in meinem Archiv zu buddeln und sicher einen für viele...
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Die Rubrik „MiG-21 gefunden“ und die vorgestellte Postkarte von Waffen’s hat mich bewogen, in meinem Archiv zu buddeln und sicher einen für viele interessanten Beitrag zu machen.
Dazu habe ich einige Fotos rausgesucht und möchte dazu einige Hintergrundinformationen geben.
Mitte August 1992 gerieten zwei Flugzeuge in die Schlagzeilen und erregten somit großes Aufsehen. Es waren zwei Jagdflugzeuge der ehemaligen Luftstreitkräfte der NVA vom Typ MiG-21SPS mit den Bordnummern 756 und 763
Was war geschehen ?
Da ab November 1989 für die deutschen Streitkräfte „Ost” Abrüstung angesagt war
und ab dem dritten Oktober, 1990 die Auflösung einer Armee auf der Tagesordnung stand, wurden Waffen und Gerät der damaligen NVA ausgemustert, verschenkt, verkauft oder/und eingemottet. Einige ausgewählte Waffen wurden übernommen, zuvor jedoch auf ihre Verwendbarkeit hin überprüft.
Das neue „Eppelmann-Ministerium”, das jetzt Ministerium für Abrüstung und Verteidigung hieß, hatte ohnehin für diese beiden Luftfahrzeuge, als auch für alle übrigen Jagdflugzeuge und Jagdbomber keine rechte Verwendung mehr.
So erfüllte sich fast buchstäblich das alte Lenin-Wort, von den Waffen, die nun zum alten Eisen geworfen werden sollten. Und ein ganz kleines bisschen erinnerte der neue Abrüstungsminister. wenn auch nur rein äußerlich, an den Begründer des Sowjetstaates.
 
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Der im Jahre 1989 gefasste Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zur Auflösung des Jagdfliegergeschwaders „Wilhelm Pieck” im Rahmen der konventionellen Abrüstung führte zu einer Reihe von Flugzeugbewegungen innerhalb der LSK der NVA. Im konkreten Fall bedeutete das die Außerdienststellungen von 50 Kampfflugzeugen aus den Beständen der Luftstreitkräfte. Die gestellt Aufgebe: Die „alten” zuerst.
Damit waren u.a. auch für die 756 die Tage gezählt, sprich, ihre Zellenzeit abgelaufen. Schließlich war sie, wie 763 Jahrgang 66 und hatte inzwischen etwa 1900 Flugstunden auf dem Buckel. Beide begannen ihre Dienstzeit im September 1966 im JG-8 und beendeten sie, wie oben gesagt, im JG-7 .
 
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Die 756 errang im Laufe ihres Flugdienstes das begehrte „Q“ und im weiteren Verlauf sogar mit drei Sternen. Irgendwann „verlor sie dann einen davon und ging am Ende dann mit dem Q und zwei Sternen in den „Ruhestand“. Eigentlich war geplant, die 756 nach Dresden zur Generalinstandsetzung zu geben. doch dazu kam es nicht mehr.
 
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Stattdessen lautete ihr letzter Marschbefehl: JG-7
1966 begann sie ihren Dienst, wie damals alle Jagdflugzeuge, im silbergrauen Anstrich. Als sie aus dem JAG-15 ausschied und aufgereiht mit 49 weiteren Flugzeugen an der Vorstartlinie des JG-7 stand, trug sie einen grün/braunen Tarnanstrich. Und diesmal war die internationale Presse dabei. Zu diesem Fototermin gab es für alle „Anwesenden” keine geheimnisvollen Kennungen und auf den veröffentlichten Fotos keine Retusche.
Dazu muss man wissen, dass die 756 in ihrer Fliegerlaufbahn schon einmal zu einem „Fototermin“ im Jahre 1969 vermarktet wurde. Da flog sie zusammen mit der 704 und der 813 im Verband. Die taktischen Nummern waren also aus „taktischen“ Gründen manipuliert. Die 756 hieß 17568, die 407 wurde in 17043 umbenannt und die 813 wurde auf diesem Foto wegretuschiert.
 
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Das gleiche Foto ist dann noch einmal 1974 von der FLiEGERREVUE in ihrer Februar-Ausgabe auf der II. Titelseite verwendet worden – genau mit fast den gleiche Retuschierungen.
Die 756 sowie die 763 gehörte zu jenen 15 Flugzeugen. die zur Traditionspflege. bzw. für Lehr- und Ausbildungszwecke weiter verwendet werden konnten, bzw. sollten. Beide Flugzeuge wurden auf dem chemischen Übungsplatz Waldsieversdorf abgestellt, doch auch chemische Übungen waren mit der politischen Wende in der DDR außer Mode gekommen und so standen sie dort so vor sich hin. Doch dann kam ihr unerwartetes Comeback am Spreebogen ..
 
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Da das Militär also keine weitere Verwendung mehr für diese Waffen hatte, verwirklichten englische „Schrottkünstler” mit diesen die Umkehrung des kulturpolitisch-propagandistischen Spruches von der Kunst als Waffe.
Unter ihren Händen wurden die Waffen zu „Kunstwerken”.
 
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Die englische Künstlergruppe „Mutoid Waste Company” gestalteten im Spreebogen vor dem Reichstag im ehemaligen Niemandsland
mit dem Militärschrott die Kulisse für ein Theaterstück über Sinn und Unsinn der Kriege. Zu diesem Riesenspektakel fehlte offensichtlich noch „Flugzeugschrott”.
So machten sich die Jungs offensichtlich Gedanken, wie diese zu beschaffen wären.
GUS-Soldaten. so erzählt man sich. hätten den Künstlern dann den scheinbar für jedermann zugänglichen Platz gezeigt und dafür von den Engländern einige hundert Mark kassiert.
In dem Glauben, die ausgediente Militärtechnik „gekauft” zu haben. wurden dann die beiden Flugzeuge ganz ohne Geheimhaltung, sozusagen am helllichten Tag per Straßentransport nach Berlin geholt.
Und wie selbstverständlich machte die Presse daraus einen ,.Aufmacher" mit und ohne Foto, was andere wieder einen _Skandal" nannten. Offensichtlich hatte "niemand" bemerkt. das zwei, wenn auch ausgediente Jagdflugzeuge von dem Übungsplatz geholt und quer durch die Großstadt transportiert wurden.
Nachdem nun auch den Behörden bewusst geworden war, das "Material" aus DDR (NVA)-Bestände an dritte veräußert und der Sachverhalt schließlich als _ungesetzlich" eingestuft wurde, ließen sie das Geschehene geschehen sein und erteilten trotz dieses knallharten juristischen Sachverhaltes eilig Sicherheitsauflagen. Die 756 war inzwischen auf der linken Seite weiß und rechts gelb gestrichen worden. Zusätzlich wurde sie mit Saurierskeletten und Bandwurmgebilden bemalt und stach somit auffällig aus den Gebilden von Militärschrott-Kunstwerken hervor.
 
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Die 763 installierten sie so, als sei sie in einem ehemaligen Grenzwachturm „hineingeflogen.“.
Eine Zeit lang konnten die Reisenden von S- und Fernbahn den „Schrott eines nie stattgefundenen Krieges” betrachten. Dann wurde langsam Stück für Stück abgebaut.
Als der Herbst ins Land zog, erinnerten nur noch die beiden Flugzeuge und ein aus drei SPW zusammengeschweißter Turm an jene Show.
Die MiG's hatten ihren Auftritt gehabt, ganz anders jedoch, als für das, wofür sie gebaut wurden.
 
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Als zum Jahreswechsel 1993/94 in deutschen Landen die Sektkorken knallten, war die 756 wieder mit dabei. Von ihren Popanstrich befreit, nun wieder metallic-silber, ragte sie. angestrahlt von Scheinwerfern auf dem Ausleger eines Autokranes in den Himmel.
 
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Schauplatz war diesmal der Hinterhof des „Tacheles” in der Oranienburger Straße in Berlin. wo das Kunst- und Kulturzentrum e. V. seine Heimstatt hatte. Hier hatten sich auch wieder die englischen Schrottkünstler angesiedelt. die ..Ihre" MiG einfach mitgenommen hatten. Weithin sichtbar leuchtete sie im Glanz der Sonne und vermittelte ein bizarres Bild von Ruinen und Schrottkunst.
 
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